Final Fantasy X war zu keiner Zeit auch nur in der Nähe des Genrethrons. Es ist nicht einmal der beste Ableger aus Squares berühmter Rollenspiel-Serie – da stehen mindestens drei andere Teile im Wege. Im Vergleich mit den letzten paar Auskopplungen wirkt es dennoch wie ein kleines Meisterwerk und hat sein HD-Remastering wahrlich verdient.

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Hinweis: Dieser Test erschien bereits im März letzten Jahres zur Veröffentlichung der PS3- und PS-Vita-Version. Aufgrund der kürzlich erschienen Neuauflage für PS4 haben wir einen Absatz bezüglich dieser Fassung ergänzt. Der Rest des Artikels trifft auch weiterhin zu.

Es war ein harter Umbruch, damals so kurz nach dem Millennium. Die PlayStation 2 surrte im Regal unter dem Fernseher, generierte wunderschöne Grafiken, epische Musik und feinste Sprachausgabe. Alles war auf Hochglanz poliert, interessant aufbereitet und unterlag bis ins letzte Detail einem zeitlosen Design. Aber es fühlte sich nicht mehr so recht nach Final Fantasy an.

Final Fantasy X war dermaßen überladen, dass man zuweilen die Lust am Spielen verlor. Ein paar Jahre zuvor hatte Metal Gear Solid bereits die Geduld vieler Spieler mit elendig langen Filmsequenzen auf die Probe gestellt, doch Squares zehnte RPG-Inkarnation zelebrierte Maßlosigkeit auf höchstem Niveau.

Final Fantasy X/X-2 HD Remaster - Nun auch für PS4: Nicht perfekt, aber das beste Final Fantasy seit Jahren

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Schön dich wiederzusehen, Tidus. Nur dein Lachen nervt immer noch.
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Dass die auf High Definition getrimmte PlayStation-3-Fassung nichts daran ändert, dürfte klar sein. Auch das Charaktersystem, das im Vergleich zu den Vorgängern etwas spärlich wirkt, bleibt wie gehabt. Trotzdem ist Final Fantasy X heute unterhaltsamer als je zuvor.

Früher war alles besser?

Es ist eine Frage der Perspektive. Oder vielmehr der möglichen Alternativen, denn Final Fantasy 13 schrammt knapp an den Erwartungen der Fans vorbei. Und sonst? Welche brauchbaren klassischen JRPGs stehen denn sonst noch zu Wahl? Trusty Bell aka Eternal Sonata? Lost Odyssee oder Blue Dragon auf Xbox 360? Da ist nicht viel zu holen, denn heute regieren West-RPGs mit ihrem eher nüchternen Stil.

Packshot zu Final Fantasy X HD RemasterFinal Fantasy X HD RemasterErschienen für PlayStation Vita, PS3 und PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

FFX ist mit seinen zwölf Jahren auf dem Buckel dagegen so klassisch, dass schon fast nostalgische Gefühle aufkommen. Zufallskämpfe, Rundensystem und Co findet man heute eher selten vor, und wer damit nicht aufgewachsen ist, könnte sich sogar überfordert fühlen. Immerhin kontrolliert man eine komplette Party und nicht mehr nur Einzelfiguren. It's retro, und zwar mächtig gewaltig, Egon!

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Optisch hat sich einiges getan. Nicht perfekt, aber schon ziemlich gut.
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Dabei erstrahlt nun alles in feinster HD-Auflösung. Nun ja, beinahe, denn an einigen Stellen erkennt man leider eine inkonsistente Texturqualität. Was aber aufgrund des Alters nicht überrascht, denn der PlayStation 2 stand relativ wenig Speicher für Videodaten zur Verfügung, obwohl sie eine Niete beim Thema Texturkompression war – praktisch zwei Schwächen auf einmal. Somit musste alles arg geschrumpft und vorab komprimiert werden. Eine schwierige Ausgangssituation für ein HD-Remastering, denn entweder man nimmt aufgeschwämmte Oberflächen in Kauf, oder man zeichnet Texturen neu. In letzterem Fall könnte man auch gleich ein ganz neues Spiel schreiben.

Allem voran Kleinigkeiten wie der Blitzball im Intro oder einige Nebencharaktere, deren Geometrie geradezu vorsintflutlich erscheint. Im Ausgleich dafür erklingt der Soundtrack in seinem neuen Arrangement schöner als je zuvor.

Apropos neues Spiel: Das ein oder andere Detail wurde durchaus gestrafft oder sogar erweitert, um dieser Compilation gerecht zu werden. Das Sphärobrett bietet nun alternative Fülloptionen an, wirkt übersichtlicher und birgt neuerdings besonders wirksame Eigenschaften, die das Sammeln weiterer Sphären erleichtern. Neue Bosse und zwei kleine zusätzliche Kapitel verknüpfen die beiden Ableger X und X-2 konsequenter miteinander, als es bei den Einzelfassungen der Fall war. Wobei der filmische X-2 Prolog „Eternal Calm“ nicht wirklich neu ist, erschien er doch einst im Rahmen von „Eternal SaGa“. Wer das Abenteuer bereits kennt, wird wahrscheinlich nicht vor Überraschung vom Stuhl fallen, aber immerhin genügend Gründe finden, sich alles noch einmal genau anzuschauen.

Das FFX-Duo bringt spielerisch einiges auf die Waage – da kann man ein paar grafische Schnitzer durchaus verschmerzen.Fazit lesen

Tidus, Yuna, Wakka und wie sie alle heißen

Zwölf Jahre sind eine verdammt lange Zeit im Videospielbusiness. Umso größer erscheinen die Kontraste zur heutigen Zeit. Nicht nur, weil man wieder eine komplette Party steuert, sondern weil Echtzeit ein Fremdwort ist. Es geht rundenbasiert ans Werk – immerhin bleiben einem so ein paar Verschnaufpausen zum Nachdenken, denn aus strategischer Sicht ist Final Fantasy X anspruchsvoller als alle drei Teile der 13er-Trilogie zusammen.

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Inhaltlich hat sich nur wenig geändert.
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Leider auch im Sinne der Handicaps. So wird man am Dorf Besaid etwa mit der Präsenz eines eigentlich optionalen neuen Bosses überrascht, der nicht mehr ganz so optional erscheint, wenn man dorthin zurück muss, weil man etwas vergessen hat. Komplettlösungen von anno dazumal weisen somit ein paar heftige Lücken auf.

Auch technisch (abseits der Grafik) ist nicht jede Anpassung gelungen. Einige vermeidbare Ladezeiten zuppeln ganz schön am Nervenkostüm, Menüs und Schrift wurden zwar in Größe und Platzierung angepasst, wirken jedoch altbacken bzw. zu farbenfroh für das Jahr 2014. Alles Dinge, über die man hinwegsehen kann.

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Einspruch!
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Besonders dann, wenn man die Geschichte noch nicht kennt und das Schicksal des Blitzball-Spielers Tidus zum aller ersten Mal verfolgt. Ja, solche Leute soll es tatsächlich geben, darum wird an dieser Stelle auch nicht gespoilert. Dass Final Fantasy X trotz seines farbenfrohen Grafikstils eine der bedrückendsten und umfangreichsten Handlungen der Final-Fantasy-Historie auffährt, muss an dieser Stelle genügen. Beide Teile am Stück offerieren locker hundert Stunden Spielzeit, sofern man alles auskostet und nicht blind Richtung Finale rennt. Wo bekommt man denn noch so viel Spielspaß für so wenig Geld?

Wer eine PS Vita samt der zugehörigen FFX-Fassung besitzt, kommt übrigens gleich doppelt in den Genuss. Angelegte Spielstände funktionieren nämlich auf beiden Geräten, sodass man das Abenteuer im Urlaub genüsslich weiterverfolgen kann – vorbildlich!

Final Fantasy X / X2 Remastered ist nun auch für die PlayStation 4 zu haben. Große Entscheidungsfragen in Sachen System bleiben jedoch aus, denn optisch wie akustisch ist so gut wie kein Unterschied zwischen PS3 und PS4 festzustellen. Die neuere Fassung wirkt dank aufgestockter Kantenglättung und dunklerer Schatten ein wenig knackiger, leider aber auch einen minimalen Tick härter und unnatürlicher. Es geht um nichts Weltbewegendes, und schon gar nicht um Unterschiede, die man auf Anhieb erkennen könnte. Tatsächlich ist selbst bei direktem Vergleich nebeneinander kaum ein mit bloßem Auge sichtbarer Unterschied zwischen den nativen 720p der PS3- und den nativen 1080p der PS4-Fassung zu erkennen. Mal wieder ein sehr vortrefflicher Beweis, dass die Auflösungs-Debatte des letzten Jahres aufgeblasener Blödsinn ist, wenn nur die Scaler der Maschinen ordentlich arbeiten.