Autor: Martin Schnelle

25 Jahre gibt es nun den "Flight Simulator", und er dürfte damit wohl die älteste Spieleserie am PC sein. Seit Ende der Neunziger kommt alle zwei Jahre ein Update, das neueste Technologien benutzt. Doch diesmal gibt es ein paar Neuerungen, die mit klassischen Traditionen brechen - wie etwa echtes Gameplay in Form von Missionen.

Der Traum des Fliegens ist für Normalsterbliche schon seit vielen Jahren Realität - wenn auch nur als Passagier. Dank Heimcomputern fliegt aber auch schon ein gutes Vierteljahrhundert die Gemeinde der Hobby-Piloten im Wohnzimmer. Im zivilen Sektor ungeschlagen ist immer noch der "Flight Simulator", allein schon wegen der gigantischen Unterstützung an Addons.

Diese Zusätze bringen - ob kommerziell und kostenlos im Internet - jedes vorstellbare Flugzeug und jede Menge detaillierter Landschaften. In wenigen Monaten kommt die neueste Version, mit Windows Vista-Unterstützung, und seit einiger Zeit könnt ihr mit der Demoversion schon mal probefliegen. Ihr habt diesmal nicht ganz so viele Flugzeuge wie im Vorgänger zur Verfügung, aber immer noch 20 Stück. Im Gegensatz zu "Das Jahrhundert der Luftfahrt" sind kaum noch historische Flieger wie etwa der "Wright Flyer", die Lockheed "Vega" oder die Curtiss "Jenny" im Programm.

Flight Simulator X - Nach 25 Jahren endlich mit echten Missionen. Starterlaubnis für den zehnten Teil der Serie.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/16Bild 66/811/81
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Den Klassiker DC-3 von Douglas fliegt ihr aber auch im 2006er Simulator. Dazu kommen Airliner wie der Airbus A-321 (erstmals von Microsoft selbst), die Boeing 737-800, der Jumbo 747-400 und der Regionaljet Bombardier CRJ-700. Fliegen macht natürlich erst in kleinen Propellermaschinen richtig Spaß, und so haben wir Klassiker wie die Cessna 172 "Skyhawk", die Cessna 208 "Grand Caravan" und die Piper Cup.
Neu sind die Wasserflugzeuge DHC-2 "Beaver" von deHavilland und die Amphibienmaschine Grumman G-21 "Goose". Dazu kommt ein neues Segelflugzeug, die DG 808 18 Meter sowie der Ultralight SL450 von AirCreation. Und mit der Maule "Orion" landet ihr dank deren Ski auch in Schnee und Eis.

Natürlich müsst ihr nicht auf die Kunstflugmaschine Extra 300S und die Helikopter R-22 von Robinson und den Bell 206 III Jetranger verzichten, die alle schon eine Weile im "Flight Simulator"-Universum herumfliegen.

Zum ersten Mal hat der "Flight Simulator" missionsbasiertes Gameplay. Bisher gab es zwar die so genannten "Adventures", die aber eigentlich nur bestimmte Ausgangssituationen schufen, in denen man sich an die Vorgaben halten konnte, nicht musste. Stattdessen haben wir nun rund 55 Missionen. Darunter beispielsweise das Retten von Piloten und Rettungsflüge, bei denen ihr Nahrungsmittel in Notstandsgebiete bringt. Oder ihr absolviert Stunts und dürft beispielsweise auf einem fahrenden Truck landen.

Auf die Zeit kommt es beim Red Bull Air Race an, bei dem ich mich schon lange frage, wieso noch niemand einen Funracer daraus gemacht hat. Nun, jetzt hat Microsoft die Lizenz, und ihr fliegt die Luftrennen hier. In der Demoversion befindet ihr Euch in einer CRJ-700 im Landeanflug und dürft mit Hilfe der Copilotin und des Towers die letzten 15 Minuten selbst steuern. Außerdem werft ihr mit dem Ultralight Mehlbomben auf schwimmende Ziele und fahrende Boote ab. Nach einer bestimmten Zeit schaltet sich der Motor ab, dann solltet ihr die Maschine sicher landen - nicht einfach, da ihr die meiste Zeit über dem Wasser seid.

Packshot zu Flight Simulator XFlight Simulator XErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Jeder Treffer erhöht das Zeitlimit, am nahe gelegenen Flugzeugträger ladet ihr neue Mehlbomben ein. Im Multiplayer-Modus übernehmt ihr auf Wunsch auch den ATC, den Air Traffic Controller oder auf deutsch Fluglotsen - ein völlig eigenes Spiel im Spiel.Die Optik wurde völlig überarbeitet. Das Autogen-System zauberte im Vorgänger noch rund 600 Objekte pro Quadratkilometer auf den Boden. Hier sollen es 6000 sein. Dazu haben die Grafiker die Texturendichte vervierfacht, den Detailgrad versechzehnfacht.

Wir hoffen, dass nun Münchener Wahrzeichen wie der Olympiaturm oder das Olympiastadion wieder vorhanden sind, nachdem sie aus irgendeinem Grunde im Vorgänger verschwunden waren. Die Allianz-Arena würden wir auch gerne sehen. Das Wasser sieht jetzt schon hervorragend aus, aber mit dem Release von Windows Vista samt DirectX 10 sollen noch viele weitere Effekte eingebaut werden - allerdings nur als Patch, da die DirectX 10-Spezifikationen noch nicht komplett fest stehen.

Die Landschaftsdarstellung entsteht durch NASA-Satellitenbilder, Jeppesen-Karten der US Geological Survey sowie Fotos von bestimmten Gebäuden und Landschaftsmerkmalen. Die Vektordarstellungen weisen ebenfalls eine erheblich höhere Dichte auf, wodurch nun Straßenverläufe und Höhenzüge eher der Wirklichkeit entsprechen. Was nicht von Hand gestaltet wurde, erzeugt AutoGen - was natürlich den Nachteil hat, dass alles leicht amerikanisch aussieht.

Ein bisher großer Nachteil des "Flight Simulators" war, dass man immer das Gefühl hatte, in einer sterilen Welt zu leben. Eine Reihe kommerzieller Addons beschäftigte etwa sich nur mit künstlichem Luftverkehr. Das ist nun nicht mehr nötig, denn die Welt wird nun Flugzeugen bevölkert. Sogar Autos fahren auf den Straßen, Schiffe und Boote auf den Gewässern.Zwei wirklich wichtige Dinge werden gleich mitgeliefert. Zum einen liegt das SDK zum Selbsterstellen von Fliegern und Landschaften gleich der Packung bei, wenn ihr die Deluxe Edition kauft. Bisher genoss dies bei den Entwicklern geringere Priorität und war als Download erst dann erhältlich, wenn andere Entwickler schon längst eigene Tools entwickelt hatten und benutzten.

Zudem könnt ihr nun sofort eigene Missionen erstellen. Wir sind gespannt, wie schnell kostenlose Zusätze im Internet verfügbar sein werden.

Die momentan verfügbare Demo läuft auf einem 3,4 GHz-Rechner mit einem GB RAM und einer GeForce 6600 mit rund 15 Frames pro Sekunde. Allerdings umfasst sie nur ein kleines Gebiet in der Karibik - wie schnell das Programm sein wird, wenn man im Tiefflug über New York mit entsprechend höherem Verkehr ist, wird noch zu klären sein. Die Demo zeigt auch den einen oder anderen Grafikfehler, den Microsoft bis zum Release am Winteranfang hoffentlich noch bereinigt.Natürlich ist nicht alles neu in der zehnten Iteration des "Flight Simulators" - wie gewohnt fliegt ihr über die ganze Welt inklusive der Pole, die Anzahl der Flughäfen haben die Designer nochmals leicht erhöht auf insgesamt mehr als 24.000.

Da sollte also auch der Sportflughafen im Nachbarsdorf vorhanden sein. Alle größeren und bekannteren Flughäfen sind ihrem Vorbild nachempfunden, wir sind besonders gespannt auf das Terminal 2 in München.

Das Wetter kann sich wie gewohnt sehen lassen, seit der Version "2000" lässt sich die aktuelle Lage bei bestehender Internetverbindung direkt downloaden. Auch eine Möglichkeit, nachzusehen, wie das Wetter in Berlin gerade ist.

Das alles stellt das Programm hübsch dar, dreidimensionale Wolken wollen durchflogen werden, Unwetter schütteln die Maschinen schön durch. Tipp: benutzt das Ultralight. Dann wird es sogar schon schwierig, überhaupt die generelle Flugrichtung beizubehalten.Ausblick
Der "Flight Simulator X" kommt im November in die Geschäfte, diesmal wieder in zwei Versionen, von denen die umfassendere nun nicht mehr "Professional", sondern "Deluxe Edition" heißen wird. Sie soll neben zusätzlichen Flugzeugen, über die sich Microsoft noch ausschweigt, das Software Development Kit enthalten, mit dem ihr eigene Flugzeuge und Landschaften erstellen könnt.

Zum ersten Mal kommt der "FSX" nur als DVD-Version in die Geschäfte - auch wenn auf der Packung noch etwas anderes steht.

Die etwas andere Auslegung erkennt ihr schon daran, dass es erstmals eine Demoversion gibt. Zum zweiten stehen alle Realismus-Einstellungen auf "leicht", wohl damit Einsteiger sich nicht gleich abgeschreckt fühlen. Deswegen ertönt wohl auch Musik im Hauptmenü - das übrigens stark dem bereits bekannten ähnelt, alte Hasen müssen sich also nicht umgewöhnen.