Mit Final Fantasy Brave Exvius verspricht Mobile-Game-Entwickler Alim (Brave Frontier) die „vollwertige Final-Fantasy-Erfahrung“ für unterwegs. Ein Free-to-play-Spiel, das seinem geistigen Vorgängern in nichts nachsteht. Square Enix experimentiert derzeit viel mit beliebten Marken herum und hat bereits einige Steckenpferde auf die App-Stores dieser Welt losgelassen. Schauen wir doch mal, wo sich dieser Ableger verorten lässt.

Machen wir uns nichts vor und ersparen uns die gekünstelten Ungewissheiten über kostenpflichtige Inhalte. Die gibt es hier wie in jedem Free-to-play-Spiel, nur in welcher Form ist bekanntlich immer der Haken – je nach Blickwinkel. Brave Exvius hält sich in diesem Fall dezent zurück und das ist durchaus anzuerkennen. Startpakete mit mehr Ausrüstungen, Beschwörungen und der übliche Bonuskram zieren die virtuelle Verkaufsecke, die unter irgendeinem Menüpunkt aufgestöbert werden kann und sich nicht allzu penetrant bemerkbar macht. Die Hauptsache ist, dass sich darauf komplett verzichten lässt. Wenn es Anlass für Bedenken gibt, dann nur hinsichtlich der Existenz einer Ausdauerleiste, die beim durchgängigen Abklappern verschiedener Örtlichkeiten sinkt und, einmal bei Null angelangt, zu einer kurzzeitigen Zwangsunterbrechung des Spiels führt. Dann heißt es entweder abwarten – oder eben doch zum Portemonnaie zu greifen.

Final Fantasy Brave Exvius - Alles hat seinen Preis

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In Brave Exvius könnt ihr eine Vielzahl an Visionen beschwören, bei denen es sich um ikonische Helden des Final-Fantasy-Universums handelt.
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Eine vollwertige Spielerfahrung ist etwas anders, sicher. Andererseits wurde ich während meiner gesamten Spielzeit kein einziges Mal zu einer ungewollten Pause gezwungen. Das mag vielleicht daran liegen, dass mich das Hostentaschenrollenspiel nicht für mehrere Stunden am Stück an mein Handy binden konnte. Nicht, weil es mir nicht gefällt. Verglichen mit den ersten Serienteilen hat dieser Ableger sogar eine recht anschauliche Pixeloptik. Und auch spielerisch fühlt sich die Geschichte um die beiden brüderlichen Ritterjungspunde Laswell und Rain genauso märchenhaft naiv an, wie die Geschichten in den frühen Abenteuern gern erzählt wurden. Inhaltlich präsentiert sie sich ein wenig zu simpel gestrickt, erweckt dafür allerdings nie den Eindruck eines zweckdienlichen, schnell hingerotzten Groschenromans. Nur stellenweise könnten die Dialoge etwas leidenschaftlicher geschrieben sein.

Abseits der Rahmenhandlung folgt Brave Exvius dem spielerischen Prinzip bekannter Social-RPGs wie Puzzles & Dragon oder Brave Frontier. Auf der Oberweltkarte klappert ihr einzelne, per Fingertipp betretbare Orte ab, die sich wiederum in mehrere Dungeonabschnitte aufteilen. Bevor ihr euch mit eurer vierköpfigen Gruppe ins Getümmel stürzt, könnt ihr noch aus einer Online-Liste einen Gast-User als zusätzlichen fünften Mann wählen, der euch dann begleitet. Wer bereits besagte oder andere Social-RPGs gespielt hat, wird die Routine dahinter schnell verstehen. Primär lassen sich durch solche Unterstützungen Freundschaften knüpfen, was wiederum in gemeinsamen Kämpfen Vorteile verschafft. Wer lieber für sich alleine spielt, kann aber auch getrost auf solche Anfragen verzichten.

Final Fantasy Brave Exvius - Alles hat seinen Preis

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Auch ein wenig Erkundung gehört zum Alltag eines Abenteuers. Hier allerdings nur in einem sehr überschaubaren Rahmen.
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Eingefleischte Final-Fantasy-Kenner werden sich bei ihrer ersten Dungeontour vielleicht zunächst über den Moment wundern, wenn sich die einzelnen Sektionen lediglich als eine Aneinanderreihung von Kämpfen entpuppen. Das ist aber glücklicherweise nur am Anfang so. Habt ihr den örtlichen Boss besiegt, steht in den entsprechenden Gebieten schließlich auch der Erkundungsmodus zur Verfügung, bei dem ihr, ähnlich wie in den Städten, frei herumlaufen und die Gegend nach Schatztruhen und allerlei Ressourcen inspizieren könnt. Wie in einem typischen Oldschool-RPG stellen sich euch hier die Gegner per Zufallsbegegnung entgegen; am Ende des Stockwerks dürft ihr erneut gegen einen Boss kämpfen und danach entscheiden, ob ihr weiter in die tieferen Stockwerken vordringen wollt oder kehrtmacht. Letztere Wahl ist abhängig von eurer Energie und euren Heilvorräten keine unkluge Entscheidung, da sämtliche Spielfortschritte eurer Erkundungstour erst nach dem Verlassen gespeichert werden. Zudem dürftet ihr ein Weilchen brauchen, bis ihr ans Ziel eures Dungeontrips angelangt seid. Der Spielfluss zu den eher kurzweiligen stufenartigen Kämpfen, die sich mit ein bisschen Fingerübung meistern lassen, könnte dabei kaum unterschiedlicher ausfallen, ist aber für diejenigen, die vielleicht tatsächlich nur auf ein paar Spielminuten für zwischendurch aus sind, ein willkommenes Kontrastprogramm.

Fernab davon beglückt der Ableger für die Hosentasche das Fanherz mit einer Reihe von Cameos aus sämtlichen Hauptteilen, die sich als Unterstützungseinheiten fürs eigene Team rekrutieren lassen. Auch eine Vielzahl bekannter Esper lassen sich beschwören, die wie immer durch Schaden mit vier- bis fünfstelligen Zahlenwerten und überlangen Animationen jeden noch so starken Bossgegner ins Schwitzen bringen. Ab und an wird es aber auch ziemlich knifflig und genau in solchen Kampfsituationen macht Brave Exvius dank taktischer Eigenheiten wie des Kettenangriffssystems, das durch schnelles Abtippen eurer Einheiten ausgeführt werden kann, von der Praktikabilität des Touchscreens Gebrauch.

Die abgespeckte Variante eines klassischen Final Fantasy, bei der noch Luft nach oben ist.Fazit lesen

Innerhalb der frei begehbaren Abschnitte hat die Steuerung so ihre Macken, gerade dann, wenn ihr irgendwie versucht, euch durch enge Durchgänge zu wuseln. Nicht nur bei der Steuerung, auch an vielen anderen Ecken und Enden werdet ihr noch einige Baustellen entdecken. Ohne die würde sich Brave Exvius viel runder anfühlen, denn viel gefehlt hat hier im Großen und Ganzen wirklich nicht, damit es zum „vollwertigen Final Fantasy“ reicht. Wie gesagt, von der Spieltiefe der großen Vorbilder ist es gar nicht mal so weit entfernt. Es gibt Crafting-Spielereien, Nebenquests – eigentlich vieles, was bisweilen sogar motivierender ist als manch ein schlecht gealterter Hauptteil. Luft nach oben gibt es aber trotzdem zur Genüge. Aber für einen mobilen Ableger, der in die klassische Rollenspielkerbe schlägt, geht es schon mal in die richtige Richtung.