Den Europa-Einzug von Final Fantasy Type-0 HD mit einer beigelegten Demo zu Final Fantasy XV zu verbinden, war angesichts der vorherrschenden Vorfreude kein schlechter Marketing-Zug. Doch war der Anreiz mittels Demo wirklich nötig oder wollte Square Enix mit der Herausgabe des neu aufgemachten Ablegers auf Nummer sicher gehen und weitere Unkenrufe vermeiden?

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Grund zur Skepsis gibt es vorerst nicht, da das Remake Final Fantasy Type- 0 HD beim Anspielen während des Presse-Events einen recht soliden, vielversprechenden Eindruck gemacht hat. Besagte Unkenrufe beziehen sich teilweise auf so manche Kritik, die Square Enix in den letzten Jahren wegen der Ankündigung über sich ergehen lassen musste. Dass entgegen der Erwartung vieler Fans das Remake des bis damals Japan-exklusiven PSP-Titels nicht für die PS Vita, sondern für die PlayStation 4 bestätigt wurde, war eine Entscheidung, die ich nicht mal schlecht nachvollziehen konnte.

Die Lokalisierung von Final Fantasy Type-0 war ja ohnehin eine schwere Geburt. Obwohl die Arbeiten an der Sprachvertonung kurz vor der Vollendung standen, wurde das Projekt letzten Endes auf Eis gelegt. Game Director Hajime Tabata hat auch nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass die Veröffentlichung des PSP-Teils im Westen ein Risiko dargestellt hat. Da der PSP- und PS-Vita-Markt außerhalb Japan ohnehin schon keine guten Zahlen schrieb, war die wachsende Unsicherheit trotz des großen Namens durchaus berechtigt.

Final Fantasy Type-0 HD - Mehr Final Fantasy als die Hauptteile?

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Und wieder einmal erklärt ein machthungriges Imperium den friedfertigen Ländern den Krieg.
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Ein bisschen alt, ein bisschen neu

Vielleicht war es aber gar nicht so schlecht, ein paar Jahre ins Land ziehen zu lassen und den westlichen Fans eine aufwendig überarbeitete Konsolenversion zu präsentieren. Während die filmischen Zwischensequenzen mit den 3D-gerenderten Charakteren sich durchaus sehen lassen konnten, war die Spielgrafik der uns präsentierten Vorversion der PSP-Version ernüchternd ähnlich. Hier und da präsentierten sich zudem einige unschöne Textur-Fehler, die aber wohl spätestens mit der Endfassung verschwinden werden.

Mag für einen New-Gen-Port grafisch noch Bedarf zur Verbesserung bestehen, so funktionierte die Umsetzung der Steuerung mit den Controller im Großen und Ganzen gut. Wer Final Fantasy sonst immer mit den „guten, alten rundenbasierten Kämpfen“ verband, wird hier gegebenenfalls umdenken müssen. Auf dem ersten Blick scheint das Echtzeit-Kampfsystem dem vom PSP-Ableger Crisis Core recht ähnlich zu sein, spielt sich aber dank der Magie-Tastenkombos und weiteren Funktionen, auf die später eingegangen wird, um Längen dynamischer.

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Die Filmsequenzen waren rein von der Inszenierung her noch nie das Problem.
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Bedient wird sich an den gleichen Mythen und Hintergründen wie den L'Cie aus der XIII-Reihe sowie dem kommenden Final Fantasy XV. Ebenso spielen mystische Elementarkristalle eine Rolle, die jeweils von einer Nation innerhalb einer großen Welt namens Orience gehütet werden. Hier präsentiert sich wie so oft ein aggressives Imperium als klassisches Feindbild, das den anderen friedfertigen Ländern den Krieg erklärt, um sämtliche Kristalle an sich zu reißen. Bereits die Zwischensequenzen vermittelten die klare Botschaft: Die Soldaten machen keine Gefangenen und gehen nicht gerade zimperlich gegen jeden vor, der nicht zu ihnen gehört. Auf dem ersten Blick wirkt daher alles weitaus düsterer und auch blutiger, was durchaus etwas untypisch für Final Fantasy erscheint.

Gleich zu Beginn bahnt ihr euch den Weg durch die Hauptstadt der Rubrum-Nation, die vom feindlichen Imperium zurzeit eingenommen wird. Um in das nächste Gebiet zu kommen, müsst ihr in den meisten Fällen den Anführer der gegnerischen Soldaten besiegen. Der Rest der Gegner ergibt sich, sobald jene Kondition erfüllt wurde und es steht euch frei, ob ihr sie verschont, was ab und an Bonus-Items mit sich bringt. Aus den toten Soldaten könnt ihr sogar Magiepunkte absorbieren, so dass ihr die meiste Zeit eigentlich kaum mit Bedacht bezüglich eurer Zauberangriffe umgehen müsst.

Klassenkampf mal anders

Dabei arbeitet ihr im Kampf mithilfe verschiedener Kombos auch viel mit dem Anvisieren der Gegner oder von Objekten, wobei der Fokus nicht immer optimal gelegt wird. Manchmal gestaltete sich das Einsammeln eines herumliegendes Gegenstandes schwieriger als es sein musste, weil der Fokus zum Anvisieren statt des näher stehenden Objekts primär auf den (meist weiter weg stehenden) Gegner gelegt wurde. Zumindest hilft euch die Zielfunktion auch, um einfach und schnell einer gegnerischen Attacke auszuweichen.

Viele Charaktere und ein ansprechendes, düsteres Kriegsszenario. Jetzt müssen nur die Missionen noch etwas abwechslungsreicher werden und es könnte ein mehr als solider Ableger werden.Ausblick lesen

Zusätzlich für Abwechslung im Kampf sorgt der Spielcharaktertausch. Innerhalb der Mission seid ihr stets zu dritt unterwegs und könnt jederzeit zwischen den Charakteren hin und her wechseln. Gelegentlich erweist sich der Figurenwechsel in brenzligen Situationen als rettende Funktion, wenn eure Energieleiste bereits aufs Minimalste geschrumpft ist, da eure Kämpfer separate Lebensanzeigen besitzen.

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Bislang macht das alles einen richtig guten Eindruck.
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Während ihr in der ersten Mission lediglich mit drei Charakteren vertraut gemacht werdet, bekommt ihr später weitere spielbaren Protagonisten zu Gesicht. Im Laufe des Spiels habt ihr die Auswahl von bis zu zwölf Schülern der Klasse 0, einer Elite-Klasse der Rubrum-Militärakademie, und zwei weiteren Charakteren, die sich in ihren Magiefähigkeiten und Waffentypen unterscheiden. Vom Fernkämpfer bis hin zum Heiler habt ihr im Grunde jeden Kämpfertyp vertreten. Diese lassen sich an den Speicherplätzen der Akademie auswechseln, die zugleich euer Hauptquartier darstellt, wo ihr euer Arsenal oder eure Vorräte aufstocken könnt.

Das Gebäude ist groß genug, so dass ihr die frühen Spielstunden durchaus eine Weile mit dem Erkunden jedes Zimmers und Winkels während eurer Freizeit verbringen werdet. Je nach Geschichtsfortschritt finden an den verschiedensten Ecken der Akademie auch charakterspezifische Events statt, die man mit bestimmten Mitgliedern der Klasse 0 anspielen kann und am Ende sogar mit Items belohnt werden. Manche der Dialoge sind rein erzählerisch schon ganz nett anzusehen, manch andere aber wiederum belanglos und wegen dümmlich wirkenden Charakteren schon teilweise beschämend.

Gegen die lockere Abwechslung als Kontrast zum todernsten Kriegsszenario ist prinzipiell nichts auszusetzen. Es sei denn, die naive Weltfremdheit mancher Figuren wirkt so unfreiwillig komisch, dass die ernste Grundstimmung darunter zu leiden hat. Wer kein Freund jener Events ist, kann immerhin die Freizeit zwischen den einzelnen Missionen komplett überspringen. Ob außer den Items sich jene Events anderweitig auf die Charakter oder deren Beziehung zu den anderen auswirkt, hat sich während der kurzen Spielzeit nicht erschlossen.

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Auch bekannte Beschwörungen des Final-Fantasy-Universums werden wieder einmal aus der Mottenkiste gekramt.
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Zu einigen Figuren werdet ihr bestimmt Zugang finden, zu anderen wiederum nicht. Entsprechend legt ihr eure Gruppenaufstellung auf die bevorzugten Charaktere aus. Teilweise werdet ihr euch sogar beschränken müssen, da das euch zur Verfügung stehende Geld nach dem Ende einer Mission kaum ausreicht, um sämtliche Mitglieder der Gruppe komplett auszurüsten. Dabei stellt sich mir die Frage, ob ähnlich wie bei den Events die Wahl bestimmter Charaktere oder Kampftypen bei bestimmten Missionen von Relevanz sein wird.

Später seid ihr auch auf der großen Weltkarte unterwegs und betretet einzelne Orte, an denen schließlich Missionen stattfinden. Es wäre durchaus reizvoll, mehr als nur die Gefilden Rubrums zu begehen, auch wenn bislang nicht klar ist, ob diese Möglichkeit besteht. Je umfangreicher die Welt, desto mehr Abwechslung sollte aber zwangsläufig vorhanden sein. Das gilt vor allem für die Missionen, die im Grunde noch meine größte Sorge darstellen. Bleibt zu hoffen, dass mehr als reine Gegner-Eliminierungen an der Tagesordnung stehen werden.

Im Vergleich zur ursprünglichen Handheld-Version fehlt in der Neuauflage zudem die kooperative Mehrspieler-Funktion. Für eine kurze Zeit konnten euch andere Spieler innerhalb der Mission zur Hilfe eilen, was auf Kosten der Optimierung des Remakes wegfiel. Ob sich diese Optimierung gelohnt hat, werden wir nächstes Jahr sehen.