Fussball Manager 2005 (PC-Test)
(von Alex Brante)

Der Fussball Manager 2005 hat sich diesmal dem restlichen Sortiment aus dem Hause EA Sports angepasst und bietet nur wenige Änderungen gegenüber dem Vorgänger - und nicht alle können vollkommen überzeugen. Aber ein Trainer vertraut auch gern

einer Siegerelf und schickt sie im nächsten Spiel wieder auf den Platz. Umfang wie Spieltiefe dulden weiterhin kein Kritik, vielleicht hätte sogar Gerd Niebaum mit dem Fussball Manager üben sollen, bevor er Borussia Dortmund an den Rand des Ruins führte.

Wer bereits den Vorgänger besitzt, kann bis zum Abschnitt "Eine neue Ära" vorspulen. Dem Rest der Leserschaft sei gesagt, dass der EA Sports Fussball Manager 2005 (von nun an als FM 2005 bezeichnet) in der Tradition des kleinen, aber feinen Genres dem Spieler sowohl die sportliche als auch finanzielle Leitung eines Fußballvereins überträgt. Neben dem Zusammenstellen eines (hoffentlich) erfolgreichen Teams umfasst dies zum Beispiel das Zusammenstellen von Trainingseinheiten, den Stadionausbau oder den Fanartikelverkauf. Auf Wunsch übernehmen "Assistenten" (also eine künstliche Intelligenz) ausgewählte Bereiche.

Alle Möglichkeiten, die dem Trainer/Manager zur Verfügung stehen, sind in über 50 Untermenüs eingeteilt. Manche davon besucht ein Spieler nur einmal pro Jahr (zum Beispiel den Verkauf von Stadionrechten), andere jede Woche (vor allem die Mannschaftsaufstellung).

Für die spannende Darstellung der Partien stehen zwei Varianten zur Auswahl: Text- oder 3D-Modus. Ersterer beschreibt das Geschehen wie ein Live-Ticker, letzterer zeigt auf Wunsch die komplette Partie (kondensiert auf 8 Minuten) in der FIFA-3D-Engine des vergangenen Jahres und erlaubt das Hereinrufen diverser Befehle wie "Voller Angriff" oder "Zeitspiel".

Eine neue Ära
Beim Start eines neuen Spiels entdeckt man neben der freien Vereinsauswahl und dem Karrieremodus (bei dem man mit einem Regionalligisten startet) die Option einen eigenen Verein zu gründen. Er darf je nach Belieben in einer existierenden Stadt oder an einem fußballerisch bislang vernachlässigten Fleckchen angesiedelt werden und startet wirklich ganz unten, in der Kreisklasse, der 8. Liga. Dort ist die Welt noch in Ordnung: Die Spieler meines FC Felsberg trainierten je nach Lust und Laune ein- bis zweimal die Woche, waren auch an

Fußball Manager 2005 - Massig Konkurrenz bei Fußball-Managern! Bleibt FM 2005 an der Spitze?

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Spieltagen nicht immer verfügbar und wurden von rund 80 Zuschauern angefeuert. 20 der Fans hatten sich bei Vereinsgründung organisiert, aber anscheinend konnten sie sich nicht auf den Namen des Fanclubs einigen und teilten sich daher schnell in drei Lager auf. Erst nach Aufstieg in die Verbandsliga wagte jemand, noch einen vierten Club ins Leben zu rufen und schraubte die Zahl der organisierten Felsberg-Anhänger auf über 40. Immerhin sahen an sonnigen Tagen jetzt schon bis zu 500 mehr oder minder begeisterte Zuschauer die Spiele des FC, die langsam sogar an echten Fußball erinnerten. Um sich finanziell einigermaßen über Wasser zu halten, war der Verein zum Siegen verdammt, denn er hatte zu viele Spieler mit Profiverträgen ausgestattet. In der Oberliga angekommen konnte Felsberg dann zwei Jahre durchatmen. Junge, hoffnungsvolle Talente waren mit langfristigen Verträgen ausgestattet und entwickelten sich zu Leistungsträgern, die den Verein in die Regionalliga schossen. Nun muss dringend noch das nicht mal 8000 Zuschauer fassende Stadion ausgebaut werden, bis zur Bundesliga, geschweige denn Titeln ist es noch ein langer, steiniger Weg. EA gelingt mit diesem Spielmodus eindeutig die bisher größte Herausforderung im Managergenre.Neu = besser?
Sobald man sich für einen Spielmodus entschieden hat und vom Verein Willkommen geheißen wird, sticht die neue Menüführung ins Auge und an ihr scheiden sich die Geister.

Mit den drei Hauptmenü-Buttons "Mannschaft", "Verein" und "Organiser", die jeweils zu fünf Untermenüs (und diese wiederum zu bis zu fünf weiteren Menüpunkten) führen, hat sich EA zwar für ein sehr logisches System entschieden, aber mich beschleicht dennoch das Gefühl, dass ich mehr Knopfdrücke als früher benötige, um von einem Bereich in einen anderen zu wechseln. Im übrigen ist das Menü mit ein paar weiteren Buttons obenund einer MS-Office-mäßigen "Quicklink-Leiste" etwas überfrachtet. Mir persönlich hat die Menüführung im Vorgänger besser gefallen und ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass sich irgendwer beschwert hätte - sei's drum, mit dem neuen System kommt man nach ein paar Tagen gut zurecht. Die verschiedenen Menüs selbst sind teilweise unverändert zum Vorgänger, andere haben ein Facelifting bekommen, wenig ist wirklich neu. Eines jedoch muss ich unbedingt erwähnen und darf mich nicht künstlich darüber aufregen, denn es funktioniert auch so ganz gut, aber prinzipiell halte ich es für eine echte Tragödie. Das Herzstück eines Fußballmanagers ist der Mannschaftsaufstellungsscreen. Gerald Köhler, der Leaddesigner, war es selbst, der vor über zehn Jahren mit der Anstoss World Cup Edition den cleversten Aufbau dieses Menüs ins Leben rief und in seiner Karriere bei Asc(ar)on und EA perfektionierte. Der Vorteil "seines" Systems gegenüber den weltweiten

Packshot zu Fußball Manager 2005Fußball Manager 2005Erschienen für PC, PS2 und XBox kaufen: Jetzt kaufen:

Konkurrenten: Auf nur einem Bildschirm konnte man alle wichtigen Einstellungen von der Aufstellung bis zum Spielsystem vornehmen. Nun hat irgendwer bei EA anscheinend entschieden, man müsste sich dem weltweiten Marktführer Championship Manager (in Deutschland auch als Meistertrainer bekannt) anpassen, der wie alle englischen Produkte dafür zwei unterschiedliche Menüs braucht - in einem stellt man das Team auf, in dem anderen ändert man das taktische System.

Letztes Jahr habe ich noch einem Entwickler eines englischen Konkurrenten den Total Club Manager (so der internationale Name des FM) ans Herz gelegt wegen des großartigen "deutschen" Mannschaftsaufstellungsmenüs, und nu?

Spieler & Spielstärken
Beim ersten Blick auf die Spieler im Verein fällt erst mal nichts neues auf, die Spielstärke liegt irgendwo zwischen 0 und 20, inklusive Dezimalstelle.

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Bei näherer Betrachtung hat sich aber doch etwas fundamentales getan. Die Spielstärke ergibt sich jetzt hauptsächlich aus 20 Eigenschaften vom Tackling bis zum Torriecher, die jeweils in einer Hunderterskala bewertet werden. Nachteil ist, dass das Trainieren bestimmter Eigenschaften zwar weiterhin wie im Vorgänger festgelegt werden kann, das Erreichen des Trainingsziels aber meist nicht zu einer Aufwertung führt, stattdessen ist es nun ein schleichender Prozess.

Erfreulicherweise wirkt sich die Erfahrung anders als im letzten Jahr nur noch minimal aus, die stärksten Spieler sind also nicht zwangsweise jenseits der 30. Wobei sie natürlich über die Jahre hinweg an Fähigkeiten hinzugewinnen, junge Spieler besonders schnell, mit circa 28 Jahren sind sie dann im "besten Alter" und gegen Ende ihrer Karriere bauen sie langsam ab. Insgesamt entwickeln sich die Profis nicht mehr so rasant wie bisher und man kann sogar ein absoluten Topteams mit blutjungen Spielern aufbauen. Nur leider gibt es ein Überangebot solcher jungen Perlen, insbesondere im Sturm. In den unteren Ligen fällt das neue Entwicklungssystem besonders positiv auf. In meinem selbstgegründeten Verein habe ich von Beginn an auf junge Spieler gesetzt und sie mit langfristigen Verträgen ausgestattet. Manche von ihnen haben sich prächtig weiterentwickelt und sind nach acht Jahren im Verein auch in der Regionalliga Stammspieler. Andere, ähnlich talentierte Kicker haben den Sprung aber nicht geschafft - teilweise aus Faulheit, andere wurden durch langwierige Verletzungen gehemmt und manche hatten wohl einfach nicht das Zeug zum Profi.

Abgespeckt
Weitere Neuerungen, insbesondere im finanziellen Bereich, muss man schon mit der Lupe suchen.

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Eine zusätzliche Option hier, ein weiterer Infoscreen dort, mehr hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht getan. Eher noch bemerkt man das Wegfallen einiger Features. Der private Bereich (der zugegebermaßen sehr rudimentär war) ist komplett verschwunden, was den eigenen Gehaltspoker überflüssig macht. Das gleiche gilt für das Benehmen als Trainer im Textmodus.

Auch am "Schwierigkeitsgrad" (oder eben der fehlenden Herausforderung) hat sich leider wenig getan. Wer erst mal in der Bundesliga Fuß gefasst hat, dem fließen Geld und fliegen schnell auch die Titel nur so zu. Zwar hat EA an der künstlichen Intelligenz geschraubt, Konkurrenten verlängern die Verträge ihrer Stars nun frühzeitig und daher gibt es eigentlich nicht mehr so viele Top-Kicker, die man ablösefrei von Konkurrenten loseisen darf. "Eigentlich" weil die diversen Ausstiegsklauseln jährlich Anfang Juni dann doch eine Unmenge an hervorragenden Spielern ablösefrei auf die Transferliste spülen, dies müsste EA noch abstellen.

Schöne Spielzüge
Aber es gibt auch durch und durch positives zu vermelden. Kommen wir nun zum Prunkstück des neuen FM: den 3D-Modus. Zwar handelt es sich immer noch um die Grafikengine der letzten Version, aber diese belohnt den Spieler nun mit einer wirklich realistischen Darstellung.

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Während beim FM 2004 Unterschiede zwischen Regional- und Bundesligisten überhaupt nicht auszumachen waren und ständig die Abwehrreihen total überrannt wurden, sieht es in diesem Jahr zumeist wie ein echtes Fußballspiel aus. Flugkopfbälle, Fallrückzieher und weitere Direktabnahmen sorgen für deutlich mehr Abwechslung. Und die "interaktive Coaching-Zone", also das "Hereinrufen" spezieller Anweisungen, macht wirklich Sinn. Wer sich für den Abwehrriegel entscheidet sieht die Stürmer sich bis an den eigenen Strafraum zurückziehen, womit sie auch keine Befreiungsschläge mehr erlaufen können. Umgekehrt stürmt bei vollem Angriff das komplette Team in die gegnerische Hälfte und kann so mehr Druck entfachen, aber auch klassisch ausgekontert werden. Zwei Problemchen gibt es leider dennoch: Zum einem passen sich gute Teams immer noch zu gern dem Niveau des Gegners an und zum anderen sind die Noten der Spieler im Schnitt schlechter als im Textmodus - da sich dies direkt auf die Form auswirkt durchaus ärgerlich (wer genügend Geld hat, kann natürlich ständig in formverbessernde Trainingslager gehen).

TV-Qualität
Zurückgekehrt sind auch die 3D-Highlights und stellen einen zeitlichsinnvollen Kompromiss zwischen dem schnellen Text- und dem rund zehnminütigen 3D-Modus dar. Eigentlich handelt es sich um letzteren, er blendet aber das Mittelfeldgeplänkel aus und ist sogar konfigurierbar. Ich habe mich nur für Tore und vergebene Chancen entschieden - Gelbe Karten und Freistöße in der eigenen Hälfte sehe ich nicht grad als Highlights an - und so erinnert es schon fast an das seelige alte Anstoß. Gut ist, dass man mit der Leertaste jederzeit auch in den normalen 3D-Modus umschalten kann. Die "Fernsehshow", bei der man die 3D-Highlights von vier bis zwölf Partien betrachen kann, entpuppt sich als extrem zeitaufwendig, da - wie der Name schon vermuten lässt - die Partien nacheinander gezeigt werden. Wenn es am letzten Spieltag um Meisterschaft und Abstieg geht, hat die Fernsehshow aber durchaus ihren Reiz. Als Mogelpackung erweist sich leider "Football Fusion". In diesem Modus kann man Spiele in FIFA 2005 austragen - da es sich aber um eine

völlig andere Engine handelt, muss man das Spiel speichern, den FM beenden, FIFA 2005 starten, die Partie spielen, danach wird abgespeichert, man muss FIFA beenden und den FM wieder laden. Extrem zeitaufwendig, dazu fehlen die taktischen Aufstellungen des FM, Rückspiele auf internationaler Ebene darf man gar nicht erst spielen. Fusion-Fans sollten daher auf die letztjährigen Versionen vom FM und FIFA setzen.

Verbesserungen und andere Ärgerlichkeiten
Der FM 2005 hat sich zu einem echten EA-Sports-Produkt gemausert, bei dem es neben Verbesserungen leider auch ein paar Ärgernisse gibt. So ist zum Beispiel auf der Habenseite im Transfermenü ein Button "nur realistische Transfers anzeigen" zu verbuchen. Dafür wurden die beiden unterschiedlichen Textmodi nun zu einem einzigen zusammengefasst - was bedeutet, dass die aktuellste Nachricht nur in einer seperaten Box unterhalb des restlichen Texts angezeigt wird, was etwas verwirrend ist.

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Das Wechseln einer einzigen Trainingseinheit, früher flott per Drag&Drop machbar, benötigt nun vier Mausklicks. Völlig bugfrei ist das Spiel auch (noch) nicht, aber ich persönlich bin zumindest von Abstürzen verschont geblieben, wovon im offiziellen Forum jedoch leider häufig berichtet wird.

Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ Spieltiefe + Vereinsgründung + realistische Spielerentwicklung + toller 3D-Modus + Originalnamen

Cons:

- "Verschlimmbesserungen" - zu leicht

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Das Wechseln einer einzigen Trainingseinheit, früher flott per Drag&Drop machbar, benötigt nun vier Mausklicks. Völlig bugfrei ist das Spiel auch (noch) nicht, aber ich persönlich bin zumindest von Abstürzen verschont geblieben, wovon im offiziellen Forum jedoch leider häufig berichtet wird.

Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ Spieltiefe + Vereinsgründung + realistische Spielerentwicklung + toller 3D-Modus + Originalnamen

Cons:

- "Verschlimmbesserungen" - zu leicht