Nicht mehr so wahnsinnig viel, das man hier noch sagen könnte. Mit fast 20 Jahren auf der Uhr und mindestens zehn Mal so vielen Auszeichnungen am Revers hat Final Fantasy VII so ziemlich alles erreicht, was eine Videospiel-Vita so ausweisen kann. Ein gutes Alter, das Zepter demnächst an das PS4-Remake zu übergeben. Eine gute Gelegenheit für Square, den Greis noch einmal unter Alltagsbedingungen ins Bewusstsein der Leute zu schieben.

Vielleicht ist es nur ein weiteres Anzeichen des Alterns in Videospielzeitrechnung, aber für mich ist das immer noch Magie. Das ungläubige Staunen, ein Spiel, das durch die Augen meines elfjährigen Ichs inhaltlich wie technisch unerreichbar war, in der Hosentasche spazieren zu führen, auf einem handtellergroßen Gerät spielen zu können, jederzeit und völlig unverbindlich. Als einer der letzten Angehörigen einer Generation, die dem Pixel am Sterbebett noch die Hand gehalten und opulente Grafik nie für etwas Selbstverständliches gehalten hat, löst Final Fantasy VII auf dem iPhone unweigerlich etwas in mir aus – und es ist nicht der einzige Zauber, der nach wie vor von diesem Spiel ausgeht.

Um euch gleich reinen Wein einzuschenken: Ich werde hier keinen vom Pferd erzählen und das inzwischen 18 Jahre alte PlayStation-Rollenspiel (wir werden alt, Freunde) zum 100. Mal seit Erscheinen haarklein auseinanderklamüsern, ohne mir deshalb gleich Gedanken über eine mögliche Arbeitsverweigerung machen zu müssen. Wer auf diesen Artikel klickt, will sehr wahrscheinlich etwas über die mobile Umsetzung, nicht das Original erfahren (und wenn doch, ist unser Gestammel im Final-Fantasy-Podcast womöglich ein ganz passabler Anfang). Tja, könnt ihr haben.

Final Fantasy VII (iOS) - Jetzt auch mit iCloud

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Willkommen zurück im Jahr 1997 und dem Gefühlsleben eines 15-Jährigen.
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In der U-Bahn eben Sephiroth plätten

Für einigermaßen sportliche 16 Euro schaufelt eure Datenverbindung rund 1,6 Gigabyte aufs jeweilige iGerät und bewegt sich damit in ähnlichen Dimensionen wie das PlayStation-Original, was angesichts der ordentlich hochgeschraubten Auflösung schon mal keine schlechte Leistung ist. Breitschwertschwinger Cloud ist nach wie vor wenig mehr als ein eckiger Polygonklumpen, im Vergleich zu damals aber bedeutend schärfer, ohne Treppchenbildung und all jene Wehwehchen, die uns heute sehr schnell vor Augen führen, mit welchen Limitationen wir uns damals noch herumschlagen mussten. Natürlich dürft ihr (noch) kein Remake, aber zumindest den aktuellen Retina-Standard erwarten.

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Die Probleme (wenn man sie denn so nennen will) beginnen andernorts und niemand von euch wird sich verblüfft die Augen reiben, wenn ich jetzt über die Touchscreen-Steuerung mäkele. Final Fantasy VII ist kein Geschicklichkeitsspiel und damit nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt, wie es noch Monster Hunter: Freedom Unite auf iOS-Systemen war. Und trotzdem ist auch diese Lösung immer nur ein aufs Nötigste heruntergebrochener Kompromiss ohne jeden Komfort. Auf dem iPad immerhin noch separat am Rand untergebracht, quetschen sich die unverschiebbaren Bedienelemente beim Apfeltelefon aus Platzgründen sogar mitten aufs Geschehen. Mit „Machen andere mobile Umsetzungen doch genauso!“ könnte sich Square halbwegs aus der Affäre ziehen und hätte doch nicht mehr als ein Minimum an Aufwand betrieben. Die einstellbare Transparenz ist eine nette Idee, aber kein Ersatz für frei platzierbare Elemente.

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Square kommt den mobilen Gepflogenheiten an anderer Stelle ein paar Schritte weit entgegen, wird von einigen Beinhart-Fans vermutlich aber selbst für diesen Gefallen auf den Sack bekommen. Jederzeit maximierbare Statuswerte (!) und abschaltbare Zufallskämpfe (!!) sind nun mal nichts, das alle Spieler anstandslos unter „Muss ich ja nicht nutzen“ verbuchen. Ich würde lügen, würde ich behaupten, damit so gar keine Probleme zu haben und versuche es dennoch eher als Zugeständnis der Angry-Birds-Zielgruppe zu sehen, ohne den „Die sollen es richtig oder gar nicht zocken!“ schimpfenden Nerd in mir je ganz ruhigstellen zu können.

Da nun aber nicht jeder eine vergilbte PSX mit der Originalversion von Final Fantasy VII aus dem Schrank holt, ist dieser mobile Kompromiss in seiner Gesamtheit vielleicht gar keine so schlechte Alternative, um eines der wichtigsten (Japano-)Rollenspiele überhaupt ins Bewusstsein einer neuen, jüngeren Zielgruppe zu holen. Immerhin: Die Zeit drängt, das Remake wartet.