Räumen wir doch mal mit einem Klischee auf. Nein, keine Angst, es geht nicht um die Gleichung Ego-Shooter = psychopathischer Massenmörder. Sondern um die Prämisse, Spiele seien irgendwie ein faules, ein relaxtes Hobby. Beruhigend, einschläfernd. Kann ich nicht bestätigen. Eine Stunde Team Fortress 2 reibt mich meist mehr auf als die täglichen 30 Kilometer Höllenfahrt durch die Rush-Hour. Entspannend sind Games beileibe nicht. Ständig muss man Umdenken, sich auf neue Situationen einstellen, agieren, reagieren, managen, kreativ sein.

Es dürfte genug WoW-Spieler geben, die mehr durch ihr Hobby denn ihren Beruf kurz vor dem totalen Burn-Out stehen. Für all jene, die endlich ein wenig Abspannung brauchen, aber denen Yoga eine zu niedrige Auflösung bietet, gibt es auf dem PlayStation Network genau das Richtige: Flower nennt sich diese kleine wundersame Kreation, und es geht los auf einer grünen Wiese voller blühender Blumen und wogender Gräser.

Flower - Trailer

Chillen ist angesagt

Keine Highscore-Jagd, kein Aufleveln, keine Missionen. Einfach nur Gräser und Blumen. Naja, ganz so ist es dann doch nicht. Es fängt an als kleine Brise, die eine Blüte erfasst. Über einen beliebigen Knopf auf dem Pad (und damit ist tatsächlich JEDER beliebige Knopf gemeint) lässt sich der Wind steuern – über den Wind bekommt die anfangs noch einzelne Blüte Schub und macht sich auf die Reise.

Flower - Geheimtipp: Hier weht ein frischer Wind durch die Spielelandschaft

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Vergesst Wipeout, hier kommt der wahre Geschwindigkeitsrausch.
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Gesteuert wird durch das Neigen des Pads. Richtig gelesen: Der Sensor im PS3-Pad ist doch für etwas gut. Wii-Spieler kennen den Mechanismus natürlich schon, dennoch ist es bemerkenswert, diese Art der Steuerung auch endlich mal auf der PS3 zu erleben. Das funktioniert sogar recht gut, wenn auch etwas schwammig, doch mit der Zeit bekommt man den Bogen raus.

Hat man einmal die Steuerung verinnerlicht, entsteht ein richtiger Geschwindigkeitsrausch, der ein wenig an die Raserei von Wipeout erinnert. Die stete Beschleunigung und das Gefühl der Bewegung rückt Flower in die Nähe von Renn- oder Flugsimulationen – nur eben mit Blüten, Blümchen und einem endlosen blauen Himmel.

Packshot zu FlowerFlowerErschienen für PS3 und PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

Sammel die Blüten

Aufgabe und Ziel ist es, möglichst viele Blüten einzusammeln, es gibt allerdings keine Statistiken, keinen Sammelzwang, keine Bestenlisten. Man kann, wenn man will. Aber das ist die Falle für jeden Zocker: Natürlich will man. So sucht man die zauberhafte Umgebung nach einem vergessenen Blütenblättchen ab, durchstreift jeden Winkel des weitläufigen Graslandes, um auch ja nichts verpasst zu haben.

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Mit einer kleinen gelben Blume fängt die Reise an.
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Mit der Zeit wird der Strom der Blüten immer umfangreicher, ein riesiger Schweif zieht sich durch das sonnenverwöhnte Land. Hat man in einem bestimmten Abschnitt alle Blüten eingesammelt, öffnet sich ein weiterer Landschaftsteil und weiter geht es rasant durch Gräser, Büsche, Sträucher und Felslandschaften.

Ist Flower also wirklich die pure Entspannung, das Chillen des Gaming? Nicht ganz. Flower funktioniert auf seine Weise wirklich gut, es sieht schön aus, es gibt einen gewissen luftigen, beruhigenden Ton vor, die Musik ist dezent und erinnert an diverse Sampler aus dem Esoterik-Geschäft mit der wunderlichen Mitt-Fünfzigerin. Dennoch richtet sich das Spiel an den Urinstikt der Gamer: aufsammeln, einsammeln, Abschnitte abschließen.

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Auch die Grenzen von Flower sind immer klar spürbar: Irgendwann dreht der Wind und man kann das Areal nicht verlassen. Zwar suggerieren die Landschaften eine Weitläufigkeit, die Straßensperre aus GTA wurde hier aber einfach nur besser getarnt. Dennoch lohnt sich die Anschaffung, denn Flower versucht etwas Eigenes. Ein fast schon naturalistisches Feeling bestimmt dieses Spiel. So eine Art Okami, nur ohne japanische Mythen und Wolf. Und ohne Adventure.