Der Konflikt spitzt sich zu – und so langsam wird die Luft für das Haus Forrester dünn: Der vierte Teil von Telltales Game of Thrones beginnt müde, endet aber mit einem Paukenschlag.

Ihr wisst, wie der Hase läuft: Wer noch vorhat, Game of Thrones zu spielen, sollte sofort mit dem Lesen aufhören. Am besten wirkt dieser „Spiel-Film“ nämlich, wenn ihr unvoreingenommen und frei von äußeren Einflüssen an die Sache herangeht.

Jeder kennt dieses Phänomen aus TV-Serien: Nach einer Woche freut man sich darauf, endlich wieder mit dem liebgewonnenen Helden mitzufiebern. Man möchte wissen, wie sein Weg weitergeht, welche Hürden er noch meistern muss. Wenn die aktuelle Episode dann enttäuscht, fühlt man sich schlecht. Weil die eigenen Erwartungen zu groß waren. Vielleicht aber auch, weil die präsentierte Geschichte einfach nicht mit denen der vorherigen Teile mithalten konnte.

Game of Thrones, Episode 4: Sons of Winter - Fortsetzung folgt...

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Willst du meinen Drachen streicheln? Asher muss sich einer Mutprobe stellen, um die Gunst von Daenerys zu erlangen.
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Genau das ist der Fall bei Game of Thrones, Episode 4: Sons of Winter. Besonders die erste Hälfte enttäuscht mich auf ganzer Linie und lässt kaum Spannung, dafür umso mehr Langeweile aufkommen. Ihr erlebt, wie Haus Forrester sich langsam – gaaaaaanz langsam – für einen Krieg mit den Whitehills rüstet. Alle Forrester-Sprösslinge kämpfen an ihren Fronten und spinnen Intrigen, um die eigene Familie zu retten… egal, wie viele Opfer es kosten mag.

Gute Zeiten ...

Wie schon in früheren Teilen springt die Handlung auch in Sons of Winter flugs von einem Hauptcharakter zum nächsten. Rodrik Forrester findet zu alter Kraft zurück: Nachdem er sich zuletzt gegen den in Ironrath eingesetzten Gryff Whitehill auflehnte, beginnt die neue Episode mit einem kurzen Kampftraining. Das Motiv des verwundeten, aber stolzen Thronfolgers wird sinnvoll weitergesponnen, und so demonstriert Rodrik, dass er zwar nie wieder der Alte sein wird, aber zumindest nichts von seinem Kampfeswillen eingebüßt hat.

Packshot zu Game of Thrones – A Telltale SeriesGame of Thrones – A Telltale SeriesErschienen für PC, PS3, PS4, Xbox 360 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Letztlich kommt es natürlich zur offenen Konfrontation zwischen ihm und Gryff. Wie diese ausgeht, hängt von der eigenen Spielweise ab. Fest steht: Haus Forrester muckt mächtig auf. Dazu passend trifft Rodrik im Spielverlauf auf seine Jugendliebe Elena und schmiedet Pläne für eine gefährliche Verschwörung. Elena, die Rodrik einst verschmähte, ersucht nun um seine Hilfe, da sie selbst in die Schusslinie geraten ist. Sympathischer macht sie das nicht – und es ist umso merkwürdiger, dass es in Sons of Winter derart wenige Möglichkeiten gibt, Rodriks zurückgewiesenen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

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Aber sei’s drum: Der Häuserkampf zwischen den Forresters und den Whitehills hält die neue GoT-Episode am Leben. Das abschließende Treffen mit Lord Whitehill nimmt einen schönen Rückbezug auf die berüchtigte „Rote Hochzeit“ und endet ebenso blutig, sofern man die falsche Entscheidung trifft.

Heimlicher Höhepunkt von Game of Thrones bleiben weiterhin die Szenen mit Mira Forrester am Hofe von Königsmund. Die junge Zofe entwickelte sich in den letzten Episoden zur gewieften Strategin, die Adelige gegeneinander ausspielt und geschickt die Fäden zieht. Besonders in der zweiten Hälfte – bei der Krönung von Prinz Tommen – erweist sie sich als clevere, aber auch rücksichtslose Politikerin. Mira ist die wahrscheinlich interessanteste, weil klischeeärmste Hauptfigur im gesamten Spiel. Gleichzeitig erzeugen ihre Abschnitte stets viel Spannung. Schließlich ist Mira trotz allem nur ein junges Mädchen, das stets Gefahr läuft, vom Hof verbannt oder gar anderweitig aus dem Weg geräumt zu werden.

Game of Thrones, Episode 4: Sons of Winter - Fortsetzung folgt...

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Am schönsten sieht Game of Thrones stets bei derartigen Panoramabildern aus.
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… schlechte Zeiten

Leider hält Sons of Winter das Niveau dieser beiden Charaktere und ihrer Geschichten nicht. Asher Forrester gehört weiterhin zu den unsympathischsten Figuren der Serie. Seine Suche nach einer Armee passt irgendwie gar nicht zu seiner Söldnermentalität, und in den Dialogen gelingt es Telltale leider auch nicht, Asher als den Retter seiner Familie zu charakterisieren. Es macht immer den Eindruck, als wolle er eigentlich etwas ganz anderes. Er kommt somit einfach nicht über den stumpfen Kriegerstereotypen hinaus. Die viel zu langen Abschnitte in Meereen – inklusive Drachen und Daenerys Tagarien – gewinnen einzig durch seine Kameradin Beshkah an Tiefe hinzu. Ihre Vergangenheit spielt hier eine entscheidende Rolle; sie erlangt weit mehr Profil als der insgesamt allzu blasse Asher.

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Ähnlich platt kommt der gute Garret Tuttle daher. Nach dem unglaublich emotionalen Konflikt mit dem Mörder seines Vaters in der dritten Episode bringt Sons of Winter Tuttle wieder zurück auf den Boden der Tatsachen. Erst geht es ins Gefängnis – für den Mord an einem Bruder der Nachtwache – und anschließend folgen die Flucht sowie die Reise gen Norden. Wirkliche Höhepunkte gibt es, abgesehen vom Treffen mit einigen Wildlingen, kaum. Immerhin entsteht durch das Nachtwachentrio Garret, Cotter und Finn eine nette Dynamik. Man weiß nie so genau, wann der schwelende Streit zwischen Cotter und Finn endlich aus ihnen herausplatzt und es endgültig zum Zerwürfnis kommt.

Trotzdem: Sowohl Asher, als auch Garret überzeugen in dieser Episode überhaupt nicht. Ihre Abschnitte wirken zu emotionslos und arm an Höhepunkten.

Game of Thrones, Episode 4: Sons of Winter - Fortsetzung folgt...

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Lord Whitehill lässt sich vom stolzen Rodrik Forrester nicht auf der Nase herumtasten. Darunter muss jetzt der kleine Ryan leiden.
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Und was macht das Spiel?

Gleiches gilt eigentlich für das Gesamtwerk Sons of Winter. Inzwischen bedarf es keinerlei spielerischer Fähigkeiten mehr, um Game of Thrones zu spielen. Wenn man denn überhaupt mal die Charaktere steuern darf, genügt es vollkommen, einen Interaktionspunkt nach dem anderen abzufrühstücken. Immerhin wurde mit Sons of Winter aber auch die Frage nach dem Inventar geklärt. Hat man zuvor Kräuter und Bandagen eingesackt, kann Garret dem verwundeten Cotter einen Verband anlegen. Notwendig ist das nicht… genauso wenig wie das Inventar.

Die interaktiven Schleichsequenzen zum Schluss der Episode beschränken sich auf das Ablaufen fester Routen und dem Drücken der Aktionstaste. Mehr Gamepad-Akrobatik fordert Telltale selbst in den Actioneinlagen nicht von euch. Immerhin: Mit Mira hört ihr nun Gespräche ab, und mit Garret schießt ihr ein Mal (!) mit einem Bogen. Manchmal muss man sich auch über die kleinen Dinge des Lebens freuen können.