Was sagt man über ein Spiel, das auf den ersten, zweiten und dritten Blick so ist wie Zighunderte vor ihm? Es werden nette Dinge dabei sein, ein paar auf jeden Fall, aber auch Schulterzucken und die Frage, ob Sony einfach nur kein weiteres Resistance bei Entwickler Insomniac in Auftrag gab.

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Trotzdem, was sagen?

- Ein mutierender Russe mit leuchtenden Auswüchsen am Bauch, der sich eine Spritze nach der anderen setzt, eine keifende Asiatin im hautengen Anzug, eine Weltraumbasis mit auf Europa gerichteten Sprengkörpern. Wer würde das nicht sehen wollen?

- Man muss Insomniac immerhin lassen, dass sie euch auf den richtigen Weg führen: zur Videothek.

- Im Grunde gibt es nichts Schlimmes gegen Fuse einzuwenden. Es ist nur ziemlich unnötig. (Puuuh, Einstieg gefunden)

Wir haben hier ein Spiel, von dem ich mir nicht sicher bin, ob es die Welt wirklich gebraucht hätte. Und wenn schon, dann eher so drei Jahre vorher. Selbst damals hätte es in der vorliegenden Form Gesichter langgezogen mit seiner faulen Levelgestaltung, wäre vielleicht "richtungslos" genannt worden oder "seiner Zeit hinterher". Man hätte sich über den Vier-Spieler-Koop-Modus gefreut, aber sonst?

Fuse - Besser als gar nichts

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Dieses Bild zeigt ungefähr 50 Prozent aller Kulissen: Halle, Förderband, Kiste, Treppe, Hof, Treppe, Hof, Kiste...
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Vielleicht hätten wir auch diejenige Version gesehen, die Insomniac ursprünglich im Sinn hatte, bevor Fuse (damals noch unter dem Titel Overstrike) unter- und erst wieder auftauchte, als es aussah, wie jeder Shooter mit Military-Forschungsanlagen-Einschlag nun mal aussieht. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich hätte auf den ersten Blick lieber das hier gehabt als einen Marsch durch Actionspiel-Klischees, die sich in den letzten Jahren angesammelt haben.

Fuse ist was Wichtiges. Ein Element, das bei richtiger Verwendung ganze Kontinente auslöschen kann. Sagt zumindest der Typ am Ende, bevor er sich in seinen Mech zwängt. Er ist einer der Bösen. Euer Vierer-Söldnersquad nicht. Hinterher! Jagt es ihm ab und rettet die Welt. Darum dreht sich die Geschichte.

Packshot zu FuseFuseErschienen für PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Bemerkenswert, dass Fuse die Müdigkeit über ständig dieselben Sequels wegputzen will, mit dem mickrigen Besen aber nicht mal seine ewig gleichen Lagerhallen sauber bekommt. Geländer, Kiste, Geländer, Gabelstapler, Kiste, Treppe, Kiste, superwichtig aussehende Maschine, Treppe, Kiste. All das könnte in genau derselben Anordnung auch in Spielen wie Halo, Dark Void oder jedem anderen Sci-Fi-Shooter der letzten zehn Jahre auftauchen.

Fuse - Besser als gar nichts

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Die Action kann Laune machen, besonders mit anderen Spielern. Aber sie hat nichts, was es nicht anderswo schon in besserer Form gab.
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Wer die ersten zwei Stunden überstehen will und keine abrufbereite Freundesliste mit derselben Idee hat, muss ganz stark sein. Fuse hat abseits seiner nicht blöd erdachten kooperativen Ausrichtung und einiger Waffen (die für Insomniac-Verhältnisse zahm bleiben) nicht viel zu bieten, was man nicht schon besser gesehen hat.

Ein Spiel für den Grabbeltisch: solide und unspektakulär.Fazit lesen

Erfahrungspunkte für Abschüsse hier, zehn Prozent mehr Schaden da, paar nette Charakterboni zum Freispielen, Granaten, die beim Explodieren weitere, in alle Himmelsrichtungen segelnde Ladungen freisetzen, Armbrust mit überspringendem Brandschaden, Gegner im Dutzend fressende schwarze Löcher, so Sachen halt. Man nimmt, was man kriegt, und das ist ab und zu mehr und spaßiger, als es die biederen Kulissen erahnen lassen.

Ist eben ein Deckungs-Shooter

Rein mechanisch ist da nicht viel Sand im Getriebe. Ein Deckungs-Shooter vom Deckungs-Shooter-Ballermann, wo all die grölenden Dinger stehen, ohne die sich die Welt trotzdem weiterdreht. Die Handhabung ist exzellent. In Deckung schlittern, über Deckungen springen, schießen und werfen – klappt alles wunderbar flüssig, wie es Vanquish zuletzt in Perfektion abfeierte. Sorry, dass ich so was hier erwähne, das sollte man als gegeben hinnehmen dürfen, doch es ist Fuses bombensicheres Fundament.

Das Abtauchen hinter einem Geländer, die Ausweichrolle, wenn ein Kampfheli einen sengend-heißen Strahl in eure Richtung feuert, das seitliche Wechseln von einer Deckung zur nächsten. Die Action wird euch nie Steine in den Weg rollen, das Getriebe nie stottern. Fuse wehrt sich kein bisschen gegen lockeres Runterspielen an einem hosenfreien Tag ohne besseren Plan und in angeschlagener Verfassung. Es ist so schnell vorbei, wie es begann, und danach sofort verstaut in irgendeinem Karton.

Trotzdem macht Fuse hin und wieder richtig Spaß, trotz all der Höfe, Verladebuchten und Tempelanlagen, die aussehen wie nicht zu Ende gebaute Level-Prototypen (oder besser: die so gebaut sind, weil das Spiel eine hier durchmarschierende Viererarmee vorsieht). Mit Freunden und reichlich Dummgeschwätz wird man schon seine Momente erleben, wenn man sich Deckungsfeuer gibt, Schilde aufspannt, Seite an Seite gegen hohe Mechs kämpft und den Partner in letzter Sekunde vor dem Tod rettet.

Fuse - Besser als gar nichts

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Overstrike, so sollte Fuse ursprünglich heißen. Die Protagonisten sind geblieben. Lustig wird es aber nur selten.
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Es ist die Art von Spaß, die nach dem Akzeptieren des dürftigen Kerns einsetzt. Gerade dann, wenn man ausblendet, wie viel besser andere, wesentlich ältere Shooter in Sachen Tempo, Rhythmus und Abwechslung sind. Kracht und scheppert ja auch überall schön und ständig. Schon wieder Helis, und sie laden die fünfte Welle ab...

Der Rest ist ein Schema-F-Schablone mit eingelassenen Lücken für stationäre Geschütze und Gegnerwellen nach Stechuhr. Ihr betretet ein Areal, mäht alles vor euch nieder, geht ans Geschütz, dreht euch um, macht bei allem aus der Gegenrichtung Kommenden noch einmal dasselbe und immer so weiter.

Ich kann beim besten Willen nicht behaupten, dass ich die sechs Stunden nun unbedingt wiederhaben möchte, mein Mitspieler auch nicht. Waren auch nur zwei Abende. Aber hängen bleibt nichts. Und das ist bei einem Insomniac-Spiel viel schlimmer.