Jetzt gebt's schon zu: Auch ihr habt Flappy Bird gespielt oder zumindest sehr wahrscheinlich darüber nachgedacht. Nichts, wofür man sich schämen muss und schon gar nichts, dem man hätte aus dem Weg gehen können. Während EA mit Dungeon Keeper auf äußerst fragwürdige Weise ein paar Euro dazuverdient, hat der vietnamesische Entwickler Dong Nguyen 50.000 Dollar täglich mit seinem Hit gescheffelt – und das Internet in einem Shitstorm aus Memes, Morddrohungen und zerdepperten Smartphones kollektiv ausrasten lassen. Eine Chronologie des Wahnsinns.

29. April 2013: It's alive!

Fast schon unbemerkt kündigt Nguyen über seinen Twitter-Account „a new simple game“ an, während der Großteil seiner Aufmerksamkeit eigentlich dem iOS-Spiel Shuriken Block gilt. Plötzlich war Flappy Bird geboren – damals allerdings noch unter dem Namen Flap Flap und ohne großartig zur Kenntnis genommen zu werden. Bis zur eigentlichen Veröffentlichung im App Store dauerte es allerdings noch bis zum …

Flappy Bird - Wie ein kleiner Vogel das Internet zum Ausrasten brachte

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Nintendo selbst findet das vermutlich nicht ganz so lustig.
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24: Mai 2013: Die Bestie schläft noch

Nachdem der junge Entwickler sein iOS-Spielchen innerhalb von drei Feierabenden zusammenschusterte, stand der Titel ab dem 24. Mai zum Download bereit. Ursprünglich sollte der Wurstlippen-Vogel der Star eines Jump-and-Runs werden, weshalb seine Ursprünge sogar bis ins Jahr 2012 zurückreichen.

Dann passierte … nichts. Mehr als ein halbes Jahr lang war Flappy Bird nicht viel mehr als ein netter Nebenverdienst für seinen Schöpfer, der sich längst anderen Projekten gewidmet hatte und wohl selbst nicht mehr mit dem unglaublichen Erfolg rechnete, der ihm noch bevorstehen sollte.

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September 2013: iOS-7-Update

Ganz so schnell hatte Nguyen seinen Flattermann nicht abgeschrieben: Im September vergangenen Jahres folgte ein Update für iOS-7-Geräte. Viel mehr als ein netter Geheimtipp war das Programm zu diesem Zeitpunkt aber noch immer nicht.

Januar 2014: Und alle nur so: „yeah!“

Auf einmal war es da und niemand wusste so richtig, warum eigentlich. Ende Januar katapultierte sich Flappy Bird einmal quer durch alle Online-Magazine, Lifestyle-Blogs und sozialen Netzwerke – und damit auch an die Spitze der iOS Download-Charts. Nachdem Nguyen erst den Spitzenplatz der kostenfreien Apps im US- und chinesischen App Store ergatterte, wurden wenige Tage später auch englische iPhone-Besitzer infiziert, bis die nicht einmal einen Megabyte große Software an der übergreifenden Spitze (kostenpflichtig und -los) aller Apps stand.

30. Januar 2014: Android-Wutausbrüche

Innerhalb kürzester Zeit nach dem immensen Auftrieb reichte Nguyen seinen Goldvogel – ebenfalls kostenlos – für Googles Play Store ein, wo das Spiel Ende Januar veröffentlicht wurde. Befeuert vom medialen und viralen Buzz der letzten Tage, erklomm die App binnen weniger Stunden die Charts. Von nun an geht es Schlag auf Schlag.

3. Februar 2014: Der Preis des Erfolgs

Langsam zeigt das Internet seine hässliche Fratze. Vom Echo der letzten Tage erschlagen, wendet sich der vietnamesische Entwickler via Twitter an Fans wie Presse gleichermaßen mit der Bitte, ihm etwas Ruhe zu gönnen. Beinahe vom einen Tag auf den anderen vermeidet er jeglichen Kontakt mit den Medien und lehnt Interviewanfragen konsequent ab.

Währenddessen frisst sich der Trend weiter durch das Netz und bringt dabei, neben missgünstigen und verachtenswerten Kommentaren, jede Menge kreativer Memes und Minispiele hervor.

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Sogar ein Flappy-Bird-"MMO" gibt es bereits. Wer's braucht.
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4. Februar 2014: Alles nur ein Schwindel?

Online-Marketer Carter Thomas meint, den Grund für den plötzlichen Erfolg des Handy-Spiels gefunden zu haben und veröffentlicht einen kontroversen „Enthüllungsartikel“ auf seiner Homepage. Angeblich sollen von Nguyen verwendete Bots für den extrem Popularitätsboost verantwortlich sein. Erst nachdem immer mehr Publikation den Beschuldigen mit diesen Vorwürfen konfrontieren, bricht dieser sein Schweigen und beruft sich auf Apples Qualitätskontrolle des App Stores.

6. Februar 2014: Täglich ein Jahresgehalt, bitte!

Ein kleines Werbebändchen am oberen oder unteren Bildschirmrand, mehr braucht es nicht. Vermutlich ist es euch nicht einmal großartig aufgefallen – auf Nguyens Kontoauszug macht es hingegen den kleinen Unterschied von 50.000 Dollar aus. Täglich. Obwohl Flappy Bird vollkommen kostenfrei heruntergeladen werden kann, spült das Spielchen seinem Entwickler Tag für Tag eine Summe in Höhe eines durchschnittlichen deutschen Jahreseinkommens in die Kasse. Kein schlechter Deal für ein paar Stunden Arbeit.

8. Februar 2014: Ein Tweet – Tausend verrückte Reaktionen

Obwohl es um den 29-jährigen Entwickler in den letzten Tage bereits deutlich ruhiger wurde, kam folgender Tweet dennoch wie aus dem Nichts und löste eine Welle der Empörung, Diffamierung und Solidarisierung aus.

Die Meldung verbreitete sich wie ein Lauffeuer über die sozialen Netzwerke und schnell gab es verschiedenste Spekulationen, wie es zu dieser Entscheidung kam. Rechtliche Gründe (etwa mögliche Klagen seitens Nintendo aufgrund verwendeter Super-Mario-Grafiken) seien nicht ursächlich gewesen, versicherte Nguyen. Der wahrscheinlichste Grund hierfür dürften jedoch diverse Morddrohungen und andere traurige Reaktionen der Internetgemeinde gewesen sein.

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Der Wahnsinn in ein Diagramm gepresst.
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9. Februar 2014: Flappy Bird wird offline genommen

Und es war kein Witz: Wie im Vorfeld angekündigt, verschwindet Flappy Birds pünktlich um 18:00 Uhr sowohl aus dem App als auch dem Play Store. Wer den Titel bereits heruntergeladen hat, kann diesen natürlich auch ohne Probleme weiterhin spielen. Alle anderen kommen jedoch zu spät – oder kaufen sich einfach gebrauchte Smartphones, auf denen die App bereits installiert ist, zu absolut horrenden Preisen auf eBay.

10. Februar 2014: Ein Stück vom Kuchen

„Der König ist tot, es lebe der König!“ Nicht erst seit dem Abschalten des Originals haben es sich zahllose Trittbrettfahrer zur Aufgabe gemacht, auf der Hype-Welle mitzuschwimmen, aber erst jetzt starten sie so richtig durch. Der Klon Fly Birdie etwa hat es bereits auf den zweiten Platz der britischen Downloadcharts geschafft, verlangt allerdings reichlich dreist 89 Cent für drei Leben. Inzwischen gibt es sogar bereits vorgefertigte Baukästen, die quasi nur noch zusammengesetzt werden müssen – quasi eine Art „Do it yourself“ zum Programmieren eines eigenen Klons.

11. Februar 2014: Erstes Interview, Spiel offline wegen Suchtgefahr

Eigentlich wollte sich Nguyen vorerst zurückziehen und keine Interviews mehr geben, doch dem angesehenen Wirtschaftsmagazin Forbes ist es gelungen, den Entwickler zu treffen. Im Gespräch soll der 29-Jährige überaus nervös gewesen sein. Zugleich behauptete er, das Spiel aufgrund des hohen Suchtfaktors offline genommen zu haben – eine Begründung, die nicht unbedingt schlüssig ist.

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Schnäppchenalarm!
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Was bringt die Zukunft?

Noch ein paar Tage (vielleicht Wochen, wenn wir und Nguyen Pech haben) wird es dauern, bis Flappy Bird nur noch „dieses komische Spiel von Anfang des Jahres“ ist. Es war ein unterhaltsamer, kurzweiliger Trend, der die Maßlosigkeit des Internets wieder einmal grandios zur Schau gestellt hat. Bis die letzte News über dieses Phänomen geschrieben wurde, werden auch weiterhin noch krude Meldungen die Runde machen, werden Vermutungen und Halbwahrheiten aufgestellt – bis der nächste absurde Hype durchs Internet rollt.

Spaß zum Wochenende - gamona zockt: Flappy Bird