Bereits vor wenigen Monaten luden uns die Kaos Studios in ihre heiligen Entwicklerhallen nach New York ein, um den aktuellen Stand ihres Rundum-glücklich-Shooters „Frontlines: Fuel of War“ zu präsentieren. Rundum glücklich? Ja, denn das ambitionierte Projekt verfolgt den Anspruch, sowohl Einzel- wie auch Mehrspieler-Freunden das volle Spaß-Programm auf eine einzige Silberscheibe zu pressen.

Ob es wie so oft bei leeren Versprechungen bleibt oder tatsächlich die erhoffte Revolution ins Haus steht, wollten wir bei einem weiteren Vor-Ort-Besuch in Erfahrung bringen. Und dieses Mal in der Stadt, die für ihre Zock-Extreme bekannt ist: Las Vegas! Rien ne va plus oder Jackpot für „Frontlines: Fuel of War“?

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Nie wieder auf’m Schlauch stehen

“Shooter hatten in der Vergangenheit immer ein ganz bestimmtes Problem”, beginnt Kaos-Chef Frank DeLise seine Präsentation mit hochtrabenden Worten. „Entweder sie waren so linear wie ein Schlauch. Oder sie versuchten, eine offene Welt abzubilden. Allerdings verzettelt man sich dann schnell in der riesigen Weite. Mit Frontlines: Fuel of War haben wir daher einen ganz anderen Ansatz gewählt.“

Frontlines: Fuel of War - Mutige Mixtur: Frontlines wagt den Spagat zwischen Multi- und Singleplayer.

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Level-Schläuche ade: Frontlines bietet riesige Baller-Areale.
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Dieser erscheint so genial wie nahe liegend, so dass man gewillt ist zu fragen, warum noch niemand früher darauf gekommen ist: „Wir kombinieren die packende Story-Präsentation und die sich ständig ändernden Missionsziele einer Singleplayer-Kampagne mit der Rasanz und der taktischen Tiefe eines Multiplayer-Titels.“ Fertig war das Konzept von „Frontlines: Fuel of War“.

Dass der Titel mit seinem umfangreichen Mehrspieler-Modus primär auf den „Battlefield“-Genre-Thron schielt, bedeutet allerdings nicht, dass die Kaos Studios den Einzelspieler-Part vernachlässigen würden. Im Gegenteil: Die Kampagne von „Frontlines“ besticht durch ihre filmreife Präsentation, Action bis zum Anschlag und – man höre und staune! – zahlreiche neue Gameplay-Ideen.

Packshot zu Frontlines: Fuel of WarFrontlines: Fuel of WarErschienen für PS3, PC und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Öl ins Feuer

„Frontlines“ spielt in nicht allzu ferner Zukunft – in einem erschreckend realistischen Szenario: Langsam aber sicher gehen die letzten Ölreserven der Erde zur Neige. Globale Hungersnöte, durch den Klimawandel hervorgerufen, stürzen die Welt vollends ins Chaos. Gewaltsame Konflikte und Epidemien sind die Folge. Im Kampf um die letzten verbliebenen Ressourcen am kaspischen Meer verbünden sich die ehemals kommunistischen Staaten Russland und China zur Rotsternallianz und gehen gegen die Westkoalition – ein aus der NATO hervorgegangenes Bündnis – vor, die ihrerseits ihren Anspruch auf das schwarze Gold anmeldet.

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Verbrannte Erde: Fuel of War schickt euch in die Endzeit-Hölle.
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Diese sozialkritische Hintergrundgeschichte erfährt der Spieler in einem mit melancholischen Standbildern illustrierten Intro – um gleich danach in eine für Shooter typisch militaristische Hubschrauber-Szene in Spielgrafik überzugehen, in der an bekannten Macho-Gesten nicht gespart wurde. Dass „Frontlines“ diesen unreflektierten Stil nicht einfach nur von Genre-Vettern wie „Gears of War“ nachäfft, sondern kritisch hinterfragen dürfte, deuten kurze Szenen mit einem das Einsatzteam begleitenden Kriegsberichterstatter bereits an – das erste Spiele-Pendant zum Anti-Kriegsfilm etwa?

Für solch besinnliche Gedanken bleibt jedoch nur wenig Zeit. Am Einsatzort angekommen gerät unser Helikopter sofort in einen Hinterhalt der Rotsternallianz. Eine Boden-Luft-Rakete auf Abfangkurs und eine Kollision mit einem Antennenmast später findet sich das Fluggerät in einem Taumelkurs gen Erdboden wieder, der ähnlich spektakulär inszeniert ist wie die berühmte Absturz-Sequenz aus Ridley Scotts „Black Hawk Down“. Die Entwickler haben eindeutig ihre Hausaufgaben gemacht.

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Luft-Angriffe sind in Frontlines keine Seltenheit.
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In letzter Sekunde dem Tod entronnen, sieht sich unser Squad nur einen Moment später einem unerbittlichen Kreuzfeuer aus sämtlichen Himmelsrichtungen gegenüber. Nachdem sie uns bereits vom Himmel geholt haben, wollen uns die Gegner offenbar auch noch gleich eine weitere Etage tiefer unter die Erde bringen. Unsere erste Aufgabe daher: das nackte Überleben!

Mehr als nur schmückendes Beiwerk: Die Singleplayer-Kampagne von Frontlines strotzt regelrecht vor frischen Ideen!Ausblick lesen

Mehr Spiel für Singleplayer

Der Beginn von „Frontlines: Fuel of War“ ist derart packend inszeniert, dass es er uns sofort in die Spielwelt saugt. Doch auch als wir die Absturzstelle endlich erfolgreich von Kombattanten gesäubert haben, bleibt kaum Zeit zum Ausruhen: Da unser Fluggerät nach dem Absturz wohl höchstens noch den Weg über den Helikopter-Jordan schaffen dürfte, muss der Weg zu einem neuen Abholpunkt freigekämpft werden.

An dieser Stelle offenbart sich das außergewöhnliche Spielgefühl von „Frontlines“: Wo andere Genre-Vertreter sich durch enge Level-Schläuche schlängeln, bietet der Kaos-Titel von vornherein eine Map von „Battlefield“-Ausmaßen, in denen sich neue Aufträge dynamisch aus der Story heraus ergeben: Damit etwa das Rettungsteam unversehrt am Treffpunkt landen kann, müssen zunächst ein Kommunikationsterminal gehackt und eine Raketenabschussbasis gesprengt werden – in welcher Reihenfolge bleibt dem Spieler überlassen.

In solchen Phasen spielt sich „Frontlines“ verdächtig nah am Gameplay eines Multiplayer-Shooters. Nicht nur dass eure Erfolge durch die stets präsenten und klug agierenden KI-Kameraden immer auch eine Team-Leistung darstellen, auch die Kämpfe selber ähneln den taktisch fordernden Schlachten um die begehrten Flaggen einer Partie Capture the Flag.

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Manche Schlachten erinnern schon an ausgewachsene RTS-Titel.
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Dieses Gefühl wird noch intensiviert in den riesigen Wüsten-Arealen, die mit ihren zerfallenen Gebäuden und still gelegten Ölpumpen direkt einem Endzeit-Film der „Mad Max“-Serie entsprungen scheinen: Hier seid ihr stilecht in schwer bewaffneten Fahrzeugen bis hin zu schlagkräftigen Panzern unterwegs. Dadurch dass die Missionsziele aber immer kompakt arrangiert sind, bleibt der Adrenalin-Pegel jedoch immer auf dem selben Level und das Gameplay „zerfranzt“ nicht wie bei ähnlich weitläufigen Spielen der Marke „S.T.A.L.K.E.R.“.

Toys are us

Dass „Frontlines“ aber weitaus mehr zu bieten hat als eine Multiplayer-Erfahrung im Singleplayer-Ambiente, beweist der nächste Level, den wir nun erstmals spielen durften: Aufgabe ist es, sich durch eine osteuropäische Geisterstadt zu kämpfen. Neben einer gut trainierten Koordination zwischen Auge und Abzugsfinger zählt dort vor allem taktisches Vorgehen: Mit einer gezielt platzierten Granate lassen sich neue Durchschusslöcher ins vermoderte Mauerwerk sprengen, oder ihr bringt die ramponierte Wand gleich ganz zum Einsturz und öffnet euch auf die Weise neue Hintertürchen im Vormarsch.

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Die Drohnen bringen frischen Wind ins Gameplay.
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Ein Vormarsch, der jäh zunichte gemacht wird, als uns ein Panzer seine explosiven Ladungen um die Ohren haut und damit das letzte Bisschen Schutz bietendes Mauerwerk zerbröselt. Gegen solche Kaliber können wir mit unseren schwachbrüstigen Maschinengewehren wenig ausrichten. Doch für solche Situationen hat „Frontlines“ neben Raketenwerfer und Granaten noch andere Hilfsmittel in petto: die so genannten Drohnen.

Eine davon ist der an wendige Spielzeugautos erinnernde Mini-Buggy, den wir aus einem sicheren Versteck heraus per Fernbedienung direkt unter die Kettenräder des Panzers manövrieren. Dort wirkt sich dessen implantierte Sprengladung denkbar ungesund auf das feindliche Kriegsgerät aus. In einer spektakulären Explosion verabschiedet sich der schwer bewaffnete Störenfried vom Schlachtfeld.

Als wir nach Bewältigung dieses Stahlungetüms bereits das Levelende zu wittern wagen, müssen wir einen klaren Fall von „Zu früh gefreut“ diagnostizieren: Aus einiger Entfernung nehmen uns neue Feindeinheiten von erhöhten Positionen unter Beschuss. Doch auch dafür haben die Entwickler vorgesorgt. Mit einer fliegenden Drohne, offensichtlich eine Verwandte der Orcas aus der C&C-Reihe, spionieren wir zunächst die Lage aus, um auf die Weise Ziele für unsere Kollegen zu markieren. Sollen die doch die Drecksarbeit machen…

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Der Mini-Hubschrauber hat explosive Ladungen im Gepäck.
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Doch auch wir verharren nicht in Untätigkeit: Mit einem ferngesteuerten Mini-Hubschrauber, seinem Kollegen aus „GTA: Vice City“ nicht unähnlich (aber ohne die hakelige Steuerung), begeben wir uns hinter die feindlichen Linien und räumen mit den montierten Lenkraketen scharenweise unter den Gegnern auf. So viel Abwechslungsreichtum gab es bisher in kaum einem Shooter!