Treffen sich ein Ritter, ein Samurai und ein Wikinger. Sagt der Ritter: „Was macht ihr denn hier? Das ist doch Quatsch.“ Darauf der Samurai: „Da musst du mal Ubisoft fragen.“ Und der Wikinger so: „Guckt euch mal meinen Helm an, der hat drei Euro neunundneunzig gekostet!“

For Honor ist ein enorm wichtiges Spiel für Ubisoft: Mehrere internationale Studios haben über Jahre am großen Klingenkampf gearbeitet. Und ein Assassin’s Creed wird auch nicht in die Pause geschickt, wenn man nicht ein neues Spiel als dauerhafte Reihe etablieren möchte.

Der Optimismus scheint groß, schließlich erscheint For Honor als Vollpreisspiel plus 40 Euro teurem Season Pass und inklusive In-Game-Shop. In Letzterem tauscht ihr in erster Linie Geld gegen Zeit. Als Otto-Normal-Spieler könnt ihr den Shop aber auch erstmal links liegen lassen, zwingend notwendig sind Einkäufe nicht. Gerade für Einzelspieler geht es ja eh nicht um Aufleveln, Ausrüstung und das Messen mit anderen Spielern, sondern sie wollen den Story-Modus erleben – für den ihr übrigens auch stets online sein müsst.

For Honor - Die nächste große Ubisoft-IP?

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Always-On: Auch für das Trainings-Tutorial müsst ihr eine stabile Internet-Verbindung haben
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Auf dem Papier bringt For Honor alles für eine starke Kampagne mit: Der fiktive Konflikt zwischen Rittern, Samurai und Wikingern ist zwar hanebüchen, bringt aber eine Menge Charaktere und Waffen zusammen. Waffen wiederum sind die wichtigste Zutat für das komplexe Kampfsystem, das so viel mehr sein will – und ist – als stumpfes Buttonmashing. Das Spiel sieht darüber hinaus auf allen Plattformen großartig aus. Das fängt bei den Rüstungen und Waffen an, geht bei den wuchtigen Animationen weiter und gilt gleichermaßen für die Festungen, Siedlungen und Wälder der drei Regionen Valkenheim, Aschfeld und Myre. Ubisofts Anvil-Engine, die zuletzt bei Steep zum Einsatz kam, unterstreicht hier einmal mehr ihre Vielfältigkeit – bei stets sehr ansehnlichen Ergebnissen. Die Systemunterschiede halten sich in Grenzen. Für diesen Test wurden die Versionen für PC und Xbox One gespielt. Im PC-Bereich war die Performance zuletzt gerade bei Blockbustern immer wieder ein Glücksspiel, For Honor läuft auf guten Rechnern aber wunderbar und unterstützt neben allerlei Grafik-Features auch Ultra-Widescreen-Monitore.

Im Video: Weshalb die Fraktionen in For Honor im Clinsch liegen

For Honor - Fraktionskrieg-Trailer15 weitere Videos

Krieg macht nur gemeinsam Spaß

Packshot zu For HonorFor HonorRelease: PC, PS4, Xbox One: 2016 kaufen: Jetzt kaufen:

Trotz der genannten Stärken zündet der Story-Modus von For Honor nicht. Zwar treiben die Entwickler mit zahlreichen Zwischensequenzen immer wieder die krude Geschichte um die böse Kriegsfürstin Apollyon voran, ihr fühlt euch aber meist wie in einem typischen Multiplayer-Match – nur eben mit Bots. in den ersten Missionen der insgesamt etwa sieben Stunden langen Kampagne lernt man noch motiviert das Kampfsystem: Ihr attackiert und blockt in mehrere Richtungen, analysiert ständig euer Gegenüber, sucht Deckungslücken und schlagt dann zu. Ausweichmanöver, deckungsbrechende Stöße oder riskantes Parieren, das den Gegner aus dem Gleichgewicht wirft, fügen den Kämpfen schnell weitere Facetten hinzu. Auch hier ein Wort zur PC-Version: Mit Maus und Tastatur gewinnt ihr bei For Honor keine Schlachten, ein Controller sollte unbedingt vorhanden sein, um dessen Analogsticks zum Anvisieren und Blocken nutzen zu können.

Das Kampfsystem trifft den Punkt zwischen schnell erlernter Popcorn-Klopperei und anspruchsvollen Duellen. Wobei For Honor niemals ein Dark Souls sein möchte, sondern mit einem Selbstverständnis als „Shooter mit Schwertern“ eher Freunde von Call of Duty abholt. Dementsprechend trefft ihr in den Levels nicht nur auf würdige Gegner, sondern haut im Vorbeigehen auch Kanonenfutter-Armeen aus den Schuhen. So verschiebt ihr die Frontlinien zugunsten eurer Gefolgschaft und erledigt somit schon eine der regelmäßigen Aufgaben. Alternativ erobert ihr bestimmte Bereiche oder schaltet Wachposten und Schlüsselgegner aus. Im Grunde handelt es sich um typische Multiplayer-Aufgaben, die im Alleingang nur begrenzt unterhalten, wenn man ein wenig Anspruch an die Abwechslung stellt. Auch den Entwicklern scheint das nicht entgangen zu sein, schließlich sind optional allerlei Beobachtungspunkte mit kurzen Off-Text-Erläuterungen sowie zerbrechliche Gegenstände in der Landschaft verteilt, deren Aufstöbern zum Wiederspielen animieren soll.

Grundsätzlich hat Ubisoft alle Mittel für ein wunderbares Zweikampfspiel im Waffenschrank, das darum gebaute Spiel ist aber noch nicht zu Ende gedacht.Fazit lesen

Auch diese Zusatzbeschäftigungen täuschen nicht lange darüber hinweg, dass zwar das Kampfsystem prima ist, sich die einfachen Mechanismen hinter den Hauptaufgaben aber manchmal aushebeln lassen. So konnten wir immer wieder einfach von Checkpoint zu Checkpoint laufen, ohne uns in irgendeiner Form um die Gegner vor Ort zu kümmern. Die schreien zwar kurz herum, stören sich dann aber auch schnell nicht mehr am Eindringling, der durch ihr Gebiet sprintet. Probiert es aus, unser Speedrun-Rekord in Level 1-5 liegt knapp unter vier Minuten bei gerade mal zwei getöteten Feinden ganz am Ende des Levels – obwohl Ritterin Mercy eigentlich mit dem Auftrag unterwegs ist, den von Wikingern gesäumten Weg zu einem Außenposten „freizuräumen“.

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