Wenn schon Apokalypse, dann aber richtig. Kein Mad-Max-Szenario mit weiten Wüsten, kein Niedergang eines technologischen Schauspiels in glänzendem Apple-Weiß. In Firefall mangelt es an Lebensraum, den die Menschheit mithilfe ausgetüftelter Exoskelette verteidigt. Firefall wird ein Shooter-MMO mit Tiefgang.

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Das nenne ich mal ein dichtes Seemannsgarn: Dreihundert Jahre in der Zukunft gelingt der Menschheit die Entschlüsselung jener Naturgesetze, die eine Reise zu fernen Sternen ermöglichen. Ein Meteoritenabsturz offenbart zufällig das neue Element Crystite, das alle Gesetze der Physik auf den Kopf dreht und Reisen in Lichtgeschwindigkeit ermöglicht. Mit dieser Technologie ist es ein Leichtes, der Quelle des neuen Elements auf den Grund zu gehen, auch wenn der Flug dahin noch immer vier quälende Jahre dauert.

Firefall - Unreal und die Killerwolke

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Mysthisch: Die Hintergrundgeschichte für Firefall ist für einen Multiplayer-Shooter ausufernd.
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Der kolonialisierte Felsbrocken heißt fortan Alpha Prime. Crystite wird dort in rauen Mengen abgebaut und Mutter Erde damit beliefert. Die Abhängigkeit des Heimatplaneten macht Politikern jedoch große Sorgen. Was wäre, wenn Alpha Prime aufmüpfig und die Erde von den wichtigen Rohstoffen abgeschnitten würde?

Das Ende selbst heraufbeschworen

Zum Beweis der dickeren Cohones und zur Sicherung der Kolonie baut die Erdbevölkerung in Windeseile ein monströses Raumschiff namens Arclight, das dank einer neuen Technologie sogar noch schneller reisen soll. Statt auf Lichtgeschwindigkeit zu beschleunigen, soll Arclight den Raum zu einem Wurmloch biegen. Das Resultat wäre eine Urlaubsreise von vier Tagen statt eines Galeerenaufenthalts von vier Jahren.

Packshot zu FirefallFirefallRelease: PC: 3. Quartal 2013

Selbstverständlich geht etwas gewaltig schief: Das Formen des Wurmlochs reißt eine interdimensionale Spalte in den Raum, durch die eine lebensfeindliche Energiewolke kriecht. Wie ein Schleier legt sich das sogenannte Melding um die Erde und konsumiert sie. Menschen, Tiere und Pflanzen mutieren oder sterben. Gewisse Wissenschaftler glauben sogar, diese rätselhafte Wolke könne eine Lebensform sein.

Firefall - Unreal und die Killerwolke

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Das Spielprinzip erinnert entfernt an Unreal.
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Doch was diese Eierköpfe ausspinnen, ist vorerst egal, denn es geht ums nackte Überleben. Ähnlich wie bei Asterix widersteht ein kleines Völkchen jeglicher Bedrohung. Ein zusammenhängender Landstrich sowie ein paar kleine Inseln kommen zusammen gerademal auf ein Prozent der Erdoberfläche, dienen den letzten Überlebenden jedoch als Zuflucht. Vor dem Melding, vor dem entstellten Getier und vor den mutierten Humanoiden, die sich fortan „The Chosen“ nennen.

Ein komplexer Free-2-Play-MMO-Shooter mit verschwenderischem Hintergrundmaterial.Ausblick lesen

Und wenn diese selbsternannten Auserwählten Stunk machen, wird natürlich zurückgeschossen. Dann steigen Soldaten in ihre gepanzerten, raketenbetriebenen und bis an die Zähne bewaffneten Exoskelette.

Puh, da ist ja ganz schön was los im Firefall-Universum. Ein Haufen Holz, den die Red 5 Studios für ihren teambasierten MMO-Shooter zusammentragen, damit es euch so richtig in das Programm saugt. Aber keine Sorge, der Rest ist nicht minder ausgefranst und erinnert mehr an ein Rollenspiel als an einen Ballerkönig.

Unreal trifft RPG

Allein die Klassenaufteilung der „BattleFrames“ genannten Exoskelette ist so ausführlich angelegt, dass man mehrere Seiten darüber schreiben könnte. Sie werden in Fertigkeitsstufen (Tier) unterteilt, die mit jedem Aufstieg neue Richtungen eines komplexen Fertigkeitenbaums offenbaren. Innerhalb eines Tiers könnt ihr zwischen zwei Ausrichtungen wählen, die in der nächsten Stufe ein weiteres Mal gesplittet werden.

Dadurch entsteht eine Fertigkeitenpyramide, die trotz austauschbarer Eigenschaften klare Spezialisierungen ermöglicht. Der aktuelle Tier begrenzt allerdings auch das Einsatzgebiet. Vor allem im PVP-Segment, denn bei Spieler-Schlachten dürfen nur BattleFrames eines gleichwertigen Tiers gegeneinander antreten.

Was in dieser Beschreibung nach träger Rechenschieberei klingt, wirkt in der Praxis erstaunlich schnell und dynamisch. Farbenfrohe Grafik im Comic-Stil zoomt flüssig in Ego-Perspektive am herzerfreut kugelspuckenden Spieler vorbei und generiert ein ähnlich schwindeliges, aber keinesfalls so unbedachtes Actioninferno wie einst Unreal. Kleine Kameraschwenks in die dritte Person schiebt die Engine ebenfalls ein, wenn euer Soldat Melee-Attacken austeilt oder anderweitig mit der Umwelt interagiert.

Hauptsache es geschieht schnell, wenn es hitzig wird. Dank eines kurzzeitigen Raketenschubs schleudert ihr mit dem Exoskelett in luftige Höhen und setzt gut gefedert wieder auf, während die klassenübergreifend standardisierte Sekundärbewaffnung den Gegner zersiebt. Zumindest so lange sie noch richtig funktioniert. So ein Exoskelett nimmt nämlich schnell Schaden und will gepflegt werden.

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Die Macher zielen mit Firefall vor allem auf den E-Sports-Markt.
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Kein Wunder, besteht es doch aus unzähligen Einzelteilen, die eure Fertigkeiten bestimmen. Von denen könnt ihr je nach Tier so viele reinpacken, bis das Kriegsgerät zu schwer wird oder dem steuernden Flüssigkeitscomputer die Rechenzeit ausgeht. Schilde, Geschwindigkeit, Sprungkraft... Genug Stoff für endlose Fummelsitzungen.

Eine Welt, die nie schläft

Dass Firefall auch abseits der Klassen mehr als nur ein simpler Schießmichtot-Kandidat wird, erkennt man bereits an den Rahmenbedingungen. Jeder Server generiert eine konstante dynamische Welt mit spürbaren Handlungsauswirkungen, in der ein Tag-Nacht-Zyklus fünf Stunden dauert.

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Zum Shooter-Gameplay mischt sich außerdem eine Portion Rollenspiel.
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Dynamisch, weil einige Dinge unverhofft geschehen. So können die Chosen plötzlich eine Siedlung angreifen, sie einnehmen und für Wochen besetzen. Bevor ihr sie nicht in Zusammenarbeit vertreibt, kommt ihr nicht an eure Vorräte heran.

Unter anderem bleibt der Zugriff auf die persönliche Garage verwehrt, in der ihr im Normalzustand bis zu fünf unterschiedliche Frames lagert. Dabei wäre das gerade während der Belagerung praktisch, denn jede Klasse verfügt über eine ganz eigene Primärwaffe und gewisse Talente. Ohne Engineer etwa kein Schutzschild und ohne Schutzschild sind alle Klassen schnell Kanonenfutter.

Loggt ihr in das Spiel ein, während die Chosen eure Siedlung kontrollieren, so seid ihr auf Gedeih und Verderb an die Hardware gebunden, die zuletzt in Gebrauch war. Na dann: in die Hände spucken und die Stadt befreien!

Die zerklüftete Map mit wenigen bewohnbaren Flächen erleichtert dabei die Einbindung unterschiedlichster Bedrohungen. Dreh- und Angelpunkt wird natürlich das Mysterium der Melding-Energiewolke sein, aber auch die Sicherung der Vorräte und das Herankarren von Crafting-Rohstoffen soll ständig neue Kleinigkeiten über den Zustand der Welt freilegen.

Kommunikation und die Weitergabe der Schlachtlage wird in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielen. Darum könnt ihr das, was ihr seht – etwa einen Angriff oder eine wichtige Entdeckung – mithilfe von Fernmeldemasten an andere weitergeben.

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Die einzelnen Settings sind abwechslungsreich designt.
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Den Red 5 Studios liegt dabei vor allem die E-Sports-Tauglichkeit am Herzen. Kommunikation und Strategie, wie auch nachvollziehbare Schlachtentscheidungen für etwaige Schiedsrichter kommen zum Beispiel in der extravaganten Replay-Funktion zusammen. Sie erlaubt nicht nur eine freie Wahl der Kamerawinkel zur ausführlichen Analyse, sondern auch eine actionreiche Schnittfolge für das nächste Prahlvideo auf Youtube. Klingt gut!

Solltet ihr ausschließlich gegen andere menschliche Spieler antreten wollen, so braucht ihr übrigens nicht erst ewig im PvE hochleveln. Oder zwingend Zaster ausgeben. Die Entwickler versprechen neben einer einfachen Aufstiegsroutine für reine PVP-Gamer ein faires Free-To-Play-Modell ohne den geringsten Pay-to-Win-Faktor. Es wird also weder bessere Wummen noch dickere Rüstungen im Shop geben. Firefall befindet sich aktuell in der Betaphase - europäische Server wurden bereits online geschaltet. Wir warten auf den Startschuss!