Die Uhr sagt zehn vor zwölf für die aktuelle Konsolengeneration. Bis zum Glockenschlag ist noch ein wenig Zeit, und die will mit weiteren Hitsellern überbrückt werden. Einer davon heißt Forza Horizon und wird Rennspielern den Kopf vernebeln wie eine Nase voll Benzindunst.
Besser als zuerst vermutet: Forza Horizon vereint Simulation und Arcade-Spaß auf hohem Niveau. Wird garantiert ein Hit.AusblickWeitere Eindrücke gibt es in unserem aktuellen Forza-Horizon-Interview.
Etwa alle zwei Jahre beglückt Microsofts First-Party-Studio Turn 10 die Xbox-Gemeinde mit dem Gegenstück zu Sonys Gran Turismo. Letztes Jahr erschien die vierte Episode der hochgeschätzten Forza-Motorsport-Serie, nächstes Jahr steht höchstwahrscheinlich ein weiter Ableger für die kommende Konsolengeneration in den Startlöchern. Mit etwas Glück sogar als Starttitel.
Forza Horizon bricht diese ungeschriebene Zweijahresregel keineswegs, denn das Spin-off kommt nicht direkt von Turn 10. Die vertreiben das Spiel lediglich und überwachen die Entwicklung. Es sind die Designer von Playground Games, die der sonst so simulationslastigen Marke einen neuen Anstrich verleihen. Wobei „neu“ vielleicht ein wenig hochgestochen ist. Auf den ersten Blick erinnert Forza Horizon nämlich an Test Drive: Unlimited. Offene Welt, freie Fahrt, Herausforderungen an jeder Ecke.
Das Setting ist zwar ein ganz anderes, aber die Parallelen sind nicht zu übersehen. Statt auf einer Hawaiianischen Insel herumzukurven, düst ihr in Forza Horizon durch eine Interpretation des US-Bundesstaates Colorado, um bei den Wettbewerben eines gigantischen Musikfestivals Eindruck zu schinden. Auf über 200 großzügig angelegten Routen, inklusive Trampelpfaden, Landstraßen und Highways, schlängelt ihr euch nach Gutdünken durch den Gegenverkehr und nehmt es mit 249 halsbrecherischen KI-Piloten auf.
Offene Welt, freier Fahrspaß. Im neuen Forza-Spin-off gibt es nur wenige Grenzen, dafür umso mehr spannende Wettbewerbe.Atmosphärisch macht das Spin-off eine Menge her. Keine trockenen Menüs, keine klinischen Terminlisten, stattdessen erstmals lebensechte (und hervorragend animierte) menschliche Darsteller, lizenzierte Musiktracks, gaffendes Festivalpublikum und traumhafte Landschaften. Bereits die erste Viertelstunde unterscheidet sich so stark von einem üblichen Forza, dass man händeringend nach Gemeinsamkeiten sucht.
Eine Traube Spritvernichter versammelt sich an einem Landstraßen-Diner und vernimmt über das Radio den Aufruf der Festival-Veranstalter: Zehn Plätze sind noch frei, wer jetzt noch schnell auf dem zentralen Gelände antanzt, darf am parallelen Raserwettbewerb teilnehmen. Gesagt, getan. Inmitten einer johlenden Meute, die sich der jahrmarktähnlichen Festivalstimmung hingibt, nimmt der Fahrer, durch dessen Augen man die Geschichte verfolgt, ein Headset und Anweisungen der knackigen Rennleiterin entgegen.
Danach steht der Weg frei. Einfach über sämtliche Landstraßen düsen und alle erdenklichen Herausforderungen annehmen, die sich meist an Straßenkreuzungen offenbaren. Etwa Wettrennen gegen ein unwendiges Propellerflugzeug, andere Fahrer abdrängen und vieles mehr. So arbeitet ihr euch in der Rangliste nach oben.
Große Abschweifungen bleiben aus. Der Protagonist ist keine Figur, mit der man sich identifizieren soll. Er ist kein „Held“ und erlebt auch keine Liebesgeschichten, keine offenen Rivalitäten oder sonstige Handlungsstränge, die Aufmerksamkeit erfordern. Die ersten Minuten dienen lediglich als atmosphärische Einleitung in das zentrale Festival.
Forza Horizon motiviert zu risikoreichen Fahrpraktiken, bestraft Unfälle hauptsächlich durch Zeitverlust. Das Schadensmodell bleibt auf optische Schäden begrenzt.An diesem Dreh- und Angelpunkt versammeln sich alle Fahrer, hier prahlen Fetischisten mit ihren Lackierungen bei Fotografen und Schaulustigen oder genießen einfach das Bad in der Menge. DJs kratzen im Hintergrund ihr Vinyl, Partyvolk tanzt sich in Ekstase, Mädels kreischen. Und wenn es dunkel wird in Colorado, verwandelt sich das Festival in ein Lichtermeer. Geil!
Die erste spürbare Parallele zum althergebrachten Forza erlebt man erst beim exzessiven Gasgeben. Wie üblich berechnet die Engine 360 Mal in der Sekunde, wie Reifen und Straßenbelag interagieren. Das Fahrgefühl der Schlitten bleibt unverkennbar der Marke treu und wurde lediglich in eine andere Umgebung versetzt. Offene Routen, trickreiche Serpentinen und staubige Schotterwege laden zu extravaganten Manövern ein und verdrängen die sonst so dominante Pflicht zur Effizienz.
An der einen Ecke ungestraft über die Wiese abkürzen, an der nächsten driften, bis die Reifen qualmen, oder unorthodoxe Wege zu geheimen Scheunen finden, in denen neue Wagen auf einen Finder warten - alles erlaubt, alles erwünscht, und es fährt sich mit der gewohnten Physik-Engine einfach fantastisch. Inzwischen rast ihr Discount-Werbeschilder über den Haufen oder versucht euch an weiteren Tricks. 35 Stunts und Manöver werden je nach Geschick belohnt.

Denis Brown26.09.2012 15:07
Relvan26.09.2012 14:56
Ranker25.09.2012 16:41
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