Forza 5 sieht klasse aus. Doch mit der Rolle als Starttitel der Xbox One trägt es eine schwere Bürde. Aus dem Nichts musste Turn 10 mit einer neuen Engine anfangen und pünktlich zum Start alles fertig haben. Das ging wohl zulasten neuer fahrerischer Features.

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Jubel, Trubel, Heiterkeit: Endlich gibt es wieder Stadtkurse und andere optisch interessante Schauplätze. Eine Schwäche, die sich durch die ganze Xbox-360-Ära zog und nun mit Pauken und Trompeten ausgebügelt wird. Erst gab es nur die heruntergekürzte New-York-Strecke und dann strich man selbst dieses Trostpflaster aus dem Angebot.

Nur ein kleiner Schlenker durch Turn 10s virtuellen Prag-Nachbau lässt alle grimmigen Gedanken verschwinden. Mit dem Veitsdom vor Augen über die Karlsbrücke zu düsen ist ein optischer Genuss. So viel Detail wäre auf der Xbox 360 niemals möglich gewesen. Leblose Objekte oder nicht, allein die pure Masse inklusive der noch feiner nachgestellten Autos vermittelt bereits einen greifbaren Abstand zur auslaufenden Konsolengeneration. Voll modellierte Zuschauer am Straßenrand jubeln und schwenken Fahnen. Das nenn' ich Next Gen.

1080p-Auflösung, glatte sechzig Bilder pro Sekunde, witzige Lichteffekte wie etwa gebrochene Reflexionen in der Cockpitansicht, leichte Unregelmäßigkeiten im Wagenlack, explizit ausdefinierte Shader für jeden Oberflächentyp, vom Leder bis zum Carbon.... ja, grafisch packt Forza 5 mächtig in die Trickkiste. Beeindruckend, wenn man bedenkt, dass Schauplätze und Wagen dank einer neuen Technik auf bis zu sechs Millimeter genau nachstellbar sind.

Forza Motorsport 5 - Zu früh für Vollgas

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Der Lack der Wagen besteht nun aus mehreren Schichten, wodurch Lichtreflexionen realistischer wirken.
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Natürlich kann man argumentieren, dass Turn 10 erneut unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit den Karren widmet, was der Umgebung an Darstellungspotenzial raubt. Aber das ist eben Turn 10. Die Jungs vergöttern Autos. Nicht Strecken, nicht Rennen, nein, Autos.

Kein Wunder also, dass die virtuelle Begaffungsbude „ForzaVista“ (ehemals Autovista) erneut ihren Platz im Programm findet und der Realität noch näher kommt. Diesmal dürft ihr euch sämtliche Wagen des Spiels genauer ansehen, nicht nur eine Auswahl wie zuvor bei Teil 4. So manche Kameraeinstellung ist kaum noch von der Realität zu unterscheiden.

Packshot zu Forza Motorsport 5Forza Motorsport 5Erschienen für Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Klingt toll und doch nicht vollends befriedigend. So bewunderungswürdig die Grafik in den Rennen glänzen mag, Dynamik bleibt ein Fremdwort. Kein Regen, kein Schnee, keine Nachtfahrten. Das Höchste der Gefühle ist ein wenig Bodennebel, der dem Ambiente dient. Trotz des Versprechens seitens Dan Greenawalt, Forza 5 sei kein Generationenspiel, das sich mit seinen Nachfolgern entwickeln müsse, fehlen erstaunlich viele Dinge, die Fans auf dem Wunschzettel haben und andere Rennspiele erfüllen. Siehe Drive Club auf der PS4. Selbst Gran Turismo 5 hatte in dieser Hinsicht mehr auf dem Kasten.

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Am Schadenssystem hat Turn 10 Verfeinerungen vorgenommen. Extreme optische Schäden stehen trotzdem nicht an. Der Wagen sieht im schlimmsten Fall etwas zerknautscht aus und verweigert die Weiterfahrt.
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Kein gutes Omen. Turn 10 darf sich nicht auf dem Ruf der Xbox-360-Episoden ausruhen. Die Marke Forza Motorsport mag in den letzten Jahren viel Reputation verdient haben. Ihr Name beinhaltet dennoch ein unausgesprochenes „der Rivale von Gran Turismo“. Es ist immer schwer, ein Original zu übertrumpfen, völlig gleich, wie enthusiastisch Turn 10 an den Feinheiten bastelt.

Kurz gesagt: Forza benötigte in der aktuellen Generation drei Auskoppelungen, um die Verkaufszahlen des allseits gescholtenen, arg verspäteten Gran Turismo 5 zu erreichen. Zusammengerechnet, wohlgemerkt. Dass Forza 5 die Rolle des Absatz-Jokers diesmal erfüllt, scheint somit bestenfalls optimistisch, wenn nicht unrealistisch.

Kein Spiel für die breite Masse

Machen wir uns nichts vor. Otto-Normalspieler wartet ab, bis das Spieleangebot breiter ist. Microsofts neuer Konsole fehlt es nicht an vielversprechenden Ankündigungen, aber 500 Euro sind viele Arbeitsstunden wert und werden üblicherweise erst dann investiert, wenn ein unverzichtbarer Must-Have-Titel den Geldbeutel öffnet. Diese Rolle erfüllt Forza 5 trotz vieler optionaler Vereinfachung für Einsteiger nicht.

Optisch genial, inhaltlich marginal weiter als Forza 4.Ausblick lesen

Echte Rennspiel-Cracks könnten schon eher anbeißen. Sie kaufen das Programm nicht für einen kurzen Spielspaßsnack oder zum Bewundern der Landschaft. Sie wollen am Lenkrad sitzen, Ideallinien herausfummeln, die Grenzen der Fahrzeuge ausreizen. Beim Simulationsgehalt macht Turn 10 keinerlei Zugeständnisse. Das Team stellte sogar einige aufwändige Nachforschungen an, um die Simulation der Reifen auf unterschiedlichen Belägen weiter zu intensivieren. Dabei geht es nicht nur um On- oder Offroad, zumal echte Schotterpisten nicht vertreten sind. Eher um diverse Asphaltzusammensetzungen, Kopfsteinpflaster sowie Übergänge zwischen der Fahrbahn und deren Rand.

So richtig spürbar werden diese neuen Beläge durch ein brandneues, sehr Force-Feedback-starkes Thrustmaster-Lenkrad mit revolutionären Features. Da es bisher im Beta-Status verweilt, ist der volle Umfang der Funktionen noch unklar, aber man kann davon ausgehen, dass die Pedale vibrieren werden, so wie es die Schulterbuttons des neuen Standardcontrollers tun.

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Keine Nachtfahrten, kein Wetter. Dafür noch feinere Unterscheidung zwischen diversen Bodenbelägen und deren Temperatur. Ob das als Verkaufsargument für Spiel und Konsole ausreicht, sehen wir im November.
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Ein Traum, wäre da nicht der gigantische Anschaffungspreis, der einem Tag-eins-Kauf Salz in die Suppe streut. 499 Euro für die Konsole plus Forza plus mehrere hundert Euro für das Lenkrad? Dazu noch 60 Euro jährlich für das Xbox-Live-Abo. Das wird nicht billig. Wenn wenigstens alte Xbox-360-Lenkräder kompatibel wären, könnten viel mehr Forza-Fans auf die moderne Plattform übersetzen. Bei diesem Thema ließ sich Turn 10 noch nicht zu konkreten Aussagen verführen.

Ein anderes strittiges Feature könnte die neue künstliche Intelligenz werden. Xbox One analysiert das Fahrverhalten jedes Spielers und schickt gesammelte Daten zur Auswertung in die Cloud. Der daraus resultierende „Drivatar“ imitiert daraufhin den Fahrstil eines jeden Forza-Enthusiasten und dient in Karriererennen als Gegner für alle Freunde.

Vorteilhaft wirkt hier die Authentizität der Gegner. Mehrere Schwierigkeitsgrade maßregeln zwar das Können der virtuellen Piloten, doch letztendlich fährt man gegen „beinahe echte“ Intelligenz. Der eine bremst zu früh, der andere zu spät. Einer rammt lieber, wieder ein anderer fährt vornehmlich körperlos. Eine ständige Online-Verbindung ist dazu nicht nötig, denn das Spiel lädt eine Anzahl Drivatars auf die Konsole herunter – inklusive Angaben über bevorzugte Lackierungen und Fuhrparkpräferenzen.

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Noch sind Grafikfehler in der aktuellen Build zu erkennen. Etwa verschwindende Bäume und der noch karg aufbauende Rückspiegel. Diese Kleinigkeiten dürften bis zur Veröffentlichung ausgemerzt sein.
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Der mögliche Streitpunkt liegt in der selbstständig fortgesponnenen Karriere, denn euer Drivatar fährt auch dann weiter, wenn ihr nicht an der Konsole sitzt. Er hängt ja in Form mehrerer Kopien bei euren Freunden herum. Prima Sache, wenn er Erfolge und Kohle reinholt. Andererseits eine Schmach für Anfänger und weniger talentierte Fahrer, die ständig ungefragt dem Wettbewerb mit anderen ausgesetzt sind.

Zu den implementierten Online-Modi gibt es abseits des Versprechens, es würden dedizierte Server eingesetzt, noch keine Neuigkeiten. Allerdings erhalten Verkaufssystem und Lackierungsoptionen eine Generalüberholung. Spieler mit Zeitüberschuss dürfen weiterhin künstlerisch beeindruckende Lackierungsmuster erstellen. Neben den üblichen Farben und Formen kommen Materialien zum Gestaltungsprozess hinzu. Es wird zwar nicht in alle Extreme implementiert, doch angeblich wäre es theoretisch möglich, einen kompletten Wagen in realistisch beleuchtetem Leder oder Moos einzupacken.

Bei der Weitergabe werden Künstler zudem gerechter entlohnt als zuvor. Statt Eigenkreationen im Auktionshaus zu verhökern und nur einmal Geld zu kassieren, stellt das Spiel veröffentlichte Muster für alle Shopbesucher kostenlos zur Verfügung. Der Ersteller erhält für jede Anwendung spielinterne Währung. Das Gleiche gilt für Tuningvorlagen. Klingt fair.