Dass in der Wissenschaft oft hohe Rechenleistungen benötigt werden, ist keine Neuigkeit. Für allerlei Simulationen und Berechnungen bedarf es einer Vielzahl von Computern. Nicht selten werden Daten zur Auswertung an eine Vielzahl von Computern oder Spielkonsolen geschickt, deren Rechenleistung ihre Besitzer den Wissenschaftlern zur Verfügung stellen. Volunteer- bzw. Grid-Computing nennt sich das dann - eine Technologie, die zu Recht als Vorgänger des Cloud-Computings bezeichnet werden darf.

Forschung - Spieler knacken die Proteinstruktur des AIDS-Virus

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Wo reine Rechenleistung allerdings nicht ausreicht, ist Kreativität gefragt. Kreativität, wie sie von Menschen aufgebracht wird, die ein Puzzle lösen. Genau das haben sich Wissenschaftler mithilfe Online-Spiels zunutze gemacht, mit dem sie einen Teil der Proteinstruktur des AIDS-Virus zu entschlüsseln konnten.

Kern der Forschung war es, die retrovirale Protease M-PMV zu entschlüsseln. Dazu veröffentlichten die Forscher an der University of Washington das Spiel Foldit, mit dem, wie der Name schon sagt, die komplexe Struktur der Protease auseinander gefaltet werden sollte, um sie besser verstehen zu können. Die retrovirale Protease M-PMV gehört zu einem von Affen stammenden, AIDS-verursachenden Virus und wurde untersucht, um herauszufinden wie sich das Virus vermehrt. Man suchte seit über zehn Jahren nach einer Möglichkeit, das Protein zu deaktivieren, um so die Vermehrung des AIDS-Virus zu stoppen. Die Wissenschaftler scheiterten jedoch daran, dass automatisierte Methoden, unabhängig von ihrer Rechenleistung, nicht in der Lage waren, die Proteinstruktur zu entschlüsseln. Die Foldit-Spieler lösten das Rätsel nun innerhalb von sage und schreibe drei Wochen.

„Die kritische Rolle der Foldit Spieler bei der Aufschlüsselung der M-PMV-Struktur zeigt, die Fähigkeit von Online-Spielen, um menschliche Intuition zu kanalisieren und die Fähigkeit dreidimensionale Bilder zu vergleichen, um schwierige, wissenschaftliche Probleme zu lösen. Obwohl dem Crowdsourcing und Videospielen in letzter Zeit viel Aufmerksamkeit zu Teil geworden ist, ist dies nun das erste Mal, dass Online-Spieler ein lange bestehendes, wissenschaftliches Problem gelöst haben.“

Das Spiel selbst wurde im Jahr 2008 veröffentlicht und bekam zunächst einige Tutorials, bekamen die Spieler dann echte Proteinstrukturen vorgesetzt, bei denen sie jeweils Punkte dafür bekamen, je nachdem wie gut sie die Struktur entfaltet haben.