Autor: Marcel Kranz

Geht es um Rollenspiele, fühlt sich das Team rund um den Entwickler Square Enix voll in seinem Element. Paradebeispiel für das Genie und den Perfektionismus des japanischen Herstellers ist das mittlerweile zwölfteilige »Final Fantasy«-Franchise, welches häufig als Maßstab für das gesamte Genre angesehen wird.

Gerade der siebte und wohl beliebteste Teil der Serie wurde angesichts der zahlreichen Spin-Offs und Sequels regelrecht ausgeschlachtet. Mit »Final Fantasy 7: Dirge of Cerberus« wird diese Tradition fortgeführt. Zudem wagt sich Japans RPG-Entwickler Nummer 1 nach vielen Jahren mal wieder ans Action-Genre - ein für ihn ungewohntes Terrain. Auch wenn das Spiel den Namen »Final Fantasy« trägt, wird einem hier prompt klar, warum Square Enix bisher nie den Genre-Sprung gewagt hat.

Final Fantasy VII: Dirge of Cerberus - Trailer 2Ein weiteres Video

Bad Ass Valentine
Die Erzählung des Originals wurde zuletzt vom Film »Advent Children« fortgesetzt. Hier knüpft nun »Dirge of Cerberus« an, welches ein Jahr nach der Handlung des Anime-Streifens spielt. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der knallharte Vincent Valentine, einer der geheimen Charaktere im PSOne-Original. Eine vorzügliche Wahl, geht doch für viele Fans damit ein Traum in Erfüllung.

Final Fantasy VII: Dirge of Cerberus - Überflieger oder Bauchlandung? Die Erfolgsserie wagt den Sprung ins Shooter-Genre.

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Mr. Valentine liebt es, für die Kamera zu posieren.
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Vincents dunkle Vergangenheit ist durchzogen von mysteriösen Ereignissen, die im Laufe des Spiels zunehmend durchsichtiger werden. Doch nicht allein dadurch lebt die Handlung. Eine geheimnisvolle Organisation erhebt sich plötzlich aus dem Nichts und will der bereits zersplitterten Welt nun endgültig den Garaus machen. Eines haben sie allerdings vergessen: Sie müssen ihre Rechnung noch mit dem Revolverhelden Vincent begleichen. Es liegt also an ihm, einmal mehr die Welt zu retten. Doch unser Held steht diesem Schicksal nicht ganz alleine gegenüber. Bekannte Gesichter wie die von Yuffie und Reeve stehen erneut Seite an Seite mit unserem Protagonisten. Sqaure Enix weiß, wie man den Spieler vor die Glotze fesselt!

Unverkennbare Wurzeln
Gleich zu Anfang wird dem Spieler bewusst, dass sich »Dirge of Cerberus« in erster Linie an Rollenspieler richtet. Aus diesem Grunde werden die unerfahrenen Haudrauf-Recken unter euch in einem ausführlichen Tutorial Schritt für Schritt an die Steuerung des Shooters herangeführt. Profis lässt das - wie auch die leichte Schwierigkeitsstufe - natürlich kalt. Deshalb geht's für sie auch geradewegs mit dem harten Modus weiter, welcher selbst Ballerfreudigen einiges abverlangt.

Packshot zu Final Fantasy VII: Dirge of CerberusFinal Fantasy VII: Dirge of CerberusErschienen für PS2 kaufen: Jetzt kaufen:

Wie man sich denken kann, ist der liebe Vincent eher wortkarg, dafür lässt er bevorzugt seine Waffen sprechen. Von denen existieren im Spiel zwar nur wenige, aber dafür ist die Upgrade-Vielfalt erstaunlich und weist nur zu deutlich auf die Rollenspiel-Abstammung des neuesten Kapitels in der Saga hin.

Final Fantasy VII: Dirge of Cerberus - Überflieger oder Bauchlandung? Die Erfolgsserie wagt den Sprung ins Shooter-Genre.

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Stehen bleiben und ballern bis einer umfällt - Taktik kennt hier niemand!
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Allerorts lassen sich Gegenstände finden, die man mit seinen Wummen kombinieren kann. Montiert werden Zielfernrohre, Munitionstrommeln, unterschiedliche Läufe und als Sahnehäubchen magische Amulette, welche eurer Bleispritze eine elementare Ladung verabreichen. Je nach Situation heißt es: Waffe wechseln - was nicht selten der Fall ist. Dank drei Kreations-Entwürfen, die sich frei umgestalten lassen, geht das fix von der Hand. So sollte es in einem Shooter auch sein, denn nichts plagt mehr als mittendrin auftauchende Ladezeiten.

Doch genau hier hat man sich zu sehr auf RPG-Elemente besinnt. Ständig belasten unnötige Sequenzen den Spielfluss. Wer hat denn schon die nötige Geduld, sich wegen jeder noch so belanglosen Aktion minutenlanges Gequatsche von NPCs anzuhören - Ballermann Mr. Valentine garantiert nicht! Habt ihr nach langem Hin und Her eine Mission vollendet, könnt ihr nach bester RPG-Manier gewonnene Erfahrungspunkte entweder in euren Charakter stecken oder gegen bare Münze eintauschen, um anschließend im Shop euer Gepäck zu erschweren. Außerdem wird euer Können nach jedem Level in einer Statistik analysiert - wer eine Trefferquote von über 90% vorweisen kann, muss ein echter Analogstick-Freak sein!

Durchladen und losballern!
Trotz der aufgeführten Rollenspiel-Elemente liegt der Kern des Spiels ganz klar darin, alles umzunieten, was sich euch in den Weg stellt. Hierbei wird entweder aus der standardmäßigen Third-Person- oder einer Pseudo-Ego-Perspektive agiert. Wer mit Belohnungen überschüttet werden möchte, sollte sich die Extramissionen zu Herze nehmen. Beispielsweise müsst ihr hier Zivilisten aus den Klauen der Deepground-Soldiers befreien. Derlei Aufträge halten den Spieler auf Trapp, sind aber insgesamt gesehen zu rar vorhanden. Und das, obwohl extra für die EU-Version noch mehr davon implementiert wurden. Trauriger Nebeneffekt: Der Mehrspielermodus ist der Schere zum Opfer gefallen.

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Deepground-Soldiers auf dem Vormarsch, die Welt zu vernichten.
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Übrigens hat auch die Kameraführung so ihre Schattenseiten. Betretet ihr etwa eine enge Gasse, lässt sie euch sofort im Stich. Dass man bei der Steuerung nicht selbiges Schicksal befürchten muss, hat man der Nacharbeit an »Dirge of Cerberus« zu verdanken - nicht umsonst erscheint es erst jetzt bei uns. Besonders die Ziel-Unterstützung, welche den Gegner beim Anvisieren nicht mehr so schnell entwischen lässt, vereinfacht die teils fummelige Steuerung ungemein.

Apropos Gegner: Intelligent sind eure Feinde wirklich nicht. Vielmehr kommen die meiste Zeit Skripte zum Einsatz. Locken sie euch doch mal aus der Reserve, dann meist bedingt ein aggressives Verhalten und ihre mächtige Treffsicherheit. In diesem Fall werdet ihr nur zu gerne den Limit-Aktivator einsetzen. Durch diesen verwandelt sich Vincent schlagartig in ein Galianisches Biest, welches richtig aufräumt. Ändert aber alles nichts daran, dass man im Grunde nur blöd in der Gegend rum schießt.

Filmreif allein ist nicht alles
Gleich zu Beginn demonstriert »Dirge of Cerberus« mit seinem Intro eindrucksvoll, dass sich Square Enix nach wie vor zu den Großmeistern des CGI-Renderings zählen darf. Sowohl optisch als auch erzählerisch werdet ihr an dieser Stelle nach allen Regeln der Kunst verwöhnt.

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Boss-Fights wie dieser machen zur Abwechslung mal Laune!
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Doch Zwischensequenzen hin oder her: Bei der übrigen Optik lassen die Jungs von Square Enix ihr sonst so untrügerisches Fingerspitzengefühl über weite Strecken vermissen. Nicht nur, dass die Schauplätze streng linear aufgebaut sind, sie präsentieren sich obendrein trist und einfallslos - Déjà Vus sind keine Seltenheit! Hinzu kommt, dass Interaktionen mit der Umwelt kaum möglich sind. Auf Objekte zu springen klappt nur äußerst selten, was auch auf das Zerstören selbiger zutrifft. Da wir gerade beim Springen sind: Vincent sieht dabei aus, als hätte er einen Stock zum Frühstück verschluckt.

Dennoch gibt sich unser Held stets cool, was man auch von seinem Outfit behaupten kann. Da ist er aber nicht der Einzige. Alle Charaktere sind dank ihres Detailreichtums sehr schön anzusehen. Ebenfalls angenehm aufgefallen ist die Bildrate. Immer mehr Spiele leiden heutzutage an unzureichenden Frames. Davor braucht ihr hier aber keine Angst zu haben.

Die gebotene musikalische Untermalung ist wie zugeschnitten auf die düstere Stimmung im Spiel. Auch nicht übel ist die Synchronisation. Schade nur, dass man es ein weiteres Mal versäumt hat, deutsche Sprecher ins Studio zu holen. Wie üblich müssen wir uns daher mit Untertiteln zufrieden geben.