Der Streit, ob Größe allein entscheidend ist, wird in vielen Lebenslagen ausgefochten. Ob "Size matters" oder nicht, wird nicht nur in horizontalen, sondern auch vertikalen Entscheidungsschlachten heftig diskutiert. Die Asobo Studios, Entwickler des Arcade-Racers Fuel, haben sich eindeutig für das Pro entschieden: Sie legen mit einer Spielwelt von gigantischen 14.400 Quadratkilometern Ausmaßen ihr ganzes Augenmerk auf diesen Aspekt ihres Spiels.

Und vergessen auf der anderen Seite, die enorme Zahl auch mit motivierenden Inhalten und Leben zu füllen. Was letztendlich dabei herauskommt, haben wir bei staubigen Rundfahrten quer durch ein fiktives Amerika der Zukunft für euch herausgefunden.

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Gigantische Welt, aber leblos

In Fuel verfrachtet man euch abermals in ein post-apokalyptisches Szenario: Der Klimawandel hat voll zugeschlagen und weite Teile der USA in eine lebensfeindliche Ödnis verwandelt. Abgesehen von einigen Motorsportverrückten wagt sich kaum noch ein Lebewesen in die freie Natur, und so wirkt die enorme Weite der zwölf kolossalen Areale zwar auf den ersten Blick beeindruckend, schnell stellt man jedoch fest, dass die leblose Darstellung nur für kurze Zeit Faszination verströmt. So begegnet ihr bei euren Ausflügen ins Hinterland abseits der vielen Rennveranstaltungen nur sehr selten anderen "Verkehrsteilnehmern" - andere Lebewesen scheint es gar nicht zu geben.

FUEL - Wo ist nur Mad Max, wenn man ihn mal braucht?!

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Die Wettereffekte sind nett anzuschauen, beeinflussen das Renngeschehen aber nur selten.
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Trotz der zweifelsohne schönen landschaftlichen Darstellung, die mit abwechslungsreicher Geländegestaltung überzeugen kann und beeindruckende Wettereffekte wie z.B. Tornados einigen Augenschmaus bietet, wird man nur selten zu ausgedehnten Entdeckungstouren motiviert. Die Wetterphänomene werden geskriptet aufgerufen und erscheinen zu selten, um die Spannung wirklich hochhalten zu können. Obendrein wird der Spielablauf in diesen Situationen immer wieder von Framerateeinbrüchen gestört.

Tatsächliche Highlights bleiben daher Mangelware und Langeweile macht sich breit. Da helfen auch die durchaus spektakulär inszenierten Tag-Nacht-Wechsel nicht viel, weil sie zu schnell ablaufen, um begeistern zu können. Obendrein sorgen die Nachtfahrten für enormes Frustpotenzial, da man in der Dunkelheit kaum etwas erkennt und so oft in der Wildnis auf verlorenem Posten steht.

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Abwechslungsreiche Renn-Events

Obwohl man die Größe der Welt also kaum in einen wirklichen spielerischen Vorteil ummünzen kann, und damit den größten Trumpf ungenutzt lässt, sorgt die Spielmechanik trotzdem für einige unterhaltsame Momente. Als Ass im Ärmel erweist sich sicherlich das abwechslungsreiche Renngeschehen mit Hunderten von Einzelrennen. Diese Karriere- und Herausforderungsrennen dienen zwei Zielen: Je mehr Sterne ihr euch durch gewonnene Karriererennen erkämpft, desto mehr neue Areale schaltet ihr frei. Auf der anderen Seite vergrößert ihr euren Fuhrpark und Geländekenntnis durch die Annahme von Herausforderungen.

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Derart aufgeräumt geht es bei den Renndisziplinen nur selten zu.
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Die dabei zustande kommenden Wettfahrten setzen sich etwa aus Checkpoint-Rennen, Rundkursen oder auch Eliminationsparcours zusammen, gelegentlich wird es auch etwas extravaganter, wenn man beispielsweise einen bestimmten Punkt schneller erreichen soll als ein Hubschrauber.

Prinzipiell funktioniert dieses System solide, es versprüht aber kaum Esprit. Schnell fragt man sich, warum man das alles eigentlich auf sich nehmen soll. Warum man dreißig Minuten lang bei einem Ausdauerrennen vergeuden soll, der zweite Platz aber rein gar nichts einbringt. Wenn schon ein Fahrfehler den Sieg kostet oder sich die KI-Fahrer auf geradezu unfaire Weise zum Sieg schummeln und man am Ende mit völlig leeren Händen da steht, leidet die Motivation gehörig.

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Clevere Abkürzungen sind der beste Weg zum Erfolg.
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Entfernt man sogar noch die wenigen anspornenden Beweggründe, bleibt eigentlich kaum ein Grund, weshalb man die enorme Weite erkunden sollte. Ewige Rumgurkerei in der Ödnis, nur um ein neues Fahrzeugdesign freizuschalten? Wohl kaum! Schließlich kann man recht schnell auf Heliports zugreifen, mit denen man sich wild durch die Landschaft beamen kann. Doch noch mal zurück zu den KI-Fahrern: Ständig hat man das Gefühl, dass die computergesteuerten Konkurrenten bevorteilt werden.

Cheatende KI

Hatte man soeben noch einen großen Vorsprung und leistet sich keine erkennbaren Fehler, wird man plötzlich trotzdem immer wieder auf der Zielgeraden überholt. "Bruummmm" - und der Sieg ist futsch. Selbst wenn man noch so clever fährt und das ausgeklügelte GPS-System dazu nutzt, Abkürzungen zum eigenen Vorteil zu finden - häufig genug wird man am Ende doch noch abgefangen.

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Rennen gegen Helikopter erfordern Kreativität und die Suche nach Abkürzungen.
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Als störend erweisen sich zudem die immer wieder zu langen Ladezeiten. Schon allein beim Zurücksetzen des Fahrzeugs auf die Strecke vergehen mitunter mehrere Sekunden. Wagt man es, ein Rennen neu zu starten, weil man in einer auswegslosen Situation feststeckt, wird man mit nervtötenden 20-30 Sekunden "Bedenkzeit" bestraft. Immerhin kommt es dafür beim Free Roaming in der weiten Welt zu keinen weiteren Ladescreens.

Größe allein ist eben doch nicht immer entscheidend.Fazit lesen

Der Schwierigkeitslevel erscheint immer wieder merkwürdig unausgegoren bzw. wenig ausbalanciert. Gewinnt man das eine Rennen völlig mühelos, scheitert man beim nächsten auch im fünften Anlauf völlig chancenlos - obwohl man ein dafür ideales Fahrzeug einsetzt. Fehler darf man sich meist schon gar nicht leisten. Und das, obwohl Fuel nur über eine bestenfalls rudimentäre Fahrphysik verfügt. Wenn es aber drauf ankommt, wird diese garantiert gegen euch eingesetzt.

Die Konkurrenz scheint den Gesetzen der Physik nämlich kaum bis gar nicht zu unterliegen und schlägt euch so immer wieder frustrierende Schnippchen. Das dabei entstehende Renn-Feeling ist auch für einen Arcade-Racer größtenteils unspektakulär und schlägt uns nur selten in seinen Geschwindigkeits-Bann. Die Identifikation mit der eigenen Figur fehlt fast vollständig, zumal es kein sichtbares Schadensmodell und auch keine Tuningmöglichkeiten für die über 70 freischaltbaren Vehikel gibt.

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Die riesige Spielwelt ist weitgehend nutzlos.
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Diese weisen zwar durchaus eigenständige Handhabungen auf. Das sonst bei Rennspielen auftretende "Nur noch ein Rennen"-Gefühl will sich aber einfach nicht einstellen. Wenig überzeugend sind übrigens auch die Motorensounds, die selbst in der "Ego-Perspektive" aus dem Cockpit eher schwächlich aus den Boxen dröhnen und von einer uninspiriert daherdudelnden Rockmusik "vervollständigt" werden.

Etwas motivierender Gestalten sich die Online-Rennen. Wer sich die "cheatende" KI ersparen will, trägt seine Karriere-Rennen gegen menschliche Konkurrenten aus oder erkundet mit Freunden online die Welt von Fuel. Allerdings erweist sich der Netzwerk-Code als wenig stabil. Immer wieder kommt es zu Lags, oder die Verbindung zu den Rennen bricht ganz in sich zusammen. Wird man nicht von diesen Aussetzern geplagt, kommen durchaus unterhaltsame Rennen zustande. Wer sich außerdem selbst kreativ betätigen möchte, darf mit einem etwas unübersichtlichen Renn-Editor eigene Strecken entwerfen.