Bereits vor vielen Jahren servierte uns Microsoft mit "Forza Motorsport" ein umfangreiches Rennspiel mit Simulationsansprüchen. Kopf an Kopf mit Playstation-Konkurrent "Gran Turismo" ging es zum Fernduell auf die Piste - das damalige Rennen entschied Sony knapp für sich. Nun steht der Nachfolger bereit und stellt erneut den Anspruch, den plattformübergreifenden Rennspielthron zu erklimmen. Wir starten die Motoren!

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Rennkarriere ohne Fahrlizenzen
"Forza Motorsport" war bereits vor Jahren auf der Xbox eine Hommage an alle sportlichen Fahrzeuge dieser Welt. Mit einem rund 300 Vehikel umfassenden Fuhrpark setzt Forza 2 dort nahtlos an. Von reinrassigen Supersportwagen der Marke Ferrari, Lamborghini, Maserati und vielen mehr über Muscle Cars und Limousinen bis hin zur Einsteigerklasse eines Golf GTI steht alles bereit, was das Herz begehrt. Lediglich bei der Aktualität der Modellserien gibt es Grund zur Kritik - zwar steht bereits der Golf V GTI bereit, dafür nehmt ihr allerdings noch im alten Audi TT Platz und müsst auf den Ingolstädter Rassesportler Audi R8 verzichten.

Forza Motorsport 2 - Zwischen Simulation und Racing-Action: Ist Forza das perfekte Rennspiel?

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Idyllische Lichteffekte und polierte Bleckkleider - was will man mehr?
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Zu Beginn des Karrieremodus, der eindeutig das Kernstück des Spiels darstellt, entscheidet ihr euch für eine Heimatregion. Abhängig davon, ob ihr virtuell in Asien, Europa oder den USA beheimatet seid, ist die Auswahl entsprechender Fabrikate zu Beginn größer. Ihr solltet diese Entscheidung also durchaus von eurem Fahrzeuggeschmack abhängig machen. Ist das erste Fahrzeug vom zunächst begrenzten Budget gekauft, geht es auch schon zum ersten Mal an die Startlinie. Fahrzeugupgrades könnt ihr euch zunächst aufgrund mangelnden Budgets ebenso sparen wie mögliche Lizenzprüfungen - Forza 2 ist lediglich eine Aneinanderreihung von Rennwettbewerben.

Sämtliche Rennwettbewerbe sind in Kategorien klassifiziert, die Namen wie "Hersteller-Club Rennen", "Profi", "Konkurrenzkampf" oder "Langstreckenrennen" tragen. Jeder Wettbewerb ist zudem auf bestimmte Fahrzeugeigenschaften reglementiert und erlaubt die Teilnahme nur dann, falls ihr einen passenden Boliden in der Garage stehen habt. Dies können beispielsweise Leistungsbeschränkungen, Motorbauarten, Antriebsarten oder bestimmte Hersteller sein.

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Wer schon immer mal einen sündhaft teuren Enzo Ferrari fahren wollte, hat hier die Gelegenheit dazu.
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Ein weiteres Kriterium für die Teilnahme ist euer Fahrerlevel, den ihr durch Rennerfolge stetig ausbaut. Per Knopfdruck erlangt ihr zudem bereits im Vorfeld Informationen über das Fahrerfeld. Sämtliche Autos sind bei Forza 2 in Buchstabenklassen eingeteilt, die zudem mit einer nachfolgenden Zahl differenziert werden. Fahrzeuge der Klasse D sind grundsätzlich schwächer als Vehikel der Klasse C. Ein Bolide mit der Kennung D397 ist seinem D342 Gegenstück ebenfalls in Sachen Leistung überlegen.

Rennwettbewerbe bestehen meistens aus drei bis vier Einzelrennen, die allesamt gewonnen werden müssen, sofern ihr den Wettbewerb mit dem Goldstatus abschließen wollt. Völlig unkonventionell gibt es also kein Punktesystem, das bei zwei grandiosen Rennen auch mal einen Ausrutscher toleriert, sofern die Gesamtpunktzahl für die Tabellenspitze reicht. Immerhin könnt ihr jedes Rennen dafür jederzeit neu starten - falls ihr also kurz vor der Ziellinie im Kiesbett landet oder den Start verpennt, wirkt sich das nicht zwingend auf den Wettbewerb aus.

Freude am Fahren
Viele von euch werden sicherlich bis hierhin schon das eine oder andere Mal die Nase gerümpft haben - Forza 2 ist ein Spiel, das abseits der Rennstrecke durchaus einige Designschwächen aufweicht, die sich auch auf unsere Gesamtwertung auswirken. Steht ihr jedoch erst mal auf der Strecke und gibt die Ampel das Rennen frei, sind viele dieser Defizite schnell vergessen. Das Fahrzeugverhalten ist aufgrund der absolut exzellenten Fahrphysik rundum gelungen. Dank konstant hoher Framerate führen das hohe Geschwindigkeitsempfinden und das authentische Verhalten des Boliden zu sehr viel Fahrspaß.

In punkto Fahrhilfen zeigt sich das Spiel sehr flexibel - aktiviert ihr alle elektronischen Helfer, steuert sich das Fahrzeug fast wie von selbst, während Profis durch das Deaktivieren der Fahrhilfen auf ihre Kosten kommen. Die aus dem Vorgänger bekannte, eingefärbte Ideallinie erleichtert zudem den Einstieg. Je nachdem ob ihr aktuell zu schnell oder angemessen unterwegs seid, färbt sich die Ideallinie in den Indikatorfarben grün, gelb oder rot.

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Mit Hilfe von Unschärfeeffekten erscheint das Tempo besonders hoch.
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Wer mag darf während des Rennens jederzeit die in Echtzeit berechneten Telemetriedaten einsehen. Von der Reifentemperatur über die aktuelle Drehzahl samt anliegendem Drehmoment und effektiver Kraftübertragung bis hin zu den Kräften, die aktuell auf die Karosserie wirken, ist alles dabei, das euch entweder beim Feintuning nützlich oder einfach nur interessant ist. Sämtliche dieser Faktoren fließen natürlich auch aktiv in das Fahrverhalten mit ein, was eine plausible Erklärung für das äußerst authentische Benehmen der sehr unterschiedlichen Boliden ist.

Eine Frage des Setups
Fahrt ihr im Spiel beispielsweise einen Hecktriebler, der naturgemäß zum Übersteuern neigt, so könnt ihr das Fahrzeug in engen Kurven geradezu mit gefühlvollem Einsatz des Gaspedals durch die Kurve lenken. Mit Hilfe spezieller Reifengummimischungen, Stoßdämpfereinstellungen, Fahrwerkshöhe und vielem mehr lassen sich bestimmte Eigenschaften zudem unterdrücken oder gezielt fördern. Wer darauf steht, mit einer Heckschleuder durch die Kurven zu driften, der darf sein Fahrzeug durch adäquates Tuning entsprechend züchten.

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In den Wiederholungen bleibt kein Fahrfehler unentdeckt.
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Neben dem Tuning wirkt sich auch der Zustand des Fahrzeugs auf das Handling aus. Aufgrund eines optischen Schadenmodells, das zudem auch die Fahreigenschaften beeinflusst, solltet ihr Kollisionen mit Gegnern und Streckenbegrenzungen möglichst vermeiden. Bei der Darstellung der Schäden bietet Forza 2 allerdings nur Standardkost. Zwar dürft ihr bei Fahrfehlern zusehen, wie sich Seitenspiegel und Anbauteile verabschieden, während Scheiben zerbersten und der Lack verkratzt. Jedoch hat man ständig das Gefühl, dass alle Schäden Teil eines statischen Modells sind, das lediglich vorbestimmte Schadensstufen abspult. Wenn ihr beispielsweise mit 350 km/h in eine massive Wand brettert, sind die Schäden nicht mal annähernd so fatal, wie man es bei einem realistischen Spiel erwarten darf. Immerhin wirken sich die entstandenen Schäden auch als Preisgeldminderung aus - schließlich muss der Hobel ja auch wieder instand gesetzt werden.

Großzügige Geschenke
Wer Rennen gewinnt, heimst ein zuvor festgelegtes Preisgeld ein und steigert damit einerseits seinen Fahrerlevel und andererseits das Level des gefahrenen Fahrzeugs. Ersterer bringt euch bessere Einkaufskonditionen bei den weltweiten Fahrzeughändlern ein und schaltet neue Wettbewerbe frei, während sich der gesteigerte Fahrzeuglevel positiv auf passende Zubehörteile auswirkt. Gewinnt ihr einen Wettbewerb winken neben einer Gesamtprämie auch noch die Autoschlüssel eines neuen Boliden. Bereits sehr früh im Spiel ergattert ihr auf diese Weise Fahrzeuge vom Schlage eines Nissan Skyline GT-R oder eines Lancer Evolution VII. Wer also Angst hatte, er müsse zunächst Stunden lang mit einem PS-schwachen Kompaktwagen auf Rundenjagd gehen, der darf beruhigt sein.

Die gewonnenen Preisgelder dürft ihr beim Fahrzeughändler eurer Wahl für Neuwagen auf den Kopf hauen oder in optische und leistungssteigernde Upgrades investieren. Das Optiktuning beschränkt sich auf Anbauteile wie Front- bzw. Heckschürze, Seitenschweller, Heckspoiler, Scheibentönung, Felgenform und -größe und die Fahrwerkshöhe - bei sämtlichen Teilen handelt es sich um reales Zubehör lizenzierter Hersteller.

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Fans optischer Fahrzeugveredelung kommen ebenfalls auf ihre Kosten.
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Zudem dürft ihr das Fahrzeug kostenlos lackieren, wobei sich Karosserie, Motorhaube, Heckspoiler, Felgen und Bremssattel getrennt einfärben lassen. Das eigentliche Highlight ist jedoch das Auftragen von Mustern, Farbverläufen, Herstellerlogos, Zahlen und Buchstaben in allen erdenklichen Formen und Farben. In unzähligen Schichten könnt ihr hier eurer Kreativität freien Lauf lassen.

Vom Serienfahrzeug zum Renngeschoss
Auch beim Leistungstuning sind der technischen Kreativität kaum Grenzen gesetzt. Aggregate lassen sich ersetzen, Saugmotoren dürfen durch Kompressoren oder Turbolader ergänzt werden, Auspuffanlagen, Ladeluftkühler, Luftfilter, Einspritzsysteme, Bremsanlagen, Stabilisatoren und vieles mehr können ein- beziehungsweise umgebaut werden. Dabei solltet ihr allerdings immer die Klassifizierung eures Wagens im Auge behalten, um nicht womöglich über die Leistungsbeschränkung des nächsten Wettbewerbs hinaus zu schießen. Auch die Ausgewogenheit ist durchaus wichtig - wer sein Fahrzeug zum 700-PS-Monster ausbaut und dabei noch immer die Serienbremsanlage verwendet, der sollte kurvige Strecken meiden.

Technisch hinterlässt Forza 2 einen gespaltenen Eindruck - die zumeist aus dem Vorgänger bekannten Strecken wurden teilweise optisch verbessert, reißen jedoch niemanden vom Hocker. Wer schon mal die Streckengrafik eines Gran Turismo HD oder die des bevorstehenden Colin McRae Dirt gesehen hat, der dürfte mehr erwarten. Die Darstellung der Fahrzeuge ist grundsätzlich gut gelungen, enttäuscht aber durch die fehlende Cockpitperspektive. Auch hier zeigen beispielsweise Test Drive Unlimited und Project Gotham Racing, dass Quantität nicht unbedingt zur Qualitätsminderung führen muss. Auch akustisch wirkt das Gebotene solide, lässt allerdings viel Raum für Verbesserungen. So erklingen die Motorsounds zwar grundsätzlich satt und authentisch, zeigen sich von vielen Upgrades allerdings völlig unbeeindruckt.

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Spannende Duelle zwischen deutschen Fabrikaten sind ebenfalls möglich.
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Ein absolutes Highlight ist dagegen die Integration des Onlinemodus, der nicht nur Onlinerennen und -turniere bietet, sondern auch zum weltweiten Handel der Fahrzeuge einlädt. Statt die unglaublich sehenswerten Kreationen einfach nur zu verkaufen, lassen sich ganze Auktionen einrichten, die euch möglicherweise deutlich mehr virtuelles Geld in die Kasse spülen. Wer besonders stolz auf seine Fahrzeugkreation ist, darf sein Design sogar schützen. Auf diese Weise lässt sich die Lackierung samt aufgetragenen Klebeschichten vom neuen Besitzer nicht manipulieren, sondern gegebenenfalls nur komplett löschen. Die Onlinerennen sind zudem eine willkommene Abwechslung zu den ständigen Wettbewerben gegen KI-Kontrahenten - insbesondere weil die künstliche Intelligenz ausschließlich in unmodifizierten Serienboliden ihre Runden dreht.