Auch wenn Europa erst mit Final Fantasy 7 auf die bekannte Rollenspiel-Serie aufmerksam wurde, gab es doch eine Zeit davor, in der die Teile eins bis sechs die Herzen der RPG-Fans höher schlugen ließen. Mit liebevoller 2D-Grafik, epischen Geschichten und dem „Active Time Battle-System“ konnte Squaresoft (heute Square Enix) Kritiker und Fans gleichermaßen überzeugen. Die Spiele wurden jedoch nur in Japan und den Staaten veröffentlicht; somit mussten die europäischen Gamer in die Röhre gucken oder die ersehnten Spiele auf verschlungenen Wegen importieren.

Heutzutage sieht, der Globalisierung sei dank, die Situation komplett anders aus. So wurden die alten Final Fantasy-Titel auf mehreren Systemen portiert und die europäische Gamerwelt kam nach langem Warten auch in den Genuss der Klassiker. Für all jene, an denen die Anfänge der Final Fantasy-Reihe bisher trotzdem vorbei gegangen sind, hat Square nun ein besonderes Schmankerl auf Lager – eine komplett runderneuertes Remake für den DS.

Final Fantasy 9 - Eine Stunde Gameplay von Gamona5 weitere Videos

Vom Saulus zum Paulus - ein Outlaw räumt auf

Final Fantasy steht für Epos. Hier wurden und werden Geschichten über Heldentum, Aufopferung, Verrat, Liebe und Hass erzählt. Dies ist auch beim vierten Teil nicht anders in dem der dunkle Ritter Cecil, Anführer der Elitesoldaten des Königreiches Baron, einen machtvollen Kristall aus der Stadt Mysidia stehlen muss. Bei diesem Raubzug kommen unschuldige Bürger zu schaden und Cecil stürzt in einen Gewissenskonflikt.

Final Fantasy 9 - Retro-Schmuckstück für Profi-Zocker

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Der fiese König gibt euch einen verheerenden Auftrag.
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Seine Zweifel an der Mission führen schlussendlich dazu, dass er das Vertrauen des Königs verliert und sich neu beweisen muss, indem er in das Dorf „Nebel“ reist und dort ein Paket abliefert. Dieses Paket entpuppt sich als Bombe und zu spät merkt Cecil, wozu er nach „Nebel“ geschickt wurde: Die Bombe explodiert und zerstört das ganze Dorf. Niemand überlebt dieses Massaker, bis auf ein kleines Mädchen Namens Rydia. Nun wendet sich Cecil endgültig vom König und dessen dunklen Plänen ab.

Ab jetzt setzt sich der ehemalige Elitesoldat für die Schwachen und das Gute ein und versucht herauszufinden, was mit dem einst so lieben König eigentlich schief gelaufen ist. Im Verlauf seiner Reise trifft Cecil zahlreiche Gefährten, die ihn im Kampf gegen das Böse unterstützen. Die Geschichte ist untermalt mit zahlreichen emotionsschwangeren Momenten und allerhand Pathos. Trotzdem bleibt die Geschichte spannend und motivierend: Man will erfahren ob der dunkle Elitesoldat seine Untanten wieder gut machen kann und sich zum edlen Paladin wandelt und wer eigentlich im Hintergrund die Fäden zieht.

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In drolligen Zwischensequenzen wird die Handlung um Dunkelritter Cecil weitergesponnen.
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Die Geschichte wird mittels Zwischensequenzen und Dialogen weitergetrieben. Vor allem die erstklassigen Zwischensequenzen sind immer wieder ein Highlight: packende Kamerafahrten, professionelle (englische) Sprachausgabe und schöne Effekte sorgen für Stimmung. Immer wieder werden neue, sympathische, teils abgedrehte Charaktere eingeführt. Dies sorgt für Spielspass, freut man sich doch immer wieder auf die „Neuen“ mit ihren speziellen Fähigkeiten und Zaubersprüchen. So können Palom und Porom, zwei Geschwister und Zauberlehrlinge, Zaubersprüche vereinen und gemeinsam mächtigere Blitze und Feuerzauber wirken.

„Hello! Big Chocobo!“

Grafisch kann Final Fantasy 4 größtenteils überzeugen: Der pompöse Intro-Trailer verspricht allerhand. Jedoch kann die 3D-Grafik den Charme der ehemals in 2D gehaltenen Spielwelt nicht ganz einfangen, wirkt die Welt doch teilweise leer. Außerdem ist die Übersichtskarte öde gestaltet und die Charaktere sehen kantig aus.

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Viele der Gegner bestechen durch ein abgefahrenes Design.
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Auf der anderen Seite hat Square Enix die Gegner originell und vielfältig designt. So begegnet man immer wieder fantasievollen Kreaturen und Bossgegnern, die vor den schönen Hintergründen eine gute Figur machen. Die Kämpfe und Zaubersprüche wurden effektreich inszeniert und es macht so richtig Laune, wenn man wieder mal Ifrit oder Ramuh beschwört, um die Feinde mit Blitzschlägen und Feuersbrünsten anzugreifen.

In den Zwischensequenzen dreht Final Fantasy 4 so richtig an der Grafikschraube: Dank edler Grafik und toller Inszenierung freut man sich immer wieder auf die kleinen Intermezzi. Bei der Musikuntermalung und den Soundeffekten hat sich seit dem Originalspiel nicht allzu viel verändert. So beließ es Square Enix bei den alten Melodien und bringt mit den bekannten Musikstücken die typische Final Fantasy Atmosphäre stilvoll rüber.

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Grafisch schließt FF4 an den hervorragend gelungenen Vorgänger an.
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Von „Hello! Big Chocobo!“ bis zur Fanfare der Rotschwingen sorgt die abwechslungsreiche musikalische Untermalung für eine bezaubernde Stimmung, die nicht nur Final Fantasy Fans der ersten Stunde mitreißen wird. Darüber hinaus wurden die Zwischensequenzen erstklassig vertont, so dass man jetzt Cecil und Co. reden hört, was der Atmosphäre ein zusätzliches Plus verleiht.

„Die Gruppe wurde Ausgelöscht“

Niedliche Charaktere und bunte Gegner dürfen über eines nicht hinwegtäuschen: gnadenlos hartes Gameplay. Die Kämpfe, insbesondere gegen Bosse, setzen ausgeklügelte Taktik und Item-Management voraus. Wer sich nicht auf einen Dungeon-Abschnitt vorbereitet, sprich Tränke und Items einkauft, seine Ausrüstung auf dem neusten Stand hält und die Formation der Gruppe nicht überdenkt, findet sich sehr schnell auf dem Startbildschirm wieder.

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Die Kämpfe zeichnen sich vor allem durch den harten Schwierigkeitsgrad aus.
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Während den Kämpfen muss der richtige Zeitpunkt für Schwächungs- oder Stärkungszauber, Angriff und Heilung gewählt werden. Einige Bosskämpfe und Spielabschnitte verlangen überdies vom Spieler, dass er „grindet“. Dieser neugamerische Begriff bedeutet nichts anderes als stupides Monsterkillen um Charakterstufen aufzusteigen – nur so erreicht die Gruppe dann die nötige Schlagkraft, um den Boss ins Pixel-Nirwana zu verfrachten.

Nostalgisch schweres Gameplay in bunt: Wer hart im nehmen ist, wird mit dem Final Fantasy 4-Remake unzählige Spielstunden verbringen.Fazit lesen

Square Enix haben am Gameplay kaum etwas verändert. Speichern kann man, wie noch vor 17 Jahren auf dem SNES, lediglich auf der Weltkarte oder in den Dungeons nur an wenigen Stellen. Falls mal wieder die Meldung „Die Gruppe wurde ausgelöscht“ erscheint, bleibt einem oft nichts anderes übrig als einen Teil des Dungeons neu anzugehen.

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Doof: Nur auf der Weltkarte ist das Speichern möglich.
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Scheint an sich nicht schlimm. Jedoch sorgt die Kombination von harten Kämpfen, seltenen Speichermöglichkeiten und Bosskämpfen, die ohne Speicher- und Erholungsmöglichkeit in den nächsten Encounter übergehen, oftmals für heftige Frustmomente. Gekürt wird der Frust von einigen absurd schweren Kämpfen, die wahrlich die Bezeichnung „imba“ verdient haben.

Innovation meets Remake?!

Final Fantasy 4 führte 1991 erstmals das „Active Time Battle-System“ ein. Bei diesem Kampfsystem, das wohl vielen Rollenspielern bekannt sein dürfte, füllt sich innerhalb einer gewissen Zeit ein Balken. Sobald sich dieser vollständig gefüllt hat, kann mit dem betreffenden Charakter eine Aktion ausgeführt werden und der Balken füllt sich erneut.

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Die Welt wirkt oft leer und trist - wenig atmosphärisch.
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Ein bewährtes Kampfsystem, das auch im Remake unverändert übernommen wurde. Die Bedienung gestaltet sich allgemein sehr gut und lässt keine Wünsche offen. Einzig der Gebrauch des Touchscreens wurde etwas vernachlässigt. Im Dungeon oder in Dörfern wird bloß eine schmucklose aber nützliche Übersichtskarte angezeigt und während den Kämpfen kann man den Status der einzelnen Gruppenmitglieder auch auf dem Tochscreen mitverfolgen.

Viel Neues gibt es bei diesem Remake nicht zu finden. Wie bereits erwähnt werden die Möglichkeiten des DS mit dem Touchscreen nicht wirklich ausgeschöpft. Jedoch sind die angezeigten Stats und die Übersichtskarte ganz nützlich und ihr könnt eure Protagonisten auf der Karte auch mit dem Touchpen steuern. Darüber hinaus kann man Rydias beschwörbares Pet individuell Gestalten, durch verschiedene Minispiele (Geschicklichkeit, Zahlenrätsel) trainieren und dann über die drahtlose DS-Datenübertragung gegen den eines Freundes in einer Arena antreten lassen – nettes Gimmick.

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Die Meldung, dass FF4 mit DirectX 10-Unterstützung erscheint, hat sich als Ente herausgestellt.
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Die größte Neuerung stellen die „Augments“ dar, spezielle Kampf-Befehle und Passiv-Fähigkeiten, die ihr an verschiedenen Stellen des Spiels finden und dann einem Charakter zuweisen könnt. Einmal erlernt, können diese dem Kampfmenü zugefügt oder entfernt werden. Dies kann beispielsweise „Counter“ sein oder das zweischneidige „Safe Travel“, mit dem ihr keine Zufallskämpfe mehr antreten müsst, wenn ihr es nicht wollt – davon ausgenommen sind gescriptete Events und Bossgegner. Jedoch kann der Verzicht auf die Kämpfe schnell einmal dazu führen, dass ihr zu wenig Levels aufsteigt, keine neuen Items oder Geld bekommt und spätestens bei dem nächsten Bossgegner wird eure Gruppe diese Mankos zu spüren bekommen.