Autor: Matthias Grimm

Games Convention, Leipzig. Das heißt natürlich: die neuesten und besten Games sehen, lange bevor sie auf den Markt kommen. Oder noch besser: gleich selbst antesten. Aber weil die Publisher auch wollen, dass die Games nicht nur angetestet, sondern später auch gekauft werden, haben sie sich was ganz Feines ausgedacht:

Denn Publisher wissen selbstverständlich, dass ein wahrer Spieler vor allen Dingen mit Zocken beschäftigt ist und dabei grundlegende natürliche Triebe radikal vernachlässigt. Und daher rüstet auch noch der letzte von ihnen seinen Stand dermaßen mit leicht bekleideten Frauen auf, wie sonst allenfalls "C&C"-Spieler ihre Armeen kurz vor dem Tank Rush.

Games Convention 2006 - Elton interviewt Lara Croft10 weitere Videos

Schließlich ist es wissenschaftlich erwiesen, dass das Gehirn des Mannes beim Anblick einer hübschen Frau nicht länger des rationalen Denkens mächtig ist und sich daher selbst den letzten Schrott andrehen lässt.

Uns Journalisten hat man bei der Formel offenbar nicht mit eingerechnet. Wir bekommen die Spiele zumeist abseits vom Trubel - aber eben auch abseits der Babes - in separaten Räumen gezeigt. Was den Vorteil hat, dass man die Spiele meist vom Entwickler selbst vorgeführt bekommt, sich Zeit zum Ausprobieren nehmen oder die Gelegenheit zum Interview wahrnehmen kann. Und dennoch: Richtig glücklich werden wir dabei nicht. Denn subtrahiert man die Spiele um all die Stand-Babes, so stellt man fest, dass die Welt auf einmal von ihnen verlassen zu sein scheint - den Frauen. Auch von denen mit Röcken, die tiefer als bis zur Arschfalte reichen. Und so begab ich mich heute auf die Suche nach diesem chronisch vermissten, angeblich schwachen Geschlecht.

Games Convention 2006 - Messe-Tagebuch: gamona auf der Suche nach dem ultimativen Sex.

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Der erste Verdacht, dass da irgendwas fehlt, kam mir bei der Präsentation von "Frontlines: Fuel of War". Ich meine damit nicht nur die Frauen - die natürlich auch -, nein, vor allem meine ich das eine oder andere Kilogramm Muskelmasse an meinem eigenen Körper.

Beim furchteinflößenden Anblick testosterongeschwängerter Rambos mit Wummen so groß wie ein Kleinbus unter dem Arm beschlich mich erstmals das Gefühl, dass Spiele im Kern doch irgendwie sexistisch sind. Nicht allein Frauen gegenüber, wie des öfteren geäußert - die kommen ja eh nicht vor-, sondern gegenüber uns Männern! Und als wäre eine Demütigung am frühen Morgen nicht schon genug, begegnet mir gleich im Anschluss daran der Godfather des Testosterons und die Bestätigung meiner Vermutung: Vin Diesel. Nun, zumindest sein digitales Antlitz samt Stimme im Racing Game "The Wheel Man". Mein lieber Herr Gesangsverein! Wer solch eine tiefe Stimme hat, muss doch Klöten von der Größe eines Medizinballs haben, oder nicht? So wie ich gerade muss sich wohl eine Frau beim Durchblättern des neuen Kate Moss-Kalenders fühlen. Wo ist nur Lara Croft, wenn man sie mal braucht, um das Geschlechterbild, wenn schon nicht gerade zu rücken, so ihm doch zumindest ausgleichende Gerechtigkeit widerfahren zu lassen?

Nun, in "Company of Heroes" jedenfalls nicht. Dafür entsprach die KI der Gegner in der spielbaren Version schon mal dem Klischee eines einschlägigen Blondinenwitzes. "Dark Messiah of Might and Magic" ließ dann immerhin eine gewisse weibliche Anmut, ja, eine Art tänzelnde Choreographie erkennen, die sich zu einer zweisamen Extase eheähnlicher Innigkeit aufschaukelte. Nun, ich gebe zu: Es spielten dabei auch Schwerter, Äxte und jede Menge Blut eine Rolle. Aber in welcher Ehe ist das nicht der Fall? Also zog ich weiter und traf mich mit David Braben, Macher von "Elite", der sein neues Spiel "Thrill Will" vorstellte. So eine Begegnung mit dem Helden seiner Kindheit ist zwar nicht wirklich mit einem Orgasmus vergleichbar, aber irgendwie ist sie doch auch eine Art "Höhepunkt". Die Begegnung wohl gemerkt. Das Spiel? Wir werden sehen.

Und dann, am Ende des Tages, geschah es doch noch. Ich wurde Zeuge. Zeuge von ungeschöntem, unzensiertem, knallharten Sex. Sex, so wild und ursprünglich, wie ihn die Natur vorgesehen und der Herrgott erfunden hat. Sex zwischen … einem geschlechtslosen Regenwurm aus Pappmaché und seinem Artgenossen. Konnte das möglich sein? Sollte ein jugendfreies Aufbauspiel wie "Viva Pinada" und sein Blümchen-GV tatsächlich das orgiastischste Erlebnis meines Tages gewesen sein? Sind kopulierende Weichtiere die letzte Bastion echter Weiblichkeit in Spielen? Und welch Irrsinn hat mich zu solchen Fragen geleitet?

Besser schnell nach Hause. Und vielleicht zur Abwechslung mal einen Meg Ryan-Film einlegen… oder doch lieber "Lula 3D"?