Fight Night Round 3 (PS 2 Review)
von Nedzad Hurabasic

"Ali, Ali", schallt es durch die Halle und der schwitzende Großmeister des Boxens lässt mit einer weiteren krachenden Rechten den Kopf seines Widersachers erzittern. Mein Gott, was für ein Treffer!

In mehreren Zeitlupenwiederholungen wird der vernichtende K.O.-Schlag gefeiert und Muhammad Ali lässt sich von seinen Fans feiern. Die Rede ist nicht etwa von einer Fernsehaufzeichnung aus dem Jahre anno dazumal, es handelt sich um Fight Night Round 3 (FNR 3), der neusten Auflage der Boxserie von Electronic Arts.

Obwohl es in diesem Jahr auch eine Xbox 360-Fassung gibt, mit der die jetzt vorliegenden PS 2- und Xbox-Versionen grafisch natürlich nicht mithalten können, wollen wir auch die Konsoleros mit älteren Geräten nicht dem faden Schattenboxen überlassen und haben diese Fassungen für euch einem Test unterzogen.

Fight Night Round 3 bietet dem angehenden Boxer mehrere Game-Modi an, im Mittelpunkt dürfte für viele aber wohl der Karriere-Modus stehen. Er ist zweigeteilt und ermöglicht dem Spieler nicht nur eine eigene Spielfigur anzulegen, bei der so ziemlich alles nach den eigenen Vorstellungen eingestellt werden kann. Sehr interessant ist auch der "Legenden"-Modus, bei dem wir das sportliche Leben einiger Box-Ikonen wie Muhammad Ali, Joe Frazier oder auch Evander Holyfield nachspielen können. Leider fehlt in der recht langen Liste von Recken, die natürlich nach Gewichtsklassen unterteilt ist, mit Mike Tyson einer der umstrittensten aber auch bekanntesten Schwergewichtsboxer aller Zeiten.

Fight Night Round 3 - Vier Fäuste für ein Halleluja: Die Boxreferenz für die Playstation 2 im Test!

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Wer sich für den Karriere-Modus entscheidet, fängt mit seinem Boxer, auch wenn er heute eine Legende ist, natürlich ganz am Anfang an. Keiner kennt ihn, die ersten Fights finden mit Kopfschutz und in verstaubten Hallen vor wenigen Zuschauern statt. Der Spieler kann, wie schon in FNR 2, seine Spielfigur in einer von drei Trainingsdisziplinen antreten lassen und dort die Werte verbessern. Neben der Möglichkeit die Präzision von Kombinationen an einem Dummy zu verbessern, darf auch auf einen schweren Sandsack eingedroschen werden oder die Muskeln im Gym durch Gewichtheben gestärkt werden. Mehr Muckis bedeuten aber auch, dass sich die Werte für Beweglichkeit ein wenig verschlechtern.

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Daher muss jeder entscheiden, was ihm wichtiger ist. Außerdem steht natürlich auch wahlweise Sparring auf dem Programm, bei dem sich bestimmte Kampfsituationen (u. a. Offensiv/Defensiv, Blocken, KO-Schläge) einüben lassen oder einfach frei geboxt wird.

Bevor es ans Kämpfen geht, muss aber zunächst ein entsprechender Vertrag abgeschlossen werden. Meistens stehen dem Gamer mindestens drei Optionen zur Verfügung, aus denen die möglichen Kampfpartner gewählt werden dürfen. Je nach Opponenten gibt es für die Fights Preisgeld und/oder Popularitätspunkte zu gewinnen.Jeder Sieg bringt uns natürlich einem Titelfight näher, dem eigentlichen Ziel eines jeden Boxers. Sobald der Amateurtitel eingesackt ist, dürfen wir endlich ins Profilager aufrücken und können den peinlichen Kopfschutz ablegen. Ist doch nicht für richtige Männer, die hauen sich ohne solche Airbags die Birne weich! Doch bevor wir uns in die Faustkämpfe stürzen, sollten wir das Trainingsprogramm, also das Tutorial über uns ergehen lassen, um die Feinheiten der Spielkontrolle zu erlernen. Für die Steuerung der Spielfigur benötigt man das gesamte Gamepad, praktisch jede Taste ist mit einer Funktion belegt.

Die verschiedenen Konfigurationen des Pads sollten einer genauen Prüfung unterzogen werden, wirres Rumgehaue auf den Tasten wird bei Fight Night Round 3 nicht zum Erfolg führen. Im Gegenteil. Durch den schnellen Verlust an Ausdauer wird der eigene Boxer bald kaum noch wirkungsvolle Treffer anbringen können.Daher sollte sich jeder die für ihn günstigste Konfiguration aussuchen oder sich selbst eine basteln und die Tastenbelegung genau einprägen. Nur dann wird es möglich sein, die teilweisen komplexen Bewegungen, verschiedene effektive Schlagfolgen und Ausweich- und Blockmanöver auszuführen, um eigene Konterschläge anzubringen oder vernichtende "Haymaker" zu landen. Das sind besonders harte Powerschläge, für die allerdings auch besonders viel Ausdauer nötig ist bzw. die dabei verloren geht. Ausdauer benötigt der Boxer für alle "Tätigkeiten", aber vor allem den Schlägen fehlt ohne Ausdauer jeglicher Dampf. Daher ist hektisches Einprügeln auf seine Opponenten eher kontraproduktiv. Im Test hat sich bewährt, Schläge auszupendeln und dann mit Konterschlägen für Cuts und Schwellungen beim Gegner zu sorgen.

Die Rauben dem Gegenüber die nötige Kondition und bereiten ihn für die K.O.-Schläge vor. Umgekehrt ist es aber natürlich genau so.

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Wenn wir zu viele Treffer einstecken, verlangsamen sich die Bewegungen des Faustkämpfers, die Atemgeräusche werden deutlich hörbar zu einem Keuchen und unsere Schläge würden kaum noch eine Fliege aus der Bahn bringen.

Die K.O.-Treffer werden übrigens nochmals aus verschiedenen Perspektiven in Zeitlupe wiederholt und sind nichts für zarte Gemüter: In aller Deutlichkeit zeigen sie die Einschläge, lassen Schweiß und Blut durch den Ring spritzen und zeigen das harte Auftreffen der Körper auf dem Ringboden. Brutaler Anschauungsunterricht!

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Wem das Training zur Steigerung der boxerischen Fähigkeiten nicht ausreicht, der kann auch dem Shop einen Besuch abstatten. Dort können gegen Cash verschiedene nützliche Utensilien wie beispielsweise ein besserer Mundschutz, der die "Härte" des Kinns erhöht, oder auch verschiedene Spezialschläge eingekauft werden. Im weiteren Spielverlauf werden durch Erfolge weitere Gegenstände und spezielle Fähigkeiten freigeschaltet. Derart ausgerüstet sind zumindest die ersten Fights kein größeres Problem, wenn man eine gesunde Mischung aus Offensive und Defensive in seine Kampfführung einfließen lässt.Später werden die Opponenten allerdings deutlich gewiefter, ihre Kampftaktiken und ihr Verhalten sind abwechslungsreicher und fordernder. Außerdem erholen sich die computergesteuerten Gegner auch nach Niederschlägen recht schnell, die Betreuung in der Ringecke scheint also gut zu funktionieren. Der Spieler kann bei seinem Boxer in den Kampfpausen selbst Hand an die Wunden legen oder sie per "Auto-Heal" versorgen lassen. Nach jeder Runde schmilzt übrigens der Ausdauer-Balken, sodass es von Vorteil ist, die Kämpfe möglichst frühzeitig zu beenden.

Hinsichtlich der visuellen Präsentation lässt sich ein überwiegend positives Fazit fällen. Die Spielfiguren sind recht detailliert dargestellt und im Kampfverlauf erlittene Wunden lassen sich gut erkennen. Auch die Legenden sind so detailgetreu nachempfunden, wie es auf der PS 2 eben geht, mitsamt der typischen Gesten, die diese Boxer im Laufe der Jahre zu ihren Markenzeichen entwickelt haben.Nett anzusehen ist auch der Übersichtsbildschirm im Karriere-Modus, in dem ein Teil der Anzeige dazu genutzt wird, vergangene Kämpfe oder anstehende Events per Videoeinspieler darzustellen. Leider haben die Entwickler bei der Auswahl des Zeichensatzes für die Texte geschludert (oder sie sind nur für die deutlich höher aufgelöste Xbox 360-Version optimiert). Was auch immer zutrifft, dass Ergebnis ist dasselbe: Die Texte lassen sich teilweise nur schwer entziffern. Störend sind auch das träge Menü und die damit verbundenen ziemlich langen Ladezeiten des Spiels. Akustisch bietet das Spiel einen rappigen Soundtrack, der wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge passt, sich aber aufgrund der wenigen Songs ziemlich oft wiederholt. Die Kampfeffekte sind solide, aber nicht überwältigend. Die (englischen) Kommentare sind interessant und geben dem virtuellen Boxchampion den einen oder anderen Tipp, wiederholen sich aber mit fortschreitender Spieldauer ebenfalls zu häufig.