Wer die Fußball Bundesliga aufmerksam verfolgt, für den wird der Hoffenheimer Trainer Ralf Rangnick kein Unbekannter sein. An Trainer und Verein scheiden sich dabei die Geister. Für die Einen ist er ein arroganter Besserwisser, der Verein nicht mehr als eine zusammengekaufte Mannschaft, hinter der Mäzen Dietmar Hopp mit dem Geldbeutel winkt. Für die Anderen ist Rangnick ein strenger Fußballlehrer, der den Erfolg durch innovativen Fußball und harte Arbeit erkämpfte.

Ein zweiseitiges Image, welches auch den Machern des Fußball Managers anhaftet. Vielleicht ziert Rangnick deshalb das Cover des neusten Ablegers aus dem Hause EA Sports? Nun, ein Bild über Rangnick und Hoffenheim darf sich jeder Fußballliebhaber selbst machen. Das Bild über den FM 10 haben wir uns für euch gemacht.

Das Zauberwort heißt Usability

Für die heutige Generation gehören Begrifflichkeiten wie Web 2.0 und Usability zum sprachlichen Standardrepertoire. So sind die meisten Internetauftritte AUF den Nutzer zurechtgeschnitten und teilweise MIT ihm erstellt worden. Ähnlich verhält es sich dieses Jahr auch mit dem Fußball Manager. Dass man selbst Hand an Transfers, Aufstellung und Stadion legt, steht dabei außer Frage.

Fussball Manager 10 - Fußball wie in Hoffenheim

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Mit Hilfe der Widgets am Rand des Menüs lassen sich einfache Statistiken individuell positionieren.
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Neu ist hingegen, dass der Arbeitsplatz individuell wird. Die Zeiten des starren Menüdesigns mit fest positionierten und vollgestopften Infokästchen sind somit vorbei. Das Menü im FM 10 ähnelt einem Schreibtisch, der mit dem Interface aus dem letzten Jahr im Zentrum aufwartet. Um dieses lassen sich mit Hilfe von Widgets gewünschte Statistiken hinzufügen, entfernen, ausblenden und erweitern.

Wer also einen Blick auf die Torschützenliste werfen, zeitgleich aber nicht an das überfüllte Lazarett erinnert werden möchte, der kann sein Menü dementsprechend mit wenigen Mausklicks umbauen. Zusätzlich ist es möglich über den Banner am unteren Bildschirmrand RSS-Feeds aus dem Internet abzurufen. Die neusten Nachrichten aus der (realen) Welt des Fußballs verpasst man damit nicht mehr.

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Auch dürfen Gegenstände, wie Schals, Schiffchen oder Aufstiegsrasen um das Menü platziert werden. Die Identifikation mit dem Verein wird dabei groß geschrieben. Viele der insgesamt 50 Accessoires tragen die Vereinsfarben und werden nach errungenen Erfolgen für den Verein freigeschaltet. Den ehrgeizigen Spieler wird’s freuen.

Keine Chance für Kasachstan

Seit Jahren von der Community gefordert, findet sich jetzt endlich auch ein Notizblock auf dem Schreibtisch des Managers. Schnelle Rechnungen, Transferideen, oder Trainingseindrücke können kurzerhand notiert werden. Der Clou: Gesichtete Talente und herausragende Akteure können jederzeit - auch während eines Matches - einfach in den Notizblock gezogen werden. So gestaltet sich die Saisonplanung wesentlich einfacher.

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Während der Simulation der Matches hat der Manager nun mehr Möglichkeiten ins Spiel einzugreifen.
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Der Vorteil dieses personalisierten Menüdesigns liegt also klar auf der Hand: Unnötige Informationen, wie beispielsweise die Torjägerliste aus Kasachstan, fallen auf Wunsch weg, der Arbeitsplatz wirkt dezent und in keiner Weise mehr überladen, und das Notizsystem erleichtert das Leben eines Profimanagers um Papier und Stift neben dem Laptop.

Spieler des FM 09 behalten zudem im Kern das altbekannte Menü und bedürfen keiner Umstellung. Ein Neuling hat es einfacher, den Überblick zu behalten und Profis müssen dennoch nicht auf die komplexe Bandbreite an Statistiken und Infos verzichten. Der Nachteil: Ist die Auflösung des Bildschirms zu gering, muss teilweise gescrollt werden, um den ganzen Schreibtisch im Blick zu behalten.

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Die Grafik des 3D-Modus baut zwar auf der FIFA-Engine auf, die Kluft zwischen beiden Spielen ist jedoch erkennbar.
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Die größten Veränderungen im Vergleich zum Vorgänger sind mit diesen Verschönerungen kosmetischer Natur bereits abgehakt. Inhaltlich wurde nur partiell geschraubt. So dürfen nun neben Tribünenausbau und Infrastruktur um das Stadion herum auch Einrichtungen innerhalb des Stadions gebaut und pro Spiel verwaltet werden. Wie stattet man die VIP-Lounge aus, wie viele Imbissbuden stehen für die hungrigen Fans bereit, wie sieht es mit Nahverkehrsanbindung und Toiletten aus? All das liegt nun in der Hand des Managers.

Der FM 10 wirkt reifer als sein Vorgänger und läuft zudem stabiler. Perfekt ist er nicht, aber es fehlt nicht mehr viel.Fazit lesen

Apropos Stadion. Schön, dass der Stadionbau vereinfacht wurde. Endlich muss nicht in den 3D-Modus geschaltet werden, um einer Tribüne ein paar Sitzgelegenheiten hinzuzufügen. Leichter von der Hand gehen das Scoutingsystem und die Spielersuche. Eine einfachere Bedienung mit mehr Optionen bei gleichen Ergebnissen. Löblich.

Dezente Verbesserungen

Zudem wurden die Verhandlungen mit Sponsoren verbessert. Man hat nun die Auswahl, ob man mit dem Gegenüber aggressiv, vorsichtig oder normal verhandelt. Vorbei die Zeit des undurchsichtigen Pokerns, das zu leeren Banden während der Saison führte. Nach Angaben von EA sollen es knapp 400 Verbesserungen dieser Art ins Spiel geschafft haben, dabei sehr dezent und kaum merklich verbaut.

Kein Wunder, dass alte Hasen diese wohl nur mit einem Nicken zur Kenntnis nehmen, viele gar in der Komplexität übersehen werden. Doch so viel Liebe zum Detail kann sich rächen, denn es wurden größere Baustellen schlichtweg ignoriert – wie jedes Jahr übrigens.

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Die Einrichtungen im Stadion lassen sich nun verwalten. Egal ob Imbissbude, VIP-Lounge oder Toiletten.
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So bleiben beispielsweise Spielergespräche, Interviews und Transferverhandlungen erneut ohne Tiefgang. Die Fragen der Reporter kennen wir bereits seit dem Jahr 2006, der Verlauf eines Spielergesprächs ist ebenfalls hinlänglich bekannt. Wieso reagieren also Spieler, die mein Vertrauen genießen, genervt und irritiert auf die Frage nach dem Befinden der Familie?

Zu weit ins Abseits rücken indes das Privatleben und die Fans. Erneut müssen beide Bereiche mit spartanischen Optionen auskommen. Verwunderlich, dass beispielsweise nicht genauer zwischen Fans und Merchandising unterschieden wird. Die Seele eines Vereins mit einigen Wimpeln und Sonderbussen abgefertigt? Wenn Fanbetreuung nur so einfach wäre…

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Der Spieler des Jahres. Diese Auszeichnung fordern Fans nun schon seit Langem.
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Auch bei den Verhandlungen mit Spielern besteht Nachholbedarf für die Entwickler. Wie ist es möglich, dass Philip Boenisch von Werder Bremen zu Juventus Turin wechselt, Stamm spielt und gleichzeitig Mesut Özil in Mainz auf der Bank versauert? Geld regiert zwar die Welt, jedoch sollte es im Fußball ebenso auf Prestige und Reputation ankommen. Ein solches System vermissen wir bereits seit Jahren.

Unerreichte Komplexität

Ein Klagelied auf hohem Niveau. So möchte man angesichts der noch immer beeindruckenden Komplexität des FM urteilen. 3.600 lizenzierte Vereine und 31.000 Spieler, dazu ein mächtiger Editor, mit Hilfe dessen die Datenbank stetig erweitert werden kann. An Tiefgang mangelt es ebenfalls nicht. Vom Jugendteam bis hin zur Nationalmannschaft liegt alles in der Hand des Managers. Finanzen, Transfers, Merchandising – eben ein Fulltimejob.

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Toooor, Toooor – Deutschland ist Weltmeister. Wie weit liegen Wirklichkeit und Simulation auseinander?
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Wer damit überfordert ist, gibt kurzerhand ein paar Aufgaben an die Mitarbeiter ab. Diese agieren verantwortungsvoll und handeln stets im Sinne des Managers. Doch bei so viel Komplexität, sind Fehler nicht unvermeidlich. Wie bereits erwähnt, gibt es immer noch einige Baustellen, auch wenn Bright Future mit den Detailverbesserungen einige grobe Fehler ausmerzen konnte. Fragwürdig sind immer noch einige Millionentransfers, Spielerentscheidungen und Investitionen großer Vereine.

Immerhin hat man mehr Balance in die Simulation der einzelnen Matches gebracht. Weitaus realistischer geht es bei Spielen zwischen großen und kleinen Mannschaften, Auswärtsspielen und Pokalfights zu. Zudem hat der Trainer im FM10 mehr Eingriffsmöglichkeit während des Spiels. Von der Seitenlinie aus gibt er lauthals taktische Anweisung, motiviert und tadelt, kann jedoch auch auf die Tribüne verbannt werden.

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Im Onlinemodus beschränkt man sich nur auf das Nötigste. Das Minimanagement fällt komplett weg.
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Nicht derart tiefgängig, nicht so komplex, dafür aber kurzweilig und spaßig, präsentiert sich der frisch integrierte Onlinemodus für bis zu vier Spieler. In diesem verzichtete EA auf sämtliches Minimanagement ob des begrenzten Zeitfensters der Onlinespielerschaft. Kern sind Aufstellung, Training, Stadion und Transfers. Besonders letztere erinnert stark an eine eBay-Auktion kurz vor Ende, in denen der Höchstbietende in letzter Minute das Rennen macht.

Alle anderen Bereiche sind schnell abgearbeitet. Kurz die Eintrittspreise angepasst, das Training festgelegt und die Aufstellung bearbeitet. Einen Blick noch auf die Finanzen und schon geht es auf den nächsten Spieltag zu. Was geboten wird, ist also kein Meilenstein, der das Genre bereichert. Dennoch ist dieser „Light-Modus“ eine nette Dreingabe für zwischendurch. Wer ernsthaft managen möchte, muss alleine spielen.

Technisch leicht verbessert

Von technischer Seite her gibt es in diesem Jahr kaum zu klagen. Der FM 10 wirkt nicht nur wegen der neuen Optik nicht mehr so schwerfällig, sondern überzeugt auch in Sachen Performance. Der Wochenablauf wirkt weniger zäh, der Saisonabschluss ist in wenigen Momenten geschafft, die Schnellspeicherung wird endlich ihrem Namen gerecht und die Ladezeiten bezüglich der Matches – in 3D oder Sofortberechnung – halten sich erstaunlich gering.

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Die Transfers im Onlinemodus laufen als Auktionen ab. Spaßig für die Spieler, wenn auch wenig realistisch.
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Die Zeiten, in denen man sich fragen musste, ob der FM nun abgestürzt sei oder einfach verdammt lange Ergebnisse berechnet, scheinen dahin. Apropos Abstürze: Während unserer gespielten Saison kam es zu keinem einzigen Absturz und lediglich einigen kleineren Rucklern. Es scheint, als habe man sich die Hasstiraden der Community bezüglich der Updateflut im letzten Jahr zu Herzen genommen.

Baustellen gibt es aber dennoch. Die größte dürfte der 3D-Modus sein, welcher die FIFA-Engine zur Simulation des Spiels benutzt. Die KI der Spieler ist erschreckend schwach, die Bugs in diesem Bereich noch zu zahlreich. Mal klebt der Ball einem Mitspieler am Fuß, mal schießt der Torhüter einen Ball ohne Bedrängnis einfach ins Toraus – Realismus sieht anders aus. Freunde schönen Fußballs sollten daher eher auf den Textmodus oder den Videotext zurückgreifen.

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Im Spiel lassen sich RSS-Feeds einbinden, die auch den aktuellen Spielstand der (realen) Bundesliga einblenden.
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Soundtechnisch überzeugt der FM durch die Einbindung der eigenen MP3-Sammlung. Ansonsten stehen eine Hand voll Lieder zur Verfügung, die das Managerleben musikalisch begleiten. Dennoch sollte man eher auf erstere Möglichkeit zurückgreifen, da sich die Titel zu rasch wiederholen; musikalisch sind sie immerhin solide.

Zumindest genauso wenig wie die Soundeffekte im 3D-Spiel und im Textmodus. Ein Schicksal, das der FM mit seinem Simulationsbruder FIFA teilt. Das Publikum wirkt lustlos, die Effekte bei Schuss, Pass und Foul klingen wie aus dem Synthesizer.