„Wir üben noch“. So mancher zynische J-RPG-Fanatiker meinte, diesen Schriftzug überall in Final Fantasy XIII entdeckt zu haben. Aber Square Enix legt nach und bessert aus. Fans der Serie dürfte Final Fantasy XIII-2 jedenfalls ein ganzes Stück besser gefallen als der Vorgänger.

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Traditionell handelt jedes neue Final Fantasy von neuen tapferen Helden, die eine ganz andere sagenhafte Welt vor dem Bösen retten als die mutigen Recken des Vorgängers. Strahlt also eine weitere römische Ziffer auf der Packung, darf man alles vergessen und von vorne anfangen. Da gibt es keine Ausnahmen.

Um das ungeschriebene Gesetz zu wahren, bekommt jedes Spiel, das von dieser Regel abweicht, einen eindeutigen Untertitel oder eine zusätzliche arabische Zahl spendiert. Ich finde, das sieht seltsam aus, so ein Final Fantasy XIII-2. Aber mich fragt ja keiner. Wirkt auch schluderig. Etwa wie all diese grottigen Disney-Fortsetzungen von Märchen, die eigentlich schon im ersten Teil zu Ende erzählt wurden. Dass Final Fantasy X-2 damals im Jahre 2003 mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde, dürfte die Situation für Square-Enix nicht verbessern.

Dabei geben sich die Entwickler doch so viel Mühe, das Gros der offensichtlichen Mängel des dreizehnten Teils auszubügeln. Treue Serienverehrer hatten einiges am letzten Abenteuer auszusetzen, vom trägen Einstieg über die linearen Schlauchlandschaften bis hin zu vernachlässigten Serientraditionen. Und Square Enix erhört ihr Klagen. Alleine deswegen hat dieser erneute Traditionsbruch eine Chance verdient.

Final Fantasy XIII-2 - Das Finale vom Finale

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Der zeitreisende Schönling Noel Kreiss nimmt an der Seite von Serah eine der Hauptrollen ein.
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Zumindest war das mein Gedankengang, und ich wurde nicht enttäuscht. XIII-2 vermittelt von Anfang an das volle Final-Fantasy-Gefühl, ohne westliche Verwässerung und ohne theatralische Einleitung. Zwar durfte ich lediglich zwei Kapitel im stillen Kämmerlein spielen, was bei der 2009er-Ausgabe nicht einmal für das großzügige Kampftutorial ausgereicht hätte. Aber hier genügte das schon, um komplett in die Handlung einzutauchen. Das Abenteuer nimmt sofort Fahrt auf.

Die Geschichte setzt drei Jahre nach dem Cocoon-Vorfall an. Ex-Hauptdarstellerin Lightning, die sich im letzten Kampf gegen Orphanus opferte, fristet seitdem ihr Dasein in Valhalla. Ein Ort ohne Zeit, zwischen den Dimensionen, den man flüchtig in der nervenaufreibenden Einleitung zu sehen bekommt, während Lightning mit ihrem göttlichen Odin-Ross gegen einen Angreifer vorgeht. Alle anderen Begleiter, die damals die Fal'Cie-Bürde trugen, wurden im normalen Zeitfluss zu Kristallstatuen und erlangten erst einige Zeit später die Freiheit. Trotz aller Verluste geht es ihnen gut. Inzwischen wurde eine neue, magieunabhängige Kolonie auf Pulse gegründet, die man Neu Bodhum taufte. Das Leben ist hart, doch Pioniergeist erfüllt die Siedler mit Hoffnung.

Packshot zu Final Fantasy XIII-2Final Fantasy XIII-2Erschienen für PS3, Xbox 360 und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Die zierliche Serah könnte mit dieser Situation wunderbar leben, wenn da nur nicht diese Ungereimtheit wäre. Sie ist die Einzige, die sich an alle Ereignisse vor dem Fal'Cie-Opfer erinnert. Selbst ihr Angetrauter Snow meinte, sie habe lediglich im Kristallschlaf geträumt. Die meisten nehmen ihr nicht einmal ab, dass ihre Retterin Lightning überhaupt existierte. Noch konfuser wird es dann, als plötzlich ein Meteor vom Himmel fällt, der Zeit und Raum verschmilzt. Neben einzelnen Kleinigkeiten, die im Raum-Zeit-Kontinuum verlorengehen, leidet die angebundene Welt Cocoons darunter. Genau genommen verschwindet sie einfach, als ob sie nie dagewesen wäre.

Serahs Verwirrung wäre noch größer, gäbe es nicht den zeitreisenden Schönling Noel Kreiss, der als letzter existierender Mensch eine lange Reise aus der fernen, düsteren Zukunft antritt. 700 Jahre nach dem Auftauchen des Meteors löschen die Paradoxa der Zeitverschmelzung alles aus, und so blieb ihm keine andere Wahl, als den Ursprung des Übels zu suchen.

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Technisch legt Final Fantasy XIII-2 nicht übermäßig zu, fährt aber noch schönere Effekte auf.
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Unterwegs begegnete er Lightning in Valhalla, was er Serah brühwarm nach seiner Ankunft auftischt. Trotz der bevorstehenden Vernichtung aller Existenz durch die Kräfte des Meteors flammt in ihr plötzlich die Hoffnung auf. Wird sie Lightning wiedersehen? Und ihren Mann Snow noch dazu? Der verschwand nämlich irgendwann, um Serah zuliebe Lightning zu suchen; all seinen Zweifeln zum Trotz.

Square-Enix erhört das Flehen der Fans und schraubt an den richtigen Stellen: mehr Freiraum, mehr Feinheiten, mehr Final Fantasy.Ausblick lesen

Final Fantasy XIII-2 fackelt nicht lange. Die Charaktere werden kurz vorgestellt, damit auch Neueinsteiger sie kennenlernen, außerdem werden Kampftutorials, Charaktere und Handlungsrahmen im ersten Kapitel komplett aufgeschlüsselt, was durch ein paar kurze Lauf-Quests in angenehm offener Umgebung vonstattengeht. Von einer freien Welt zu sprechen wäre übertrieben, denn das Szenario der ersten beiden Kapitel hat seine Grenzen. Aber immerhin kommt dank breitflächig angelegter Kulisse kein Schlauchgefühl mehr auf. Außerdem stehen in bestimmten Unterhaltungen mehrere Gesprächs- und Handlungsoptionen offen, die Auswirkung auf die Geschichte haben.

Turbulente Zeitreise

Serah und Noel beginnen, nach überlappenden Zeitfragmenten zu suchen. Meist Gegenstände wie ein mystische Spiegel, die Serahs Erinnerung an parallele Realitäten bestätigen, aber wegen der auftretenden Paradoxa, die sie hervorrufen, hervorstechen. Sie ermöglichen die Zeitreise an vorbestimmte Orte mittels eines Historia Crux genannten Tunnelsystems.

Das zweite Kapitel führt zum Beispiel wenige Jahre in die Zukunft in eine verregnet Großstadt, die vom monströsen Riesen Atlas belagert wird. Selbstredend gibt dieser Koloss einen hervorragenden Obermotz ab, der eure Taktik schon nach wenigen Spielstunden gehörig auf die Probe stellt. Zumindest, sofern ihr noch am Einfummeln seid. Wer das Paradigmenschema des Vorgängers gewohnt ist, kommt sehr schnell zurecht, da kaum etwas geändert wurde.

Noch immer steuert ihr nur einen Charakter, bestimmt aber die allgemeine Strategie der Party durch die Vorgabe von Verhaltensmustern. Auch das Schocksystem, bei dem ihr Gegner so lange mit der richtigen Angriffsmethode bearbeiten müsst, bis sie beinahe wehrlos taumeln, bleibt präsent, wobei diesmal nicht so schnell verraten wird, wo die Schwächen der Gegner liegen.

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Kupo! Der schwebende Brabbelzwerg kann sich verwandeln und dient Serah als Waffe.
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Neu sind lediglich spannungssteigernde Quick-Time-Events mit nachhaltigen Folgen während der Auseinandersetzungen sowie die Methode, mit der ihr euch in Scharmützel stürzt. Gegnerpartys erscheinen nämlich wieder zufällig, können aber dank der sogenannten Moogle-Clock ausgetrickst oder sogar umgangen werden. Ein kreisförmiges Symbol samt Pfeil hilft beim Analysieren der Lage: Wie steht ihr zum Gegner? Werdet ihr hinterrücks überrascht, sind die Chancen ausgeglichen, oder könnt ihr gar das Überraschungsmoment nutzen? Ein Blick auf die eingeblendete Moogle-Clock verrät all das. Wer keine Lust auf Kämpfe hat und flink genug ist, rennt den Widersachern sogar schlichtweg davon.

Solltet ihr euch eine Änderung im Kampfsystem gewünscht haben, so werdet ihr also nur bedingt glücklich. Selbst das Kristarium, mit dem ihr eure Attribute manuell aufputscht, wurde in sehr ähnlicher, wenn auch unübersichtlicherer Form übernommen.

Sympathie erntet diese angetackerte Fortsetzung dennoch. Vor allem, wenn euch bei Final Fantasy XIII das Flair der Serie fehlte. Dass Serahs Waffe ein formwandelnder Moogle ist, der gemäß japanischer Rollenverteilung den nervtötenden, aber herzlich drolligen Sidekick spielt, sollte bereits Bände sprechen. Der rotnäsige Brabbelzwerg gibt anfänglich nur ein Wort von sich: Kupo! Au weia. Na, ein Glück, dass er später doch noch mehr zu sagen hat. Ein ganzes Spiel lang hätte ich das bei der sonst angenehm guten englischen Synchronisation nicht ertragen.

Ein Hauch mehr 16-Bit

Auf dem Rücken eines Chocobo durch die dunklen Gassen einer verregneten Stadt zu stapfen, gigantischen Bossen mit taktischen Feinheiten den Garaus zu machen und eine klare Quest vor Augen zu haben, entspricht nicht nur den stereotypischen Vorstellungen einer Final-Fantasy-Episode - was selbst die härtesten Fanatiker von vornherein zufriedenstellen sollte. Es verleiht dem Spiel auch einen ungemein leichtfüßigen, ja vielleicht sogar blauäugigen Charme, wie man ihn aus 16-Bit-Rollenspielen kennt.

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Am Kampfsystem wurde nur marginal geschraubt, stattdessen bietet XIII-2 noch mehr Fernost-Flair.
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Ein paar kitschige oder aufgeblasene Zwischensequenzen gehören bei Square-Enix-Rollenspielen natürlich immer dazu. XIII-2 hält sich trotzdem angenehm zurück und rückt stattdessen eine Fernost-typische „Mit Volldampf dem Untergang entgegen“-Stimmung in den Vordergrund. Leichtfüßige Pop- und Jazz-Tunes, die gelegentlich progressiv angehauchtem J-Rock weichen, unterstreichen den Eindruck. Schade nur, dass die Anspielgelegenheit genau dort endete, wo es richtig interessant wurde, denn nach zwei Kapiteln lässt sich schlecht abschätzen, in welche Richtung sich das Abenteuer entwickelt.

Technisch machte die Vorabversion schon einiges her. Einige Zwischensequenzen wurden noch in niedriger Auflösung gerendert und mit Platzhaltern gefüllt, wodurch klar zu sehen war, dass Square Enix vorgerenderte Hintergründe mit Echtzeitdarstellern mischt. Sieht aber in hoher Auflösung ziemlich sauber aus. Der Verzicht auf Stunden hochaufgelösten Filmmaterials führte zudem zu einer kürzeren Entwicklungszeit sowie der Möglichkeit, auch die Xbox-360-Fassung auf eine einzelnen Disc auszuliefern. Drei Fliegen mit einer Klappe!

Die Bildrate schwankte bei einigen Gelegenheiten noch, erreichte aber bei vielen Kampfsequenzen saubere 60 Bilder. Kompliment, wobei man anmerken sollte, dass rein gestalterisch alles beim Alten bleibt. Final Fantasy XIII war vor zwei Jahren noch ein Grafikknaller, heute gehört die Engine samt Stil gerade noch zum oberen Drittel auf der Sabberskala. Aber ich will ja gar nicht meckern. Ich bin lediglich gespannt, wo das Entwicklerteam am Ende die Bildrate festlegen wird.