Sonntagnachmittag. Das Wetter ist öde, im Fernsehen läuft eine Castingshow nach der anderen und von euren Freunden hat niemand Zeit. Kurz gesagt: Es ist tierisch langweilig. Da haben wir die perfekte Beschäftigung. Versucht doch einfach mal sämtliche Final Fantasy-Teile aufzuzählen, in die chronologisch richtige Reihenfolge zu bringen und danach auswendig vorzutragen. Viel Spaß…

Inklusive sämtlicher Ableger, Portierungen, Remakes, MMOs, Addons und Filme kommt das erfolgreichste Rollenspiel-Franchise der Videospielgeschichte auf unzählige Titel. An die Anfänge der Reihe dürften sich indes nur die wenigsten Spieler erinnern. Um diese Lücke zu schließen, veröffentlicht Sony nun das Original Final Fantasy in einer aufbereiteten Fassung.

Nur das Nötigste

Hach ja, die guten alten Tage. Damals war alles besser, die Milch billiger, die Musik leidenschaftlicher, Filme farbloser. Uns Spielern reichte damals allein, dass die Games schön bunt waren und lustige Geräusche von sich gaben. Eine Handlung der Marke „Vier Helden retten mit der Macht der mystischen Kristalle die Welt vor dem Untergang“ galt da schon als „ausufernd“.

Final Fantasy I PSP - Zurück zu den Anfängen: Kann der Urvater der Final Fantasy-Reihe auch heute noch überzeugen?

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Kaum wieder zu erkennen. Der 20 Jahre alte Klassiker zeigt sich im neuen Grafikgewand.
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Man muss diese Zeit also mögen, diesen Minimalismus der Spielehits von einst, um sich auf das Final Fantasy 1-Remake für Sonys PSP einzulassen. Denn die obig genannte Story passt nicht nur locker auf ein Wasserstoffmolekül, sondern findet sich genau so im ersten FF-Abenteuer wieder. In den Anfängen der Reihe war für episch-ausufernde Geschichten oder fetzige Dialoge eben noch kein Platz.

Wesentlich tiefgründiger wird es auch während eurer Reise nicht: Die Texte der freundlichen NPCs umfassen selten mehr als zwei Sätze und gehen nie über Standardphrasen wie „Helft uns, wir sind so arm dran“ hinaus. Die üblichen Missionen umfassen „tief schlafende Prinzen“ oder „entführte Prinzessinnen“ – das mag heute niemanden mehr vom Hocker hauen, galt anno dazumal aber als wegweisend für das Rollenspiel-Genre.

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„Ach, was für ein Zufall“

Auch die Heldentruppe selbst wird nicht in stundenlanger Kleinstarbeit zurechtkonfiguriert, sondern steht in den Grundzügen schon fest. Ihr bestimmt lediglich die Zusammenstellung eurer vierköpfigen Gruppe und deren Klasse - zur Wahl stehen Magier, Diebe, Krieger und Mönche. Stellung der Augenbrauen oder Haarlänge? Kinkerlitzchen. Final Fantasy gönnt euch gerade einmal den Luxus die Namen der Helden selbst zu bestimmen.

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Auf dieser Weltkarte bewegt ihr euch fort, alle zwei Meter wartet jedoch ein Zufallskampf.
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Drei Schritte laufen. Kämpfen. Fertig. Zwei Schritte laufen. Kämpfen. Fertig. Kämpfen, laufen, wieder kämpfen und so weiter und so fort. Die Abfolge dieser Aktionen lässt sich beliebig variieren, gilt aber als essenzieller Grundbestandteil von Final Fantasy 1. Denn 1987, dem Ursprungsjahr des legendären Erstlings, war an Gameplay-Standards wie komfortable Bedienung oder sanft steigende Schwierigkeitsgrade noch gar nicht zu denken.

Bei dem Wort „Zufallskampf“ dürften sich älteren Final Fantasy-Veteranen nämlich spontan die Fußnägel zusammenrollen. Um in Dörfer oder Dungeons zu gelangen, bewegt ihr euch auf einer Weltkarte, die das Fantasy-Reich im verkleinerten Maßstab zeigt. Das Problem: Bei jedem eurer Schritte rechnet das Spiel zufällig aus, ob ihr auf eine Gegnergruppe trefft oder nicht und wechselt dann in den Kampfmodus.

Zurück zu den Rollenspiel-Anfängen: Wer auf endlose Kämpfe steht und keine Handlung braucht, wird dieses Remake lieben.Fazit lesen

Dieser Zufallswert ist jedoch derart hoch angesetzt, dass in der Regel jeder fünfte Schritt zu einer Feindbegegnung führt. An manchen Stellen kamen wir gar mehrere Minuten kaum von der Stelle, ohne dass ein krachendes „Wooosh“ die x-te Kampfphase hintereinander eingeleitet hätte. Das ist am Anfang noch relativ witzig, nervt aber schon nach zwei Stunden so sehr, dass allein dieser Ton schon für mittelschwere Schweißausbrüche sorgen kann.

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Wirklich spannend sind nur die wenigsten Kämpfe, dafür jedoch hübsch anzusehen.
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Zwar darf man vor vielen Kämpfen per Kommando flüchten, auslassen sollte man diese jedoch nicht, schließlich benötigt ihr jeden einzelnen Erfahrungspunkt für die knackigen Bossgegner. Dass Zufallssystem kennt dabei keine Gnade: Habt ihr euch bis in die tiefste Ebene eines Dungeons vorgearbeitet und seid nach einer besonders harten Schlacht schwer erschöpft, müsst ihr dennoch den Weg bis an die Oberfläche antreten – und jeder Schritt kann einen weiteren Kampf ergeben.

Kein Anspruch auf Anspruch

Das Kampfsystem selbst ist dabei recht simpel gehalten. Nacheinander dürfen eure vier Helden zuhauen, danach sind die Gegner an der Reihe. Natürlich fehlt auch hier der Tiefgang heutiger Titel: Aus einer Liste wählt ihr die entsprechende Aktion (im Normalfall „Angriff“) und sucht ein passendes Ziel für eure Attacke. Das war’s. Leider arten die meisten Kämpfe so in stupides Knopfdrücken aus.

Wer in leichteren Kämpfen einfach mehrfach die X-Taste betätigt, braucht nicht mal auf den PSP-Bildschirm zu blicken. In anspruchsvolleren Kämpfen (z.B. gegen Bosse) ist Hingucken aber Pflicht. Ebenso wie der taktisch kluge Einsatz eurer Zaubersprüche. Die reichen von Heilung über Flächenzauber bis zu Statusbuffs - oftmals die letzte Rettung. Zudem lohnt es sich, immer eine Handvoll Tränke oder mystischer Pülverchen dabei zu haben.

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Ein seltenes Bild: Dialoge gibt es nur in Schlüsselsituationen.
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Vor einem Höhlenbesuch gilt also stets: Unbedingt in der nächstgelegenen Stadt mit den neuesten Waffen ausrüsten, ein paar Gegenstände einsacken und ein Nickerchen im örtlichen Inn kann sowieso nie schaden. Hier erschöpfen sich dann auch schon die Gameplay-Elemente, die Spielzeit ist mit knappen 20 Stunden zwar gut bemessen, wird aber lediglich durch die Kämpfe künstlich gestreckt – von einigen wenigen Stadtbesuchen mal abgesehen.

Des Königs neue Kleider

Für das Remake wurde natürlich nicht einfach das Original auf die PSP-Disc gepackt, sondern fein säuberlich runderneuert. Die Grafik sieht denn auch wesentlich besser aus als in der Ur-Fassung, bewegt sich aber nur auf Super Nintendo-Niveau. Das mag nostalgische Gefühle wecken, hätte technisch aber durchaus moderner gelöst werden können. Final Fantasy 3 für den Nintendo DS hat bereits gezeigt, wie man die Klassiker im 3D-Gewand präsentiert.

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Erstklassig: Die fordernden Bosskämpfe machen richtig Spaß.
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Neu ist auch das schicke Renderintro vor dem Start des Spiels – eines von vielen zusätzlichen Features, die exklusiv für das Remake entwickelt wurden. So gibt es jetzt neue, extrem harte Dungeons, in denen man seine Truppe im wahrsten Sinne durch die Hölle schicken kann. Ebenfalls überarbeitet wurde der Soundtrack, wirklich bemerken werden das Fans aber kaum – schließlich hört man ohnehin fast ausschließlich die Musik des Kampfscreens.