Fußball-Fans sind ein ganz eigenes Volk, das wissen wir spätestens seit „Fever Pitch“ von Kultautor Nick Hornby. Sie denken in Saisons, Spieltagen und Meisterschaftsepochen. Und wenn sie dazu noch Computerspiele mögen, auch in Jahreszahlen. Denn in alljährlicher Regelmäßigkeit erscheinen wie ihre anderen Genreverwandten auch die Fußball-Manager in mehr oder minder neuen Trikots. Wir haben uns im neuen Fussball Manager 08 auf die Trainerbank gesetzt.

Wenn Vögel über Fußballplätze flattern, dann denkt der gemeine Fan eigentlich nur an Sepp Maier und seinen Sprung in Richtung einer verirrten Taube. Von den Spieltag begleitenden und mit Hand und Stirn ausgeführten Zielangaben zum Federvieh in Richtung Schiedsrichter, Gegenspieler oder gegnerischem Fan wollen wir hier einmal absehen. Auch den grandiosen Verbalausrutscher von ZDF-Moderator Volker Panzer, „Und das passiert, wenn Menschen gut zu Vögeln sind“, wollen wir an dieser Stelle allein des Spaßes wegen erwähnen.

Fussball Manager 08 - Mit kleinen Schritten zur Meisterschaft: FM macht wenig neu, dafür vieles besser.

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Der Textmodus hat wieder einmal ein paar Zeilen dazu bekommen und sorgt so für Spannung.
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Eigentlich geht es uns aber um Hennen und Eier. Dieser Zusammenhang ist bezogen auf den Kölner FM-Entwickler Bright Future nämlich überaus interessant. Denn ihre Philosophie, ihr Manager-Baby Schritt für Schritt zu entwickeln, dabei keine großen Veränderungen auf einmal vorzunehmen und den Titel jedes Jahr aktuell, stabil und robust zu halten, könnte auch von Publisher Electronic Arts, beziehungsweise vom Label EA Sports, vorformuliert worden sein. Wer sich also in erster Instanz für diese Ausrichtung verantwortlich zeigte, können und wollen wir hier gar nicht beantworten. Aber, um endlich mal konkret zu werden, verraten wir an dieser Stelle, dass sich auch anno 2007 erneut nur punktuell größere Überarbeitungen ergeben haben.

Ich löse mich auf

Dabei fällt die erste Veränderung doch gleich beim Start auf: Der Fussball Manager 08 unterstützt nämlich nun neben der Auflösung 1024x768 auch 1280x1024 Bildpunkte. Besitzer von TFT-Monitoren mit entsprechender nativer Auflösung werden es den Entwicklern danken, sahen die Vorgänger aufgrund der interpolierten Darstellung oftmals verwaschen und schwammig aus.

Ansonsten fällt der Spielstart genauso wie im Vorgänger aus. Nach persönlichem Gusto wählt man sich seinen Lieblingsclub, gründet einen neuen Verein oder startet eine echte Karriere und erhält seine Jobangebote nach entsprechendem Renommee. Wer sich mit dem Ligaalltag noch nicht ausgelastet fühlt, darf zudem die Geschicke eines Länderteams übernehmen.

Fussball Manager 08 - Mit kleinen Schritten zur Meisterschaft: FM macht wenig neu, dafür vieles besser.

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Die 3D-Darstellung ist aus mehreren FIFA-Engines zusammengebaut worden.
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Einmal im Menü angekommen, muss man sich als erfahrener Manager dann doch erst einmal neu orientieren. Denn die überholte Oberfläche hat die höhere Auflösung vollends verdient. Über eine Übersichtsleiste im oberen Bildschirmbereich lassen sich sämtliche Optionen rasch erreichen, links findet man wie im Vorgänger Infobildschirme, wie die News-Webseite mit Nachrichten aus dem Spiel, die Statistikdatenbank oder das Match-Analyse-Tool, mit dem sich 3D-Spiele nachträglich durchleuchten lassen.

Bright Future bleibt sich treu: Viele kleine Verbesserungen plus wenige große machen die 08er-Ausgabe des FM aus.Fazit lesen

Ganz neu sind mehrere frei belegbare Plätze für Widgets. Die Miniapplikationen, die bereits MacOS- und Vista-Nutzern den Alltag verschönern, haben also auch den Weg in den Fussball Manager geschafft. Hier handelt es sich allerdings um verschiedene Statistikfensterchen, die sich frei konfigurieren lassen. So kann man jederzeit die Jugendarbeit, die Finanzen oder andere Bereiche im Sichtfeld haben.

Ebenfalls hilfreich ist die Hauptseite. Auf dieser bekommt man einen Überblick über den Status der wichtigsten Aufgabenfelder. Redet man zu wenig mit seinen Kickern erscheint der Punkt „Team“ in rot mit dem passenden Hinweis. Vernachlässigt man hingegen seine Familie folgt hier ebenfalls die Erinnerung. So können sich gerade Einsteiger jederzeit einen Überblick über die aktuellen Aufgaben verschaffen.

Ist Ronaldinho gut?

Zu jenen Aufgaben gehören zu Spielstart, wie schon 2006, die Planung der Saison, die Zusammenstellung des Kaders und die Trainingsgestaltung. Wer nun gleich auf den Transfermarkt stürmt, um seinen verwöhnten Ballstreichlern Konkurrenz mit Neuzugängen zu machen, hat eine Begegnung mit Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews. Oder anders: Er sieht nur Fragezeichen. Denn die größte Neuerung in diesem Jahr ist das komplett überarbeitete Scoutingsystem.

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Die Interviews wiederholen sich inhaltlich schnell und verkommen so rasch zu einem notwendigen Übel.
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So hat man als Neumanager zunächst eine beinahe leere Datenbank, die mit der Zeit mit Datensätzen gefüllt werden muss. Sämtliche Werte der Spieler, wie Talent, Freistoßqualität oder Fitness, sind in den meisten Fällen erst einmal verdeckt. Die Ausnahme bilden hier Topstars, die so oft zu sehen sind, dass man ihre Stärken und Schwächen schon kennt. Doch gerade in den unteren Ligen müssen die Werte der Kicker erst einmal durch Beobachtung ermittelt werden. Dabei dürfen selbstredend haufenweise Scouts um die Welt geschickt werden, man selbst ist nicht gezwungen als Bundesligatrainer neuer Stammgast an den Kreisliga-A-Feldern zu werden.

Dies ist jedoch auch eine verpasste Chance. Denn im Spielalltag schickt man so nur seine Scouts los, diese füllen die Datenbank und irgendwann ist man über die wichtigsten Spieler im Bilde. Kurzfristiges Beobachten durch den Chef selbst wären hier ebenfalls interessant gewesen. So hätte man in Form von echten 3D-Spielbeobachtungen sein Fachwissen unter Beweis stellen können, indem man die Werte selbst bestimmen muss. Wie gut man schließlich mit seiner Einschätzung war, hätte man dann erst nach der Verpflichtung gemerkt.

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Wie schon im Vorgänger wird man immer wieder mit Info-Bildschirmen sowie Daten und Fakten beliefert.
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Thema Verpflichtungen: Der Transfermarkt wurde zwar weitestgehend in der Fassung des Vorgängers gehalten, allerdings hat man dort etwas Feintuning betrieben. So spürt man gerade in der ersten Saison, dass die computergesteuerten Vereine deutlich weniger kaufen und verkaufen. Das ist sehr angenehm, denn wer möchte schon, dass gleich zu Beginn der Startsaison der FC Barcelona Franck Ribery gleich wieder aus der Bundesliga fort kauft.

Was erlauben Trainer?!

Das nächste kleine Detail, das auffällt, sind die vielen Interviewsituationen, denen man sich als Coach immer wieder stellen muss. Vor einigen ausgewählten Hintergründen, etwa im Stadion vor dem Mikro von Premiere-Moderator Sebastian Hellmann oder im hauseigenen Presseraum, muss man sich im „Wähle aus einigen Antworten und bedenke die Auswirkungen“-Prinzip den Journalisten stellen.

Was eigentlich für Atmosphäre sorgen soll, nervt mit der Zeit allerdings nur noch. Zwar wurden die Antwortmöglichkeiten im Vergleich zu den Vorgängern erhöht, beziehungsweise in ihrer Aussagekraft vertieft, trotzdem hat man derart schnell Wiederholungen den Fragen, dass das Frage-Antwort-Spiel schon rasch zur langweiligen Routine verkommt.

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Die Auf- und Abwertungsrunde gab es bereits im Vorgänger-Addon Verlängerung.
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Überhaupt – und das ist wohl eingangs erwähnter Philosophie geschuldet – vermisst man in vielen Bereichen den Tiefgang. So besteht der Nationaltrainermodus im Kern immer noch nur aus Kaderwahl, Aufstellung und Spiel, der – zugegebenermaßen nebensächliche – Privatbereich ist nur ein Abklicken von Golfspiel, Pauken für den Segelschein und dem Kauf von Geschenken für den Partner und auch das Vereinsgelände im Sim-City-Look ist ob der geringen Verdienstmöglichkeiten nur Nebensache. Allein der neue Drag&Drop-Stadioneditor ist gelungen und hat so das Potenzial, mehr Spieler in diesen vormals sehr komplexen Bereich zu locken.

Wichtig ist auffem Platz

Gewohnt gelungen ist allerdings wieder einmal die Spieldarstellung, wobei man hier wie immer zwischen den drei Darstellungsoptionen unterscheiden muss. Das 3D-Spiel greift auf eine Mischung aus verschiedenen FIFA-Engines zurück und funktioniert ordentlich; optisch kann der Modus allerdings nicht mit den aktuellen FIFA-Titeln mithalten. Die Spielsituationen werden aber gut umgesetzt, und man sieht oft den direkten Einfluss der eigenen Anweisungen und des vorherigen Trainings. Wer möchte, darf zudem auch wieder die Geschicke eines einzelnen Balltreters übernehmen.

Neben dem 3D-Spiel stehen wie im Vorgänger der Videotext und der Textmodus bereit. Während der Videotext lediglich die Ergebnisse aktualisiert, darf im Textmodus das Spiel in eben durch Text beschriebener Form verfolgt werden – für viele Fans der wichtigste Teil des Spiels. Daher wurde hier erneut die Anzahl der Textzeilen überarbeitet, so dass man als Zuschauer nicht so rasch von sich wiederholenden Passagen gelangweilt wird.

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Die vielen kleinen Ranglisten geben einen guten Überblick über die Leistungen der eigenen Spieler und über die der Konkurrenz.
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Während die Spieldarstellung im Großen und Ganzen also gelungen ist, sorgen gelegentliche Ausreißer für seltsame Spielereignisse. Da rastet der eigentlich überaus friedliche Miroslav Klose plötzlich aus und hämmert seinen Gegenspieler mit dem Ellbogen zu Boden, da gehen Spiele mit Tennisergebnissen wie 6:4 aus und selbst bei niedrigster Aggressivitätseinstellung hagelt es immer mal wieder mehrere Platzverweise in einem Spiel. Doch erfahrene FM-Spieler wissen schon: Solche Punkte bügelt Bright Future in der Regel per Patch aus.

Ansonsten finden sich neben den alten und den neuen Features auch die aus der Mitte im Fussball Manager 08 wieder. Sprich: die Elemente, die die 07er-Edition erst durch das Addon „Verlängerung“ erhielt, wie etwa die Auf- und Abwertungsrunde, die jeweils nach einem halben Jahr die Entwicklung der Spieler in ihre Fähigkeitenwerte umsetzt. Viele neue Statistikbildschirme runden das Gesamtpaket gelungen ab, wobei der von vielen Fans immer wieder geforderte Netzwerkmodus ob dem riesigen damit verbundenen Entwicklungsaufwand erneut fehlt.