Von wegen letzte Fantasie: Ab Release 1987 begeisterte Final Fantasy nicht nur die Massen, sondern wuchs zu weiteren Ablegern und einer der größten Franchises heran, die es heute gibt. Ein Fantasy-Epos mit einem Hauch Sci-Fi, der den weltweiten Videospielmarkt deutlich beeinflusste. Wie würde ein Deutschland ohne den Giganten heute aussehen? Würden wir ebenso viele JRPGs spielen oder hätten die japanischen Rollenspiele vielleicht keinen derartigen Durchbruch geschafft?

Final Fantasy ist die Britney Spears des Rollenspielgenres; jeder kennt es, nicht jeder liebt es; aber wir alle können uns wenigstens ungefähr etwas darunter vorstellen. Wie fühlt es sich an, einen solchen Klassiker zu erschaffen? Und noch wichtiger: Woran arbeitet der Schöpfer 30 Jahre nach dem ersten Final Fantasy?

Auch Sakaguchi hat einen Favoriten unter den Final-Fantasy-Teilen! Seht euch den Trailer zum Spiel an:

Final Fantasy IX - Game Commercial 2000

Hironobu Sakaguchi: Die Reise der letzten Fantasie

Er sattelte den ersten Chocobo, kämpfte Seite an Seite mit den Kriegern des Lichts und gründete die Widerstandsgruppe Wildrose: Hironobu Sakaguchi ist der Schöpfer des ersten Final Fantasy und entwickelte noch vier weitere Teile bis Final Fantasy V, produzierte aber bis Final Fantasy XI. 1995 schaffte er den Sprung zum Präsidenten von Square Nordamerika – ein langer Weg, der noch weit vor seiner ‘letzten Fantasie’ begann.

Final Fantasy: Und was machen sie jetzt? - Was aus dem genialen Schöpfer geworden ist

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Der Schöpfer von Final Fantasy: Hironobu Sakaguchi (Foto von Jean-Frédéric)
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Denn Sakaguchi verbindet womöglich mehr mit Square als mit dem berüchtigten Fantasy-Titel. Bevor das japanische Entwicklerstudio neben Studio-Giganten wie Nintendo und Bethesda den Spielemarkt kontrollierte, bevor es überhaupt den bekannten Namen trug, arbeitete der junge Student Sakaguchi auf Halbzeit bei Den-Yu-Sha. Einem Internet-Café, das besonders talentierte Programmierer suchte; und zwar unter der Leitung von Square-Vater Masafumi Miyamoto. Damit gehörte Sakaguchi zu den ersten Mitarbeitern des Unternehmens – und übernahm dort direkt nach dem Studium eine Vollzeitstelle.

Wir schreiben das Jahr 1986: Der alteingesessene Publisher Enix schlägt mit dem ersten Dragon Quest eine Kerbe ins JRPG-Genre, die Massen lieben es und die anderen Studios blicken mit missgünstigen Augen auf den Erfolg herab. Nachahmer folgen dem Hype, Square unter ihnen mit der Prämisse: Wir brauchen auch ein tolles Fantasy-RPG! Glücklicherweise meldet sich Sakaguchi gleich freiwillig, denn ihm schwebte schon seit Jahren ein ganz besonders Fantasy-Spiel vor; eine Idee, die bis jetzt von Square immer wieder abgelehnt wurde. Tja, vielleicht hätte Final Fantasy vor Dragon Quest der erste Meilenstein des JRPG-Genres sein können? Doch so kam es nicht.

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Erinnert ihr euch noch an das allererste Dragon Quest?
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Tatsächlich will Sakaguchi zu der Zeit die Spieleindustrie verlassen. Er ist gerade einmal 24 Jahre alt, wirkte bereits an mehreren NES-Spielen mir und konnte nie ein Fünkchen Erfolg einheimsen. Die Flops setzen ihm zu; vielleicht ist Gaming nicht die Branche, in der er arbeiten sollte ... Als Square ihm endlich sein Fantasy-RPG ermöglicht, im Schatten von Dragon Quest, ändert er den angedachten Namen Fighting Fantasy in Final Fantasy: Sein letzter Versuch, etwas Großes zu schaffen; seine letzte Fantasie.

Und wie wir alle wissen, erfüllt sich sein Traum 1987.

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Final Fantasy: Die Mächte in dir
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Final Fantasy: Die Mächte in Sakaguchi

Sakaguchis Karriere schoss ab da an steil in die Höhe. Nicht nur meißelte er die “Final Fantasy”-Reihe bis zum elften Teil nach seinen Ideen, sondern stieg die Karriereleiter empor bis zum Präsidenten. Dann jedoch wandte er sich dem Filmgenre zu; eine Affäre, die keinen guten Ausgang nahm. “Final Fantasy: Die Mächte in dir” mag dem einen gefallen und dem anderen nicht, Fakt ist, dass das Studio mit dem Film 62 Millionen Dollar verlor, woraufhin die Produktionsfirma Square Pictures schließen musste: Auch schob sich die angedachte Fusion mit Enix in weite Ferne, da sich der Publisher die Heirat nach diesem Box-Office-Desaster noch einmal überlegte.

Das Aus für Sakaguchis Karriere: Der “Final Fantasy”-Vater verließ Square freiwillig und 2003 wurde aus Square und Enix, Square Enix. Ohne Sakaguchi.

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Blue Dragon war das erste Game von Sakaguchi und Mistwalker
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Sakaguchi: Vom Entwickler zum Lyriker

Dass der FF-Vater Potential zum Hip-Hopper hätte, fand bereits Mega64 in einem kleinen (völlig ernst gemeinten!) Video mit dem Schöpfer von Final Fantasy heraus. Tatsächlich aber wandte er sich nie von der Videospielindustrie ab. Nach Square Enix gründet Sakaguchi zunächst die Entwicklerfirma Mistwalker und begann dann, seine ganz eigenen Ideen ohne das riesige Studio im Rücken zu verwirklichen.

Gemeinsam mit Microsoft produzierte er zwei Spiele exklusiv für die Xbox 360, und zwar 2006 Blue Dragon und 2007 Lost Odyssey. Beide waren natürlich JRPGs, warfen den Spieler in eine offene Welt und ließen ihn im traditionellen Stil von Final Fantasy rundenbasierend gegen die Monster kämpfen. Nichtsdestotrotz galt Sakaguchi bereits zu diesem Zeitpunkt als Ikone des JRPG-Genres und so verkauften sich beide Werke ausgesprochen gut. Übrigens schrieb er nicht nur die Geschichten zu den Spielen, sondern verfasst auch die Texte einiger Songs im Spiel. Der Musikkarriere als “Writer” stand also nichts im Weg, aber nach all den Jahren in der Videospielindustrie blieb Sakaguchi wohlweislich bei Mistwalker.

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The Last Story: Das Action-Rollenspiel erschien nur für die Wii
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Die letzte Geschichte und das Danach

Die letzte Fantasie, die letzte Geschichte. 24 Jahre nach dem ersten Teil von Final Fantasy erschien The Last Story; eine weitere finale Erzählung, ein schließlicher Abschied von der Videospielindustrie? Es wäre natürlich ein passender Schlusstitel gewesen, doch die Angst vor dem Verlust von Sakaguchi stellte sich als Übersetzungsfehler heraus: Ein Blogeintrag des Entwicklers wurde ins Englische übertragen und in dem hieß es angeblich, The Last Story könnte wirklich das letzte Spiel sein, das er je kreieren wird. Zum Glück lautete es jedoch richtig: The Last Story würde er nur wie sein letztes Werk behandeln.

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Eine neue Saga beginnt auf Android und iOS: Terra Battle
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Keine letzte Geschichte in Sicht: Die Zukunft birgt etliche Sakaguchi-Spiele, JRPG-Fans dürfen sich also freuen. Zumindest, wenn ihr auf dem Handy zocken möchtet. Seit 2011 heißt es für Mistwalker nämlich: Android oder iOS, wir hassen Konsolen wie die Pest. So oder so ähnlich. Im Surfer-Game Party Wave kümmerte sich Sakaguchi sogar um die Musik, ehe er sich ab 2014 im Mobile-Spiel Terra Battle wieder voll auf die Story konzentrierte. Nach Terra Battle 2 sollen noch sage und schreibe sieben weitere Terra-Spiele erscheinen; Terra Wars ist bereits angekündigt, während der FF-Vater schon jetzt scherzhaft einen Ausblick gibt: “Vielleicht Terracraft? Terra Fantasy? Terra Tactics?” Terra Fantasy klingt doch wie ein guter, origineller nächster Ableger!

Und danach? Wer weiß. Meine Grabesquellen flüstern mir jedoch zu, Sakaguchis nächste Werke (nach Terra Fantasy) könnten wieder ein JRPG-Hit werden. Lassen wir uns überraschen. Ganz nebenbei: Sakaguchis eigenen Favoriten haben wir euch bereits gezeigt, aber was ist mit euch? Welcher Teil von Final Fantasy hat es euch besonders angetan?