Nachbericht GC, Teil 2
von Jörg Pitschmann

Was gab es zu sehen auf der GC 2005? Wir waren für Euch unterwegs und haben eine kleine Auswahl von Titeln zusammengestellt, die uns aufgefallen sind. Nachdem Euch Schreiberling Pitschmann im ersten

Teil seines Reports schon einige Spielchen vorgestellt hat, bringen wir jetzt Teil zwei seines Überblicks. Auch hierbei gilt: es handelt sich um eine subjektive Zusammenstellung, die keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Here we go:

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Mythen in Tüten
Publisher THQ erfreute uns mit einem großzügigen Line-up, das nach eigenen Angaben keinerlei Wünsche offenlassen soll. Ob dieses Versprechen ein wenig vollmundig war, oder ob es sich als zutreffend erweist, wird die Zukunft zeigen.

Neben dem kommenden Xbox-360-Kracher »Saint's Row«, der inhaltlich sehr an die GTA-Reihe erinnert, konnten wir uns vor Ort im besonderen von der Qualität des Adventure-RPG-Hammers »Titan Quest« überzeugen, das im kommenden Jahr für den PC erscheinen wird.

Angesiedelt im antiken Griechenland, übernimmt der Spieler die Rolle eines hellenischen Helden und löst mannige Aufgaben und Questen. Im Laufe seiner zahlreichen Abenteuer begegnet er dabei immer wieder Gestalten aus der antiken Mythologie, mit denen er sich mal mehr, größtenteils aber meist weniger freundlich auseinandersetzen muß. Das Gameplay erinnert mit seinem starken Hack-and-Slay-Part stark

an »Diablo«. Allerdings wird man nicht in einer Party durch die Gegend sausen, die vom Spieler angeführt wird, sondern der Held hat lediglich ein Tierchen an seiner Seite, das aber auch ganz gut zuhauen kann. Obwohl man nach dem jetzigen Stand der Entwicklung noch recht wenig sagen kann, verspricht das Spiel eine sehr spannende und fesselnde Handlung - und das trotz nicht gerade innovativ zu nennender Ideen.

Obwohl das Spiel erst in circa einem Jahr erscheinen soll, konnten wir uns bereits jetzt von der beeindruckenden Grafikengine überzeugen, die bei isometrischer schräg-von-oben-Perspektive selbst Grashalme einzeln im Wind bewegt.

Die räumliche Tiefe der faszinierenden Landschaft mit Felsvorsprüngen und Abgründen ist beindruckend, vom hervorragend animierten Wasser mal ganz zu schweigen. Zaubert der Held, löst er wahrhaft atemberaubende grafische Effekte aus. Niemals vergingen Gegner schöner in einem Feuerball als bei »Titan Quest«.

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Und das schönste daran ist, daß die Entwickler noch fast ein Jahr Zeit haben, weiter an dem Programm zu schrauben. Bis zum Release wälzen wir fleißig Bücher über antike Geschichte und mythische Sagengestalten, damit wir angesichts der zahlreichen im Spiel auftauchenden Figuren nicht den Überblick verlieren. Und da sage nochmal einer, Computerspielen bilde nicht!

Veni, vidi, aber auch vici?
Erinnert Ihr Euch noch an die Caesar-Aufbaureihe? Sim City auf antik? Genau, die! Die Herrschaften von Vivendi Universal erinnern sich anscheinend noch sehr genau an die erfolgreichen Spiele, denn auf der GC präsentierten

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uns die Jungs den neuesten Streich aus der Reihe, schlicht »Caesar IV« genannt.

Zu sehen gab es allerdings erst eine frühe Beta-Version, die dennoch schon erstaunlich detailliert daherkam. Leider hatten wir keine Gelegenheit, das Spiel selbst anzuzocken, sondern konnten nur den Entwicklern über die Schultern schauen.

Die In-Game-Szenen versprachen dabei ein sehr umfassendes Mikromanagement, bis hin zu den Befindlichkeiten der einzelnen Bewohner. Wer mag, kann bis in die Straßenzüge hineinzoomen, wobei derlei Gimmicks eher dekorativen Charakter haben als spielerisch sinnvoll erscheinen. Im präsentierten Szenario bevölkerten noch keine Gegner die Karte, auch Wettereffekte oder Tag-Nacht-Wechsel waren noch nicht zu sehen, weshalb wir uns auch auf die Versprechungen des freundlichen Entwicklers verlassen müssen, der uns versicherte, daß die Witterung einen massiven Einfluß auf den Spielverlauf haben wird.

Auch die KI der bislang unsichtbaren Gegner soll hervorragend sein. Wenn man das Leuchten in den Augen des jungen Mannes als Maßstab für den Wahrheitsgehalt seiner Ankündigungen nimmt, dann steht uns im nächsten Jahr ein großer, historischer Strategiestreich ins Haus. Wir sind zuversichtlich.Einmal Weltreise und zurück, bitte!
Und jetzt kommt was für alle Hobby-Abenteurer unter Euch: »In 80 Tagen um die Welt« heißt der neue, in Kürze erscheinende Titel aus der Spieleschmiede dtp, den Spezialisten für Point-and-Click-Adventures.

Doch anders als beispielsweise bei den erfolgreichen Adventure-Serien wie »Runaway« oder »The Westerner« bewegt sich der Spieler diesmal in der Ego-Perspektive durch eine voll animierte Spielwelt. Die Handlung ist dabei an den berühmten Roman von Jules Verne angelehnt, ohne die Geschichte nachzuerzählen: Der junge Oliver Lavisheart, Held des Spiels, erfährt, daß seine Familie für ihn eine Heirat arrangiert hat.

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Um der familiären Katastrophe zu entgehen, kommt er nur zu gern der Bitte seines Onkels nach, in nur 80 Tagen vier Dokumente zu finden, die für diesen von großer Bedeutung sind. Logisch, daß ihn seine Reise quer über den Erdball führt. Angesiedelt im 19. Jahrhundert, darf sich der Spieler diverser technischer Gerätschaften bedienen und muß weltweit zum Teil recht skurrile Aufgaben lösen, um die Handlung voranzubringen.

Das Gameplay sah schon recht vielversprechend aus, dafür war die Vertonung noch nicht integriert. Das ist insofern bedauerlich, als daß dtp wieder namhafte Synchronsprecher angekündigt hat, die dem Titel die notwendige akustische Würze geben sollen. Spätestens am 30. September, wenn wir uns auf die virtuelle Weltreise begeben können, redet »In 80 Tagen um die Welt« mit uns. Das ist schön.

Schlangenbiss
Noch ein kleiner Nachtrag, da wir gerade bei den Adventures sind: Publisher dtp hat auf der Messe feierlich die Gründung eines neuen Labels bekanntgegeben: unter dem Namen Anaconda führen die Jungs ihre erfolgreichen Geschäfte mit anspruchsvollen Abenteuerspielen weiter. Auch »In 80 Tagen um die Welt« erscheint bereits unter dem Namen der neuen Marke. Und bevor sich jetzt jemand beschwert: wir wissen, daß Anacondas

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Würgeschlangen sind und nur selten beißen, insofern ist die obige Zwischenüberschrift leicht irreführend. Aber sie klingt nunmal besser als »Im Griff der Würgeschlange« oder so.

Nimm das kleine Schwarze!
Hersteller Sony hatte sie auch in diesem Jahr wieder alle fest im Griff. Die findigen Jungs und Mädchen hatten sich etwas besonderes ausgedacht: am SCED-Messestand konnten sich interessierte Zocker gegen Vorlage ihres Personalausweises für einen Tag eine PSP leihen und schon mal kräftig Probedaddeln. Dazu hatte Sony eigens 500 Exemplare der kleinen, schwarzen Hochglanzkonsole zur Verfügung gestellt.

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Der Zuspruch zu dieser Aktion war dementsprechend, und staunende Journalisten konnten in allen Ecken und Nischen der Messehallen schweigende junge Menschen entdecken, die angestrengt auf die Monitore ihrer PSP blickten und sich auch nicht von vorbeischlendernden Messebabes von ihrem Tun ablenken ließen.

Und da sage nochmal einer, Zocker mutierten zu sabbernden Fruchtzwergen, wenn eine Frau auch nur in ihre Nähe käme. Was die Spielauswahl für Sonys Kleinsten betrifft, so konnten wir uns auf der Messe bereits von dem umfassenden Angebot an Launchtiteln ein Bild machen. Neben Spielen wie »F1 - Grand Prix«, »Everybody's Golf« oder »Ape Academy« haben uns vor allem zwei Programme besonders gefallen: die PSP-Version von Namcos »Ridge Racer« sowie Ubisofts hirnschmalzerweichender Knaller »Lumines«. Beide Spiele werden wir Euch noch eingehend vorstellen. Wie im besonderen Ubisofts denkwürdige Knobelei unseren Gesprächstermin mit deren PR-Abteilung beeinflußt hat, schilderten wir Euch ja schon in unserer Tagesberichterstattung vom dritten Messetag.

Warte auf den Buzz!
Wer auf Neuheiten oder gar zu besichtigendes Material der PS3 gehofft hatte, ging auf der Messe leer aus.

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Denn Sonys zweiter Themenschwerpunkt neben der sexy PSP lag auf interaktiven Spielen für die PS2.

Quiz- und Ratespiele liegen dabei in der Gunst offenbar ganz weit vorn, wenn man dem Publikumszuspruch an Sonys Extrabühne glauben darf. Denn wer zum Beispiel sein musikalisches Wissen testen wollte, der konnte sich in »BUZZ! The Music Quiz« im Rahmen einer großen Show blamieren, die von MTV-Moderator Nils Bokelberg präsentiert wurde. Wir zogen es deshalb vor, uns das Programm diskret aus dem Hintergrund anzuschauen. Spielziel ist es, auf dem heimischen Fernseher eingeblendete Fragen aus 50 Jahren Musikgeschichte möglichst schnell und richtig zu beantworten. Wer die Antwort als erster weiß, drückt auf den eigens mitgelieferten Buzzer. Da laut Hersteller 5000 Fragen mitgeliefert werden, dürfte dies für einige hektische Spielstunden in elterlichen Wohnzimmern sorgen. Fans von lautstarken Hektikspielen freuen sich auf den Oktober, wenn der Titel erscheinen wird. Alle anderen besorgen sich rechtzeitig Ohrstöpsel.

Schwitzbude
Aber Sony hat natürlich nicht nur an jene Zocker gedacht, denen geistige Fitness am wichtigsten ist. Wer sich mal zwischen den einzelnen Messestand-Besuchen abreagieren

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wollte, der konnte bei »EyeToy: Kinetic« so richtig die Sau rauslassen. Das Programm wurde nämlich exklusiv in Zusammenarbeit mit Fitness-Experten entwickelt, die es sich offenbar zum Ziel gesetzt haben, Playstation-2-Zocker in ranke, schlanke und topfitte junge Menschen zu verwandeln.

Nach Herstellerangaben werden beim Spielen Reaktion, Körperhaltung, Gleichgewichtssinn, Atmung und Kondition gefördert. Das scheint auch zu stimmen, sofern die heftigen Schweißausbrüche einiger Besucher nicht einfach auf Begegnungen mit ganzkörperbemalten Messemiezen zurückzuführen waren. Wir waren jedenfalls von »EyeToy: Kinetic« begeistert und sehen im unsere in jahrelanger Schwerarbeit herangezüchteten Redakteursbäuche schwinden, wenn wir die Verkaufsversion eingehend testen.

Der Schock danach
Publisher Morphicon hat nachgelegt. Nach dem spielerisch brillanten, aber kommerziell leider wenig erfolgreichen »Ufo: Aftermath« haben sich die Jungs nicht beleidigt in die Schmollecke zurückgezogen, sondern das Konzept der Reihe abermals weiterentwickelt und mit »Ufo: Aftershock« ein Aufbau-Strategie-Komplexitätsmonster präsentiert, daß dem Vorgänger in nichts nachstehen dürfte. Neben neuen Technologien und einem gegenüber dem

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Vorgänger nochmals erweiterten Aufbaupart erwarten die Fans eine Vielzahl neuer Völker und einige interessante Überraschungen. Wir erinnern uns an das Ende des letzten Teils: die Erde wurde nahezu überrannt von unsympathischen Mieslingen aus dem All.

Nur ein kleines Häuflein versprengter Erdlinge hatte überlebt und fristete seitdem ein Dasein von Eroberers Gnaden auf einer Raumstation. Nach der Zerstörung ihres Refugiums sind die Menschlein nunmehr gezwungen, den alten Heimatplaneten erneut zu kolonialisieren. Doch leider sind sie nicht die einzigen, denen Mutter Erde etwas bedeutet. Bislang unbekannte Miesnicks wollen die Reste des ehemals blauen Planeten für ihre Zwecke ausbeuten und sind daher äußerst übellaunig angesichts des menschlichen Ansinnens. Wir waren allerdings im Hinblick auf die gezeigten Spielszenen alles andere als übellaunig und freuen uns auf den 17. Oktober, an dem die treue »Ufo«- Gemeinde erneut zur Rettung der Erde aufgerufen wird.

Hurra, ich bin beim Film!
Ja, er war da! Der Meister! Der Gott der Entwickler! Seine Durchlaucht Peter Molyneux gab sich auf der GC die Ehre und stellte sein aktuelles Projekt dem wissensdurstigen

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Publikum vor. »The Movies« heißt das Spiel, dessen Veröffentlichung nun doch noch in diesem Jahr - Insider orakelten etwas von November - vollzogen werden soll. Und weil wir Sir Peter lieben und hoffen, daß er diese Zeilen lesen und uns dann für diese ultimative Lobhudelei reich machen wird, haben wir uns das Werk natürlich eingehend angeschaut.

Der erste Eindruck sah sehr vielversprechend aus. Das Spiel ist in zwei Hauptteile aufgegliedert: einen Aufbau- und einen Filmpart. Bevor es ans fleissige Filmen geht, muß man nämlich zunächst ein Filmimperium aufbauen, das demjenigen von Howard Hughes in nichts nachsteht. Doch wie so oft, ist auch hier aller Anfang schwer.

Denn der Spieler beginnt sein Wirken in einer mehr oder weniger zugigen Bruchbude und kurbelt seine ersten Werke unter geradezu mitleiderregenden Bedingungen herunter. Stellt sich dann irgendwann der Erfolg ein, geht es aufwärts. Man schafft sich teureres Equipment an, vergrößert seine Studios und engagiert den einen oder anderen Star - Allüren und Süchte inklusive. Hat man alles zusammen, geht es ans eigentliche Filmemachen. »The Movies« bietet hierzu eine Vielzahl von Filmschnipseln aus den unterschiedlichsten Genres an, die beliebig mit eigens kreierten Charakteren besetzt und aneinandergereiht werden können. Die Ergebnisse können dann auf Wunsch im Internet veröffentlicht werden.

Grafisch gibt sich »The Movies« eher bescheiden, die Figuren wirken sehr eckig und erinneren eher an den betagten ersten Teil der »Sims« als an ein Spiel des Jahres 2005. Wie für einen Titel von Peter Molyneux typisch, strotzt »The Movies« von schrägen Einfällen und schwarzem Humor - und läuft dabei Gefahr, sich in einer Kleinteiligkeit zu verlieren, die das eigentliche Spielziel bedeutungslos werden läßt. Aber wir wollen nicht unken und hoffen sehr, daß dem Meister mit seinem neuesten Streich mehr Glück beschieden ist als dem seinerzeit - leider - enttäuschenden »Black & White«. Peter, wir glauben noch an Dich!

Außerdem glauben wir daran, daß die GC 2006 wiederum alle Erwartungen übertreffen und die Rekorde dieses Jahres in den Schatten stellen wird. Und spätestens im Jahre 2008 wird die Zockerwelt nicht mehr nach Los Angeles zur E3 schauen, sondern sich ehrfürchtig gen Leipzig verneigen…