Trotz Dutzender Patches läuft »Battlefield« noch immer nicht zu euerer vollen Zufriedenheit? Ihr steht auf anspruchsvolle Mehrspieler-Action, wollt aber deswegen nicht auf eine packende Singleplayer-Kampagne verzichten? Ihr wollt abwechslungsreiche Schlachten auf riesigen Maps mit zahllosen taktischen Möglichkeiten erleben?

Dann solltet ihr euch unbedingt »Frontlines: Fuel of War« vormerken. Noch nie gehört? Das sollte sich ändern! Um dem abzuhelfen, haben wir die Entwickler der Kaos Studios in New York besucht und den Titel ausgiebig angespielt.

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Gleich drei Dinge auf einmal…
Es klingt beinahe wie eine alte Reklame der Kinder-Überraschung. Doch während sich Kinder früher unter dem Stichwort »Drei Dinge in Einem« mit mickrigen Schokoladen-Eiern und deren lausigen Spielzeuginhalten abspeisen ließen, verlangen sie heutzutage nach anderen Kalibern. »Einen Multiplayer-Shooter«, ist es da mit einem hellen Piepsen lange vor jeder Stimmbrüchigkeit zu vernehmen.

Frontlines: Fuel of War - Die Tage eines Battlefield sind gezählt! Frontlines strebt nach der Multiplayer-Krone

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Dass die Kaos Studios ihre ersten Sporen mit Desert Combat verdienten, ist Frontlines deutlich anzumerken.
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»Und knackige Einzelspieler-Action!«, plärrt das nächste Balg mit einem Klirrfaktor jenseits der Schallmauer. Auf der Stirn der Mutter beginnen sich erste Runzeln zu bilden. »Und Innovationen!«, kommt der endgültige Sargnagel der Unverschämtheit hinterher. Woraufhin die Mutter jenen berühmten Satz sagen wird, den zu wiederholen wir uns an dieser Stelle schenken werden und stattdessen überleiten zu unserer Empfehlung, die sich ab sofort in jedem mütterlichen Einkaufskorb zu befinden hat: »Frontlines: Fuel of War«.

Wem der Name Kaos Studios nur ein nichts sagendes Schulterzucken entlockt, dem sei an dieser Stelle versichert: Hinter diesem Entwicklerteam verbergen sich keine nassforschen No-Names, sondern alte Hasen im Multiplayer-Genre. Unter der Flagge von DICE New York war das Team bereits maßgeblich an der ehrwürdigen »Battlefield«-Reihe beteiligt. »1942 war ein tolles Spiel«, schwärmt Chef-Kaot Frank Delise, »aber wir hatten keine Lust mehr auf das Zweite-Weltkrieg-Szenario.

Packshot zu Frontlines: Fuel of WarFrontlines: Fuel of WarErschienen für PS3, PC und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Wir wollten einen Multiplayer-Shooter mit einem etwas moderneren Anstrich.« Außerdem hatte man die Vision eines Gameplays, das um ein Vielfaches rasanter ausfällt als beim großen Vorbild. Das Ergebnis dieser Überlegungen war die unter Fans äußerst beliebte Mod »Desert Combat«. »Als dann DICE von Electronic Arts geschluckt wurde, war für uns die Zeit für den Absprung gekommen, um eigene, innovativere Pfade zu beschreiten«, fügt er mit einem Seitenhieb auf das Geschäftsgebaren des Spieleriesen hinzu.

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Die Story-Kampagne glänzt mit Zwischensequenzen in Unreal-Engine-3-Qualität.
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»Frontlines: Fuel of War« heißt das vorläufige Ziel dieses langen Weges, dem die Mod-Ursprünge ebenso anzusehen sind wie die hochgesteckten Ambitionen. Indem sie der Story-Kampagne genauso viel Wert beimessen wie der Multiplayer-Erfahrung, versuchen sich die Entwickler an nichts weniger als der Quadratur des Genres. Und bisher jedenfalls scheint die komplizierte Rechnung aufzugehen.

Oil Imperium
Für das Szenario von »Frontlines« beruft man sich bei den Kaos Studios auf aktuelles Zeitgeschehen: In naher Zukunft eskaliert der anhaltende Streit um die letzten verbliebenen Öl-Reserven. Russland und China verbünden sich zur Red Star Alliance und marschieren gegen die Western Coalition, bestehend aus den USA und der EU, in den Krieg. »Uns war es wichtig, einen möglichst realistischen Hintergrund zu entwerfen, der sich an gegenwärtigen Ereignissen orientiert«, betonen die Entwickler uns gegenüber.

Daher habe man die Krisenherde der Welt genauestens studiert und nach reiflicher Überlegung diese düstere Zukunftsprognose gewagt. Ob sich das Spiel jedoch kritisch mit der gegenwärtigen Außenpolitik der USA auseinander setzen wird oder in unreflektierte Hurra-Parolen mit einfällt, kann im Moment noch nicht abgeschätzt werden.

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Öl-Raffinerien wie diese sind in naher Zukunft der Grund für brachiale Schlachten.
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Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Gesellschaftskritik einer mitunter klischeehaften, jedoch zweifelsfrei packend dargebotenen Story um Heldentum und persönliche Schicksale weichen wird. Doch zugegeben: Was bisher von der Inszenierung zu sehen war, reißt von der ersten Sekunden an mit. Gleich in der Einführung zur Einzelspieler-Kampagne zaubert uns die Unreal Engine 3 in einer Cinematic-Sequenz einen Hubschrauberabsturz auf die Monitore, der in seiner Eindringlichkeit dem offensichtlichen Film-Vorbild »Black Hawk Down« in nichts nachsteht.

Kaum dass wir aus dem Staunen herausgekommen wären oder uns vom Schrecken erholt hätten, finden wir uns inmitten eines Feuergefechts wieder, das rund um die Absturzstelle tobt. Die feindlichen Soldaten, die uns soeben in einen Hinterhalt gelockt und vom Himmel geholt haben, umzingeln nun unser Einsatzteam und sind wild entschlossen, ihr blutiges Werk zu vollenden. Jetzt ist es an uns, das Kommando zu übernehmen und aus dieser Hölle zu entkommen…

Cogito Ego Bumm…
Noch während wir alle Hände voll damit zu tun haben, unser erstes Missionsziel - das nackte Überleben - zu erfüllen, fallen uns die ersten Besonderheiten der Kampagne von »Frontlines: Fuel of War« auf: Die macht nämlich kaum einen Hehl aus ihren Multiplayer-Wurzeln - was dem oftmals eingefahrenen Gameplay im Shooter-Genre erfrischend neue Möglichkeiten auftut. So kämpft ihr etwa nicht auf euch allein gestellt in Ego-Manie(r) um Öl bzw. Weltfrieden, sondern habt ein ganzes Squad KI-gesteuerter Soldaten an eurer Seite, die sich wie in »Battlefield« aus unterschiedlichen Klassen zusammensetzen.

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Aus der Luft lässt sich ein Eindruck von der Größe der Maps gewinnen.
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Des Weiteren schicken euch die einzelnen Maps weniger in enge Levelschläuche, sondern versetzen euch auf riesige Karten, in denen die Missionsziele ähnlich den Flaggen in Mehrspieler-Partien heiß umkämpft sind: Nachdem es euch beispielsweise gelungen ist, die erste Aufgabe zu erfüllen und die Absturzstelle um den Helikopter zu sichern, gilt es als Nächstes, die Raketenabschussbasis zu zerstören, der ihr die unsanfte Landung zu verdanken habt und die nun euer Rückflugticket, sprich: Rettungshelikopter am Anflug hindert. Wie in einer Partie Capture the Flag versucht die Gegner-KI selbstverständlich, genau dies zu verhindern.

Um der taktischen Herausforderung einer Mehrspieler-Schlacht aber auch in der Praxis gerecht zu werden, sollten die Kaos Studios vor Release ihren Bots aber unbedingt noch den einen oder anderen IQ-Punkt einprügeln - zu oft standen diese in der aktuellen Version nämlich noch unbekümmert direkt vor unserer Mündung, ohne eine Reaktion zu zeigen.

Drohnen, die sich lohnen
Damit sich bei solch riesigen Entfernungen nach einem Respawn niemand die Hacken wund läuft, dürft ihr euch aus einem ansehnlichen Fuhrpark bedienen: Neben schnellen Buggys und schwer bewaffneten Panzern nehmt ihr später auch in fortschrittlichen Jets und Hubschraubern Platz. Da »Frontlines« ca. 20 Jahre in der Zukunft spielt, basiert sämtliches Gerät von den Waffen bis zu den Fahrzeugen auf aktueller Militärtechnik, die von den Entwicklern nach einem kurzen Blick in die Kristallkugel entsprechend modifiziert wurde.

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Größere Entfernungen lassen sich per Fahrzeug zurücklegen.
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Besonders gut zeigt sich dies bei einem der interessantesten Features von »Frontlines«: den Drohnen. Während die ferngesteuerten Gesellen mit Artverwandtschaft zu Spielzeughelikoptern in heutigen Konflikten vornehmlich zur Aufklärung eingesetzt werden, tragen sie hier neben der Videokamera noch ein hochexplosives Päckchen mit sich, das, geschickt in einer Gruppe von Feinden platziert, ordentlich Schaden verursachen kann.

Neben der Flugdrohne befinden sich außerdem ein flinker Mini-Buggy (ebenfalls mit wahrlich »mitreißender« Selbstzerstörungsfunktion ausgestattet) und gar ein schnuckeliger Mini-Panzer mit Raketenwerfer in eurem Arsenal, mit dem ihr euren Gegner aus sicherem Abstand einheizen dürft. Vorausgesetzt ihr habt ein im Wortsinne »stilles Örtchen« auf der Map gefunden und aufgesucht - denn während ihr mit eurer Drohne durch die Lande gondelt, bleibt euer eigentlicher Charakter mit der Fernsteuerung in Händen schutzlos hinter den Frontlinien zurück.

Wem die Kriegsführung Marke »Kinderspielzeug« weniger liegt, der kann sich stattdessen zu Spielbeginn zwischen drei alternativen Ausrüstungssets entscheiden: Ground Support bietet u.a. die Möglichkeit, mobile Geschütztürme zu installieren. Counter-Measure-Spezialisten hingegen legen Fahrzeuge mit EMP-Waffen lahm.

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Alle Mann in Deckung: Drohne im Anflug!
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Pyromanie im großen Stil verspricht ferner die Air-Support-Ausrüstung: Über Funk ordert ihr damit ein flächendeckendes Bombardement aus der Luft an, das nicht nur ein optisches Feuerwerk, sondern vor allem verbrannte Erde und Ruinen hinterlässt. Die Gebäude und Umgebung von »Frontlines« sind nämlich komplett zerstörbar.

Grenzerfahrung
Am Deutlichsten hebt sich das Kaos-Spiel von seinen Konkurrenten jedoch durch das Konzept der titelgebenden Frontlines ab: Während sich die Kämpfe in bisherigen Multiplayer-Shootern meist durch großflächig verteilte Flaggen auf weitschweifigen Karten verzettelten, konzentriert »Frontlines« die Action an der Grenzlinie zwischen den Opponenten. Ähnlich wie das demnächst erscheinende »Enemy Territory: Quake Wars« ersetzt der Kaos-Titel zudem die schnöden Flaggen durch schnittige Missionsziele wie das Hacken eines Computers oder das Zerstören einer stationären Einrichtung.

Durch den erfolgreichen Abschluss eines solchen Zieles verschiebt sich die Grenzlinie tiefer in das Gebiet des Gegners hinein und verlagert so das Kampfgeschehen zum nächsten Brennpunkt. Im Unterschied zum genannten Id-Software-Shooter wird es dem Gegenspieler aber jederzeit möglich sein, den Spieß durch ein Rückerobern des neuralgischen Punktes umzudrehen und die Grenze zu seinen Gunsten zu verschieben.

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Kindsköpfe: Soldaten, die mit ferngesteuerten Autos spielen…
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Die von uns angespielten Maps machten bereits einen durchdachten und vor allem optisch gelungenen Eindruck: Auch wenn es paradox klingt, sorgt das Endzeitszenario mit seinen trostlosen Trümmerlandschaften, wie ausgestorben wirkenden Ruinenstädten und vom Rost zerfressenen Fabrikanlagen für einen frischen Farbanstrich im Multiplayer-Genre. Für die insgesamt auf zehn veranschlagten Maps versprachen uns die Entwickler neben der seit »Mad Max« in Sachen Endzeit typischen Wüste auch Wald- und Bergregionen, sowie einen Ausflug ins schöne Moskau.

Besonders eine nur kurz als Appetithäppchen gezeigte Map sorgte bei uns für ein gehöriges Kribbeln im Abzugsfinger: Mit einem Hubschrauber überflogen wir dort ein gigantisches, in einen bewaldeten Berg eingelassenes Radio-Teleskop mit mehreren hundert Metern Schüssel-Durchmesser. Doch bis wir dem Gegner dort den Salat schütteln dürfen, wird besagtes Kribbeln noch eine Weile anhalten müssen: »Frontlines« erscheint erst Anfang nächsten Jahres.