Es gibt Spiele, die man nie auf dem Schirm, geschweige denn von ihnen gehört hat. Dann stößt man auf den Namen, liest sich paar Klapptexte durch, sieht sich Gameplay-Trailer an und ist sich immer noch nicht sicher, was man davon halten soll. "Freedom Wars" war bei mir solch ein Fall. Hätte ich das Spiel nicht testen müssen, wäre der Titel wohl an mir vorbeigegangen. Dass sich das gute Stück nämlich als ein echt positive Überraschung herausstellen sollte und sogar Suchtpotenzial entfaltet, damit hätte ich wohl nicht gerechnet. Gesegnet sei der Job!

Freedom Wars - PS Vita - Launch Trailer2 weitere Videos

Freedom Wars ist ein typisches Spiel, das in seinen Bestandteilen niemanden vom Hocker reißt und doch in seiner Gesamtheit zu überzeugen weiß. Die Handlung, die in einer entfernten Zukunft spielt, in der sich die Menschheit aufgrund von globalen Katastrophen in Untergrundstädte zurückgezogen hat, kennt man auch schon zu Genüge. Offensichtlich wird das Rad hierbei nicht neu erfunden. Stattdessen macht euch das Spiel bereits in den ersten Minuten mit seinem Herzstück vertraut.

Dieses bilden ganz klar die Missionen, in denen ihr als bewaffneter Kämpfer verschiedenen Aufträgen für eines der vielen besagten bunkerartigen Untergrundstädte, den sogenannten Panoptikums, nachgeht. Darunter zählen unter anderem die Wiederbeschaffung von Ressourcen, Rettungsaktionen von entführten Bürgern oder das Besiegen feindlich gesinnter Individuen. Allerdings seid ihr keine einfachen Söldner, sondern Sünder: verurteilte Gefangene, die als Repräsentanten des zugehörigen Panoptikums unter Einsatz des Lebens zum Wohle der Allgemeinheit gegen andere Verurteilte kämpfen müssen.

Freedom Wars - Nur noch 198.965 Jahre in Haft, jippieh!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 63/671/67
Je mehr Berechtigungen ihr freispielt, desto mehr könnt ihr euch und euren Androiden-Begleiter individualisieren.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wenn die eigene Existenz zum Verbrechen wird

Ihr gehört zu den Glücklosen, die in einer Gesellschaft leben, in der Überbevölkerung und Ressourcenmangel zu allgegenwärtigen Problemen gehören. Letzterem wird durch die gefährlichen Materialbeschaffungseinsätze eben jener Sünder entgegengewirkt.

Schon leichte Verbrechen, Kavaliersdelikte und sogar falsche Anschuldigungen und Bagatellen reichen aus, um euch zum Sünder zu verurteilen und in Haft zu stecken. Und das nicht mal so für ein paar Jährchen, sondern gleich für mehrere tausend. Sogar Neugeborene werden als Maßnahme gegen die Überbevölkerung sozusagen als Existenzverbrecher gehandhabt und fristen seit Anbeginn an ihr Dasein als Sklaven des Panoptikums. Damit ein Sünder seine Freiheit zurückerlangen kann, müssen diverse Missionen des Panoptikums erfolgreich abgeschlossen werden. So erhält man eine Minderung der Haftstrafe und verkürzt damit die Anzahl der abzusitzende Jahre.

Freedom Wars - Nur noch 198.965 Jahre in Haft, jippieh!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 63/671/67
Als Sünder wählt ihr anfangs ein Panoptikum aus und könnt euch mit anderen Sündern in Panoptikum-Ligen duellieren.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Ausgangssituation sowie euer Ziel der Freiheitserlangung ist simpel, die Spielmechanik innerhalb der Missionen nach kurzweiligem Einstieg selbsterklärend und verständlich. Es ist dieser spezielle Fall von „Die Mischung macht's" und „Weniger ist mehr". Typischerweise ist es auch das Belohnungssystem, das euch ständig bei der Stange hält. Je mehr Material ihr in den Einsatzgebieten nämlich einsammelt und je nachdem, wie ihr euch zeitlich schlagt, bekommt ihr eine entsprechende Wertung und daraus resultierend sogenannte Berechtigungspunkte. Dank dieser könnt ihr mehr und mehr Rechte freischalten, die ihr aufgrund eures Status als Sünder zuvor nicht habt und gelangt so an immer mehr Komfort. Auch die erbeuteten Gegenstände könnt ihr an das Panoptikum spenden, um so mehr Berechtigungspunkte zu erlangen oder sie für den Ausbau eures Waffenarsenals behalten.

Ein kurzweiliges, unscheinbares Action-RPG mit Taktik-Shooter-Elementen, das sich besonders für ein paar Runden zwischendurch eignet. Vor allem der Mehrspieler-Modus ist spaßig.Fazit lesen

Es ist im Grunde die gleiche Formel, mit der auch die Monster-Hunter-Reihe Spieler motiviert. Dazu zählen auch Kämpfe gegen riesige künstliche Monsterkreaturen, die ihr im Team bestreiten müsst. Besonders der Mehrspieler entpuppt sich dabei als einer der größten Spaßfaktoren des Spiels. Sobald ihr eure zweite Prüfung in einem relativ frühen Spielabschnitt bestanden habt, bekommt ihr dann den Zugang zu den Koop- und Duell-Modi.

Actionreiches Multi-Massive-Online-Flair

Innerhalb der Mehrspieler-Missionen könnt ihr euch bis zu viert ins Gefecht stürzen und dabei vielseitig profitieren. So könnt ihr beispielsweise dank eurer Partner an schwierigere Missionen gelangen, sofern sie euch schon einige Stufen voraus sind, und im Falle eines erfolgreichen Auftragsabschlusses viele Berechtigungspunkte einsacken. Zugleich werdet ihr auch an Ressourcen gelangen, mit denen ihr dann Kampagnen-Missionen überspringen könnt, sofern ihr es wünscht.

In den Kämpfen kann leicht der Eindruck entsteht, dass ihr euch in einem MMORPG befindet, was vor allem der Spielerzahl zuzuschreiben ist. Alle vier Missionsteilnehmer werden nämlich jeweils von einem Androiden begleitet, die primär dazu dienen, die Sünder zu überwachen, euch aber auch im Kampf zu unterstützen. Diese agieren eigenständig und können einfache Befehle ihres Spielerpartners entgegennehmen. Bei all dem Gewusel kann es natürlich mal vorkommen, dass es etwas unübersichtlich wird.

Freedom Wars - Nur noch 198.965 Jahre in Haft, jippieh!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 63/671/67
In den Befreiungsmissionen bekommt ihr es mit riesigen Monstern zu tun, die Entführer genannt werden, und Bürger verschleppen, die ihr retten und zu einer Rettungskapsel eskortieren müsst.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Auch krankt der Mehrspieler an extremen Laggs und gelegentlichen Verbindungsabbrüchen, die vor allem mitten in der Mission ein Ärgernis sind. Da kann es mal passieren, dass ihr es bei all dem Gewusel auch noch mit sprunghaft animierten Gegnern zu tun bekommt. Zwar schafft die Zielfunktion zumindest einigermaßen Abhilfe, genug Bedarf zur Verbesserung gibt es aber zweifelsohne. Steuerungstechnisch kann man sich ansonsten kaum beklagen. Freedom Wars spielt sich sehr dynamisch, sodass diese Störfaktoren insgesamt nicht zu sehr negativ ins Gewicht fallen.

Geheimtipp-Spielschmankerl mit einfachem Rezept

Eine taktische Note bekommen die Missionen zudem auch durch den Einsatz der peitschenartigen Dornen, die am Körper der Sünder haften. Mit ihrer Hilfe könnt ihr euch an anvisierte Stellen wie bei einem Enterhaken heranpirschen und von dort aus abspringen, um an höhere Stellen zu gelangen. Auch könnt ihr das Klettern an den Wänden nutzen, um eine bessere Sicht auf die Gegner zu haben und diese mit Distanzangriffen zu bearbeiten. Ansonsten lassen sich auch Items problemlos aus der Ferne heranziehen, Kameraden heilen, Schilde erschaffen und einiges mehr, das zum Ausprobieren einlädt.

Freedom Wars - Nur noch 198.965 Jahre in Haft, jippieh!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 63/671/67
Am Ende eines Kampfes entscheidet ihr, welche Ressourcen ihr behaltet oder welche als Spende an das Panoptikum geht.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Zugegeben: Gerade anfangs wird euch das Spiel eventuell ein wenig gewöhnungsbedürftig erscheinen, wenn ihr für jede Kleinigkeit Strafpunkte kassiert und dadurch eure Strafjahre, die ohnehin schon eine sechsstellige Zahl erreicht haben, in die Höhe schießen – und sei es nur, weil ihr euch mit anderen Leuten unterhaltet oder euch zum Ausruhen hinlegt. Doch mit jeder gewonnenen Mission, neuen Ressource, neuen Waffe und nach und nach freigeschalteten Berechtigungen könnt ihr euch immer mehr Vorteile verschaffen und auch eurem Spielfortschritt mehr Tempo geben.

Freedom Wars bedient bestimmte, herrlich simple Spielbedürfnisse und macht deswegen Spaß. Die Individualisierung eures Aussehens, die sich stetig erweiternden Waffenarsenale und Vorräte, Produktionsmöglichkeiten für Medikamente und Waffen sowie die neuen Interface-Funktionen sind einfache Spielelemente, die perfekt zusammenpassen. Auch die leicht zugängliche Geschichte, die sich spätestens nach der dritten Prüfung zu entfalten beginnt, liefert auf jeden Fall genügend Potenzial für eine Fortführung des Titels. Es braucht eben nicht viel, um ein solides, dauerhaft unterhaltendes Spiel zu schaffen. Auf das Zusammenspiel aller Faktoren kommt es an und im Falle von Freedom Wars passt es optimal.