Seit der E3 ist nicht allzu viel Zeit vergangen und doch erkennt man bei vielen Spielen merkliche Verbesserungen, wenn man ihre gamescom-Gegenstücke genauer unter die Lupe nimmt. Forza Motorsport 6 wäre ein klasse Beispiel dafür. Die Motorsport-Sim von Turn 10 sah in Los Angeles schon klasse aus, doch in Köln verdeutlichen einige Kleinigkeiten den bemerkenswerten Vorsprung zum Vorgänger von vor zwei Jahren.

Die neuen Rahmenbedingungen von Forza Motorsport 6 sollten in den vergangenen Wochen zu allen Rennspiel-Fans durchgedrungen sein: Endlich beeinflussen Wetter und Tageszeiten denn Rennalltag in Turn 10s als „Autoporno“ gelobten, Xbox-exklusiven Rennsportreihe. Zudem gibt es von allem mehr. Mehr Strecken, nämlich 24 statt nur 15 und natürlich mehr Autos. Rund 450 Rennschlitten aller erdenklichen Klassen sollen vertreten sein und hochaufgelöst im Forza-Vista-Modus begafft werden können. Daran hat sich seit der E3 nichts verändert.

Während normale gamescom-Bändchenträger auf dem Showfloor die E3-Version mit all ihren kleinen Unvollkommenheiten auskosten, führte uns Dan Greenawalt eine brandaktuelle Build vor, in der vor allem eines auffiel: Auf dem gekrümmten Big-Ass-HDTV waren nur sehr wenige zahnige Kanten sichtbar. Eine Augenweide und laut Dan Greenawalt eine eigens geschriebene, rechenzeitsparende Routine. Wir wollen nicht zu viel versprechen – die Kantenglättung ist nicht wundersam ideal, aber doch um Welten besser als zuvor, sodass man den Forza-Vista-Modus endlich richtig genießen kann.

Forza Motorsport 6 - Der Physik verpflichtet

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Jetzt sagt nicht, dass das nicht lecker aussieht.
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Inhaltlich geht es ebenfalls voran. Turn 10 möchte Spielern weiterhin viele Auswahlmöglichkeiten in der Karriere gewähren, so wie es in den letzten beiden Ablegern der Fall war. Allerdings sei zum Programmierteam durchgedrungen, dass der Spieler sich bei aller Freiheit einen roten Faden wünsche, der etwas erzählt und eine Basis für die eigene Auswahl bietet. Diesem Wunsch kommt man nun durch einen geschichtlichen Leitfaden entgegen. Wie dieser Leitfaden aussehen wird, blieb uns noch verborgen, aber er soll sich an den Vorzeigeepochen gewisser Rennwagen orientieren.

Eine weitere Neuerung wird viel Einfluss auf den Rennalltag in Online-Begegnungen nehmen: das Ligen-System. Nein, nicht allein gestaffelt nach Können – auch Fahrstil, durchschnittliche Verbindungsqualität (bzw. Latenz durch Entfernung) und bevorzugte Hauptspielzeit bestimmen die Zuteilung in eine Liga. Außerdem halten private Lobbys und der vermisste Zuschauer-Modus wieder Einzug. Turn 10 vermutet, dass einige Fans sogar Turniere und große Veranstaltungen auf Twitch streamen, indem sie eine Xbox zum Zuschauer abkommandieren.

Forza Motorsport 6 - E3 2015 - Trailer von der Microsoft PräsentationEin weiteres Video

Nicht dynamisch, dafür umso genauer

Etwas enttäuschend, aber immerhin gut seitens Turn 10 gerechtfertigt, ist die Abstinenz von dynamischen Tageszeiten und wechselnden Wetterverhältnissen. Die Konkurrenten von Slightly Mad scheuten sich nicht davor, Turn 10 möchte aber laut eigenen Angaben auf bedingungslose Qualität setzen. Heißt im Klartext: absolut unumstößliche 60 FPS in 1080p -Auflösung und eine astreine Physik, die mehr in Gang setzt, als nur die Haftung der Reifen bei Regen zu verringern.

Packshot zu Forza Motorsport 6Forza Motorsport 6Erschienen für Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Wenn Turn 10 Regen auftischt (was bei jeder Strecke möglich ist), dann soll der virtuelle Pilot Angst vor der Gefahr des Aquaplanings bekommen: Er soll aus eigener Initiative erkennen, wie schwierig und anspruchsvoll ein Kurs wie die Nürburgring-Nordschleife sein kann, wenn man bei Nässe zu viel Gas gibt. Um diesen Zustand zu provozieren, liefern die Leute bei Turn 10 für jeden Kurs nur ein einziges Regenszenario, dieses soll dafür umso korrekter in seiner Reifenphysik und bei den Beschleunigungswerten sein. Ein gut sichtbarer Unsicherheitsfaktor wären Pfützen, die den Wagen nicht nur abbremsen, sondern auch aus der Bahn bringen können. Wer Sommerreifen aufspannt, kommt nicht nur ins Schleudern, sondern bringt bei ungleichmäßiger Beschleunigung auch die Aufteilung des Gewichts durcheinander. Da reicht es schon, wenn nur einer der vier Reifen im hohen Wasser abbremst.

Forza Motorsport 6 - Der Physik verpflichtet

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Turn 10 haben eine mehr als gute Basis, auf der sie aufbauen können - und das merkt man Forza 6 an.
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Unglücklicherweise betrifft die fehlende Dynamik auch Tageszeiten, was Turn 10 auf akkurate Asphalttemperaturen (und erneut auf eine zu erreichende Performance) zurückführt. Also wieder keine virtuellen 24 Stunden von LeMans.

Schade, schade. Immerhin übernahm Turn 10 einige Eigenschaften des Forward Plus Renderings, das Playground Games für Forza Horizon 2 aus dem Hut zauberte. Dadurch sehen Lichtquellen bei Nacht nicht nur realistischer aus, sie können auch in fast beliebiger Zahl generiert werden. Der Dayona-Kurs sieht laut Dan Greenawalt fantastisch aus. Selbst betrachten durften wir ihn allerdings noch nicht. Aber da der Rest des Spiels bereits unglaublich schön daherkommt, wollen wir ihm für den Augenblick Glauben schenken.