Bei dem Namen "Frontal21" dürften mittlerweile die meisten Zocker die Ohren spitzen. Bereits vor einiger Zeit machte ein Beitrag des ZDF-Magazins, das sich mit "kritisch, investigativ, unerschrocken" brüstet, Furore in der Spieler-Community. Autor Rainer Fromm ließ damals kaum ein gutes Haar an den Spielern - vor allem denen, die die sogenannten "Killerspiele" (Fromms Lieblingsbegriff und Synonym zu "Ego Shooter", "Prügelspiel" u.ä.) konsumieren. Damals wie heute kritisiert Fromm die mangelnde Kontrolle und Selbstbegrenzung seitens der Industrie. Ausserdem schuld: Der Gesetzgeber. Am schlimmsten aber kommen und kamen die Spiele an sich und die Spieler selbst weg.

Fromm "belegt" seine Aussagen in dem Beitrag mit dem reißerischen Titel "Gewalt ohne Grenzen - Brutale Computerspiele im Kinderzimmer" durch mehrere Wissenschaftler, die unisono die These vertreten, das Spielen von gewalttätigen Computerspielen verrohe den Konsumten und mache ihn gewaltbereit und latent aggressiv. Sprecher der anderen Seite, wie der Betreiber der Seite Doom3maps und Jens Uwe Intat von Publisher Electronic Arts kommen zwar zu Wort, ihre Aussagen werden aber abgetan und nicht ernst genommen. Kein Wunder, dass Fromm mittlerweile darüber klagt, in der Community zum Feindbild avanciert zu sein.

Dass der Autor der extrem kritischen Beiträge auch anders - und wesentlich objektiver - kann, zeigt er in einem Interview mit dem Onlinemagazin Krawall. Auf einmal hat er Bücher geschrieben, in denen die These vertreten wird, Computerspielen sei nicht schädlich. Auch wenn das inzwischen einige Zeit her ist, muss man sich doch fragen, wie Beiträge entstehen können, die Publisher, Zocker und die Spiele in eine Ecke stellen, in der in einer demokratischen Gesellschaft sonst nur Extremistengruppen angesiedelt sind.

Auf die Frage "Solche Aussagen, die eine etwas differenziertere Darstellung ergeben würden, fehlen in dem Beitrag aber leider." antwortet Fromm: "Da ist das Problem: Wenn ich zu viele Thesen in einen Film packe, dann wird es unübersichtlich. Ich habe in anderen Beiträgen auch stets auf die Verantwortung der Eltern hingewiesen. Aber Sie haben recht, vielleicht muss ich mir diesen Schuh anziehen, dass man diesen Hinweis noch in einem Satz hätte einfließen lassen müssen."

Offensichtlich traut man den Konsumenten (vorwiegend solche mit Kindern) nicht zu, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und nachzuvollziehen. Oder liegt die Einseitigkeit etwa darin begründet, dass sich propagandistische Beiträge mit Titeln wie "Gewalt ohne Grenzen" in unser heutigen Medienlandschaft besser verkaufen lassen?

Die Frage, warum der im Interview mit Krawall eine zwar deutliche, aber dennoch nicht fanatische Haltung vertretende Fromm es in seinen Beiträgen nicht schafft, beide Seiten gleichberechtig zu Wort kommen zu lassen, wird wohl auf ewig offen bleiben. Jedem von euch, dem nach der Lektüre des Frontal21-Beitrags die Galle hochkommt, sollte jedenfalls das Interview auf Krawall lesen. Dort scheint aus dem Fanatisten Fromm wieder ein denkender Mensch geworden zu sein.