Wie es nun mal so ist, ging alles viel zu schnell vorbei. Über viele Monaten haben wir dem Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und Costa Rica entgegengefiebert. Nach etwas mehr als 90 Minuten war dann schon wieder alles vorbei, zumindest bis zum 14. Juni. Unter dem Strich steht zwar ein souveräner 4:2 Sieg, aber leider ist nicht alles Gold was glänzt.

Schon im ersten Spiel, und gerade bei den beiden Gegentoren, wurden die Schwachstellen der deutschen Mannschaft rigoros aufgedeckt. Der Bundestrainer und alle weiteren Offiziellen des Deutschen Fussball Bundes sprechen zwar von einer geschlossenen Mannschaftsleistung, aber die Schwachstelle im DFB-Team trägt einen eindeutigen Namen, den Namen Arne Friedrich.

Schon beim ersten Gegentor durch Wanchope in der 12. Spielminute verpennte er das Kommando der Innenverteidigung und hob somit die Abseitsstellung auf. Das zweiten Tor der Costa Ricaner war dann praktisch eine Kopie des ersten Treffers. Wieder stand Friedrich als letzter Mann hinten drin und machte es dem Schiedrichterassistenten somit schwierig die Abseitsstellung des Stürmers zu erkennen. Zudem waren wieder eklatante Stellungsfehler und enorme Schwächen in seinem Zweikampfverhalten zu verzeichnen. Auch das Spiel nach vorne wirkte beim Berliner wenig souverän.

Gegen eine B-Mannschaft wie Costa Rica kann man sich solche Schwächen sicherlich leisten, solange die Offensive mehr Tore schiesst als die Defensive zulässt. Spätestens zum Achtelfinale (mögliche Gegner sind England, Schweden oder Paraguay) muss dieses Manko abgestellt werden. Ob dies mit Arne Friedrich auf der Position des rechten Verteidigers gelingen kann, halte ich für mehr als fraglich.

Schon die ganze Saison war beim Kapitän der Berliner Hertha von einem ständigen Wechselspiel aus Licht und Schatten geprägt. Selten gab es mehrere überzeugende Spiele am Stück. In einer international eher zweitklassigen Bundesliga mag das noch reichen, bei einer Weltmeisterschaft dagegen wird mehr Niveau nötig sein.

Wie sehen die Alternativen aus? Nun, gute deutsche Spieler auf der Position des rechten Verteidigers sind selten, bzw. eigentlich gar nicht vorhanden. Behelfen könnte man sich allerdings mit einem Spieler eines anderen Mannschaftsteils. Das Experiment mit Bernd Schneider ging im Spiel gegen Japan (2:2) eindeutig in die Hose. Warum sollte man aber nicht wieder auf Torsten Frings zurückgreifen, der diese Rolle in der Nationalmannschaft schon mehrfach erfolgreich ausgefüllt hat. In die dann leere Position im defensiven Mittelfeld könnte beispielsweise Sebastian Kehl rücken, oder aber auch Tim Borowski bei einer offensiveren Grundaufstellung.

Bleibt zu hoffen, dass Jürgen Klinsmann dieses Manko bei der Video-Analyse ebenfalls sieht und bereits beim nächsten Spiel (Mittwoch, 14. Juni gegen Polen) mit einer Neubesetzung der Position reagiert. Möglichkeiten diese zu besetzten gibt es sicherlich viele. Die Hauptsache dürfte allerdings sein, dass Arne Friedrich sich das Spiel von der Bank aus ansieht.