Neulich haben Bauarbeiter Ataris E.T. the Extra-Terrestrial in der Wüste New Mexicos ausgegraben. Prima. Das Loch können sie gleich offen lassen und Rollercoaster Tycoon 4 Mobile drin versenken. Und Dungeon Keeper für iOS und Android. Final Fantasy: All the Bravest auch noch. Und... vielleicht wäre es sinnvoll, die Grube noch ein wenig tiefer zu buddeln. Dank Casual-, Browserspielen und Smartphone-Apps gibt es mittlerweile genügend beerdigungswürdige Kandidaten der Sorte: „Große Marke, nix dahinter."

Der G.A.M.E Bundesverband hat just eine Initiative ins Leben gerufen, auf dass Onlinespiele und ihre Geschäftsmodelle in Zukunft fair und nachhaltig werden mögen. Leitlinien will man erarbeiten, "die eine konsumentenorientierte Betrachtung der Angebote mit den wirtschaftlich angemessenen Interessen der Anbieter und Hersteller dieser Spiele in Einklang bringen." Oder einfach ausgedrückt: Geld verdienen dürft ihr, aber bitteschön nicht mit windigen Geschäftsmodellen. Soweit so löblich. Aber bewahren diese Leitlinien auch Kultmarken davor, von ihren Publishern um des schnöden Mammons wegen gefleddert zu werden?

Dungeon Keeper zum Beispiel. Das dümpelt zu Recht bei Metacritic im 40er Bereich herum. Kollege Schott hat sich seinerzeit ausgiebig über das Machwerk ausgelassen, das weniger durch teuflisches Gameplay als durch seine noch viel teuflischere integrierte Wertungsbox glänzte. Fünf Punkte im Playstore oder Feedback per Mail! Muharhar! In seiner Arglist eines Horny würdig, dieser Ansatz seitens EA. Doch schade, dass der Name „Dungeon Keeper" nun für alle Zeit durch diesen Rohrkrepierer befleckt wurde.

Von der Kultmarke zur Ramschware - Harte Zeiten für Fans von Dungeon Keeper, Ultima, Final Fantasy, oder Rollercoaster Tycoon

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So sieht Dungeon Keeper im Jahr 2014 aus. Danke, EA.
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Nicht besser erging es EA mit „Ultima Forever: Der Weg zum Avatar“ für iOS. Die Neuauflage von Ultima IV wurde letzten Sommer von den Kritikern in der Luft zerfetzt. Stupides Tippen auf den Bildschirm statt interessanter Kämpfe. Optisch ein Spiel unter aller Kanone. Werbeeinblendungen für andere EA-Titel. Goldene Schlüssel, die ihr für echtes Geld kaufen müsst, um damit passable Beute abzustauben oder eure Ausrüstung zu reparieren. Nein, so bitte nicht. Und schon gar nicht mit Ultima.

Die anderen Publisher sind auch nicht besser...

„Ha, EA!“, wird man sich da bei Ubisoft vielleicht denken. Immerhin hat der französische Publisher hier mit Anno Online und Die Siedler Online zwei recht namhafte und erfolgreiche Pferde für die Browser-Front im Stall, und Prince of Persia Classic unter iOS kam bei den Kritikern ebenfalls gut an. Aber Moment. Nicht zu früh freuen: Trials Frontier für iOS? Kein ruhmreicher Beitrag zur Reihe.

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So ähnlich hätte Trials auch auf mobilen Plattformen funktionieren können. Tut es aber nicht.
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Und als ich mich neulich an Might & Magic Heroes Online im Browser versuchte, war ich auch ziemlich enttäuscht. Optisch und spielerisch stapelt der Titel ziemlich tief. Strategie und Taktik auf simplem Niveau. Dafür schiebt sich am laufenden Band der Cashshop ins Bild. Ist die Stamina leer, darf ich nicht weiterkämpfen und muss einen Tag warten. Außer ich bezahle Geld. Das Ende vom Lied: Großer Publisher Nummer Zwo, der das Feingefühl für seine Marken vermissen lässt.

Der nächste Kandidat? Atari mit Rollercoaster Tycoon 4 Mobile. In einem Wort: Autsch. Man zahlt 2,69 Euro für ein Spiel, dessen Cash-Shop gieriger ist als ein Hund in der Metzgerei. Die quietschbunte Optik dürfte sogar Fans von Candy Crush Saga in den Zuckerschock treiben. Vom ursprünglichen Gameplay ist kaum etwas übrig. Die Fahrgeschäfte nach eigenem Gusto anpassen? Kaum möglich – und nur für Echtgeld. Wo ich was platziere? Wurschtegal. Minispiele zum Vergessen, dafür schier endlose Wartezeiten. Die Quittung für dieses Desaster: Ein Metacritic-Score von 35. Das soll erst einmal jemand unterbieten.

Kaum zu glauben, aber das schafft ausgerechnet Square Enix. Die haben mit Final Fantasy: All the Bravest nochmals zehn Punkte drunter gelegen. Es gibt keine Handlung, dafür wischt ihr wie blöde über die Helden am rechten Bildrand, um die Monster am linken Bildrand anzugreifen. Besiegte Helden werden mit kostenpflichtigen goldenen Stundengläsern wiederbelebt, ansonsten muss man drei Minuten warten. Zufällige Premiumhelden oder neue Schauplätze kosten ebenfalls euer Erspartes - und das reichlich.

89 Cent werden für einen namhaften Recken fällig, 3,59 Euro für einen Dungeon. Nein, das ist kein Witz! Die wollen wirklich so viel Geld für derartigen Micker-Content. Der ehemalige Präsident von Square Enix, Yoichi Wada, sagte einmal über die erste Fassung von Final Fantasy XIV, dass diese die Marke beschädigt habe. Ich frage mich, was ihm wohl zu Final Fantasy: All the Bravest einfallen würde. Vermutlich gar nichts. Außer zu weinen.

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Viel tiefer kann eine Serie nicht fallen: Final Fantasy: All the Bravest.
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Als Fan hofft man natürlich, dass solche Gratisspielchen auf dem selben Niveau zünden wie die Originale, obwohl eine andere Plattform und ein anderes Geschäftsmodell dahinter stehen. Ist vielleicht ein bisschen blauäugig, aber Marken wie Dungeon Keeper, Ultima oder Final Fantasy betrachtet man auch eher mit dem Herz als mit dem Hirn. Genau deshalb finde ich derartige Umsetzungen so verwerflich. Sie machen sich die Erwartungen der Fans zu Nutze und spekulieren darauf, ihnen wenigstens ein paar Euro aus der Tasche zu ziehen, bevor der Schwindel auffliegt.

Es geht auch anders

Wie man es besser macht, zeigt Activision Blizzard derzeit mit Hearthstone. Man muss World of Warcraft nicht gespielt haben, um mit den Karten Spaß zu haben. Aber man wird vielleicht neugierig auf das MMO. Ähnlich sieht es mit Heroes of the Storm aus. Dieses MOBA wird vielleicht nicht die Hardcore-League-of-Legends-Spieler ins Boot locken, aber es schafft Aufmerksamkeit für Blizzards Top-Marken Warcraft, Diablo und StarCraft und steigert deren Attraktivität genauso wie es von ihr profitiert. Nebenbei verbessern diese Gratisspiele das Image des Studios.

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Hearthstone und Heroes of the Storm mögen keine Über-Spiele sein, zeigen aber, dass man mit der Free2Play-Schiene auch ganz vernünftig fahren kann.
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Vielleicht lernen die Macher auch aus den oben genannten Beispielen. Seid gut zu euren namhaften Marken, liebe Entwickler und Publisher! Lasst euch von Dollarzeichen in den Augen nicht den Blick auf all das versperren, was diese Namen ihren Fans bedeuten! Die Spieler nehmen es euch übel, wenn ihr die positiven Erinnerungen ihrer Jugend derart ausnutzt, um schnellen Profit zu machen. Langfristig zerstören solche Machwerke mehr, als es die paar Euro aus Cash-Shops und App-Stores wert sind. Denn irgendwann greift auch der größte Fan nicht mehr blindlings zu, wenn der Bildschirm vor Cash-Shop-Fenstern und Werbung überquillt.