Immer diese Hektik. Ständig müssen Truppen verschoben, Angriffe abgewehrt und Ressourcen abgebaut werden. Ständig passiert irgendwas und man hat keine Zeit, Pläne zu schmieden. Statt agieren nur noch reagieren. Strategiespiele gleichen heute mehr einem stressigen Job, für den man freiwillig unbezahlte Überstunden schiebt.

Wie ruhig ging das früher zu: Rundenbasierte Taktiktitel ließen viel Zeit und Muse, Angriffe zu kontern, Schachzüge zu planen. Eine leider viel zu oft vergessene Tradition. Future Wars pflegt die alten Riten und präsentiert sich als Referenz an die alten Tugenden, aber auch als gelungene Ergänzung zum Genre.

Das große Vorbild kann dieser PC-Titel jedoch nicht verleugnen: Die „Advance Wars“-Reihe, die auf Nintendos Handhelds beheimatet ist hat den Entwicklern sicher so manchen Impuls gegeben. Nicht nur das Look’n’Feel hat man übernommen, sondern natürlich besonders bei der Spielmechanik abgespickt. Gut, als ganz großer Übervater schwebt natürlich zudem das legendäre „Battle Isle“-Prinzip über allem, ein Titel, der als der Urvater des Genre gilt.

Future Wars - Battle Isle war gestern - morgen ist Future Wars

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Hobby-Strategen dürften sich auf ein Wiedersehen mit dem Battle-Isle-Prinzip freuen.
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Future Wars verlässt sich dabei voll auf die bereits festgelegten Mechanismen des Genres: Stein, Schere und Papier sind die Grundpfeiler, auf denen alles ruht. So ist es nicht immer ratsam, nur schwere Geschütze in seinen Fabriken zu produzieren – Diversifikation ist gefragt, will man am Ende der Schlacht das Rasterfeld siegreich verlassen.

Das Balancing von Future Wars kann sich sehen lassen, auch wenn es nicht von den festgelegten Standards abweicht: Trupp A schlägt Trupp B, Trupp C schlägt wiederum Trupp A. Jede Einheit hat Stärken und Schwächen – nichts Neues unter der rundenbasierten Sonne. Doch nicht nur die Kampf- und Verteidigungsstärken sind essentiell für einen erfolgreichen Schlagabtausch, auch das Terrain spielt eine wichtige Rolle: Je nachdem, wo die Einheiten positioniert sind, verändern sich die Werte. Die Gegebenheiten der Umgebung sollten daher immer mit einberechnet werden, sonst sind wertvolle Einheiten schnell dahin.

Erstmal nachdenken!

Die Story von Future Wars kann man dabei getrost vernachlässigen: Leider haben die Macher auf stereotype Charaktere und nicht sonderlich treffsicheren Humor gesetzt, der wohl ironisch und schräg sein soll, aber kaum zu einem müden Lächeln reizt. Das soll auch egal sein, denn der echte Taktiker braucht keine Geschichten und Storys, welche die einzelnen Gefechte zusammenhalten, er braucht das Schlachtfeld, die Herausforderung, wenn er sich mit nur einem Häufchen von durchtrainierten Recken einer Übermacht entgegenschmeißt.

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Immer gerne gesehen: Explodierende Einheiten des Gegners.
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Dazu wird allerdings ein kühler Kopf benötigt. Wie alle rundenbasierten Strategietitel ist Future Wars eine Art Schach unter anderen Vorzeichen. Draufgängertum endet meist direkt in der Niederlage. Denken statt blindem Aktionismus ist also gefragt: Wo hat der Gegner eine Lücke, welche Schwachstellen können genutzt werden? Mit welcher Einheit bin ich schnell und wendig, mit welcher durchschlagskräftig und langsam?

Alles beginnt wie immer mit einer Basis und einem kleinen Trupp treuer Kämpfer. Über die Fabrik wird der nötige Nachschub geliefert. Die Produktion wird über gesunde Finanzen gefördert – das nötige Geld wird über das Erobern von neutralen oder feindlichen Gebäuden auf das Konto verbucht. Jedes besetzte Hochhaus wirft ein paar Dukaten mehr in die Runde, allerdings können diese wiederum auch vom Gegner besetzt und eingenommen werden.

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Grafisch ein vertrautes Bild: Raster soweit das Auge reicht.
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Zwei Gewinnstrategien bestimmen Future Wars, vorausgesetzt es steht keine Sondermission an: die totale Vernichtung aller gegnerischer Einheiten oder das Einnehmen der feindlichen Basis. Die KI hat aber durchaus einiges zu bieten und kann selbst kleine Scharmützel in lange Gefechte ausdehnen – eine Entscheidung kann sich so manches Mal etwas länger hinauszögern. Der wirkliche Fokus von Future Wars liegt jedoch an anderer Stelle: Das Spiel richtete sich vor allem an Hobby-Strategen, die es gerne mit einem menschlichen Gegner aufnehmen.

Fans rundenbasierter Strategie kommen bei Future Wars voll auf ihre Kosten.Fazit lesen

So bietet Future Wars mehrere Mehrspielervarianten: Der Hot-Seat-Modus ist zum Beispiel mit an Bord und lässt Strategen vor einem Rechner gegeneinander antreten. Auch über LAN lässt sich eine Partie absolvieren. Für echtes Old-School-Feeling sorgt allerdings der Play-per-Mail-Modus, bei welchem die beiden Kontrahenten ihre Züge über Mail austauschen – ein nettes Feature für alle jene, die gerne lange über ihren nächsten Schritt grübeln.

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Im Vergleich: Der Klassiker Battle Isle aus dem Jahre 1991.
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So weit, so noch recht gewöhnlich – Future Wars scheint zunächst ein typisches rundenbasiertes Strategiespiel ohne große eigene Vision zu sein, doch das stimmt nur oberflächlich. Ein tieferer Blick in den Lieferumfang verrät, was sich hinter dem Zukunftskrieg wirklich versteckt: Future Wars versteht sich als Model-Kit, um den eigenen Fantasien auf Rasterlandschaften freien Lauf zu lassen.

Customizing wird groß geschrieben: Das fängt bei dem einfach zu handhabenden Map-Editor an, bei dem man recht schnell ein paar eigene Schlachtfelder erstellen und natürlich dann auch an Freunde weiterverbreiten kann, und geht für Profis bis zur Möglichkeit, die Kampfstärke der einzelnen Einheiten über XML neu zu konfigurieren.