Autor: Nedzad Hurabasic

Und, wie wars? - so lautet die wohl meistgestellte Frage nach einem Event wie der Games Convention. Anstrengend? Interessant? Enttäuschend? In puren Zahlen ausgedrückt übertraf die wichtigste Spielemesse Europas abermals die Erwartungen.

Wie die Veranstalter mitteilten, kamen in diesem Jahr 183.000 Besucher und damit wurde der Rekord des Vorjahrs locker überboten (134.000). Doch letztlich geht es bei der Frage "Wie wars" nicht um für Gamer zweitrangige Themen, sondern darum, was inhaltlich geboten wurde. Sprich: was gab es zu sehen und erleben?

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Statt dieser Frage nachzugehen, waren wir auf der Messe aber eigentlich damit beschäftigt uns Gedanken zu machen, was den Fans nicht gezeigt wurde. Nämlich DIE Themen der kommenden Monate: keine Playstation 3, kein Wii und (fast) keine dazugehörigen Spiele.

Auch kommende Highlights wie Gears of War oder Forza 2 suchten die Spieler im Besucher-Bereich, aber auch die Medienvertreter, vergeblich. Lediglich die Journalisten durften hinter verschlossenen Türen einen Blick auf einige der kommenden Neuheiten werfen. Und selbst dort wurden häufig keine Neuheiten präsentiert, sondern aufgewärmte E3-Trailer und Demos, die - natürlich - für die GC "modifiziert" worden waren.

Games Convention 2006 - Aus. Vorbei. Ende. Ein erster Rückblick auf die GC 2006. Highlights, Trends, Enttäuschungen.

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Woran sich diese marginalen Unterschiede festmachen sollten, könnte man aber höchstens unter der Lupe feststellen, nicht aber in den engen Buchten der Publisher. Ohnehin fehlte es so manchen Präsentatoren an Esprit, an Schmackes, am Willen oder der Kraft, auch in der 350. Erklärung des Spiels noch zu überzeugen.

Dafür vielen besonders positive Beispiele, wie Paul Bernett in Kombination mit Sanya Weathers (Warhammer Online) oder Randy Pitchfork der zusammen mit Colonel John Antal Brothers in Arms: Hell's Highway vorstellte besonders positiv aus dem Rahmen. Letztere ließen bei jeder Präsentation die Journalisten-Meute einen lauten "Huah" ausrufen, der die umliegenden Stände erzittern ließ.

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Man kann von diesen Spielen halten was man will, die Präsentatoren haben auf jeden Fall einen guten Job gemacht. Wirklich Neues gab es folgerichtig nur eher selten zu sehen. Trotzdem durften wir auch (endlich) selbst Hand an den Wii und vor allem seinen innovativen Controller legen. Fotos waren übrigens streng verboten, richtig begründet konnte das Verbot aber nicht werden.

Wer sich mit dem Gerät beschäftigen durfte und unvoreingenommen ans Ausprobieren ging, wird nicht umhin kommen festzustellen, dass es schon ziemlich gewöhnungsbedürftig ist, damit zu hantieren. Interessant ist die Erfahrung aber allemal und die Vielseitigkeit lässt viel für die Zukunft erwarten - heiße Diskussionen in der Gamer-Community sind jedenfalls garantiert!

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Auch einige Spiele (Virtua Tennis 3 und Dark Kingdom: Untold Legends) für die PS3 wurden auf Dev-Kits vorgestellt, allerdings waren deren Gamepads noch ohne die Gyroskope ausgestattet, sodass sich auch daraus kaum Erfahrungswerte mit der neuen Technik ableiten lassen.

Lediglich höchst auffällig waren die neuen analogen Schultertasten. Was lässt sich aber Konkretes über die Spiele sagen, ohne dass die Rechtsabteilungen der Firmen vorstellig werden? Abgesehen von "sieht nett aus" oder "hat Potenzial"? Ziemlich wenig. Viele Games waren mit Aufklebern wie: Status - 40 Prozent oder 60% versehen und die Publisher wurden nicht müde mitzuteilen, dass dies natürlich noch alles "Work in Progress" sei. Ok haben wir verstanden. Trotzdem dient die Messe ja dazu, sich einen Überblick über die Spiele zu verschaffen und die Eindrücke an die Spieler weiter zu geben. Oder hab ich da was falsch verstanden?

Panisch zu reagieren wie etwa Activision, nur weil ein Blogger geschrieben hat, Tony Hawks Project 8 "sei nicht so toll" und das Spiel deshalb möglicherweise von der Messe zu verbannen, ist auf Deutsch gesagt Kinderkacke. "Kinderkacke, die uns Millionen kosten kann", werden die Publisher sagen. Papperlapapp, sage ich. Wer so denkt, spricht den Gamern ab, dass sie solche Internet-Geschichten nicht richtig einordnen könnten.

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In Wahrheit wissen die Fans aber sehr genau, dass bei Projekten, die erst in einem halben Jahr im Handel erscheinen sollen, durchaus noch der eine oder andere Fehler auftreten kann. Schlussendlich profitiert die Spiele-Branche auch von solchen Gerüchten und nach wie vor gilt immer noch die goldene Regel "Bad news are good news".

Ein bisschen mehr Lockerheit im Umgang mit solchen Dingen wäre vielleicht anzuraten, denn sonst sehen wir im nächsten Jahr aus Angst vor schlechter Vorab-Presse noch weniger wahre Neuheiten auf der Games Convention. Und das wäre noch schlechter fürs Geschäft als irgendein möglicherweise dämlicher Blogger-Eintrag. Wetten?

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Wenn ich gefragt würde, was meine Top Five der GC 2006 waren (werde ich aber nicht, ich weiß, deshalb schreib ich es ja hier rein ...), dann fällt aufgrund der wenigen Neuheiten die Auswahl nicht schwer. Überzeugen konnten mich Crysis und Lost Planet (Multiplayer), Assassins Creed, Loki und auch Brothers in Arms: Hell's Highway sowie das prachtvolle Elveon.

Dazu kommen sicherlich Titel wie Medievil 2: Total War, Silverfall, Super Monkey Ball: Banana Blitz auf dem Wii und auch das bald erscheinenden Dark Messiah of Might & Magic. OK, das waren jetzt mehr als fünf Spiele, macht aber nix. Abschließend wird auch das Gesamtkonzept der Messe auf den Prüfstand gestellt werden müssen. Klar scheint: die Grenzen der Kapazität werden zumindest am Samstag, wo diesmal 75.000 Besucher verzeichnet wurden, erreicht - wenn nicht sogar überschritten.

Die Folge: Gamer verließen das Gelände frustriert vorzeitig. Da eine freiwillige Beschränkung der Ticketverkäufe kaum zu erwarten ist, muss zumindest darüber nachgedacht werden, wie man das Problem der überfüllten Hallen in den Griff bekommen kann. Mit kostenlosen Eintrittsmöglichkeiten für "The Dome"-Besucher wird die Lage jedenfalls nicht verbessert.