Die Bundesligasaison ist bereits in vollem Gange. Für Manager wie Klaus Allofs, Christian Nerlinger oder Dieter Hoeneß bedeutet dies, dass der wirtschaftliche Teil ihrer Arbeit bereits erledigt ist. Jetzt geht es darum, auch sportlich Erfolge einzufahren.

Virtuelle Manager hingegen müssen sich noch ein wenig gedulden. Ihre Spielzeit 2010/2011 beginnt erst mit dem Erscheinen des FM11 in der nächsten Woche. Doch wie spielt sich das jährliche Update? Setzen die Entwickler erneut eine Duftmarke? Oder schlägt der Titel gar so gut ein wie ein Rául auf Schalke? Unsere Scoutingabteilung hat die Antworten.

Taktiktraum

Zahlreiche Fans dürften beim Blick auf das Interface des FM11 erleichtert sein. Nachdem man sich beim FM08 und FM10 an einige grundlegende Änderungen im Menüdesign gewöhnen musste, wartet der Titel in diesem Jahr mit einer vertrauten Ansicht auf. Nur Kenner werden die geringfügigen Änderungen am Layout bemerken.

Fussball Manager 11 - Echter ist nur auf'm Platz

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Bei den Sponsoren sollte man eine eher defensive Verhandlungsstrategie wählen. Sonst steht man gleich zu Beginn der Saison ohne Geld da.
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Persönlicher Schreibtisch und die Möglichkeit zur Individualisierung blieben damit erhalten. Und da der Fußball Manager in diesem Jahr erneut an Umfang gewinnt, ist die vertraute Umgebung nicht unbedingt ein Nachteil. Deutlich wird dies beim Blick in den Taktik-Bereich, der gänzlich neu gestaltet wurde und dem Hobbymanager einige Eingewöhnungszeit abverlangt.

Hier lassen sich nun auf einem schicken 2D-Spielfeld Anweisungen für jeden Spieler und das gesamte Team so detailliert bestimmen, dass die Vorbereitung auf ein Spiel - je nach Umfang - schon einmal eine knappe halbe Stunde verschlingt. Der taktische Tiefgang ist beeindruckend angesichts der grafisch aufbereiteten Auswahlmöglichkeiten.

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Der Notizzettel kann nun auch in der Spieleransicht aufgerufen werden. Ein Vorteil, denn zuvor musste man sich stets auch den Spielernamen merken und notieren.
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Wo soll der Bewegungsradius eines Spielers liegen? Wie soll er sich bei Ballgewinn verhalten? Wohin sollen seine Pässe vorrangig gehen? Darf er das Dribbling suchen? Fragen, die sich die realen Trainer am Vorfeld eines Spiels stellen müssen und worauf man nun auch im virtuellen Manager antworten kann.

Herr Löw, bitte führen Sie den FM 11 als Schulungssoftware beim DFB ein! Realistischer ist nur der Fußball draußen auf dem Rasen.Fazit lesen

Dadurch erhält man mehr denn je das Gefühl mit einer guten Vorbereitung jedes Spiel zu seinen Gunsten entscheiden zu können. Man scheint praktisch gezwungen den Schritt in den Realismus zu gehen und die eigenen Spieler mit ihren Stärken und Schwächen genauer zu beobachten sowie den Gegner zu analysieren. Mit dem Notizsystem hält man seine Ergebnisse fest und trifft sich vor dem Spieltag mit seiner Mannschaft und einem Stück Kreide an der Taktiktafel.

Ein durchaus geniales Feature, wenn auch nicht in jeder Klasse anwendbar. Denn die taktische Reife kennt auch in der Oberliga ihre Grenzen, sodass eine gute Vorbereitung seitens des Managers oft auf Unvermögen und Fehler der Spieler trifft. Wer dahingehend nicht unbedingt seine Zeit verschwenden möchte, dem stellt Bright Future ein informatives Hilfesystem sowie zahlreiche Assistenten zur Seite. Eine Taktikstunde für Anfänger gefällig?

Die Leichen der Vergangenheit

Wichtiger als der neue taktische Tiefgang ist jedoch das ausgebesserte Stärkesystem. Wir sprechen hier absichtlich von einem „ausgebesserten“ und nicht „neuen“ Feature, wie EA es nennt. Denn schon in den vergangenen Jahren merkten wir eine Unausgewogenheit im Stärkesystem an. Im damaligen Fall versauerte ein Spieler mit den Qualitäten eines Mesut Özil bei einem mittelklassigen Verein auf der Bank. Realismus? Fehlanzeige! Diesen Denkfehler haben die Mannen von Bright Future ausgeräumt. Denn anstatt lediglich die Stärke auf einer Position aufgrund der Fähigkeiten zu bestimmen, kommen nun mehrere Faktoren zusammen.

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Die Gerüchteküche brodelt sofort. Nach einer unverbindlichen Anfrage wird auf der Titelseite schon der fast sichere Wechsel vermeldet.
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So trägt zum einen die Erfahrung des Spielers zu seiner jeweiligen Stärke bei. Dadurch werden Manager gezwungen auch ältere Recken einzusetzen, um der Mannschaft mehr Stabilität zu verleihen. Auf der anderen Seite erhält die errungene Erfahrung auf der jeweiligen Position und damit die Spielpraxis des Spielers mehr Gewicht. Lediglich 30 Prozent der Stärkepunkte werden nun durch die individuellen Fähigkeiten vergeben. Unverständlich, dass dieser Lapsus von den Entwicklern Jahr für Jahr übernommen wurde.

Erst jetzt gewinnt das Spiel an Realismus. Man stelle sich nur vor, dass die Entwickler einem Lionel Messi über Jahre in Ansätzen ein besseres Kopfballspiel verpasst haben wie einem Innenverteidiger, nur damit sich die Stärkepunkte auf vergleichbarem Niveau befinden. Wohin mit der Vergleichbarkeit? Für den PC-Manager ergeben sich daraus zwei Vorteile. Erstens kann ein Spieler mit Leichtigkeit für eine andere Position umgeschult werden, indem er primär Spielpraxis auf dieser sammelt und erst sekundär seine spezifischen Fähigkeiten ausbaut. Junge Spieler können so leichter integriert werden.

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Auch hier eine kleine Neuerung: Vorlagengeber und Torschütze werden nun mit kleinen farbigen Fußbällen auf dem Mannschaftszettel vermerkt. Das schafft Übersicht.
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Zweitens ergeben sich taktisch neue Möglichkeiten. So können beispielsweise Links- und Rechtsverteidiger ohne nennenswerten Malus die Seiten wechseln. Ebenso können Systeme einfach während der Halbzeit geändert werden, ohne dabei an Spielstärke zu verlieren.

Zum großen Balanceakt der Entwickler zählt auch ein neues Moralsystem. Dieses reagiert empfindlicher auf den Konkurrenzkampf innerhalb der Mannschaft, Erfolge, Niederlagen oder persönliche Ereignisse. Ein Gespräch unter vier Augen und das Vertrauen des Trainers sind hier wichtige Komponenten, um einzelne Spieler nicht in der Versenkung verschwinden zu lassen.

Raubtierkapitalismus auf dem Transfermarkt

Ein gutes Gespräch kann auch im überarbeiteten Transfersystem entscheidend sein. So kommt es im Sommer zu zahlenmäßig mehr Transfers, die laut EA realistischer denn je sein sollen. Dafür sollen Langzeitpläne der Vereine und eine verbesserte KI sorgen. Bei Misserfolg sollen diese genauso rasch tätig werden wie auch bei Verletzungen und langfristigen Sperren.

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Realismus pur? Auch im FM11 sind die Mainzer spitze. Schön, dass auch die Zeitungen endlich etwas blumiger über den Tabellenführer schreiben.
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Während unserer Testsession blitzten einige positive Ansätze des neuen Systems auf. So wurde Bastian Schweinsteiger von Vereinen stärker umworben je näher sein Vertragsende rückte. Eine Vertragsverlängerung kam nur mit einem ordentlichen Batzen Handgeld, vielen Gesprächen und einer Gehaltserhöhung zustande. Wobei sich der Spieler erstmals selbstständig äußerte, was er sich von dem Kontrakt mit uns erwartete – sportlich wie finanziell. Endlich die Verbesserung, die wir uns letztes Jahr so sehnlichst gewünscht hatten!

Auch die Medien bekommen in diesem Bereich ein größeres Gewicht zugesprochen. Denn hier können gezielt Gerüchte über Transfers gestreut und damit Spieler beeinflusst werden. Interesse wird öffentlich. So landen unsere zahlreichen abgelehnten Anfragen an Wayne Rooney schon bald auf der ersten Seite des Kickers. Dass die Presse dabei von einem fast sicheren Wechsel spricht, kommt uns nur zu Gute. Bereits beim nächsten schlechten Spiel des englischen Nationalspielers wächst die Unzufriedenheit, die Moral sinkt, der Vertrag läuft bald aus. Ein Glück, dass wir ihn mit offenen Armen und einem schönen Koffer Geld in Empfang nehmen.

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Informationen zu sämtlichen Mannschaften werden detailliert gesammelt und hübsch aufbereitet.
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Doch das System offenbarte auch seine Schattenseiten. So sollten laut Entwickler wichtige Spieler von direkten Konkurrenten abgeworben werden, um diese zu schwächen. Eine Taktik, die auch im realen Fußball immer mehr zu Tragen kommt. Dass die Raubtierpolitik von Real Madrid dazu jedoch einfach auf andere Mannschaften übertragen wurde, hätten wir nicht gedacht. In manchen Situationen gehen die Mannschaften zu sinnfrei auf dem Transfermarkt zu Werke und raffen teils Spieler, die sportlich dann keinerlei Perspektive haben. Oder wozu braucht Bayern München einen Paul Scholes von Manchester United, wenn sämtliche Spieler fit sind?

Preis-Leistungs-Verhältnis „Sehr gut“

Doch dies sind Klagen auf hohem Niveau angesichts der gigantischen Spieltiefe, die hier geboten wird. Allein für eine intensive Saison benötigten wir über fünfzehn (!) Stunden Spielzeit. Wer lieber ein schnelles Spiel sucht, der lässt sämtliche privaten und wirtschaftlichen Bereiche von Assistenten regeln und konzentriert sich auf das Sportliche. Doch selbst im so genannten „Fußball Pur“-Modus benötigen wir noch rund sechs Stunden pro Saison.

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Mit einem einfachen Klick lässt sich auch in diesem Jahr der Schreibtisch auf die persönlichen Bedürfnisse anpassen.
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Zusätzlich zu diesen Modi verlängert ein 3D-Spiel mit ansehnlicherer Grafik als noch im Vorgänger das Spielvergnügen. Wem das noch nicht genug ist, hängt nach einer Bundesligasaison noch eine WM dran. Denn im separaten WM-Modus darf der Manager ein Team durch die Endrunde in Südafrika begleiten. Auch hierbei können gut und gerne eine Stunde Spielzeit vergehen. Zudem bietet der FM 11 dieses Jahr mit der Live Season die Möglichkeit, die Führung über seine Lieblingsmannschaft zu übernehmen. Und das mit dem aktuellen Tabellenstand, Verletzungen und Sperren. Schalke ganz einfach mal selbst aus dem Tabellenkeller holen? Kein Problem.

Ebenso wurden zahlreiche kleinere Änderungen vorgenommen und Wünsche der Community umgesetzt. Spezielle Präsentation von Derbys, neue Verletzungen, neue Infoscreens, oder ein Finanzassistent sind nur einige der über 400 Änderungen. Diese allesamt aufzulisten würde den Rahmen dieses Tests sprengen.

Jedes für sich lässt den Fußball Manager weitaus runder und realistischer wirken als noch im letzten Jahr. Sicherlich bleiben gewaltige Sprünge im Vergleich zum Vorgänger aus. Doch mehr Spiel für einen Preis von 50 Euro gibt es momentan nicht.

(Fast) so rund wie ein Fußball

Gehen wir unsere Mängelliste von letztem Jahr durch, so fallen uns lediglich drei gröbere Makel auf, die es erneut ins Spiel geschafft haben. Zum einen werden Fans immer noch recht spartanisch abgefertigt. Zum anderen vermissen wir zum wiederholten Mal den Tiefgang bei Spielergesprächen und Interviews. Wünschenswert wäre auch ein Reputationssystem, sodass gerade junge Spieler nicht nur vom Geld, sondern auch vom Namen großer Vereine angelockt würden.

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Selbst die anspruchsvollsten Taktikfüchse dürften sich hier wohlfühlen. Die Funktionsvielfalt und Einstellungsmöglichkeiten des neuen Menüs sind überwältigend.
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Etwas ambivalent sehen wir den Onlinebereich. Dieser vermittelt den Eindruck, er würde etwas stiefmütterlich behandelt werden. Denn statt hier auf Realismus zu setzen und den Fans ein ähnliches Spielprinzip zu bieten, wie Comunio oder der Kicker-Manager, setzt man auf Arcade statt Realismus. Das beweisen auch die neuen Features in diesem Bereich. Allen voran Missionen für zusätzlich Sponsorengelder, Jugenddrafting und weitere Auktionstypen bei Transfers. Dem einen mag dies eine gelungene Abwechslung zum ernsten Managerleben sein. Wir finden den Modus eher wenig packend. Lieber ganz oder gar nicht.

Wer solch ein komplexes Simulationsmonstrum schafft, kann nicht alle Fehler ausmerzen. Und die Fans werden über die wenigen Logikfehler mit Sicherheit hinwegsehen. Manche nimmt man gar mit einem Schmunzeln zur Kenntnis („Meier (Kreuzbandriss) kommt zurück aufs Spielfeld und probiert es noch einmal). Denn wirklich spielentscheidend sind sie nicht.

Was den Spielspaß etwas verdirbt, sind die mit zunehmender Anzahl an simulierten Ligen steigenden Hardwareanforderungen. Letztes Jahr konnten wir bereits nur noch zwei Länder simulieren. In diesem Jahr brachte allein Deutschland unseren PC auf Touren. Wer dennoch nicht auf weitere Länder verzichten will, muss sich mit längeren Ladezeiten anfreunden.