Bestimmte Genres sind nicht tot zu kriegen. Immer wieder findet sich eine Nische, in welcher abgeschriebene Spielarten ein oftmals stilles, aber dennoch einträgliches Dasein fristen. Die Shoot’em-Ups werden auch heute noch von begeisterten Anhängern umschwärmt, während das Point’n’Click-Adventure alle Jahre eine Renaissance feiert. Die Rundenbasierte Strategie ist allerdings in einem weitaus desolateren Zustand und fast schon als scheintot zu bezeichnen. Future Wars will das nun ändern.

Dabei ist das Vorbild für diesen PC-Titel nicht zu übersehen und schlägt sich sogar zu 50 Prozent im Titel nieder: Die Advance Wars-Reihe, die sich vornehmlich auf Nintendos Handhelds tummelt, stand hier nicht nur Pate, sondern war scheinbar auch Mutter und Vater zugleich. Nicht nur das Look’n’Feel hat man übernommen, sondern natürlich besonders bei der Spielmechanik abgespickt. Gut, als ganz großer Übervater schwebt natürlich zudem das legendäre Battle Isle-Prinzip über allem.

Echte Strategen brauchen keine Story

Die Story kann man dabei getrost vernachlässigen: Leider haben die Macher auf stereotype Charaktere und nicht sonderlich treffsicheren Humor gesetzt, der wohl ironisch und schräg sein soll, aber kaum zu einem müden Lächeln reizt. Das soll auch egal sein, denn der echte Taktiker braucht keine Geschichten und Stories, welche die einzelnen Gefechte zusammenhalten – er braucht das Schlachtfeld, den Geruch von Napalm am frühen Morgen. Er braucht die Herausforderung, wenn er sich mit nur einem Häufchen von durchtrainierten Recken einer Übermacht entgegenschmeißt.

Future Wars - Dieses Spiel lässt Battle Isle wieder aufleben

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Grafisch ein vertrautes Bild: Raster soweit das Auge reicht.
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Dazu wird allerdings ein kühler Kopf benötigt. Wie alle rundenbasierten Strategietitel ist Future Wars eine Art Schach unter anderen Vorzeichen. Draufgängertum endet meist direkt in der Niederlage. Denken statt blindem Aktionismus ist also gefragt: Wo hat der Gegner eine Lücke, welche Schwachstellen können genutzt werden? Mit welcher Einheit bin ich schnell und wendig, mit welcher durchschlagskräftig und langsam?

Future Wars verlässt sich voll auf die bereits festgelegten Mechanismen des Genres: Stein, Schere und Papier sind die Grundpfeiler, auf denen alles ruht. So ist es nicht immer ratsam, nur schwere Geschütze zu produzieren – Diversifikation ist gefragt. Das Balancing von Future Wars kann sich sehen lassen, auch wenn es nicht von den festgelegten Standards abweicht.

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Schöne Grafik...also...äh... wenn man die Augen zusammenkneift.
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Das gilt auch für die Spielverläufe. Zunächst hat man eine Basis und kleinere Truppen, eine Fabrik baut dann den nötigen Nachschub. Um die Produktion am Laufen zu halten braucht es natürlich finanzielle Unterstützung. Diese erhält man über das Erobern von neutralen oder feindlichen Gebäuden – jedes Hochhaus wirft ein paar Dukaten mehr in die Runde, allerdings können diese wiederum auch vom Gegner besetzt und eingenommen werden.

Knifflige KI

Gewinnstrategien gibt es im Prinzip nur zwei, vorausgesetzt es steht keine Sondermission an: Die totale Vernichtung des gegnerischen Fuhrparks oder das Einnehmen der feindlichen Basis. Die KI ist aber durchaus auf Zack und kann selbst kleine Scharmützel in lange Gefechte ausdehnen – das ist dann besonders nervig, wenn bereits klar ist, wie der Hase laufen wird, hier wäre eine Taste zum Vorspulen durchaus angebracht, um die Zeit bis zum endgültigen Sieg zu verkürzen.

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Hobby-Strategen dürften sich auf ein Wiedersehen mit dem Battle-Isle-Prinzip freuen.
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Für echte Taktiker ist die KI besonders in höheren Leveln durchaus eine harte Nuss und erfordert viel Geschick – tatsächlich artet das Ganze nie in eine reine Materialschlacht aus, sondern in den Sieg der klügeren Taktik. Doch der wirkliche Fokus von Future Wars findet sich an anderer Stelle: Das Spiel richtet sich vor allem an Hobby-Strategen, die es gerne mit einem menschlichen Gegner aufnehmen.

So ist der leider von anderen Spielen gleichen Kalibers immer gerne vernachlässigte Hot Seat Modus an Bord und auch über LAN lässt sich eine Partie anbahnen. Für echtes old-school Feeling sorgt allerdings der Play-per-Mail-Modus, bei welchem die beiden Kontrahenten ihre Züge über Mail austauschen – Schach AG anyone?

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Immer gerne gesehen: Explodierende Einheiten des Gegners.
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So weit, so noch recht gewöhnlich – Future Wars scheint zunächst ein typisches rundenbasiertes Strategiespiel ohne große eigene Vision zu sein, doch das stimmt nur oberflächlich. Ein tieferer Blick in den Lieferumfang verrät, was sich hinter dem Zukunftskrieg wirklich versteckt: Future Wars versteht sich als Model-Kit, um den eigenen Fantasien auf Rasterlandschaften freien Lauf zu lassen.

Customizing wird groß geschrieben: Das fängt bei dem einfach zu handhabenden Map-Editor an, bei dem man recht schnell ein paar eigene Schlachtfelder erstellen und natürlich dann auch an Freunde weiterverbreiten kann, und geht für Profis bis zur Möglichkeit, die Kampfstärke der einzelnen Einheiten über XML neu zu konfigurieren.