Eine inhaltliche Fortsetzung und doch eine ganz andere Art von Erzählung. Eine spielerische Fortführung und doch ein ganz anderes Spielgefühl. Square-Enix hat mächtig an Final Fantasy XIII-2 geschraubt und dabei viele Fehler ausgemerzt, die dem Vorgänger angekreidet wurden.
In allen Belangen verbessert und doch noch immer kein echtes Final Fantasy.FazitEines gleich vorweg: Final Fantasy 13-2 ist ein klasse Rollenspiel. Es ist sogar besser als der Vorgänger, den ich vor zwei Jahren ebenfalls richtig gut fand. Nicht episch genial, doch zumindest empfand ich es als gute Unterhaltung im Gefilde der mittlerweile ausgemergelten, westkompatiblen J-RPGs. Trotzdem muss ich ein wenig Dampf ablassen.
Ich kann sie verstehen, all die Meckerer und Mosertanten, die den neueren Abenteuern wenig abgewinnen können. Ich gehöre schließlich selbst zu jenen altmodischen Final-Fantasy-Fans, die sich eine Rückkehr zu alten Tugenden herbeisehnen. Ich würde meine Oma für ein ein Rollenspiel eintauschen, das die Charaktervielfalt und den Handlungsbogen von Final Fantasy 6 mit dem Jobsystem aus Teil 5 und dem grenzgenialen Materia-System von Teil 7 verquirlt.
Vier Partymitglieder, eine epische aber nicht überkitschte Story, eigenhändiges Schnetzeln und Zaubern, ewiges Fummeln mit Waffenslots und Fertigkeiten-Orbs. Das waren noch Zeiten, nicht wahr, liebe Cloud-Lover und Terra-Vergötterer, liebe Red Mages und Sid-Sucher?
Können wir uns für die Zukunft wahrscheinlich abschminken, denn Square-Enix hält weiterhin an der in Episode 12 eingeführten Modernisierung der Reihe fest. Und die hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Allem voran bei der Präsentation. Wo einst kaum erkennbare, 16 Pixel große Kopffüßler und gesichtslose Flatshader-Polygonrecken Emotionen durch schiere Gestik vermitteln sollten, nehmen nun wunderschön vorgerenderte und teils echtzeitberechnete Full-Motion-Videos mit technisch beeindruckenden, aber hohlen Porzellan-Charakteren Platz.
Final Fantasy 13 - 2 greift wieder alte Traditionen der Serie auf, das Kampfsystem bleibt aber größtenteils unverändert.Etwa die zierliche Serah. Ein Mädel, bei dem man noch immer Hemmungen hat, auffällige Rundungen zu bewundern, weil sie zwar angeblich über zwanzig sein soll, aber noch immer aussieht wie ein Teenie-Küken. Sie startet mit Jüngling Noel und einem knuddeligen Brabbelwesen namens Mog eine wilde Zeitreise, mit dem Ziel, die Zeitlinie wieder zurechtzurücken.
Irgendjemand scheint sich daran zu schaffen zu machen, denn bereits im dritten Jahr nach der Revolution auf Cocoons werden Unlogiken in der Zeit, sogenannte Paradoxa, bemerkbar, die 700 Jahre später einen Weltuntergang heraufbeschwören.
Das große Weg-damit fände in einem epischen Kampf zwischen der ehemaligen Hauptdarstellerin Lightning und dem übermächtigen Oberfiesling Caius seinen Höhepunkt. Das gilt es zu verhindern, also werden mit herumstehenden Zeitportalen, aufzufindenden Zeitartefakten und dem Verkloppen diverser Monster alle Paradoxa rückgängig gemacht und fälschlich verknotete Zeitlinien neu verknüpft.
Eine anfangs etwas wirre, aber spannende Handlung, die sofort Gas gibt, in wunderschönen Bildern präsentiert und mit toller Gegnergestaltung garniert wird. Die Reise führt zu den unterschiedlichsten Settings aus dem etablierten 13er-Universum; jede Kulisse ist stilvoll und einzigartig neu aufbereitet, wird von gewöhnungsbedürftigen, aber durchaus anspruchsvollen Jazz-Pop-Tracks begleitet und bis zum letzten Moment durch-choreographiert.
Selbst weitreichend bekannte Umgebungen glänzen dank der Zeitreisen mit immer neuen Ansichten. Ein Fest für die Sinne, weil man diesmal auch endlich das Gefühl hat, dass die Umgebung lebt. Es gibt Siedlungen mit ansprechbaren Nebencharakteren, Geheimnisse, die der Brabbelzwerg Mog erst aufdecken muss, komplexe Umgebungen ohne Schlauchgefühl. Richtig schön, dass Square Enix so konsequent auf die Wünsche der Fans eingegangen ist.
Ein spannendes, schön visualisiertes Abenteuer erwartet euch, leider bleiben die Figuren sehr flach.Aber warum bewegen sich die meisten Figuren noch immer in schwarz-weiß gezeichneten Verhaltensmustern? Der Draufgänger ist draufgängerisch, der gebrochene Held spielt den gebrochenen Helden, der nervtötende Brabbelzwerg bringt westliche Gemüter zur Weißglut, stellt sich aber als unverzichtbarer Sidekick heraus. Ausgelatschte Pfade. Abgesehen von kleinen Stimmungsschwankungen zieht jeder seine Rolle bis zum Schluss durch und entwickelt sich nur zaghaft.
Warum gelingt es Square-Enix nicht, den Figuren echte menschliche Probleme und charakterliche Winkelzüge einzuverleiben? In Final Fantasy 13-2 spielen Noel und Serah alleine die Hauptrolle, da wäre innerhalb von rund 40 Stunden Hauptkampagne genug Zeit zur Charakterentfaltung gewesen. Leider fällt es mir unheimlich schwer, mich mit irgendwem in dieser Welt zu identifizieren.
Ich erwarte ja wirklich keine Wunder. Final Fantasy war schon immer leicht verkitschtes, fanfarisches Heldengedudel, und das ist gut so. Aber wenn ich Terras Werdegang in Final Fantasy 6 mit dem von Serah in der aktuellen Episode vergleiche, kommen mir die Tränen.
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Schade, dass die ganze Zeitreise nur eine Lightversion von Chrono Trigger ist, hätte ich noch ein bisschen mehr erwartet.
Nun mit FF13-2 endlich ein RPG zu haben was sich an dieses Szenario ran wagt und es sogar gut nutzt, finde ich wirklich super, könnte mehr davon geben.