Die Reise nach Westen

Alles nahm im Grunde mit dem Nintendo-Prügel-Crossover Super Smash Bros. Melee seinen Lauf. Mit den freischaltbaren Bonus-Spielfiguren Roy und Marth wurden gleich zwei Helden aus dem Fire-Emblem-Universum etabliert. Während Marth, der Protagonist des allerersten Teils, auf Wunsch vieler japanischer Fans zur Kämpferauswahl dazu geholt wurde, handelte es sich bei Roy hingegen um einen völlig neuen Helden. Um die Werbetrommel des damals neuerschienenen sechsten Teils „The Binding Blade“ zu rühren, entschied man sich, den Hauptcharakter Roy auch mit zu integrieren.

Es war für uns ein glücklicher Umstand, dass die hinzugekommenen Fire-Emblem-Recken der internationalen Spielerschaft zu gefallen wussten, womit die Reihe auch im Westen endlich etwas Aufmerksamkeit bekam. Denn ursprünglich zog die amerikanische Führungsriege von Nintendo für die Lokalisierung in Erwägung, auf die beiden unbekannten Charaktere zu verzichten. Das bekundete, stetig wachsende Interesse seitens der Fans stimmte Big-N schließlich zuversichtlich, den nächsten und damit siebten Teil außerhalb Japans zu veröffentlichen.

Fire Emblem: The Sacred Stones führte erstmals eine Reihe von nichtmenschlichen Kreaturen ein, die dem Spieler als Gegner begegnen.

Die Abenteuer von Thronerbin Lyn und den beiden Prinzen Eliwood und Hector in „Fire Emblem: Rekka no Ken“ - bei uns lediglich unter „Fire Emblem“ bekannt - stellten eine Vorgeschichte zum sechsten Teil dar. Dank positiver Kritiken, die vorwiegend das Spiel für seinen ungewöhnlichen Mix aus Fantasy-Rollen- und Strategiespielelementen lobten, und einer neuen Fangemeinde legte der siebte Teil einen Grundstein. Der Weg in den Westen war für die darauffolgenden Teile geebnet.

Bis dahin waren die Kriegsszenarien der einzelnen Spiele meist eher dem Low-Fantasy zuzuordnen, denn, abgesehen von der gelegentlichen Präsenz von Drachen und den Pegasus-Reitereinheiten, wurden die bodenständig geschilderten Konflikte ausschließlich unter den Menschen ausgefochten. Der Nachfolger, Fire Emblem: The Sacred Stones, führte erstmals auch mehrere Monster als Gegner ein und brach mit weiteren Konventionen. So konnte der Spieler auf einer Weltkarte zwischen den Schlachtplätzen hin- und herreisen und optionale Trainingsstätten wiederholt besuchen. Aufgrund der vielen Auflevel-Methoden wird dieser Teil mitunter als einer der leichtesten Teile gewertet.

Fire Emblem: Radiant Dawn für die Wii bot nicht nur eine Reihe an cineastischen Zwischensequenzen, sondern war auch einer der wenigen Fire-Emblem-Teile mit einer deutschen Sprachvertonung.

Die Reihe entwickelte sich stetig durch kleine Neuerungen fort. Mit Teil 9, Path of Radiance, kamen neue Klassen und Rassen zu den Kampfeinheiten dazu; durch den Sprung vom Gameboy Advance auf die GameCube präsentierte sich Fire Emblem zum ersten Mal in einem 3D-Look. Die Änderung beschränkte sich dabei aber nicht auf die optische Erzeugung von Räumlichkeit; durch die Auswirkung von unterschiedlichen Höhen- und Tiefenebenen ergab sich in den Kämpfen mehr taktischer Spielraum.

Der Nachfolger für die Wii, Radiant Dawn, führte die Geschichte des Vorgängers nahtlos fort. Von der Fangemeinde wird das Spiel mit Zwiespalt bewertet. Auf der einen Seite fesselte das Spiel erzählerisch durch verschiedene Perspektiven, die zur Abwechslung die Geschichte aus der Sicht des ehemals feindlichen, besiegten Königreichs näher beleuchten. Auf der anderen Seite wirkte der zehnte Teil durch die fragwürdigen, fast schon unfairen Wahrscheinlichkeitswerte bei den Kämpfen und wegen diverser Grinding-Probleme sehr unausgeglichen und galt als einer der schwierigsten seiner Reihe. Trotzdem gehörten sowohl Teil 9 als auch Teil 10 zu den beliebteren der Reihe. Dies spiegelte sich auch in der gewachsenen Kämpfer-Auswahl von Nintendos nächstem Crossover-Kampfspieltitel Super Smash Bros. Brawl wieder, der um den Schwertkämpfer Ike, den Protagonisten der letzten beiden FE-Teile, ergänzt wurde.

Fire Emblem: Shadow Dragon für den Nintendo DS erzählte die allererste Geschichte mit Prinz Marth und seiner Gefährtin Caeda in neuem Gewand. Für das Characterdesign zeichnete sich „Ghost in The Shell“-Zeichner Masamune Shirow verantwortlich.

Dem Durchbruch fern, dem Ende nah

In den darauffolgenden Jahren hatte es das Franchise nicht leicht. Auch wenn die vorigen Teile von Fans und Kritikern wohlwollend aufgenommen wurde, blieben die Verkaufszahlen der Spiele seit dem achten Teil weit hinter den Erwartungen von Nintendo zurück. Der elfte Vertreter der Spielserie, Shadow Dragon, war für Intelligent Systems daher gewissermaßen ein Hoffnungsträger. Da es sich um ein Remake des ersten Fire-Emblem-Teils handelte, bekamen die Fans im Westen endlich die Gelegenheit das allererste Epos mit dem legendären Helden Marth kennenzulernen.

Dem Spiel gelang es jedoch von den Verkaufsexemplaren her nicht, die erhoffte 10.000er-Marke zu erreichen. Trotz vieler Neuerungen, die aus den neueren Teilen entlehnt sind, war den westlichen Fans im Vergleich zu den Vorgängern die Präsentation der Charaktere und der Geschichte zu durchwachsen. In Japan handelte es sich bei Shadow Dragon mittlerweile sogar um den zweite Remake des Originals.

In Fire Emblem: Awakening können zwei Teammitglieder gleichzeitig einen Kampf bestreiten.

Die größte Kritik an Shadow Dragon galt den Konditionen für das Freischalten zusätzlicher Kapitel, denn die bestand darin, eine nicht geringe Anzahl an Teammitgliedern sterben zu lassen. Ein Graus für jedermann, der sich bei einem Fire Emblem schon immer zum Ziel gesetzt hatte, jeden seiner Charaktere lebend durch das Spiel zu bringen...

Schließlich wurde es 2010 angesichts der zurückgehenden Verkaufszahlen eng für die Marke Fire Emblem. In den Augen der Nintendo-Führungsriege schien sie jedenfalls ihren Zenit überschritten zu haben und so trat man den Entwicklern von Intelligent Systems mit einem Ultimatum entgegen: Wenn der nächste Teil es nicht schaffen würde, die 250.000er-Marke zu knacken, würde es der wohl das Aus für die langlebige Rundenstrategiespielreihe bedeuten. Perma-Tod! Die Ungewissheit innerhalb des Entwicklerteams war allgegenwärtig, die Angst um das Einstampfen der Reihe, wie es der anderen, hauseigenen „(Advance) Wars“-Reihe vor Jahren widerfuhr, nur allzu vertraut.

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