„Statt den Manager komplett umzukrempeln, war Bright Future in diesem Jahr mal wieder bemüht, es wie Jürgen Klopp zu machen: den Kader punktuell verstärken, ohne die Abstimmung darunter leiden zu lassen.“ So lautete ein Auszug meines Fazits in meiner Vorschau zum neuen „Fussball Manager 13“ aus dem Hause Bright Future. Nach nun zweiwöchigem Dauerspielen bin ich doch aber genauso ernüchtert wie Jürgen Klopp nach seinen Experimenten und der daraus resultierten Derby-Niederlage auf Schalke am vergangenen Spieltag.

Fussball Manager 13 - Trailer #1Ein weiteres Video

Groß angepriesen wurden sie, die Neuerungen. Teamdynamik. Teammatrix. Kaderplanung, Menü-Shortcuts. Um nur einige große zu nennen. Ich muss zugeben, dass ich ein großer Fan des Mikromanagements bin und mich darin verlieren kann.

Noch deutlicher zeigt das der Fakt, dass ich nach 13 Stunden Spielzeit gerade mal in der Winterpause angekommen war.

Zu Beginn der Saison das obligatorische „Aufräumen“: Stammkader ein wenig zusammenschrumpfen, die Reserve ausdünnen oder mit talentierten Jugendspielern nachrüsten, einen Überblick über das Merchandising, die Infrastruktur und die Budgets verschaffen.

Eine Fassade mit kosmetischen Ausbesserungen. Das spielerische Grundgerüst wird aber immer maroder und bedarf einer Generalüberholung.Fazit lesen

Danach für jeden Spieler die individuellen Trainingsziele definieren, Mentoren an die Seite der vielversprechenden Nachwuchstalente heften und Spielergespräche führen. Sechs davon pro Woche sind möglich. Diese wirken sich auch auf die Teamdynamik aus. Ein Quotient, der sich aus der Chemie unter den eigenen Spielern errechnet.

Fussball Manager 13 - Es wird Zeit für einen Trainerwechsel

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Hier die Teamdynamik.
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Wer kommt mit wem aufgrund eines schwierigeren Charakters überhaupt nicht klar, wer kämpft um dieselbe Position in der Startaufstellung, wer will die Elfmeter schießen, wer will die Kapitänsbinde? Persönliche sportliche Ziele der Spieler, wie der Wunsch eines David Alabas, mehr direktes Passspiel statt langer Bälle zu spielen. Oder ein Dante, der gern bei Standards nach vorn in den gegnerischen 16er will, oder Emre Can, der sich im Gegensatz zu Schweinsteiger irgendwie unterbezahlt fühlt.

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All diese erfüllten/nicht erfüllten Ziele bilden dann den Quotienten für die Teamdynamik, die so gesehen also auch als „Saison-Momentum“ gesehen werden soll. Aber funktioniert das auch so, wie sich die Entwickler aus Köln das vorgestellt haben? Jein. Generell viel mit den Spielern zu sprechen, das ist hier Grundvoraussetzung, um den Spielern eure Entscheidungen näher zu bringen, sie anzuheizen, zu hätscheln. Aber mehr als das ist leider nicht möglich.

Spielen eure Spieler drei, vier Spiele hintereinander grottig und ihre Form ist im Keller, bekomme ich trotzdem nur ein verständnisloses Kopfschütteln des betreffenden Spielers, gefolgt von einem Selbstvertrauens- und Moralpunkteverlust. Will ich die Spieler durch meine zu Beginn der Saison angekündigte Rotation schonen, sind sie in zwei von drei Fällen sauer, weil sie ihrer Meinung nach trotzdem hätten spielen können.

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Der 3D-Modus ist auch in diesem Jahr unausgegoren.
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Und schon merkt sich mein Gehirn eine Herangehensweise, die die Entwickler eigentlich als letztes vermitteln wollen: Ich habe meine Entscheidungen einfach getroffen, mit den Spielern darüber nicht mehr gesprochen, aber die guten Spieler nach einer Partie schön mit Komplimenten überschüttet. Bei Erfolg loben, bei kritischen Situationen die Klappe halten. So wie Magath gerade bei Wolfsburg, der immer noch in jeder Niederlage der Wolfsburger was Positives findet und keinen Anlass zur Kritik sieht.

Es fehlt die Möglichkeit, Spieler in den Gesprächen auch mal an ihre Pflichten zu erinnern, sie zusammenfalten zu können, ohne dass diese sich mit Punktverlusten in der Ecke kauernd selbstzerstörerischem Gedankengut hingeben und so lange böse auf mich sind, bis ich sie zähneknirschend wieder aufstelle.

Kannste halten wie der Dachdecker

Nach ein paar Monaten war dieser Ablauf bei mir drin und wurde irgendwann ziemlich lästig, da die Muster dieselben sind und man irgendwann nur noch zwischen zwei, drei Gesprächsoptionen wählt, da die anderen entweder keinen oder nur negativen Effekt haben. Oder gar nicht erst das zur Auswahl stellen, was ich mir thematisch gewünscht hätte.

Die Teammatrix. Auch eine Neuerung, die dem ganzen Ensemble um euren Kader ein wenig mehr zwischenmenschliche Aspekte verleihen soll. Hier seht ihr anhand einer Matrix, welche Spieler mit welchen Kollegen besonders gut können, mit welchen weniger und wer bei anderen aneckt. Joa. Eine grafische Veranschaulichung der Parameter, die schon in der Teamdynamik durch spezifischere Gruppeneinteilungen herauslesbar ist. Auch die Team-Hierarchie ist eher ein „nice to know“ als irgendwo spielrelevant. Hier seht ihr, wie tief oder flach eure mannschaftsinterne Hierarchie ausfällt. Habt ihr einen oder drei Leader, wie akzeptiert sind die neuen Spieler – all das seht ihr hier. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Interessanter ist die Kaderplanung, in der ihr euren Kader für die nächste Saison vorausspinnen dürft und potenzielle Neuzugänge erahnen lassen, welchen Einfluss sie auf das Team hätten bzw. wo ihr an Stärke einbüßen würdet, wenn euch einige aktuelle Spieler kommende Saison fehlen würden. Das wurde wirklich gut umgesetzt, ist einfach zu handhaben und vor allem: Im Gegensatz zur Teamdynamik ist es wirklich nützlich.

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Dank der Teammatrix wird die Chemie innerhalb der Mannschaft aufgezeigt.
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Was mir wirklich am „Fussball Manager 13“ gefällt, ist der enorme Umfang, auch abseits des Spielfeldes. Ich darf mich hier in das Scouting reinwühlen, meine Scouts lokal, regional und national schnüffeln schicken, Talente in anderen Jugendcamps unter die Lupe nehmen, meine eigene Jugend betütteln und pushen. Verhandlungen mit Bandensponsoren, Mitarbeitern, potenziellen Neuzugängen, Stadionausbau, Aufbau der Infrastruktur. Nebenbei ein wenig Marathon laufen und mein ganzes privates Vermögen auf dem Aktienmarkt verbrennen. Gäbe es nicht so viel abseits des Rasens zu erledigen, würde sich so eine Saison wohl sehr viel schneller runterreißen lassen.

Aber für Mikromanagement-Fanatiker wie mich der Himmel auf Erden. Und hier kann der Manager punkten. Dank der neuen Menü-Shortcut-Leiste lassen sich jetzt die für euch wichtigsten Bereiche auf einer Menüleiste ablegen und informieren euch zukünftig dann mit entsprechenden Hinweise über noch unerledigte Aufgaben. Natürlich könnt ihr auch diesmal wieder Mitarbeiter einstellen, die sich um all diese Geschichten für euch kümmern, aber außer dem Co-Trainer, der das Training meiner Mannen Woche um Woche ziemlich solide plant, sind die meisten anderen Gehilfen entweder unfähig oder nervig.

Mein sportlicher Leiter, der auch für die Toilettenverwaltung bei Heimspielen erledigen sollte, hatte es partout nicht geschafft, für ausreichend Klos während der Heimspiele zu sorgen! Nicht ein Mal! Mein vollkommen zurückgebliebener Marketingmanager hat mich jede, jede einzelne Woche gefragt, ob er das Merchandising für mich übernehmen soll. Nein! Sollt du nicht! So wie letzte Woche schon nicht und die Woche davor! Mir reicht's, ich feuere ihn. Zack, weg. Toll.

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Auch Fan-Shops im Ausland sind möglich.
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Jetzt bekomme ich täglich den Hinweis, dass ich keinen Marketingmanager habe und einen einstellen soll. Brauch ich nicht, ich habe eh seine Arbeit erledigt. Wie? Neue Merchandising-Artikel werden nur dann vorgeschlagen, wenn ich den Marketingmanager habe? Warum? Er entscheidet ohnehin nicht über Produktion und Einführung. Also wieder einen eingestellt. Und wieder die nervigen Fragen nach Hilfe.

Nicht ein Bug, sondern ein Schwarm

Das sind noch die eher kleinen Ärgernisse. Auch die Freundin, die angeblich super Geduld besitzt und andauernd etwas unternehmen will, weil sie sonst ungeduldigerweise säuerlich wird, sorgt für gelegentliche Verwirrung. Viel schlimmer sind aber die zahlreichen Bugs. Nicht so kleine, niedliche Schmunzler-Bugs, nein. Zwei meiner Nationalspieler sind nach einem Testspiel im September nie wieder zurückgekehrt in meine Aufstellung. Sie verloren an Form und Stärke und mir blieb zur Winterpause nichts anderes übrig, als sie zu verkaufen.

Einsetzen konnte ich sie eh nicht, und bevor sie weiter an Marktwert verloren, musste ich sie schweren Herzens verkaufen. Anderes Beispiel: Ich stehe 2014 mit den Bayern im DFB-Pokalfinale. Wunderbar, ich freue mich. Problem nur: Die WM in Brasilien zwingt die Nationalspieler überraschenderweise noch vor Austragung der Vereinswettbewerbe zur Nationalmannschaft. Ergebnis: Ich durfte im Pokalfinale gegen Wolfsburg fast mit meiner gesamten zweiten Mannschaft ran.

Dass ich trotzdem gewonnen habe, könnte entweder an Wolfsburg, meinem taktischen Verständnis oder eben am blanken Zufall gelegen haben. Und das ist wohl das größte Problem am neuen Fußballmanager. Wie soll sich eine wirkliche Langzeitmotivation entwickeln, wenn, außer mit einer Spitzenmannschaft, bei der aufgrund der schieren Teamstärke Siege öfter eingefahren werden als mit Mittelklasse-Vereinen, die Ergebnisse den Eindruck erwecken, dass diese zufällig gewürfelt werden? Warum erziele ich im nicht wirklich ansehnlichen 3D-Modus im Durchschnitt Handball-Ergebnisse, weil die Abwehr beider Mannschaften auf F-Jugend-Niveau bewegt?

Warum verletzt sich in vier von fünf Fällen immer mindestens einer meiner Spieler, wenn ich im Textmodus die Geschwindigkeit hochschraube? Warum resultierten von meinen letzten 30 Toren 25 aus einer Ecke? Und warum schieße ich mit den Bayern ein Kaiserslautern erst 8:0 ab, um dann bei erneutem Laden mit einem 0:4 unterzugehen?

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Dank der neuen Kaderplanung könnt ihr euer Team für die darauffolgende Saison simulieren.
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Warum rede ich dann überhaupt mit Martinez und lobe ihn für seine Abwehrleistung, wenn er im Spiel darauf um die Note 6 förmlich gebettelt hat? Warum gebe ich dem nörgelnden Mandzukic seine Einsatzchance, wenn seine Form sowieso unter aller Sau ist und er sich erst mal ins Training reinhängen sollte, bevor er seine Einsatzzeit fordert? Warum ist Formkonstanz hier so gut wie nicht vorhanden?

Das ist doch das, was all den Sinn, den Aufwand, die Hingabe, das Kümmern um jeden einzelnen Spieler im Detail, im Training, mit individuellen Strategien und Taktiken total egalisiert und mir das Gefühl als Trainer gibt, dass ich gern glauben darf, dass ich hier etwas mitzubestimmen hätte – am Ende aber bleiben die Ergebnisse nichts weiter als ein Zufallsprodukt mit „leichten Tendenzen“.

Dieser Umstand, die mitunter schizophren anmutenden Parolen des Vorstands bei wichtigen Siegen oder Niederlagen, die Spielergespräche, die nach ein paar Wochen in eine dauereinseitige Feel-Good-Monotonie verfallen, ohne einen wirklichen Effekt auf die Spieler oder ihre Entwicklung zu haben.

All diese Punkte zeigen, dass sich die Serie nicht in ihrem Fundament weiterentwickelt hat, sondern nur die Fassade neu verputzt wurde. Das Gerüst an sich stellt den Spieler auch in diesem Jahr eher vor die Frage, ob man sich in ein Haus wagen will, das schon seit Jahren auf immer lauter knarrenden Pfeilern steht, in dem nette, aber kaum spielverlaufentscheidende Neuerungen nicht über das morsch gewordene Gerüst hinwegtäuschen können.