Autor: Manfred Duy

Feindjäger von vorne, AA-Raketen von hinten, Sperrfeuer von unten, Blitz und Hagel von oben und außerdem gehen Bordraketen nebst Treibstoff zur Neige. Der Alltag eines digitalen Kampfpiloten ist sicherlich ein harter - aber auch ein ungemein spannender.

Sid Meier, der Mann der ersten Stunde
Flugzeugactionspiele gibt es natürlich schon seit dem Anbeginn der Spielhallenautomaten-Ära, etwa den legendären Horizontalscroller »Defender« aus dem Jahr 1980. Allerdings handelte es sich dabei ausnahmslos um Shoot ´em ups, welche nicht die geringste Rücksicht auf die Flugphysik nahmen und daher auch nicht zu den Flugsimulationen zählen.

Flugsimulationen - Tollkühne Männer in ballernden Kisten - ein Stück virtuelle Militärgeschichte.

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Sid Meiers erster Flieger hieß Spitfire Ace.
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Die ersten beiden Kampfpiloten, die dieses Prädikat verdienen, stammen aus dem Jahr 1982, nannten sich »Hellcat Ace« und »Spitfire Ace« und entstanden beide bei Microprose unter führender Mitwirkung eines gewissen Sid Meier. Beide Simulationen waren im Zweiten Weltkrieg angesiedelt, und bei beiden übernahm man den Job eines alliierten Jägers. Mit »Hellcat Ace« bekämpfte man die Japaner, mit dem »Spitfire Ace« die Nazis.

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Feindanflug, so ungefähr auf 11 Uhr 57. (Fighter Pilot)
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Ein Jahr später ließ Digital Integration mit dem »Fighter Pilot« bereits eine F-15 von der Leine und das gleich auf mehreren Systemen. Mittels Bordkanone wurden da feindliche Pixel-Bomber vom Himmel geputzt. Dieser Kampfflieger war recht schwierig zu meistern, da Gravitationskräfte und eine gewisse Aerodynamik an ihm zerrten. Von Anfang an rangelten die Kampfpiloten also nicht nur mit den Gegnern, sondern auch mit der Flugphysik. Genau wie bei den Zivilfliegern ging es in der Folgezeit auch bei den militärischen Simulationen eigentlich nur noch darum, das Geschehen optisch und spieltechnisch zu verfeinern und damit der Realität möglichst nahe zu kommen.

Sid Meier zum Zweiten
Und Sid Meier zeigte bald darauf, welch unglaubliches Kreativpotenzial in ihm steckte. Sein 1984 erneut bei Microprose erschienener »F-15 Strike Eagle« setzte Maßstäbe und galt als ansehnlichster Flieger seiner Zeit. Das Terrain bestand zwar nur aus flachen Drahtgittermodellen ohne Höhenstufen, dafür gab´s aber erstmals ein Bord-Radar. Während der sieben im Nahostraum der 70er Jahre angesiedelten Missionen nahm man mit den Bordwaffen Luft- und Bodenziele ins Visier.

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Ein kleiner Ausflug mit der F-15-Strike-Eagle. Reichlich Raketen sind mit von der Partie.
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Mit »Dam Busters« von Sydney Development folgte 1985 bereits der erste Multitasking-Flug. »Dam Busters« bestand nur aus einer einzigen Mission: Mit einem Bomber sollte im Zweiten Weltkrieg ein Staudamm in Nazi-Deutschland zerstört werden. Hierfür übernahm man sowohl den Job des Piloten als auch den des Maschinisten, des Bombenschützen und des Heckschützen. Mittels Hotkeys sprang man unentwegt zwischen den verschiedenen Sitzen hin und her. Eine ebenso hektische wie aufregende Angelegenheit. Das auf dem Spectrum erschienene »Delta Wing« bot eine weitere Neuerung, da es als Erster über einen Zwei-Spieler-Modus verfügte - vorausgesetzt, man hatte zwei Spectrums, zwei Steuerknüppel und zwei Monitore.

Drahtgitterpolygone - Schön ist wieder anders
1986 erschien von der auf Flugsimulationen spezialisierten Firma Digital Integration mit »Tomahawk« eine der ersten Umsetzungen eines Apache-Gunship-Helicopters - viele weitere sollten folgen. Der »Tomahawk« sah zwar optisch ziemlich gruselig aus, verfügte aber immerhin über eine gute Balance zwischen realistischer Flugphysik und Spielbarkeit. Bewaffnet war er mit Bordkanonen sowie einer reichen Auswahl an gelenkten und ungelenkten Raketen. Mit von der Partie waren Nachtflüge und unterschiedlich stark blasende Winde, auf der Abschussliste standen feindliche Helis, Panzer und bodengestützte AAA-Geschütze. Die bestanden genau wie die Höhenstufen des Terrains aus untexturierten Drahtgitterpolygonen.

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Alle Minimalisten schnell mal mit der Zunge schnalzen: die formidable Grafik von Tomahawk.
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Im selben Jahr erschien auch »Ace of Aces«, eine actionreiche Umsetzung des Mosquito-Jagdbombers von Accolade, der hier vom U-Boot bis zur anfliegenden V1-Rakete so ziemlich alle nur vorstellbaren Militärziele auf´s Korn nahm. Das Cockpit protzte erstmals mit einem animierten Steuerknüppel, dazu gab´s noch animierte 2D-Bitmap-Wolken und erstmals sogar gerenderte Flugzeuge - Letztere freilich nur als Standbild in den Zwischensequenzen.

Online-Dogfights
1987 tauchte der vom Entwickler Kesmai im Zweiten Weltkrieg angesiedelte »Air Warrior« auf. Zunächst auf Amiga, Atari und Apple und ebenfalls gewandet in den damals so überaus populären schwarz-weißen Drahtgittermodellen. Der »Air Warrior« selbst war kostenlos, Gebühren fielen nur an, wenn man sich Online mit knapp 40 Konkurrenten rasante Dogfights lieferte. »Air Warrior« war der erste der Öffentlichkeit zugängliche Online-Flieger überhaupt - aber was hieß 1987 schon »Öffentlichkeit«? Außerhalb von Universitäten und Redaktionen hatte kaum jemand die Chance, an den Luftschlachten teilzunehmen.

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Dieser Vogel macht gleich die Flatter. (Air Warrior 2)
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Erst 1996 erschien mit »Air Warrior for Windows« eine optisch akzeptable PC-Version. Die glänzte dafür immerhin schon mit SVGA-Optik. Kurz darauf folgte bereits der Nachfolger »Air Warrior 2«. Bei diesem beharkten sich zeitgleich 100 Flugasse in 45 unterschiedlichen Weltkrieg-2-Fluggeräten. Zudem verfügte »Air Warrior 2« über einen mit rund 360 historischen Missionen bestückten Solomodus. Der kurz darauf erschienene dritte Teil »Air Warrior 3« schickte bis zu 250 Flieger zeitgleich in die Online-Schlacht, darüber hinaus verfügte er über ein 3D-beschleunigte Grafik, vier neue Flugmodelle sowie den kompletten Vorgänger. »Air Warrior« ist bis heute der vielleicht populärste Mehrspielerflieger überhaupt.

Mithalten konnten da allenfalls noch die »Warbirds«-Serie von Interactive Creations Inc. (ICI) und die »Fighter Ace«-Reihe von Microsoft, die beide ebenfalls im Zweiten Weltkrieg ihr Handwerk verrichteten. Heutzutage buhlen zahllose hochkarätige Kampfflieger um die Gunst der Onlinespieler. Neben Microsofts »Combat Flight Sim«-Reihe verdient auch die »Aces High«-Serie von Hightech Creations eine lobende Erwähnung. Ansonsten gilt: Freundet euch erst mal offline mit einer Kampfsimulation an, und versucht es dann im Internet. Denn praktisch alle zeitgemäßen Flugsimulationen verfügen über eine Mehrspieleroption - und damit auch über eine rührige Online-Fangemeinde.

Ein Falke namens Falcon
1987 tauchte er erstmals auf: »Falcon«, einer der bis heute besten Kampfflieger überhaupt, entwickelt von Spectrum Holobyte. Hier nahm man im Cockpit einer F-16 Platz, um in 12 Missionen unter anderem sowjetische MIGs vom Himmel zu putzen und feindliche SAMs und Gebäude auszuschalten. Dank einem nachgeschobenen Addon namens »Operation Counterstrike« verwandelten sich die 13 Einzelmissionen sogar in eine ausgewachsene Kampagne. »Falcon« brillierte nicht nur mit akkuraten Flugeigenschaften, sondern darüber hinaus auch noch mit einem vorbildlichen Handbuch.

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Ist er nicht ein schöner Vogel, der Falcon 4.0?
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Ein Jahr später tauchte mit »Falcon AT« (auch »Falcon 2« genannt) eine optimierte Version auf, die über eine hochauflösende EGA-Grafik und eine solidere Missionsstruktur gebot. 1991 erschien mit dem Nachfolger »Falcon 3.0« ein weiterer Genre-Meilenstein, der über sämtliche Features verfügte, die auch heute noch zum guten Ton einer jeden hochkarätigen Luftkampfsimulation zählen. So gab es einen Rekorder, mit dem sich die gesamte zuvor absolvierte Mission abspeichern ließ, um sie hernach noch mal Revue passieren zu lassen. Darüber hinaus existierte ein vorzüglicher Missionseditor nebst einer superspannenden Kampagne. Selbstredend waren auch noch fähige Flügelleute und ein formidabler Mehrspielermodus mit an Bord. Das HUD der Polygon-basierten F-16 strotzte nur so vor Informationen, dazu gab es erneut ein fettes Handbuch und umfangreiches Kartenmaterial.

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Welche Rakete darf´s denn sein? (Falcon AT)
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1998 veröffentlichte Atari »Falcon 4.0«. Dieser im koreanischen Luftraum herumdüsende Falke zählt bis heute zu den realistischsten und ambitioniertesten Kampffliegern überhaupt - zu Recht das gehätschelte Lieblingskind vieler Flugsimulationsexperten.

Hub-schrapp-schrapp
»Gunship« aus dem Jahr 1986 von Microprose simulierte den Kampfhubschrauber AH-64A-Apache und war lange Zeit die einsam führende Helikopter-Sim. Dafür sorgte die detailgetreue Umsetzung seiner Flugeigenschaften, sowie ein reichhaltiges Arsenal mitgeführter Bordwaffen und Raketen. Hunderte von Missionen entführten den Sesselpiloten in vier Erdteile, um es dort mit den Warschauer-Pakt-Staaten aufzunehmen.

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Ein Hangar wird ins Visier genommen. (Gunship 2000)
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Gleiches galt auch für den Nachfolger »Gunship 2000« aus dem Jahr 1991, der seinen Vorgänger in sämtlichen Bereichen übertrumpfte. Hier bestieg man wahlweise den neuen Longbow Apache, den Blackhawk, den Comanche Scout, den MD-500 oder natürlich den Comanche Gunship und absolvierte eine dynamische Kampagne. Die erschuf je nach zuvor gezeigter Leistung zufallsgesteuerte, neue Missionen wie etwa Rettungs-, und Transporteinsätze, Scoutmissionen oder Angriffs- und Verteidigungsaufgaben.

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Die stärkste Waffe des Comanche war die flotte Voxeltechnik.
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Aber bald darauf tauchte mit »Comanche: Maximum Overkill« von Novalogic ein ernstzunehmender Verfolger am Horizont auf. »Comanche« führte eine neue Grafiktechnologie namens Voxel ins Gefecht, und die war der Polygon-Technik in Sachen Detailreichtum turmhoch überlegen - und wieselflink war sie außerdem. Als Kampfgerät stand hier der US-Experimentalheli RAH-Comanche zur Verfügung. Dessen Flugmodell war allerdings ziemlich simpel geraten, selbst schwerer Beschuss konnte dem Leichtgewicht kaum etwas anhaben. Als umso tödlicher erwiesen sich hingegen die mitgeführten Bordwaffen. Ein idealer Kampfheli für Genre-Einsteiger also, während sich »Gunship 2000« eher an das fachkundige Publikum wandte.

Hubschrauber, die Zweite: Auf die Dauer hilft nur Power
»Enemy Engaged: Apache - Havoc« von Razorworks/Empire aus dem Jahr 1998 lud mit dem AH-64D Apache Longbow und der Mi-28N Havoc zwei kampfstarke und frei konfigurierbare Libellen zum Duell - und das 3D-beschleunigt und inmitten einer wunderbar konturierten Landschaft.

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Wenig Simulation und viel Action ist das Gebot der Stunde für alle Helisims. (Gunship!)
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Beim zwei Jahre später erschienenen Nachfolger »Enemy Engaged: RAH-66 Comanche vs. Ka-52-Hokum« gab´s nicht nur verbesserte Grafiken, sondern auch die Möglichkeit, zwischen Bordschütze und Pilot umzuschalten, sowie für Genre-Einsteiger einen regulierbaren Realismusgrad. Insgesamt betrachtet ist die »Enemy Engaged«-Serie nicht ganz so »hardcore« wie »Gunship 2000« und nicht ganz so arcademässig wie »Comanche«. Damit gelingt es ihr, beide Fraktionen für sich einzunehmen.

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Herrlich anzuschauen sind die durch Rotoren erzeugten Wasserbewegungen. (Comanche 4)
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Ähnliches wollte auch »Gunship!«, der dritte Teil der Helikopterserie erreichen. Der setzte aber gleich voll auf Action und damit strikt auf den Massenmarkt. Mit seinen akkuraten Vorgängern hatte er nur noch herzlich wenig gemein. Immerhin steuerte man hier neben dem Apache auch den europäischen Tiger sowie die MI-28-Havoc und das wahlweise als Pilot oder als Bordschütze. Und der hatte ein leichtes Spiel, denn schon der kleinste Streifschuss verwandelte jeden feindlichen Panzer in ein rauchendes Wrack. Ende 2001 erschien dann nach fast fünfjähriger Wartezeit »Comanche 4« von Novalogic. Deren Voxeltechnik war mittlerweile zugunsten einer Polygon-3D-Grafik ausgemustert worden. Ähnlich wie bei »Gunship!« ging es auch bei »Comanche 4« weniger um realistische Flugkunst als vielmehr um reines Rumgeballer. Wer solcherlei Action mag, der mag sie eben. Aber wer Simulationen mag, der mag sie nicht - möchte man da kommentieren.

Larry Hollands Geniestreiche
Zurück zu den Fliegern, bei denen es durchweg Positives zu berichten gibt. Eine Belobigung verdienten sich die »Battlehawks 1942« von Lucasfilm aus dem Jahre 1988. Dies war eines der ersten von Larry Holland produzierten Spiele, welches den Spieler in den asiatischen Raum des Zweiten Weltkriegs versetzt.

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An Bord einer Spitfire nehmen wir den Feind ins Visier. (Their Finest Hour)
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Ein Jahr später schlug die Stunde des Quasi-Nachfolgers »Their Finest Hour: The Battle of Britain«. Die auf der Luftschlacht um England basierende, superspannende Sim bot einen vorzüglichen Karrieremodus auf Seiten der Deutschen oder Engländer, und einen Missionseditor gab´s obendrein. Man konnte sogar Piloten erst trainieren und dann als Flügelmann vom Rechner steuern lassen. Die Luftkämpfe selbst waren rasend spannend, bei Treffern flogen Trümmer durch die Luft, Geschossgarben verunzierten die Tragflächen, und sogar der aktivierte Schleudersitz wurde schön in Szene gesetzt.

Nach dem Erfolg von »Their Finest Hour« schob Larry Holland mit »Secret Weapons of the Luftwaffe« noch einen weiteren Megaerfolg nach. Hier drehte sich alles um die Wunderwaffen der Nazis im Zweiten Weltkrieg, wie etwa die legendäre ME-262.

Gut getarnt ist halb gewonnen
Als zukunftsweisend erwies sich auch das Konzept des Microprose-Tarnkappenbombers »F-19 Stealth Fighter« aus dem Jahr 1988. Mit dem schlüpfte man unbemerkt durchs feindliche Radarnetz, huschte an den sowjetischen MIGs vorbei, um mit knapp bemessenen Bordwaffen gegnerische Bodenziele auszuschalten und dann möglichst unbeschadet wieder heim zu kommen. Eine durchgehende 3D-Grafik sowie zufallsgenerierte Objekte samt unterschiedlich anfliegender Gegner sorgten dafür, dass das mehrmalige Durchspielen einer Mission erstmals zu einer lohnenswerten Angelegenheit wurde.

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Missionen wie diese bewiesen, dass Hochspannung auch ohne viel Geballer erzeugt werden kann. (F-19 Stealth Fighter)
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Zugleich war »F-19« auch der letzte Flugsimulator, den Sid Meier schrieb, bevor er sich seiner zweiten Liebe, den Wirtschaftssimulationen, hingab. 1991 veröffentlichte Microprose übrigens mit »Night Hawk: F-117 Stealth Fighter« eine Art Nachfolger. Hier konnte man zwischen einem realistischen Modus mit wenig Waffen und hohen Tarnfähigkeiten oder einem fiktiven Modell mit mehr Waffen und weniger Tarnung wählen.

Ritter der Lüfte: Der erste Weltkrieg
»Knights of the Skies« von Microprose aus dem Jahr 1990 war die bis dato akkurateste und flugtechnisch bislang schwierigste Umsetzung der Weltkrieg-1-Fliegerei. Die machte optisch nicht allzu viel her, war aber durchaus spannend zu fliegen. Mit an Bord waren 20 akkurat digitalisierte Flugzeuge. Die Jagd nach Bodenzielen, Bombern und Fliegerassen ging auch online vonstatten.

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Nie sahen Flugzeuge schöner aus als zu Zeiten des Ersten Weltkriegs. (Red Baron)
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Insbesondere um den legendären Weltkrieg 1-Fliegerhelden von Richthofen ranken sich zahllose Versoftungen, aber nur die wenigsten verdienen das Prädikat »gelungen«. Dies gilt beispielsweise für den 1990 erschienen »Red Baron« von Dynamix/Sierra, dessen Doppel- und Tripledecker den wahren Flugnostalgiker bis zum heutigen Tage begeistern. Insgesamt 28 Flugmodelle standen zur Wahl, darüber hinaus gab es noch einen Karrieremodus. Neben Dogfights konnte man hier auch Ballons und Zeppeline ins Visier nehmen und sogar in die Ledermontur des roten Blaublüters höchst selbst schlüpfen.

»Red Baron« zählte zu den populärsten Spielen seiner Zeit. Umso mehr enttäuschte übrigens der 1997 erschienene Nachfolger »Red Baron 2«. Der zweite Baron machte nicht nur optisch einen eher wilhelminischen Eindruck. Aufgrund zahlloser Bugs war es ihm eine Lust, ohne Feindeinwirkung am laufenden Meter abzuschmieren.

Der Strike Commander: Viele Innovationen, wenig Erfolg
Chris Roberts hatte 1992 viel Applaus für seine Space-Sim »Wing Commander« erhalten. Die geniale Mixtur aus Astro-Flugsim und einer toll in Szene gesetzten Story begeisterte nicht nur Simulationsfreaks. Grund genug für ihn und seine Firma Origin, die »Wing Commander 2«-Engine etwas aufzupeppen und auf eine normale Flugsimulation zu übertragen.

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Auf vielen Rechnern ruckelte sich der Strike Commander leider zu Tode.
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»Strike Commander« hieß das Meisterwerk, mit dem erstmals sogar Rollenspielelemente ins Genre Einzug hielten. Dazu gab es eine superspannende Story: In naher Zukunft mischt sich der Spieler als Mitglied einer Söldnertruppe in weltweite Konflikte ein. In den zahlreichen Zwischenszenen führte man Gespräche mit echter Sprachausgabe und auch der Bordfunk brillierte mit der einen oder anderen Plauderei. Als Pilot einer F-16 Falcon hatte man oft die Wahl zwischen mehreren Missionen, für deren erfolgreiche Absolvierung Bargeld floss, das in kampfkraftsteigernde Upgrades investiert wurde. Die mit feinstem Texture-Mapping und Gouraud Shading ausgestattete VGA-Grafik überzeugte dabei ebenso wie das einsteigerfreundliche Flugmodell, das freilich eher auf Arcade als auf Realismus getrimmt war.

Wenig erfreulich waren dagegen die Hardwarevoraussetzungen, die selbst ultramoderne 486er Rechner ins Trudeln brachten. Ob es daran lag, dass dem genialen Konzept der ganz große Erfolg versagt blieb? Jedenfalls blieb auch der im Ersten Weltkrieg angesiedelte Nachfolger »Wings of Glory« eher ein Fall für Masochisten - diesmal allerdings aufgrund seines horrenden Schwierigkeitsgrades. Zuvor hatte sich Chris Roberts ohnehin von den Realo-Sims verabschiedet und erneut seinem »Wing Commander« zugewandt.

Der Zukunft zugewandt
Ebenfalls 1993 erschien mit dem »Flight Sim Toolkit« von Domark ein interessantes Experiment. Hier konnte man sich mittels diverser Tools seinen eigenen Flieger samt Terrain sozusagen am Reißbrett entwerfen und diesen in die integrierte Flugsim »Top Gun« übernehmen. Da »Top Gun« aber ein eher mäßiges Vergnügen bereitete, geriet das »Flight Sim Toolkit« genauso in Vergessenheit wie das eigentlich geniale Grundkonzept.

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Schaut er nicht schön aus, der EF2000?
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Umso besser schlug sich zur gleichen Zeit »Dogfight« von Microprose. Dessen legendärer Ruf beruhte vor allem auf seinem virtuellen Cockpit. Das bot erstmals eine komplette Rundumsicht, und an Fliegern war hier so ziemlich alles, was fliegen konnte, von den Weltkrieg-1-Knatterkisten bis hin zu hochmodernen MIGs, mit an Bord. Zukunftsorientiert gab sich dagegen »Advanced Tactical Fighters« von Jane´s Combat Simulations, dem superben Nachfolger der »U.S. Navy Fighters«. Hier konnte man neben sämtlichen Vehikeln des Vorgängers auch futuristische Flieger besteigen, die in der Realität teils noch in der Entwicklung waren. Eine Menge Spiel wurde dadurch geboten, zumal sich neben zwei Kampagnen und einem Missionseditor auch noch ein Toolkit mit an Bord befand.

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Mit dem Flight Sim Toolkit wird der Spieler zum Flugzeugkonstrukteur.
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Kurz danach setzte Jane übrigens mit den »NATO Fighters« noch einen drauf. Hier durfte man in mehr als 100 Militärmaschinen von den 50er Jahren bis zur Neuzeit Platz nehmen. Und manchmal überholt ja der Rechner die Realität. So auch 1996 geschehen beim »EF 2000« von Ocean - dem Eurofighter, der damals noch im embryonalen Stadium steckte. Die Digital-Version überzeugte vor allem mit einer schönen Landschaft und atmosphärischen Soundeffekten. Markerschütternd war etwa das Aufstöhnen des Piloten, wenn die G-Kräfte allzu sehr am Körper zerrten.

Microsoft fliegt in die Schlacht
Mit »Combat Flight Sim« wagten sich kurz vor der Jahrtausendwende auch die Friedfische von Microsoft ernsthaft in die Kampfarena - und schlugen sich dort erstaunlich wacker. Im Zweiten Weltkrieg duellierten sich die in acht Sorten vorrätigen Flieger auf überaus unterhaltsame Weise. Allzu schwierig flogen sich die Spitfires und Messerschmidts nicht, so dass sich daraus eine allgemein beliebte Serie entwickelte.

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Ein britische Jägerstaffel im Anflug. (Combat Flight Sim)
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Eher ein Fall für Spezialisten war dagegen »F-22 Total Air War« von DID, der Quasi-Nachfolger des recht ähnlichen »EF2000«. Flugkünstler durften sich über eine hochspannende Kampagne freuen, die sich je nach Erfolg und gewählter Mission weiter entwickelte. Friedlichere Naturen konnten sogar eine »AWACS«-Maschine besteigen und dort für Aufklärung sorgen.

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Nichts wie raus, bevor die Kiste abschmiert! (Crimson Skies)
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2000 erschien mit dem einzigartigen »Crimson Skies« von Zipper/Microsoft eine der originellsten und ansprechendsten Flugsimulationen aller Zeiten. In einem Paralleluniversum schrieben wir das Jahr 1937, und entsprechend war auch die gesamte Atmosphäre des Spiels mit seinen Zwischensequenzen und Radiomeldungen ganz auf die gute alte Zeit getrimmt. Dies galt auch für die absichtlich verrauschten Schwarz-weiß-Filmchen und heroischen Kommentatoren. An Fluggeräten warteten fiktive Propeller-betriebene Superflieger auf ihren Einsatz. Die lieferten sich hochspannende Luftkämpfe, und als Basis dienten gar leibhaftige Riesen-Zeppeline. Eine Mordsgaudi für jeden Flugbegeisterten - nur pingelige Erbsenzähler rümpften da angesichts der etwas unrealistischen Flugmodelle die Nase.

Dogfight: Microsoft vs. Maddox
Im Jahr 2002 erschien mit »IL2-Sturmovik« von der russischen Entwicklungswerkstatt 1C:Maddox Games die bis dato beste Weltkrieg 2-Luftkampsimulation, die in sämtlichen Bereichen (Grafik, Flugphysik, Avionik) die Konkurrenz überflügelte. Hier kämpfte man auf Seiten der Sowjets, Amerikaner oder der Deutschen an der Ostfront des Zweiten Weltkriegs. Wer mochte, durfte dies im flugfreundlichen Arcadestil machen, anspruchsvollere Naturen griffen dagegen zum soliden Simulationsmodus. Wobei hier erstaunlicherweise beide Spielarten voll überzeugen konnten. Und ganz faule Flieger überließen das Steuer einfach dem Computer und vergnügten sich derweil als Heckschütze.

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Die Detailverliebtheit der Combat Flight Sim 3 zeigt sich auch bei den Piloten.
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Angesichts dieser exquisiten Leistung konnte allenfalls noch Microsoft mit seinem »Combat Flight Simulator 3: Battle for Europe« mithalten, der ebenfalls über eine formidable Spielbarkeit sowohl für Einsteiger als auch für Experten verfügt. Auch dessen Knatterkisten tummelten sich im europäischen Luftraum des Zweiten Weltkriegs. Verglichen mit den Vorgängern gab´s eine verbesserte Grafik, was insbesondere dem Bodenterrain und den Explosionen zugute kam. 18 legendäre Fluggeräte wie die P-51, die Me 262 oder die DO335 machten diesmal die Wahl zur echten Qual.

Die heutige Situation
Herausragende Flugsimulationen waren in den letzten beiden Jahren nicht mehr zu verzeichnen. Wahrscheinlich ist die Zielgruppe dafür einfach zu klein. Dafür rollt reichlich Nachschub für die vorhandenen Flieger an, so zum Beispiel das zunächst nur als Addon geplante »IL2-Sturmovik: Forgotten Battles«. Es bietet 30 frische Flugzeugtypen wie etwa die Me262 oder die Hurricane, sowie neue schwere Bomber wie die He-111. Dazu gesellen sich noch die gewohnt gute Gegner-K.I. und eine unglaublich detaillierte Bodengrafik: Allein Moskau besteht aus rund 500.000 Gebäuden.

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Hilfe, die Russen kommen! (IL-Sturmovik 1946)
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Recht wacker schlägt sich auch »Battle of Britain 2: Wings of Victory« der etwas bugverseuchte Nachfolger der gleichnamigen Sim von Rowan aus dem Jahr 2000. Hierbei handelt es sich um einen recht soliden Flieger mit ordentlicher Gegner-K.I., guten Wettereffekten und einem realistischem Cockpit-Feeling. Nicht zu vergessen setzte auch der Falke mal wieder zu einem Höhenflug an. »Falcon 4.0 Allied Force« bietet eine neue Balkan-Kampagne samt einer erneut optimierten Flugphysik. Hier reitet man gleich mit drei Varianten der F-16 durch die Lüfte, und das auf gewohnt anspruchsvolle Weise. Das Beste daran: Sogar Durchschnittsrechner reichen für einen ruckelfreien Flug. Einen Tadel dagegen verdient sich das deutsche Handbuch, das unverzeihlicher Weise nur im pdf-Format beiliegt.

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Auch bei Battle of Britain 2 gibt es heiße Luftgefechte.
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Kürzlich erschien mit »IL2-Sturmovik: 1946« sogar noch eine weitere Variante des hochgelobten Russenfliegers, die mit 36 neuen Flugzeugen und rund 200 neuen Missionen daher kommt. Mit an Bord ist zudem der komplette Vorgänger samt der Addons »Ace Expansion Pack« und »Pacific Fighters«.

Vorschau
Noch in diesem Jahr werden einige viel versprechende Kampfflieger abheben. So etwa »Storm of War: Battle of Britain« von den »Sturmovik«-Machern. Die Jungs überschlagen sich schier vor Arbeitseifer, so wollen sie mit »Whirlwind of Vietnam« sogar noch eine Helikopter-Simulation vorlegen. Und da aller guten Dinge drei sind, wird die »Sturmovik«-Engine noch für eine Weltkrieg-1-Fliegerei namens »Knights of the Sky« zum Einsatz kommen.

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Mit Knights of the Sky erscheint endlich mal wieder ein vielversprechender Weltkrieg-1-Flieger.
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Interessant könnte auch »Jet Thunder« werden, eine historische Kampfsimulation von Thunder Works, die mit Jets und Hubschraubern aufwartet. Nicht zu vergessen will sich mit »Enemy Engaged 2« der Nachfolger der vorzüglichen Helisim in die Lüfte schwingen, und der bereits seit Jahren angekündigte High-Tech-Flieger »Fighter Ops« könnte auch langsam mal in die Puschen kommen. Originell klingt zu guter Letzt noch das Duell Patrouillenboot vs. Mosquitos. »PT Boats: Knights of the Sea« heißt das viel versprechende Teil aus dem Hause Akella, das zumindest optisch einen sehr ansprechenden Ersteindruck hinterlässt.