George R. R. Martin überwand mit seinem Fantasy-Epos "Das Lied von Eis und Feuer" bereits vor Jahren die Grenzen der eingeschworenen Nerd-Leser. Die ersten fünf Bände seiner auf sieben Episoden angelegten Saga um Heldenmut, Verrat, Intrigen und geheime Mächte faszinieren seit April 2011 (Deutschland: November) sogar in einer für 13 Emmys nominierten TV-Serie des amerikanischen Kabelsenders HBO die Massen vor dem Fernseher. Es gleicht einem Wunder, dass der Stoff erst kürzlich auch für Spielumsetzungen entdeckt wurde.

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Doch der erste Versuch ging gründlich schief, das Strategiespiel "A Game of Thrones: Genesis", veröffentlicht im Herbst 2011, fiel bei Kritikern und Fans gleichermaßen durch. Nun versucht sich Entwickler Cyanide Studios abermals an der Romanvorlage und kooperiert mit den Produzenten der TV-Serie. Jeder hat das Recht auf eine zweite Chance – ob es diesmal klappt?

Bei der Produktion des Action-Rollenspiels hält man sich laut des führenden Spieldesigners Sylvain Sechi sehr eng an die Romanvorlage, "die Umsetzung wird sogar von Martin persönlich überwacht". Inhaltlich spielt sich das Geschehen im ersten der fünf bisher publizierten Bücher ab. Die lineare Handlung des Spiels verfolgt jedoch eher Nebenkriegsschauplätze und berührt den erzählerischen Hauptstrang des Konflikts zwischen den Starks und Lannisters nur gelegentlich.

Dann etwa, wenn literarische Protagonisten wie Mormont, der Lord Commander der Nachtwache, Varys „die Spinne“ und Cersei, die intrigante Königin von Westeros, den Weg der zwei Helden kreuzen. Durch die Zusammenarbeit mit HBO ist übrigens nicht nur garantiert, dass alle bekannten Figuren von den Originalsprechern der jeweiligen Sprachen vertont werden und man diese optisch gut wiedererkennt. Auch der TV-Soundtrack untermalt die Fantasy-Szenerie stimmungsvoll.

Game of Thrones - Das Buch ist Kult, die TV-Serie genial - wie wird das Spiel?

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Schön düster wird's - und damit hält sich Cyanide an die Vorlage.
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Beide spielbaren Charaktere sind bisher unbeschriebene Blätter, die eigens für dieses Rollenspiel erdacht wurden. Auf der einen Seite Mors Westford, ein düsterer Bruder der Nachtwache. Andererseits Alester Sarwyck, der zu dem geheimnisvollen Orden der Roten Priester gehört und nach Jahren des Exils zurückkehrt, um seinen edlen Namen reinzuwaschen. Mit diesem Kniff ist zumindest gewährleistet, dass die Kontinuität der Romane im Zuge der 25 bis 30 Stunden Spielzeit (inklusive aller Neben-Quests sogar bis zu 40) unangetastet bleibt.

Jede Figur stellt euch je drei Charakterklassen zur Auswahl (Angreifer, Verteidiger, Ausgeglichen), wobei Mors den eher geradlinigen Nahkämpfer darstellt und Alester als Meuchelmörder, Bogenschütze oder dreckiger Söldner auf den ersten Blick den variableren Spielanteil verspricht. Mors Besonderheit ist dagegen, dass er als Skinchanger in den Körper seines treuen Hundes schlüpft - ähnlich, wie es ein Jon Snow in den Romanen mit seinem wölfischen Kameraden "Ghost" erlebt.

Packshot zu Game of ThronesGame of ThronesErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Die jeweils individuelle Charaktergenerierung erlaubte in unserer kurzen Spielsitzung Einblicke auf verschiedene Skill-Bäume in den Bereichen Waffen, Rüstung und Magie. Sie müssen teilweise aufeinander abgestimmt werden, um eine Balance aus Stärken und Schwächen herzustellen. Es wird interessant sein zu sehen, inwiefern sich dies tatsächlich auf den Spielablauf auswirkt. Auch einige magische Talente gehören demnach zum Umfang der verfügbaren Fertigkeiten. Ich hoffe, dass man auch hier dem Kanon treu bleibt und nur wenige Zauber das nahkampflastige Spielgeschehen auflockern. Sichtbar waren aber zumindest arkane Flammen, die einem Gegner so sehr zusetzten, dass er zeitweilig das Schwertschwingen einstellte.

Literarische Kapiteleinteilung

Apropos Kampf: Hier ließ sich Cyanide mit der "Active Pause" etwas Besonderes einfallen. Stellt euch das als eine Art Pausenfunktion vor, in der die Zeit extrem verlangsamt weiterläuft. Eine Periode, in der ihr zum einen eigene Aktionen vorbereitet, aber auch auf feindliche Attacken reagiert und kontert, weil man gleichzeitig sieht, welche Talente die Widersacher vorbereiten. Bis zu drei Fertigkeiten lassen sich taktisch vorausplanen, während das Geschehen in Zeitlupe voranschreitet. Etwa auch, um mit geschicktem Timing Energie für weitere Skills zurückzugewinnen.

Hier schwelt Potenzial. Hoffentlich wird es auch umgesetzt.Ausblick lesen

Hilfreich ist zudem, dass man über zwei verschiedene Waffensets verfügt, die on the fly ausgetauscht werden können. Auf diese Weise passt man unterschiedliche Schadenstypen der gegnerischen Ausrüstung an und verursacht dadurch höheren Schaden. Darüber hinaus hängt der ausgeführte Finishing-Move als Bonus von der gewählten Waffe ab. Negativ machten sich jedoch noch einige arge Clipping-Fehler und merkwürdige Animationen bemerkbar. Hier müssen die Entwickler unbedingt noch nachsitzen, um die Glaubwürdigkeit der Scharmützel nicht zu gefährden.

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Spannende Frage: Wie packend werden die Kämpfe?
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Wie in den Büchern wechseln sich die Figuren zunächst kapitelweise mit ihren Einsätzen ab, bevor sie später gleichzeitig agieren und ihr mit einer Minigruppe durch Westeros wandert. Cyanide legt übrigens Wert darauf zu betonen, dass die Neben-Quests dicht an der Hauptgeschichte entlangführen und sinnvolle Aufgaben bereitstellen sollen. Neben den beiden Hauptfiguren samt Hundeanhang schließen sich bei den Aufträgen gelegentlich auch weitere Mitstreiter an, die ihr befehligt.

Übernimmt man die Steuerung des Vierbeiners, eröffnen sich teils alternative Lösungsmöglichkeiten, denn laut Sylvain Sechi "soll Game of Thrones kein Actionspiel" sein, verschiedene Handlungsoptionen an der Tagesordnung stehen. Das drückt sich darin aus, dass man mit dem Hund weniger Aufmerksamkeit erregt und beispielsweise Wachen in Festungen leichter umgehen kann. Allerdings taugt der Kläffer auch für offensive Manöver - mithilfe einer simplen Buttonmashing-Einlage befördert ihr Feinde schnell ins Jenseits.

Überhaupt nehmen die vielen interaktiven Dialoge eine sehr wichtige Rolle ein, wobei die Auswahl der möglichen Antworten nicht direkt vorgenommen wird. Vielmehr zeigt das Spiel die Gedanken der Figur an, die dann in einer generierten Replik resultieren. Für welche Richtung man sich entscheidet, hat laut Cyanide sogar Konsequenzen, die sich erst einige Kapitel später auswirken. Es gibt aber keine „gute“ oder „schlechte“ Erwiderungen, so die Entwickler.

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Auch die Gesichter sehen ordentlich aus.
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Dafür beeinflussen Ambiente-Gespräche - also Dialoge herumstehender NPCs - den Informationsgehalt zukünftiger Konversationen und eröffnen so weitere Entscheidungsmöglichkeiten. Noch kniffliger wird's, wenn zwei Charaktere der eigenen Gruppe an Wortwechseln beteiligt sind. In solchen Fällen müsst ihr euch für eine von mehreren Möglichkeiten (Diplomatie oder Klinge?) entscheiden - mit eventuell einschneidenden Ergebnissen. Wählt man in einem Fall beispielsweise die harsche Antwort des Draufgängers und lässt es zu einem Kampf kommen, verprellt dies möglicherweise die Königin.

Die Abenteuer des Duos führen euch quer durch das Königreich Westeros, unter anderem auch an bekannte Schauplätze wie "King‘s Landing" und "The Wall". Die Qualität der Darstellung ist bisher trotz Unreal Engine 3 ziemlich schwankend, vor allem wirkt vieles noch statisch und leblos. Das derzeit recht spartanische Interface hinterlässt jedoch einen aufgeräumten Eindruck des Rollenspiels, dessen Veröffentlichung im Frühjahr 2012 für PS3, Xbox 360 und PC geplant ist.