Auf den Inhalt kommt es an. Darin sind sich die meisten einig. Doch was, wenn sich nicht so ganz klären lässt, aus was dieser Inhalt eigentlich besteht? Habe ich gerade eine Folge Game of Thrones interaktiv miterlebt oder lies ich mich in einem GoT-Spiel von der serientauglichen Geschichte mitreißen? ... Um ehrlich zu sein, ist es ein wenig von beidem und ein wenig 'weder noch'.

Game of Thrones – A Telltale Series - TV Cast Featurette9 weitere Videos

Drei Geschichten

Zu der Story aus diesem Telltale-Adventure wollen wir gar nicht viel verraten, denn die Welt kennt kaum einen rachsüchtigeren Schrecken, als GoT-Fans, die einen Spoiler wittern. Da sich die Geschichte nicht an den Büchern orientiert, sondern - geschickter Weise - auf die Serie aufbaut, lässt sich dieser Titel sowieso nur den Serienfans empfehlen; und die mögen. Einfach. Keine. Spoiler.

Grob angeschnitten befindet ihr euch in der dritten Staffel der Serie; und zu Beginn des Spiels außerhalb der Zwillingstürme, in welchen gerade die Rote Hochzeit ihrem Ablauf folgt. Was dann folgt, ist bereits sehr schnelles und - wenn ihr euch auch nur ein mal verklickt - tödliches Gameplay.

Game of Thrones – A Telltale Series - Die Serie. Das Spiel. Und ihr Kind.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 36/391/39
Die Welt und vorangegangene Ereignisse sind dem Serienfan bekannt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das hat zwei große Nachteile, denn wer die Telltale-Adventure nicht gewohnt ist, wird mit der sehr hakeligen Steuerung bereits hier seine ersten Tode betrauern. Und zum anderen, darauf aufbauend, ist es sehr frustrierend, wenn man ein Spiel beginnt und erst mal fröhlich gemeuchelt wird. Wieder und wieder und...

Im Anschluss teilt sich das Spiel in drei Geschichten auf. Hier übernehmt ihr die Kontrolle über drei Charaktere, die dem Hause Forrester angehören, eine Familie, die unter dem Schutz der Starks stehen. Dies, im Zusammenhang mit der Umgebung aus der Anfangsszene, sollte euch schon zeigen, in welche Richtung die Geschichte läuft.

Packshot zu Game of Thrones – A Telltale SeriesGame of Thrones – A Telltale SeriesErschienen für PC, PS3, PS4, Xbox 360 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Nett, aber...

Habt ihr diesen ersten Abschnitt hinter euch gebracht, wird es sehr viel ruhiger. Im Grunde kann man die gesamte erste (von sechs) Episoden darauf beschränken, Antworten zu geben, durch die Gegend zu laufen und in Quick-Time-Events Dingen und Ereignissen auszuweichen.

Game of Thrones – A Telltale Series - Die Serie. Das Spiel. Und ihr Kind.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 36/391/39
Ein kleines Juwel für GoT-Fans. Aber spieltechnsich eine eingestaubte Einbahnstraße.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Diese drei Punkte sind die absoluten Eckpfeiler des Gameplays und leider auch die einzigen Säulen, die dieses Spiel tragen. Und hier ergibt sich das Problem mit Episode 1.

Gemein gesagt, ist die Steuerung ein Graus. Mit 'wasd' hakelt ihr euch durch die Gebiete und seht dabei aus, wie ein Roboter auf der Suche nach Schmiermittel. Die Bewegungen sehen alles andere als schön aus. Zusätzlich kommen die eben erwähnten Entscheidungen hier noch gar nicht zum tragen.

Ihr kommt in den knappen zwei Stunden immer wieder in die Lage, in welcher ihr kleinere und teilweise sehr schwerwiegende Entscheidungen treffen müsst. Die Auswirkungen dieser Entscheidungen werden jedoch nicht bekannt. Der Spielablauf unterscheidet sich in dieser Episode in keinster Weise, egal wie oft und mit welchen Entscheidungen ihr spielt. All das kommt dann wohl erst in der nächsten Episode zum tragen; in welchem Umfang, lässt sich momentan jedoch nicht abschätzen.

Game of Thrones – A Telltale Series - Die Serie. Das Spiel. Und ihr Kind.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 36/391/39
Ein Wiedersehen mit bekannten Charakteren. Die Umsetzung ist sehr gut gelungen, sofern man den Grafikstil mag.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und dann noch diese - eben erwähnten - Quick-Time-Events. Sie ziehen aus dem Spielerlebnis, wirken oft sehr aufgesetzt und machen einfach keinen Spaß. Ob es daran liegt, dass man in den anderen Telltale-Adventures bereits zu viel davon gesehen hat und Neulinge im Grunde gar kein Problem damit haben werden? Man weiß es nicht. Fest steht nur, dass sie sehr gezwungen wirken und ewiges neu spielen aus der Geschichte reißt.

Lässt GoT-Fanherzen höher schlagen. Ansonsten eher durchwachsen.Fazit lesen

Und gerade diese Geschichte ist es, mit der das Spiel am meisten Punkten kann. Die Ereignisse aus diesem GoT-Adventure fügen sich perfekt in die Welt ein und wirken, als kämen sie von Großmeister George R. R. Martin höchstpersönlich. Spannend erzählt, mit vielen großen und kleinen Hintergrundinformationen, ist dies bereits der beste Grund, um die hakelige Steuerung und die nervigen QT-Events zu ertragen.

Am Ende

Und so traurig es für manche klingen mag, dass ist bereits das ganze Rezept von Folge 1. Eine fantastische Geschichte, der man unbedingt folgen mag, wird mit den Hilfsmitteln "Fummelige Steuerung", "jede Menge Dialoge" und "nervige Quick-Time-Events" erzählt. Wer damit leben kann, darf sich freuen. Wer ein richtiges Spiel, mit tiefgreifenden Möglichkeiten sucht, ist hier verloren. Und wer einfach nur die sehr gute Geschichte genießen will, sollte sich einen erfahrenen Profi die Episode vorspielen lassen.

Was den Telltale-bekannten Grafikstil im Cel-Shading-Look angeht, können wir nur sagen, dass er uns erneut sehr gut gefallen hat und die Welt und ihre Charaktere damit einen besonderen Glanz ausstrahlen. Wer die Grafik in den vorangegangenen Spielen von Telltale schon nicht mochte, wird das hier wohl erneut nicht tun.