An keinem Ort der Welt prallen Extreme so heftig aufeinander wie in Australien. Ein Land voller gefährlicher Tiere, extremer Wetterbedingungen und unterschiedlichster Umgebungsmerkmale. Wahrscheinlich der optisch abwechslungsreichste Ort auf Erden, und ein gestalterisches Geschenk für die Grafiker der dritten Forza-Horizon-Iteration.

Der E3-Trailer spricht Bände: Dschungel, Wüste, Stadt und Landstraßen, die dem Titel gemäß bis an den Horizont führen, füllen das Schauplatz-Portfolio. Forza Horizon 3 hat gute Chancen, das größte und abwechslungsreichste Spiel der Reihe zu werden.

Wenn es nur um schöne Grafik und mannigfaltige Schauplätze ginge, hätte man bereits mit den beiden Vorgängern das Maximum des Machbarem aufgefahren. So viel detailreicher als bei Teil 2 wirkt die Umgebung gar nicht, wenn man die Vorschau etwas genauer unter die Lupe nimmt. Um genau zu sein, machen die gezeigten Wasserpartikel beim Durchfahren der Pfützen keinen besonders realistischen Eindruck, während die Wildnis an sich etwas überzeichnet wirkt – vor allem farblich. Einzig die spektakuläre dynamische Skybox, die mithilfe von echten 360-Grad-Filmaufnahmen aus Australien zusammengesetzt wurde, sorgt mit Farbspiel und flüssigem Übergang für offene Münder. Macht aber nichts, denn Turn 10 und Playground Games haben für den Inhalt des Rennspektakels beeindruckende Pläne.

Forza Horizon 3 - E3 2016 Trailer

Wie bei Horizon üblich, dreht sich alles um ein Musikfestival, das als zentraler Aufhänger für diverse Rennveranstaltungen herhalten darf. Keine davon verlangt akribische Planung oder außergewöhnliche Fahrertalente, denn im Gegensatz zur zentralen Forza-Motorsport-Reihe, die auf Simulationspfaden wandelt, gibt sich Horizon seit jeher nach Spielhallentradition etwas spritziger und unbefangener. Der Bleifuß regiert und profitiert von der gestellten Umgebung, die nicht nur ein frei befahrbares Open-World-Straßennetz zur Verfügung stellt, sondern auch offene Landschaften mit minimalen Begrenzungen. Somit schaffen es neben normalen Straßenrennen auch Stunt-Veranstaltungen und Querfeldein-Meisterschaften auf den Speiseplan. So weit, so bekannt, wenn auch auf doppelt so großer Spielfläche wie noch bei Forza Horizon 2.

Mit Blueprint zum Chef werden

Die wichtigste Neuerung im Vergleich zu den Vorgängern besteht in der freien Planung und Gestaltung dieser Veranstaltungen. Es besteht kein Zwang, den vorgekauten Events der Programmierer nachzugehen. Stattdessen darf man mit den Werkzeugen der Entwickler arbeiten, um eigenhändig Meisterschaften und besondere Herausforderungen zu erstellen. Und zwar bis ins Detail. Egal ob Kursverlauf, Wetter, Fuhrpark oder Zielvorgaben – alle relevanten Parameter dürfen nach eigenem Gutdünken gestaltet werden. Was noch spannender wird, wenn man den eigenen Spielplan mit Kollegen teilt. Bis zur vier virtuelle Rennpiloten dürfen Plattformübergreifend gemeinsam eine Koop-Karriere verfolgen, gespeist durch eigens modifizierte Events. Dank Microsofts neuem „Play Anywhere“-Konzept spielt es keine Rolle, ob man dabei am Windows-10-PC oder an einer Xbox One sitzt.

Mehr Platz, mehr Autos, mehr Musik, mehr Vernetzung. Horizon 3 sieht noch besser aus als seine Vorgänger – aber auch noch etwas arcadiger.Ausblick lesen

Natürlich besteht kein Zwang zur Modifikation. Vorgefertigte Veranstaltungen bestehen zuhauf und können auf Wunsch auch einfach abgeklappert werden. Anpassungsmöglichkeiten durch das sogenannte Horizon Blueprint-System versprechen allerdings gesteigerte Langzeitmotivation. Man ist nun nicht mehr nur ein Teilnehmer des Horizon-Festivals – man wird buchstäblich zum Chef der Veranstaltung.

Forza Horizon 3 - Hoch hinaus in Down Under

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Neue Features, neue Optik - neues Spiel?
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Und zwar in mehreren Belangen. So darf man etwa die berüchtigten Drivatare aus der Freundesliste ein- und ausladen bzw. sie direkt herausfordern und im Anschluss für eigene Events anheuern, auf dass sie euren Live-Konkurrenten das Leben schwer machen. Chef des Festivals heißt zudem auch Chef des musikalischen Angebots. Einerseits ergänzt Playground das bisherige Angebot durch neue Radiosender, die Hip Hop, harten Rock und Punk-Musik beisteuern. Deals mit berühmten Labels machen das möglich. Mit an Bord ist etwa Epitaph Records, das Heimstudio diverser Kult-Punk-Bands wie zum Beispiel Bad Religion, The Offspring, NoFX oder Rancid, aber auch „weicheren“ rock-orientierten Bands wie Weezer, The Hives und Pennywise. Welche Bands im Spiel vertreten sein werden, ist noch nicht bekannt, aber allein die Anwesenheit von Epitaph Records dürfte das Niveau des Soundtracks um einige Dimensionen nach oben katapultieren. Dabei gab es schon bei den Vorgängern kaum Grund zur Beschwerde.

Wichtigste Neuerung im akustischen Segment ist allerdings ein ganz eigener Radiosender namens Groove Radio. Diesen speist man durch Mp3-Tracks aus der eigenen „One Drive“-Cloud. Keine revolutionäre Idee, zumal offen bleibt, warum man in Einzelspieler-Sitzungen dazu ausgerechnet die Internetverbindung belegen muss, statt die Songs von der Festplatte zu streamen. Vielleicht schont es ja die Performance. Sei es drum, wichtig ist, dass eigene Musikstücke überhaupt Einzug halten.

Packshot zu Forza Horizon 3Forza Horizon 3Release: Xbox One: 27.9.2016 kaufen: Jetzt kaufen:

Extrem vernetzt

Die Forza-Reihe war noch nie um Autos verlegen. Horizon 3 setzt jedoch mit 350 enthaltenen Karren und zusätzlichem DLC-Nachschub auf höchste Abwechslung. Erstmals dabei sind neben diversen Exklusivfahrzeugen neuester Baureihe auch hochgezüchtete Offroad-Buggys und Jeeps, die Sportflitzern und Familienkarossen auf hügeliger Piste den Rang ablaufen, aber auf glattem Asphalt das Nachsehen haben. Um so wichtiger wird die Auswahl des Wagens vor einem Event.

Forza Horizon 3 - Hoch hinaus in Down Under

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Horizon 3 scheint etwas arcadiger zu werden als die Vorgänger.
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Die allermeisten Modelle wurden in spektakulärer Forza-Vista-Qualität aus Turn 10s Simulations- Fundus übernommen und verfügen über realitätsnahe Fahreigenschaften. Wie üblich sieht es die Horizon-Reihe jedoch nicht ganz so eng wie die Hauptserie, wenn es um den Realismus geht, was den Stunts zugutekommt. Horizon 3 setzt in der Wildnis Australiens noch stärker auf irre, ungezügelte Raserei als die Vorgänger, verzichtet dabei jedoch nicht auf Finesse. So darf wieder nach Herzenslust getunt, modifiziert und auch am Lack gestaltet werden. Wer darauf keine Lust hat, aber trotzdem ein außergewöhnliches Gefährt braucht, schaut sich im implementierten Auktionshaus nach Sonderangeboten der szeneinternen Profi-Schrauber und Spitzel-Lackierer um. Ein Feature, das in der Hauptserie lange vermisst wurde. Fans sind schon gespannt, wie die Umsetzung aussehen wird.

Noch spannender dürfte die Antwort auf diverse technische Fragen ausfallen. Auf Xbox One werden nach wie vor stabile 30 FPS angepeilt, was allein aufgrund der komplexen Umgebung als angemessenes Ziel gilt. Dies dürfte ebenfalls eine angemessene Begründung für die Begrenzung auf zwölf Spieler im nahtlos zu startenden Multiplayer-Modus sein, der wie zuvor ganz ohne Lobbys auskommt und sehr viele Freiheiten für alle Teilnehmer bereithält. Aber wie steht es denn um die PC-Variante? Wird sie ebenfalls auf 30 FPS beschränkt, oder darf man auf superflüssige 60 Bilder hochdrehen? Und wenn ja, welche Hardware wird man dafür benötigen? Fragen über Fragen, die sicherlich in den kommenden Monaten beantwortet werden. Nur eines ist klar: Windows 10 ist Pflicht, denn nur mit dem neuesten OS aus dem Hause Microsoft kommen Konsole und PC zusammen. Im Gegenzug braucht man das Spiel nur ein mal als Download-Fassung zu kaufen, um es auf beiden Plattformen zu genießen.