Kein Rennspiel flitzt kontrastreicher in den Zwei-Jahres Rhythmus als Turn 10s Forza. Während die „Motorsport“-Ableger aus Simulationspfaden wandeln, lockert „Horizon“ das Geschehen stets mit einer ordentlichen Portion Arcade-Fahrgefühl und einer frei befahrbaren offenen Welt auf. Im vorliegenden Forza Horizon 3 geht es nach Australien – in 4K und HDR.

Forza Horizon 3 - E3 2016 Trailer

Mooooment! 4K und HDR? Auf der Xbox One? Na gut, das stimmt nicht so ganz, denn eine native 4K-Auflösung verspricht ausschließlich die PC-Fassung, die wir am Ende des Artikels noch einmal gesondert behandeln.

Wer Forza Horizon 3 in das Slim-Modell der Xbox One einlegt, genießt immerhin hochskalierte 4K-Grafik und irre HDR-Kontraste, sofern ein passender Fernseher vorhanden ist – und das sieht auch nicht schlecht aus.

Da bleibt euch die Spucke weg

Entschuldigt, der letzte Satz ist eine gnadenlose Untertreibung. Der dritte Teil der von Turn 10 und Playground Games erschaffenen Open-World-Raserei generiert schon in den ersten Spielminuten reihenweise offene Münder. Aussicht, Farbgebung, Landschaftsgestaltung – man meint zuweilen, mit 300 Pferdestärken unterm Hintern durch ein virtuelles Hochglanz-Urlaubsprospekt zu düsen, das die schönsten und spektakulärsten Teile Australiens in einer 100-Stunden-Kampagne vereint.

Forza Horizon 3 - Hochgeschwindigkeitsurlaub [Update: PC-Version ebenfalls getestet]

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Hübsch ist gar kein Ausdruck: Forza Horizon 3 sieht, das entsprechende Equipment vorausgesetzt, phänomenal aus.
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Auf einem 4K-Fernseher betrachtet verliert das Wort „spektakulär“ beinahe jede Aussagekraft, weil man vor lauter „oh“ und „ah“ vergisst, die erste bereitgestellte Spritschleuder auf Kurs zu halten. Selbst in der nativen Auflösung von schnöden 1080p gibt es keinen Grund zur Beschwerde, auch wenn sämtliche Kontraste ein wenig überdreht erscheinen. Alle naselang schweift der Blick auf Sehenswertes. Strahlend blauer Himmel, saftig grüner Regenwald mit vielen dunklen Schatten, gruselige Höhlen, hohe Wolkenkratzer, krümelige Reflexionen auf feinem Sand und verträumt aufschlagende Küstenwellen. Wer anhand dieser Bildpracht keine Lust auf Urlaub bekommt, muss farbenblind sein. In Anbetracht der offenen Welt mit zig Quadratkilometern frei befahrbarer Fläche, gehört Forza Horizon 3 zu den schönsten Rennspielen, die bislang das Licht der Welt erblickten. Kein Wunder, dass Microsofts Konsole auf felsenfesten 30 Bildern pro Sekunde verharrt. Wer diese Aussicht in 60 FPS genießen will, muss mit einem Windows-10-PC samt starker Grafikkarte zurückgreifen.

Kenner mögen unken, es ginge um alten Wein in neuen Schläuchen. Abseits einiger Anpassungen im Detail hätten sie sogar recht. Ist immerhin schon der dritte Teil des Arcade-Ablegers. Stören dürfte das aber kaum jemanden, wenn Grafik und Spielbarkeit Purzelbäume schlagen.

Packshot zu Forza Horizon 3Forza Horizon 3Release: Xbox One: 27.9.2016 kaufen: Jetzt kaufen:

Wie üblich lädt ein Musikfestival in Kombination mit diversen Rennveranstaltungen zum Ausleben von Bleifußtendenzen ein. Größter Unterschied zu den Vorgängern: Man ist nun selbst der Veranstalter und genießt dadurch einige Privilegien. So kommt man beispielsweise um das etwas nervige Farbbändchen-System herum, das im Vorgänger die Teilnahme an gewissen Wettbewerben einschränkte. Obendrein darf man Hand an manche Rennveranstaltungen legen, um die Art des Rennens, Rundenanzahl und Fahrzeugklasse vorzugeben. Ansonsten geht es aber um den gleichen Spaß wie zuvor: Landschaft erkunden, Profis herausfordern, versteckte Schilder und Scheunenfahrzeuge finden, Rennen absolvieren, über Stuntrampen heizen, Blitzer auslösen... Eine wohlbekannte, aber noch immer sehr ergiebige Spielspaßformel samt Level-up-System, das einige Zeit anspornt, Erfahrungspunkte zu sammeln, Fahrzeuge zu erwerben und jeden Quadratzentimeter der Spielwelt abzugrasen.

Forza Horizon 3 - Hochgeschwindigkeitsurlaub [Update: PC-Version ebenfalls getestet]

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Australien bringt ordentlich Abwechslung in die Forza-Welt.
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Von den Simulationsambitionen der Motorsport-Hauptserie bleibt in Horizon wie üblich wenig übrig. Im Ausgleich dafür fahren sich alle Karren aber absolut sahnemäßig. Selbst die Diven aus dem Hause Ferrari zicken nicht halb so sehr wie in Forza Motorsport 6 und lassen sich prima über den Asphalt dirigieren, obwohl sie sich insgesamt etwas schwerer und träger geben als im Vorgänger. Das ist keine negative Kritik. Forza Horizon 2 vermittelte vor zwei Jahren nicht selten den Eindruck, die Rennflitzer wären nicht schwerer als ein paar Hundert Kilo. Nun fühlen sie sich endlich wieder realistisch an.

Allerdings gehören in Australien verstärkt leichtere Buggys und Geländewagen zum Sortiment, was angesichts der gebotenen Landschaft Sinn ergibt. Eine belastbare Federung und große Reifen erhöhen oftmals den Spielspaß, egal ob auf den Dünen des Outback oder im Gestrüpp des Regenwalds. Von Chassis kaum eine Spur; sie bestehen höchstens aus Rahmen und Motor, wodurch sie auch wild durch die Gegend schleudern, wenn die Haftung mal flöten geht. Kommt aber selten vor. Wenn überhaupt, dann nur beim Übergang zwischen zwei Belägen oder beim halbherzigen Durchfahren einer Pfütze.

Grafisch spektakulär und irre abwechslungsreich: Forza Horizon 3 perfektioniert die ohnehin geniale Rennspielformel der Serie durch Detailverbesserungen.Fazit lesen

Strände, Musik und heiße Karren

Allein durch den hohen Kontrast der Schauplätze bringt Forza Horizon 3 weit mehr Abwechslung an den Tisch als sein Vorgänger, bei dem man Südeuropa erkundete. Zudem steht erheblich mehr befahrbare Fläche zur Verfügung, da man nur selten auf künstliche Grenzen stößt.

Playgrounds Aussagen zur Größe der Weltkarte sind trotzdem irreführend. Die Entwickler versprachen auf den Videospielmessen dieses Jahres eine Verdoppelung der Weltgröße, was hinten und vorne nicht hinkommen kann, da die Dauer einer Durchquerung ähnlich lang ausfällt wie zuvor. Letztendlich geht es nur um die befahrbare Fläche, und die besteht zu einem Großteil aus dichtem Regenwald, in dem man stets gegen große Bäume scheppert oder kleine Palmen über den Haufen fährt, ohne eine rechte Orientierung zu bewahren. Hier wird bei den Größenangaben ein wenig gemogelt.

Forza Horizon 3 - Hochgeschwindigkeitsurlaub [Update: PC-Version ebenfalls getestet]

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Burnout, bist du's?
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Apropos mogeln: Einige der verwendeten Assets hätten etwas mehr Varianz vertragen können. Von den eben genannten umholzbaren Palmen gibt es beispielsweise nur eine Version, die gefühlte hunderttausend Mal in der Landschaft platziert wurde. Nein, liebe Leute von Playground, das ist keine unauffällige Nebensächlichkeit, auch wenn ihr wohl gehofft habt, es würde keiner merken. Ähnliches gilt für Bäume außerhalb des Regenwalds, denn auch dort ist es stetig derselbe Baum, den man (viel zu leicht) über den Haufen fahren kann. Sicherlich hat das auch Vorteile, denn so erkennt man kinderleicht, wo man sich bei einer Offroad-Tour durch das Gestrüpp arbeiten kann und wo nicht. Aber das Auge fährt mit, und das erkennt die Sparmaßnahme leider allzu schnell.

Schade, denn abseits solcher Schnitzer wurde die Spielwelt so geschickt gestaltet, dass man ihr jede Abkürzung, jede Straßenkreuzung und jede Abzweigung in eine Tropfsteinhöhle abkauft. Wie zuvor erwähnt, ist das Upscaling der Xbox One S phänomenal. Selbst ohne HDR-Kontraste (also auf einem normalen 1080p-Fernseher) wirken einige Landschaftssegmente fotorealistisch. Klar, es gibt kleinere Sparmaßnahmen, die den Eindruck verwässern. Etwa stotternd verschobene, vorab berechnete Landschaftsschatten, die nicht in Echtzeit berechnet werden. Das Gesamtbild bleibt dennoch stimmig. Ob bei Sonnenschein oder im Regen, ob bei Tag oder unter dem atemberaubend klaren Sternenhimmel, es gibt keinen Moment, der nicht dazu verführt, eine Reise nach Australien zu buchen. Na ja, sofern man ausblendet, dass dort eklige und teils tödliche Viecher leben.

Wettbewerbe on- und offline

Obwohl die frische Optik das Auge verwöhnt und eine komplett neue Umgebung zur Erforschung einlädt, lässt sich eine gewisse Stagnation im Spielsystem nicht leugnen. Hier und da wurde die Gewichtung umgelagert oder ein neues kleines Feature eingebaut, das davon ablenken soll. Etwa bei den Radiosendern.

Anfangs stehen nur zwei Sender bereit, alle weiteren holt man als Festivalsponsoren ins Boot, wobei man de Reihenfolge frei bestimmen darf. Erfreulicherweise halten in diesem Rahmen mehr bekannte Künstler Einzug als zuvor. Allein der Deal mit dem Label Epitaph Records bereichert das Repertoire um eine Wer-ist-wer-Liste der bekanntesten Punk- und Hardcore-Bands auf dem Planeten. Trotzdem hat der Soundtrack nicht so viel Wumms wie bei Forza Horizon 2. Er ist nicht mehr so geschickt auf das Renngeschehen zugeschnitten, wie es noch beim Vorgänger der Fall war, was mitunter an der leicht ungeschickten Auswahl liegt. Musik von Bad Religion? Schätze ich auf persönlicher Ebene sehr, aber die Klangqualität des enthaltenen Tracks ist aufgrund der Achtzigerjahre-Aufnahme leider recht dünn. Killer von Seal? Ein super Track als Berieselung auf einer Autobahnfahrt, aber leider etwas zu langsam bei einem heißen Rennspiel. Erst recht, wenn nicht das Original vorliegt, sondern ein zerhackstückelter Remix von Adamski. Immerhin: Wer Alternativen sucht, darf eigene Musik aus Microsoft Groove-Abo einspeisen.

Forza Horizon 3 - Hochgeschwindigkeitsurlaub [Update: PC-Version ebenfalls getestet]

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Die 400 Fahrzeuge sind allesamt sehr schick modelliert.
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Aber zurück zum Thema: Das Anwerben von Radiosponsoren ist ein Placebo, das dem Handlungsstrang etwas mehr Varianz unterjubeln soll, im Endeffekt aber keine Auswirkung auf den Verlauf des Festivals hat. Das Gleiche gilt für den Ausbau der Veranstaltungsorte durch das Anhäufen von Fans. Alles nur Ausreden und Pseudo-Argumente für das Auftischen stetig neuer Rennveranstaltungen. Ein durchaus akzeptabler roter Faden, wenn auch nicht besonders fesselnd, weil man weiß, dass es am Ende doch nur um schnelles Fahren geht. Und zwar in rauen Mengen.

Mal fordert man frei umherdüsende Drivatar-Piloten zum direkten Duell heraus, mal nimmt man an illegalen Straßenrennen Teil und Andermal heizt man im Rahmen des Festivals um die Wette. Alles gut gestaltet, aber im Grunde nicht überraschend, egal welche Herleitung den Wettbewerb einleitet.

Positiv fallen ganz andere Neuerungen auf. Etwa die Möglichkeit, Hupen mit diversen Klängen zu erwerben. Klingt zuerst albern, erfüllt aber mehr als einen Zweck. Einerseits kann man durch Hupen auf freier Strecke andere Fahrzeuge auffordern, sich einer Kolonne anzuschließen, was toll aussieht, den Spaß am Rasen bestärkt und die Ausbeute beim Auskundschaften versteckter Bonusschilder erhöht. Andererseits dienen die Hupen als individuelle Grußformeln in Online-Rennen. So schelmisch infantil es auch sein mag, einem Gegner hupend anzukündigen, wer sich gerade im Windschatten ansaugt und zum Überholen ansetzt – es zeigt ungemein Wirkung und bringt den ein oder anderen Lacher mit. Etwa wenn man mit einem dicken Geländewagen umherfährt und dann die Hupe eines Bobby-Cars ertönen lässt. Oder eine Fahrradklingel. Schade nur, dass Hupen an das Spielerkonto gebunden sind. Es wäre viel schöner, wenn man jedem erworbenen Fahrzeug eine individuelle Hupe zuweisen könnte.

Da vier Spieler erstmals die Karriere im Koop bewältigen dürfen, ist Geselligkeit jedenfalls garantiert. Mit der Anbindung gab es bislang weder beim gemeinsamen noch im kompetitiven Spiel Probleme, allerdings waren die Testbedingen auch nicht auf den Alltag gemünzt. Ob größere Lags aufkommen, wenn die halbe Welt gleichzeitig auf den Servern hängt, lässt sich zu diesem Zeitpunkt nicht abschätzen.

Volle Pracht auf dem PC

Die PC-Fassung von Forza Horizon schlägt sich in vielen Aspekten selbstredend besser als das Gegenstück auf der Konsole. Mit der richtigen Hardware (i7 CPU der dritten Generation, Geforce 970 oder besser) spielt sich die Open-World-Raserei noch schöner, sei es durch die nach hinten verlegte Sichtweite mit erheblich weniger sichtbaren Pop-ins, durch mehr „Level-of-Detail“-Modelle mit flüssigeren Übergängen beim Heranzoomen oder die Möglichkeit, auf 60 Bilder pro Sekunde hochzuschalten. Controller und diverse Lenkräder finden Unterstützung und der Spielstand der Xbox-One-Fassung wird direkt über die Microsoft-Cloud „OneDrive“ weitergegeben. Es ist also egal, auf welcher Plattform man spielt, man bleibt immer auf dem neuesten Stand.
 
Leider kommt die Umsetzung aber nicht ohne Probleme daher. Einerseits zickt der Windows-Store seit einigen Tagen, obwohl ein Vorab-Download versprochen wurde. Bei manchen stockt der Download, andere können das Spiel nur installieren, wenn es auf der Windows-Partition der Festplatte geparkt wurde, und so mancher Vorabkäufer kommt trotz Ultimate Edition nicht in die Early-Access-Phase. Obendrein lassen sich die Download-Dateien, die zur Ultimate Edition gehören, noch nicht herunterladen. Dazu gehört der Car-Pass für zukünftigen DLC, aber auch der VIP-Status, der sämtliche erspielten Boni verdoppelt. Es gibt also noch viel zu tun für die Jungs von Playground Games.
 
Andere Schnitzer kann man getrost vernachlässigen, da sie dem Spaß kaum Abbruch tun. Bei Spielbeginn neigt Forza Horizon 3 in der PC-Fassung leider zu kleineren Stottereinlagen, die den Nachladephasen der Oberwelt geschuldet sind. Diese lassen mit fortlaufender Spielzeit stark nach, verschwinden zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht vollends – selbst wenn das Spiel auf einer SSD installiert wurde. Ein Herunterdrehen der Grafikqualität nützt überhaupt nichts, daher geht es höchstwahrscheinlich um ein hintergründiges Problem im Programmcode. Im Spielfluss fällt es aber kaum auf – schon gar nicht, wenn man sich bei entsprechender Hardware an der nativen 4K-Auflösung sattsieht. Eine Geforce 980, 1070 oder 1080 sollte in dem Fall im Gehäuse werkeln.
 
HDR-Kontraste wie auf der Xbox One S unterstützt die PC-Fassung ebenfalls, allerdings sind viele PC-Monitore nicht in der Lage, sie korrekt darzustellen. Da ist ein Anschluss des PCs an den UHD-Fernseher im Wohnzimmer durchaus eine Überlegung wert. Man darf nur nicht vergessen, den dargestellten Farbraum in den Treibereinstellungen der Grafikkarte auf den maximal möglichen Wert zu stellen. Die entsprechende Einstellung nennt sich bei Nvidia Grafiktreibern ab der Pascal-Serie „Dynamischer Bereich“ und muss auf den Wert „0-255“ gesetzt sein. Multi-Monitor-Unterstützung genießt das Programm bisher leider nicht. Tatsächlich verfällt das sonst ultraflüssige Spiel sogar in einen Kaugummi-Modus mit zwei bis fünf Bildern pro Sekunde, wenn man nur versucht, das Bild auf einen anderen Bildschirm zu klonen.