Als IBM seinen neuen Supercomputer Watson vorstellte, staunte die Welt. Watson war in der Lage über eine komplizierte logische Analyse von mehreren Millionen Texteinträgen in seiner Datenbank, Jeopardy zu spielen und gegen die besten, menschlichen Spieler zu gewinnen. Jetzt soll er seinen ersten, echten Einsatz bekommen - und zwar in der Medizin.

Forschung - IBMs Supercomputer Watson bekommt seinen ersten echten Einsatz

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Watson soll demnächst Ärzte bei der Diagnose von schwierigen Krankheiten unterstützen. Das soll unter Umständen sogar Kosten sparen. Wie genau das passieren soll, ist allerdings noch unklar.
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Die Möglichkeit, gesprochene Sprache zu analysieren und so Fragen zu beantworten ist etwas, das lange Zeit als unmöglich galt. Ob eine Maschine jemals den Turing-Test bestehen wird, ist unklar. Watson hat ihn zumindest nicht bestanden. Was die Maschine aber kann, ist mit einer großen Anzahl parallelisierter Algorithmen und einer in die Millionen gehenden Anzahl von Dokumenten eine möglichst wahrscheinliche Antwort zu einer Frage ausrechnen. Das macht er so gut, dass er die besten Spieler bei Joepardy in Grund und Boden stampfte. Allerdings gibt es noch eine Vielzahl weiterer Anwendungsmöglichkeiten für einen Computer, der in der Lage ist, eine Antwort aus der Beschreibung eines Problems zu berechnen.

Die naheliegendste Möglichkeit ist ein Einsatz in der Medizin. Und genau dort wird Watson nun seinen ersten „Real World“-Probelauf bekommen. Eingesetzt werden soll Watson vom Versicherungsunternehmen WellPoint, um komplizierte Patientenfälle zu betreuen und Anfragen zur Behandlung zu beurteilen. Danach soll Watson dann in einer kleinen Zahl von Praxen eingesetzt werden, die auf die Behandlung von Krebspatienten spezialisiert sind. Dort sollen die Ärzte dann direkt auf die Datenbank zugreifen können, damit IBMs Supercomputer ihre Diagnosen unterstützt.

WellPoint verspricht sich durch den Einsatz des Computers eine Verbesserung der Gesundheitsvorsorge bei gleichzeitiger Senkung der Kosten. Man möchte Watson der breiten Masse der Ärzte zur Verfügung stellen und hofft auch, eine Anwendung entwickeln zu können, mit deren Hilfe auch Patienten nach Gesundheitsinformationen suchen können.

Wenn hier von einer Senkung der Kosten die Rede ist, dann muss man das ganz klar kritisch hinterfragen. Ein Computer, der in der Lage ist, aus der Beschreibung von Symptomen eine Krankheit mit großer Wahrscheinlichkeit zu erkennen ist ohne Frage eine großartige Erfindung. Will man damit aber Kosten sparen, so müsste man an echten Ärzten sparen. Sollen die Ärzte dann in Zukunft den Computer statt einen Kollegen konsultieren, um eine im Zweifel befindliche Diagnose zu überprüfen?