Täglich berichten wir über neue Actionspiele, Rennspiele, Sportspiele, Adventures, Rollenspiele und noch viele andere Genres mehr. All diese haben jedoch eines gemein: In irgendeiner Weise hat der Erfolg bei allen genannten Beispielen Vorrang. Es gilt, ein festgestecktes Ziel zu erreichen, sei es die Beseitigung eines Erzfeindes, das Lösen eines Rätsels oder das Erreichen eines Levelabschnitts bis zum Finale.

Selbst eher nichtlineare Spiele wie die seit einiger Zeit immer beliebter werdenden Massive Multiplayer Online Rollenspiele von World of Warcraft bis Flyff – Fly for fun setzen dem Spieler immer wieder Ziele. Diese sind zwar teils abstrakt, wie das Auffinden von Ausrüstung, um gewisse Werte zu verstärken, aber nichtsdestotrotz ein vom Spieler angestrebtes Teil- oder Endziel.

Dass es auch ganz anders geht, dass das Spielprinzip an sich die einzige Belohnung im Spiel darstellt und keinerlei nachweisbare Errungenschaften in den Programmroutinen abgespeichert werden müssen, um den Nutzer zu motivieren, zeigen schon seit Jahren die Flugsimulationen.

Faszination Flugsimulationen - "Wer spielt so was eigentlich?"

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Der Flugsimulator 3 mit echten 3D-Hochäusern!
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Von der Masse der Spieler eher unbemerkt haben diese sich eine ganz eigene Nische geschaffen. Mit einem sehr beständigen reiferen Publikum und etablierten Produkten machen die entsprechenden Spielreihen schon seit den Anfängen der Heimcomputer Umsätze in solchen Höhen, dass sich zumindest das Urgestein Microsoft Flugsimulator bis heute gehalten hat.

Flugpioniere

Was vielen gar nicht bewusst ist: Die ersten Flugsimulatoren wurden bereits 1915 gebaut. Damals dienten hydraulisch kippbare Plattformen zur Simulation eines Blindflugs, beispielsweise wurden Landungen bei Nebel nachgestellt. Spätere Simulatoren benutzten Kameraaufnahmen und andere Techniken, um auch Sichtflüge simulieren zu können.

Mit dem Aufkommen immer leistungsfähigerer Computer wurde es nun auch allmählich möglich, das Fluggeschehen auf ebendiese zu übertragen. Der Vorteil lag auf der Hand: Weitaus variantenreichere Flüge waren mit einer programmierten Umgebung möglich.

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Pioniere der virtuellen Luftfahrt: Bruce Artwick und Stu Moment
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Einer der bekanntesten Vertreter auf diesem Gebiet ist der Microsoft Flugsimulator. Dieser begann seine Laufbahn ursprünglich 1976 als eine Serie von Artikeln über die Möglichkeit eines 3D-Computerprogrammes zur Simulation von Flügen. Dem Autor, Bruce Artwick, wurde daraufhin von ebendiesem Magazin das Interesse bekundet, einen solchen Flugsimulator kaufen zu wollen. Im Jahr darauf gründete Artwick die Firma subLOGIC Corporation und begann mit dem Verkauf der Programme für 8080-Computersysteme wie den Altair 8800 IMSAI 8080. 1979 erschien dann der FS1 Flight Simulator für den Apple II.

Im Jahre 1982 stieg dann Microsoft mit in die Pilotenkanzel. Der spätere Softwaregigant erwarb die Lizenz für eine Version mit damals zeitgemäßer CGA-Grafik. Da es in den frühen Tagen der IBM-PCs auch zahlreiche ähnliche Computerfabrikate anderer Hersteller gab, wurde das Programm zusammen mit Lotus 1-2-3 inoffiziell oft als Test verwendet, wie kompatibel das Plagiat mit einem originalen IBM-Rechner war.

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Der Flugsimulator II wirkt aus heutiger Sicht schon fast wie moderne Kunst.
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Die Version 2.0 des Flugsimulators erschien ebenfalls noch für den Apple II und andere Systeme, Bruce Artwick jedoch verließ nach dessen Erscheinen die Firma subLOGIC Corporation und gründete die Bruce Artwick Organisation. Der Microsoft Flight Simulator 3.0 (1989) war das Folgeprodukt und der Microsoft Flight Simulator 3.1 erreichte dann auch größere kommerzielle Beachtung. Seither erscheinen in regelmäßigen Abständen neue Versionen des Flugsimulators und fügen dem Spiel neue Features, etwa neue Flugzeuge oder detaillierteres Gelände, hinzu.

Offen wie der Himmel

Wie bei seinem Betriebssystem Microsoft Windows bietet die Firma die neueste Version des Programms inzwischen in einer Standard und einer Deluxe Edition an, die sich durch mehr oder weniger umfangreiche Spielinhalte (Software Development Kit, weitere Flugzeuge, und ähnliches) unterscheiden.

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In schickem Schwarz-Weiß überflog man beim ersten MS Flugsimulator das Land
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Eine große Fanbase und auch professionelle Unternehmen fügen den neuesten Versionen des Flugsimulators seit dessen Öffnung für selbsterstellte Inhalte in regelmäßigen Abständen neue Flugzeuge, Szenarien oder Fluggebiete hinzu. Beispielsweise existieren für den Flightsimulator X verschiedene Erweiterungen, die simple Bodentexturen gegen 3D-Modelle deutscher Flughäfen, wie beispielsweise den Fraport in Frankfurt am Main, oder anderer Geländemerkmale austauschen (Schlösser, Klöster, Burgen etc.).

Neben verschiedensten klassischen oder modernen zivilen Flugzeugen vom Einmotorigen Propellerflugzeug zur düsenbetriebenen Boeing 747-400 (natürlich in verschiedenen Versionen für Fracht- oder Personenverkehr) existieren selbst Kampfflugzeug-Addons. Diese jedoch richten trotz abfeuerbarer Waffen keinerlei Zerstörungen an anderen Flugzeugen an. Ein entsprechendes Schadensmodell ist nicht im Programm integriert.

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Erfolgsstart für jede Edition: Hier die Version von 1995
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Eine deutlich kürzere Historie, aber nichtsdestotrotz riesige Community hat auch der Flugsimulator X-Plane vorzuweisen, der bereits in der Version 9 erscheint und mit einer großen Anzahl von Fan-AddOns erweitert wurde und immer noch wird. Er sei hier als Alternative zum Microsoft-Produkt erwähnt. Die Spielprinzipien unterscheiden sich nicht wesentlich, sieht man von einem vielleicht etwas anderem Fluggefühl ab.

Bill Gates im Bunde mit Osama bin Laden?

Trotz propagierter Friedfertigkeit gelangte auch das Genre der Flugsimulatoren ins Fadenkreuz der Killerspiel-Kritiker, die ihm vorwarfen, bei der Vorbereitung von Gewalttaten als Trainingsinstrument zu fungieren.

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Übungsanflug auf ein Hochhaus? (Bild: Flugsimulator 2000)
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Als am 11. September 2001 islamistische Terroristen vier Linienflugzeuge entführten und in das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington steuerten (das vierte Flugzeug konnte von den Passagieren in einer verzweifelten Aktion vor dem geplanten dritten Attentat zum Absturz gebracht werden), kamen Gerüchte auf, die Attentäter hätten mit Hilfe des Microsoft Flugsimulators die Flugrouten einstudiert.

Angesichts der Tragödie stellte Microsoft einige Monate später ein Addon in die Ladenregale, welches New York als Fluggebiet mit mehr Details versah. Die Zwillingstürme des World Trade Center waren dabei natürlich entfernt worden.

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209,99 € geben passionierte Flieger für diese Schubkontrolle aus.
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Was ebenfalls manchen ein wenig skeptisch stimmen dürfte, ist die Manie mit der manche der Simulationsfans ihrem Hobby frönen. Für die echten Enthusiasten des Genres gibt es spezielle Eingabegeräte für die Flugsteuerung wie Benzinmischhebel, Autopiloten oder kleine LCD-Displays, auf denen die Instrumente des Fliegers wie zum Beispiel der künstliche Horizont angezeigt werden. Im Bedarfsfall können passionierte Hobbyflieger bis zu 25.000 € für ein komplett ausgestattetes Flugzeugcockpit ausgeben. Im Vergleich zum Einkaufspreis einer Boeing 747 ist dies aber vermutlich noch ein günstiges Angebot.

Im Höhenrausch: Faszination Fliegen

Worin liegt aber nun der Reiz, sich für teures Geld (allein die Anschaffung eines geeigneten Joysticks für das Simulatorgenre kann sich auf über 100 € belaufen) an den eigenen Computer zu setzen und ein Flugzeug zu starten, stundenlang in der Luft herumzukurven, wieder zu landen und das Gleiche ständig zu wiederholen?

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Der Flugsimulator X besticht durch fast fotorealistische Grafiken.
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Da wäre zunächst einmal der Kindheitstraum, Pilot zu werden. Frei über den Wolken schweben zu können, ist wohl einer der ältesten Träume der Menschheit, jedoch ist einem diese Freiheit als Flugpassagier nicht gegeben. Man ist auf den Piloten angewiesen. Im Flugsimulator jedoch entsteht die Illusion, selbst der Gebieter über die Elemente zu werden, wenn sich das gesteuerte Flugzeug majestätisch der Sonne entgegen erhebt und jeder Neigung des Steuerknüppels gehorcht.

Wer aber als Außenstehender den Sinn der Flugsimulation allein im Ausleben von nicht realisierbaren Sehnsüchten zu verstehen sucht, liegt vermutlich falsch. Nicht wenige Spieler sehen es als den eigentlichen Spaßfaktor im Spiel an, die anspruchsvollen, weil sehr realitätsgetreuen Landungen und Starts schwerer Linienmaschinen zu bewältigen. Für die Überlandflüge aktiviert diese Spielergruppe einfach die Zeitbeschleunigung und den Autopiloten und setzt erneut zu einer Landung an. Dieses mal vielleicht mit Seitenwind oder schlechter Sicht.

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Ich kann mein Haus sehen! (Flugsimulator 2004)
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Und dann ist da auch noch ein Effekt, den man bei rein fiktiven Welten so nicht hervorrufen kann: Der Wiedererkennungswert, wenn der Spieler beispielsweise ein großes Bürogebäude im Berlinszenario umfliegt, in dem er täglich arbeitet, ist für das Spielerlebnis nicht zu unterschätzen und sorgt gerade bei Herstellern von Szenerie-Addons für gute Umsätze.

Zielgruppe sind hier vor allem die Spieler ab etwa 35, die oft für ernsthaftere Themen zugänglich sind und auch die entsprechend größere Geldmenge für zahlreiche Addons und Steuergeräte aufbringen können. Diese Gruppe wird euphemistisch auch gern als „Silvergamer“ bezeichnet aufgrund der edlen Haarfarbe, die das Alter manchen früher, manchen später angedeihen lässt.

Schlussendlich lässt sich so zwar kein schlagendes Argument finden, den Simulatorhasser von einem Urlaub im Pilotensessel zu überzeugen, aber zumindest erschließt sich auf die Weise ein klein wenig die Faszination für das Phänomen Flugsimulationen und all jene, die sich lieber mit den Akronymen X-Plane und FSX beschäftigen statt mit WoW und CoD4.