Katanas treffen auf Langschwerter, kalter Stahl schneidet in warmes Fleisch, Soldaten fallen, Burgen brennen. For Honor war auf der E3 die wohl größte Enthüllung und Überraschung von Ubisoft, denn es kombiniert gewaltige Massenschlachten gegen K.I.-Recken mit einem sehr taktisch geprägten Vier-gegen-Vier-Multiplayer-Schwertkampf, der an Mittelalter-Simulationen wie Kingdom Come Deliverance erinnert, aber auch leichte MOBA-Züge trägt.

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Als edler Ritter starte ich vor der mächtigen Zugbrücke des Feindes, zücke mein Langschwert und führe die Truppen in die Schlacht. Der Kampf beginnt, als K.I.-gesteuerte Infanterie das Burgtor erobert, die Brücke herunterlässt und das Kampfgeschrei die Armee des Gegners in Mark und Bein erschüttert. Ich schlage und schneide mich durch hilflose Soldaten, mehr Opfer, denn Gegner. Hebe Sie mit meinem Schild hoch und zerteile Sie in zwei Hälften, hacke Ihnen Beine, Arme und Köpfe ab. Man gebe mir etwas zu tun, eine Herausforderung.

For Honor - Die Härte aus Dark Souls 3, die Epik aus Königreich der Himmel

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Britische Ritter haben historisch gesehen nie gegen Samurai gekämpft, „deshalb haben wir ein neues Universum erdacht, ein bisschen wie Assassin’s Creed“, erklärt der Creative Director.
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Und die kommt schneller als gedacht, denn aktuell habe ich mit meinen Truppen nur die erste Zone, Zone A eingenommen, drei davon gibt es. Sobald die erste Welle des Feindes gefallen ist, stürme ich die erste Treppe in einem Turm hoch und bin überrascht, als sich plötzlich zwei Samurai vor mir aufbauen. In glänzender Rüstung, mit Drachen-Emblemen verziert und einem Helm, der nur Kopf und Ohren schützt, für das Gesicht ist eine stählerne Maske zuständig. Es sind echte Kontrahenten, echte Menschen und Sie führen lange, dünne Katanas, rollen auf mich zu, setzen den ersten Stich, Blut tropft auf den Boden.

„Die Kunst des Krieges ist das perfekte Timing, erklärt Creative Director Jason Vanderberge. Ein wilder Mann mit wildem Bart und einer Stimme, die so voluminös ist wie die eines Wikingers – die gibt es übrigens als dritte Fraktion. Die Idee zu For Honor kam ihm in seinem Dojo in San Francisco, wo er privat seit Jahren den Kampf mit Katanas trainiert, sich allerdings auch mal an deutlich schwereren Langschwertern versuchen wollte.

Das Dark Souls der Multiplayer-Ära?

For Honor überträgt ähnlich wie Dark Souls sehr schön das Gewicht von Rüstungen und Waffen auf das Spiel. Ihr könnt euer Schwert nicht einfach kreisen lassen, als wäre es ein Tennisschläger, sondern müsst spürbar Kraft aufwenden um mit einem Langschwert zum Schlag anzusetzen. Atmosphärisch wird das durch Stöhnen untermalt, ihr spürt förmlich, welche Energie euer Recke aufbringen muss. Und auch die Animationen spiegeln das wieder, so eine Klinge von 120 Zentimetern zieht einen recht langen Bogen, bis sie den Feind trifft.

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Brennende Geschosse schlagen im Burghof ein, Pfeilsalven verdunkeln die Sonne: Die Inszenierung erinnert stark an filmische Schlachtengemälde wie Königreich der Himmel.
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Das ist essentiell zu wissen, denn die einzelnen Schwerter spielen sich sehr unterschiedlich. Das Langschwert entwickelt am meisten Kraft, trefft ihr einen Gegner am Torso, könnt ihr ihn beinahe durchschlagen. Das Katana des Samurai hingegen ist extrem scharf und dünn, es ist auf schnelle Hiebe ausgerichtet. Ihr greift an, verwundet den Feind, geht wieder in Verteidigungsstellung. Genau wie in Dark Souls 3 müsst ihr den Feind erst locken, die Zielmechanik hat auch Bloodborne verwendet.

Das war es allerdings auch schon mit den Gemeinsamkeiten, denn For Honor unterscheidet zwischen drei unterschiedlichen Schwertpositionen. Ihr könnt den rechten Stick nach oben, nach links oder rechts drücken. In die Richtung, in die ihr eure Waffe haltet, blockt ihr automatisch. Es geht also sehr stark darum den nächsten Schritt des Gegners zu antizipieren, denn nur wenn ihr in die richtige Richtung blockt, also eure rechte oder linke Flanke respektive Torso bis Kopf schützt, könnt ihr Schläge abwehren.

Nicht ganz so realistisch wie Kingdom Come, mehr auf Stil ausgelegt

For Honor spielt sich zumindest in seiner Alpha-Version nicht ganz so simulationshaft wie ein War of the Vikings von Paradox oder Kingdom Come: Deliverance, sondern ist etwas mehr auf flüssige Action ausgerichtet. Aber es bietet nicht weniger Facetten, weil ihr auch die Richtung eures Angriffes mit dem Stick ausbalanciert. Dabei könnt ihr die jeweiligen Richtungen auch nur anschneiden, also beispielsweise auf halber Höhe den Hals zwischen Schulter und Kopf anvisieren. Insgesamt fühlt sich das sehr gut an, ist aber offen gestanden deutlich schwieriger, als es diese Zeilen hier vermuten lassen.

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Wie in einem MOBA wird jeder der insgesamt acht Spieler von K.I.-Truppen unterstützt, die „Creeps“ sorgen für Kriegsatmosphäre und schnell verdiente Punkte.
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Denn ihr müsst in der Hektik des Duells doch eine Menge Parameter beachten, euch ständig Gedanken machen wo der Feind eine Schwachstelle in eurer Verteidigung nutzen könnte und welche Konter effizient sind. Generell arbeitet das Spiel viel mit hilfreichen Einblendungen, auf die zu achten lohnt sich. In einer Szene entfaltete sich beispielsweise ein halbtransparenter Schild auf dem Bildschirm, das Zeichen für die Möglichkeit einen Block zu brechen. Im Grunde ist das eine Art eingebautes Quicktime-Event und wenn ihr jetzt den richtigen Moment abpasst, dann könnt ihr den Block des Gegners durchbrechen, öffnet euch damit allerdings auch für einen Konterschlag.

Interessant ist dabei auch das Rangsystem, denn ihr bekommt für den Kill eines Spielers, der ein höheres Level hat als ihr selbst, in der Regel die doppelte bis dreifache Punktzahl. Was For Honor in erster Linie von sehr simulationsgeprägt designten Konkurrenten wie Kingdom Come: Deliverance abhebt, ist aber seine Inszenierung. Das wirkt alles sehr brachial, die Soundeffekte sind fantastisch, die Waffen haben richtig Wucht. Und ihr kämpft anders als in Deliverance selten alleine und auf weiter Wiese, sondern innerhalb einer episch inszenierten Schlacht, die mich streckenweise stark an Ridley Scotts Königreich der Himmel erinnert hat.

Die wird noch dadurch verstärkt, das ihr mit Erfahrungspunkten Pfeilsalven freischaltet und Katapulte bemannen könnt, mit denen ihr die „Creep“-Soldaten der vier Feinde dezimiert. Ubisoft spricht übrigens bewusst von „Lanes“, die MOBA-Anleihen kommen also nicht von ungefähr.