Es gibt kein Entkommen - das alljährliche Sommerloch fordert ein weiteres Mal seinen Tribut und reißt große Teile der Spielerschaft in kollektive Resignation gepaart mit notorischer Langeweile. Als immun stellen sich nur wenige glücklose Individuen heraus, die das letzte Jahr unter einem Stein verbracht haben und nun Zeit finden, um den Haufen an verpassten Blockbustern und Kleinoden nachzuholen. Für alle anderen heißt es Abschied nehmen... oder? Falsch! Im Angesicht der großen Leere habe ich mich in die Höhle des Löwen vorgewagt und einige Free-to-play-Empfehlungen zusammengetragen, die euch die Wartezeit bis zum spielstarken Herbstgeschäft erträglicher machen könnten.

Kleine Anmerkung vorweg: Alle hier vorgestellten Titel lassen sich bequem über die „Kostenlos spielbar“-Sektion von Steam ansteuern, es ist also denkbar einfach, einen Blick zu riskieren.

Crysis für umme: Warface

Zugegeben, das ist dann doch etwas geflunkert. Der kostenlose Shooter stammt zwar von Crytek und baut auf dem gleichen technischen Gerüst auf, fernab davon hat der kleine Bruder aber recht wenig mit seinem großen Vorbild gemein.

Als Teil einer Söldnertruppe seid ihr in einer nahen Zukunft an einer Reihe von brenzligen Einsätzen in globalen Krisenherden beteiligt. Zusammen mit bis zu drei anderen Mitspielern durchkämmt ihr kooperativ Levelschläuche und stellt euch gegen die anstürmenden Kräfte des Blackwood-Konzerns. Gebiete und Gegnertypen werden aus einem großen Pool zusammengewürfelt und bieten so jeden Tag neue Herausforderungen, die Illusion spielerischer Abwechslung hält sich aber nicht länger als ein paar Tage. Übrig bleibt das solide Gunplay und die Jagd nach besserer Ausstattung.

Die könnt ihr auch kompetitiv in überschaubaren Mehrspielergefechten einem Testlauf unterziehen. Mit Battlefield-typischen Klassen balgt ihr euch in flotten Gefechten mit anderen Spielern und stellt eure Reaktionsschnelligkeit unter Beweis. Machen wir's kurz: Warface ist nun wirklich nicht viel mehr als genretypische Standardkost, als kurzweiliger Shooter für Zwischendurch taugt es aber allemal.

Titanfalls kostenloser Vetter: Hawken

Nicht ganz umsonst hat Titanfall als Vorreiter eines auf der Stelle tretenden Genres Lorbeeren eingeheimst. Herzstück des Sci-Fi-Shooters waren dabei die ungewohnt flotten und waffenstarken Mechs. Umso kurioser erscheint es mir nach mehreren spannungsgeladenen Stunden mit Hawken nun, dass Adhesive Games bereits vor anderthalb Jahren den Krieg der Stahlungetüme in ganz ähnlicher Machart entfesselt hat.

Hawken befindet sich offiziell noch in der „Early Access“-Phase, sieht mit seinem spektakulären Intro und der glanzvollen Optik aber jetzt schon polierter aus als so mancher Retail-Titel. Dieser Eindruck bleibt auch auf dem Schlachtfeld bestehen: Aus einer Reihe hochspezialisierter Mechs (aktuell 18 Stück) wählt ihr euch einen passenden Kandidaten aus und stürzt euch mitten hinein ins Stahlgewitter.

Wie auch in Titanfall erwarten euch hier keine Grabenkämpfe gegen schwerfällige Ungetüme aus Metall, sondern komplexe und äußerst rasante Auseinandersetzungen gegen andere Mitspieler: Euer stählernes Gefährt kann sich boosten, Pirouetten drehen und sogar für eine begrenzte Zeit fliegen. Die Dynamik der Gefechte wird von einer interessanten taktischen Note unterstützt, stets gilt es ein Auge auf Überhitzung der Waffen, Benzintank und aktuelle Strukturpunkte zu halten, um siegreich aus einem Duell hervorzugehen.

Hand aufs Herz: Hawken hat mich getroffen wie ein CR-T Recruit mit Fullspeed. Solltet ihr unbedingt mal ausprobiert haben; und sei es nur, um dieses Wortspiel verstehen zu können.

Catch me if you can: theHunter

theHunter nennt sich selbst „das realistischste Online-Jagdspiel, das jemals produziert wurde“. Ihr werdet recht schnell merken, dass das keine leeren Worthülsen sind, aber ob das etwas Gutes ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

theHunter, das könnten böse Zungen auch als „Waldspaziergangssimulator“ schimpfen. Ihr bahnt euch einen Weg durch das Unterholz von Nadelwäldern, durchstreift feuchte Sumpfgebiete und durchschreitet golden strahlende Kornfelder. Größere Tiere trefft ihr hier nur mit einem guten Spürsinn und sehr, sehr viel Geduld an. Ganz realistisch eben: Wer unbedacht durch die Gegend watschelt, verscheucht alle Waldbewohner auf hunderte Meter.

Entweder ihr hasst es oder ihr liebt es. Die anfängliche Skepsis ob der scheinbar ereignislosen Sucherei macht schon bald einem neuen Verständnis für euch und eure Umwelt Platz. Plötzlich seht ihr sie, die Fährten, vernehmt die leisen Balzrufe. Und wenn der Hirsch schließlich vor eure Linse gerät, dann hat euch das Spiel bereits in seinen Bann gezogen.

Ein Tag im Leben einer Fliege: The Plan

Zum Abschluss muss ich euch noch ein ganz besonderes Kleinod ans Herz legen: The Plan ist eins der Spiele, wie es sie nur sehr selten gibt. Eines von den wenigen, denen es gelingt, mit den schlichtesten Mitteln einen ungeheuren Sog zu erzeugen und in denen man sich für einen kurzen Moment verlieren kann. The Plan porträtiert das Leben, indem es euch das Schicksal eines winzigen Individuums nachempfinden lässt: Einer Fliege.

Ich will euch gar nicht zu viel verraten, denn The Plan arbeitet mit der Kraft des Ungewissen. Stellt euch Limbo vor, nehmt den Horror- und die Rätseleinlagen weg und übrig bleiben fünf wertvolle Minuten Lebenszeit.

Jetzt seid ihr gefragt: Habt ihr mit den vorgestellten Titeln etwas anfangen können oder gar selber ein paar Tipps auf Lager? Womit vertreibt ihr euch die Zeit der Sommerflaute? Lasst es uns wissen!